Um Gift- und Schlackenstoffe auszuleiten, alte und chronische Prozesse zu lösen oder das Immunsystem und den Organismus
anzuregen werden folgende Therapien eingesetzt:
Der Aderlaß als das klassische "blutentziehende Verfahren" gehört zum uralten Therapiegut aller Kulturen. Früher oft
übertrieben und mit falscher Indikation angewandt ist er in Verruf und somit lange in Vergessenheit geraten.
Wirkungsmechanismus des Aderlasses:
Zahlreiche Krankheiten werden von den Fließeigenschaften des Blutes entscheidend beeinflußt. Der "große" Aderlaß verdünnt das
Blut (hämorheologische Wirkung), reinigt das Blut von "schlechten Säften" (antidyskratische Wirkung), entstaut und
entgiftet (antiphlogistische Wirkung). Der "kleine" Aderlaß regt an und setzt Impulse, die den Organismus dazu bringen
Energie zu mobilisieren und das Immunsystem zu aktivieren (Allergien / alte und chronische Prozesse). Durch lokale und Mikroaderlässe
wird lokale Blutfülle beseitigt und die lokale Mikrozirkulation gefördert.
Das Blutvolumen wird durch Rückresorption von Flüssigkeit aus dem Gewebe sofort ersetzt, woraus ein erheblicher Verdünnungseffekt in den
kleinen Gefäßen mit Verbesserung der Mikrozirkulation resultiert. Trotz des Verlustes an Sauerstoffträgern steigt nach einem Aderlaß die
Sauerstoffversorgung! Stoffwechselstörungen bessern sich lokal und am Reflexort. Auf Grund der heutigen eiweißreichen Ernährung, nimmt
die Zahl der Blutkörperchen zu. Durch die Verdünnung wird erreicht, daß die Blutkörperchen sich nicht mehr zusammenballen,
oder aneinanderreiben.
Zur Anwendung kommen je nach Indikation der große Aderlaß, der kleine Aderlaß und der Mikroaderlaß.
1. Der große Aderlaß
kommt bei Patienten, die sich in einem Füllezustand befinden, der sogenannten Phletora (=Übergewicht, Bluthochdruck und viele weitere
Risikofaktoren) zur Anwendung.
Eingesetzt wird der große Aderlaß bei:
allen Erkrankungen mit einem erhöhten Anteil der roten Blutkörperchen (Hkt. über 40%, Hb über ca. 14,5%)
Bluthochdruck
Stoffwechselerkrankungen (Übergewicht, Gicht)
Migräne
Vorgehen:
Aus einer großen Vene, meist in der Ellbeuge, werden beim große Aderlaß 350 - 550 ml entnommen.
Nicht eingesetzt werden, d.h. kontraindiziert ist der große Aderlaß bei:
Im Gegensatz zum großen Aderlaß finden sich beim kleinen Aderlaß die Indikationen niedriger Blutdruck und Schwäche.
3. Der Mikroaderlaß
kommt bei lokalen Prozessen und Stauungen zum Ausleiten zur Anwendung.
Eingesetzt wird der Mikroaderlaß bei:
Störungen der Mikrozirkulation der kleinen Haargefäße
lokale Stauungen
Besenreißer
lokale Giftausleitung
Vorgehen:
Mit einer Lanzette wird das betroffene Areal, nachdem es gründlich desinfiziert wurde, mehrmals eingestochen, bis es zu einem
kontinuierlichen Blutfluß kommt. Die Menge variiert je nach Größe des betroffenen Areals zwischen 1 und 5 ml.
Baunscheidtieren
Kurzinfo
Das Baunscheidtverfahren ist eine großflächige Hautreiztherapie, die durch Sticheln und anschließendes Einreiben mit einer speziellen
Paste oder einem Öl eine Eiterung der Haut verursacht. Es gehört zu den "Pustulantien", d.h. Hautreizmethoden,
die einen künstlichen Hautausschlag bewirken und seit alters in der Medizin verwendet wurden.
Geschichtlicher Hintergrund
Ohne Kenntnis der früheren Verfahren wurde diese Methode vom Feinmechaniker Carl Baunscheidt vor etwa 100 Jahren durch eigene Beobachtung
entwickelt. Dazu bediente er sich eines Nadelinstrumentes, des sogenannten "Lebensweckers" und eines hautreizenden Öles,
dessen Originalrezeptur nicht mehr bekannt ist. Durch ihn wurde das Baunscheidtverfahren im 19. Jahrhundert weltbekannt, es wurden
ihm über 50 Indikationen zugeschrieben.
lndikationen des Baunscheidtverfahren
"Das Baunscheidtverfahren fragt eigentlich nicht nach dem Namen der Krankheit," wie Carl Baunscheidt sagte, "sondern
geht davon aus, daß etwas Störendes aus dem Organismus wieder herausgehört".
Sehr gute Erfolge werden heute bei folgenden Hauptindikationen erzielt:
Schmerzen durch degenerative Veränderungen des Bewegungsapparates.
Allgemeine Infektanfälligkeit und chronische Infekte.
Akute und chronische Entzündungen (z.B. chron. Harnwegsinfekte im Bauchbereich bei: Reizmagen ("nervöse
Gastritis"), Magenschwäche, exkretorische Pankreasschwäche, chron. Obstipation Reizkolon, etc.
Bei Kindern: Infektanfällige Kinder mit z.B. chron. Tonsillitis, Enuresis und Impffolgen in Form von Gelenkbeschwerden und Adynamie.
Nach Aschner sind auch Schwindel und Ohrensausen Indikationen
Wirkungsweise
Beim Baunscheidtverfahren werden folgende Hauptwirkungen unterschieden:
Hyperämie: Anregung der Durchblutung.
Lymphdrainageeffekt: Anregung des Lymphflusses.
Immunsteigerung Wirkung: Aktivierung des Immunsystems durch die künstliche Entzündung (überwiegend sterile Eiterpusteln).
Tonisierung von "erschlafften" Organen und allgemein von geschwächten Menschen. Als tonisierendes Verfahren ist
das Baunscheidtverfahren dem blutigen Schröpfen genau entgegengesetzt.
Wirkung auf das hormonale Geschehen über eine massive Stimulierung von Hautreflexzonen.
Hilfsmittel beim Baunscheidtverfahren
Da Baunscheidt sein "Original-Hautreizöl" mit ins Grab nahm, gibt es heute auf dem Markt mehrere Hautreizöle. Sie erzeugen
allerdings eher Hautquaddeln oder ein lokales Reizödem. Nach Ansicht Aschners stellen sie lediglich als milde Variante
des Baunscheidt-Verfahrens ein "Ableitungsmittel" aber kein "Ausleitungsmittel" im Sinne Baunscheidts dar.
Aus diesem Grund existieren viele Öl und Salbenrezepte, die sich Heilpraktiker in langjähriger Erfahrung selbst zusammengestellt und
von Apotheken mischen lassen.
Als Instrument zum Baunscheidtieren kann ein halbmechanischer (und sterilisierbarer) Hautstichler oder ein Spezialnadelroller
(Stachelwalze) verwendet werden. Für kleine Areale kommen auch Blutlanzetten zum Einsatz.
Durchführung des Baunscheidtverfahrens
Vor der eigentlichen Prozedur werden evtl. vorkommende Haare auf dem zu behandelnden Areal rasiert. Danach die Haut mit Alkohol
gründlich desinfiziert. Dann wird die Haut individuell gestichelt und mit Paste oder Öl eingerieben.
Einreibedruck und Zeitdauer sind individuell von der Konstitution des Patienten abhängig.. Die richtige Sticheltiefe liegt dann vor,
wenn die Haut danach gerötet erscheint. Stets Handschuhe tragen und Schleimhautkontakt mit der Paste vermeiden. Das Areal wird mit
normaler, oder hyperämisierender Spezialwatte (auch Tafelwatte) abgedeckt, über die eine Papierfolie gelegt wird. Darauf wird ein
rutschfester Verband mit Pflaster fixiert. Die Wirkung der Baunscheidtbehandlung ist dann gut, wenn hirsekorngroße, klare oder mit
sterilem Eiter gefüllte Pusteln oder Blasen auftreten. Sie platzen nach einigen Tagen auf oder trocknen ab. Ein Verbandswechsel ist
nach 2 Tagen zur Kontrolle möglich, muß aber nicht sein. Beim Abnehmen nach 5 Tagen kann die Haut mit Mandelöl abgewischt werden.
Der Patient fühlt sich während der 5 Tage meist sehr warm, sollte sich in dieser Zeit im Bereich der behandelten Areals nicht waschen
und zur Förderung der Heilwirkung unbedingt schonen. Bei schwacher Reaktion wird ggf. nach 3 Wochen nachbehandelt.
Gegen Juckreiz helfen Kinderpuder oder Öltücher.
Variationen der Baunscheidtbehandlung
Baunscheidtieren ohne Paste, also trockene Nadelung, kann täglich wiederholt werden. Nach heutiger Ansicht ist es in dieser
Form jedoch überholt.
Baunscheidt-Öl wird statt der Paste appliziert, wenn kein starker Ausschlag erwünscht ist, z.B. am Hals.
Kinder unter 10 Jahren werden nicht genadelt. Man trägt nur die Paste oder das Öl auf das Areal auf.
Nebenwirkungen
Juckreiz bis hin zu Schmerzen oder starken Begleitreaktionen
Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Salbe oder des Öles
Bei richtiger Anwendung kommt es normalerweise zu keiner Narbenbildung
Vorsicht:
Baunscheidtieren ist eine sehr eingreifende Methode, deswegen nicht unbedingt primär einsetzen! Den Patienten am besten mit einem
Formblatt und mündlich aufklären und auf mögliche initiale Beschwerden sowie Narben und Hyperpigmentierungen (selten) aufmerksam machen
Sehr pigmentreiche Typen wegen des möglichen kosmetischen Nebeneffektes einer Hyperpigmentierung nicht baunscheidtieren.
Das in der Paste verwendete Krotonöl (croton tiglium) gilt als kokarzinogen und wird von Gegnern der Methode abgelehnt.
Es gibt jedoch auch krotonölfreie Baunscheidtöle.
Nicht eingesetzt werden darf das Baunscheidtverfahren bei (Kontraindikationen):
Krankheiten aus dem allergischen Formenkreis, Autoaggressionskrankheiten, akutes Fieber
Nicht direkt über Entzündungen
Zurückhaltend an den Beinen baunscheidtieren, außer lokal an den Waden sehr starke Entzündung und selten auch toxische
Reaktionen möglich.
Blutegel
Kurzinfo
Die Blutegeltherapie ist eine spezielle Form des kleinen Aderlasses. Wobei der therapeutische Effekt nicht nur durch einen Blutverlust,
sondern auch durch die Sekrete ausgelöst wird, die der Blutegel in die Wunde läßt (sezerniert).
Geschichtlicher Hintergrund
Der Blutegel (Hirudo medicinalis officinalis) wurde schon seit Jahrtausenden zu therapeutischen Zwecken verwendet. Wie beim Aderlaß hat
man diese Therapie aber in den letzten Jahrhunderten oft maßlos übertrieben, was schließlich eine Ursache für den schlechten Ruf und das
Verschwinden der Methode und des in Mitteleuropa praktisch ausgerotteten Blutegels war. Heute wird das ca. 5 cm lange Tier meist in
Zuchtanstalten kultiviert oder aus Gegenden mit gering belasteter Umwelt importiert.
Akupunkturansatzpunkte der Egel bei Brust und Armschmerzen
Ansatzpunkte bei mastitischen Aszessen
Die Blutegeltherapie wird hauptsächlich eingesetzt bei (Hauptindikationen der Blutegeltherapie):
Venöse Erkrankungen: Akute Venenentzündung und Krampfadern (Thrombophlebitis, variköses Syndrom, postthrombotisches Syndrom,
Phlebothrombose) akuter Gichtanfall Infektionen: Gesichtsfurunkel und infizierte Insektenstiche.
Weitere Indikationen:
Akute und chronische Mittelohrentzündung (Otitis media), Mastoiditis, Glaukom, Angina pectoris bei vollblütigen Patienten, akute
Gallenblasenentzündung und Entzündung der Gallengänge und Zustand nach Entfernung der Gallenblase, Bluthochdruck und "Präapoplex".
Hämorrhoiden, Wundheilungsstörungen durch postoperativen Lymphstau (Handchirurgie) oder infizierte Wunden, akute und chronische
Knochenhautentzündung und vieles mehr.
Blutegelwirkung
Der Blutverlust durch Saugen des Tieres (ca. 10 ml) und die Nachblutung (ca. 20-40 ml) entsprechen einem sehr sanften und langsamen
Aderlaß mit Abnahme des roten Blutfarbstoffes, entsprechendem Eiweißverlust und lokaler Entödemisierung. Der Blutverlust wird durch
Zwischengewebsflüssigkeit ersetzt, wodurch es zu einer deutlichen Verminderung der Viskosität und Verbesserung der Fließeigenschaften
des Blutes ("Blutverdünnung") besonders in der Endstrombahn kommt. Dieser Effekt wird durch das vom Blutegel sezernierte
Antikoagulans Hirudin verstärkt.
Ansatzpunkte bei Nebenhöhlenentzündungen
Ansatzpunkte bei phlegmonoeser Mastitis
Es kommt zu einer lokalen Wirkung durch mehrere Blutegelwirkstoffe, die der Egel währenddes Saugens in die Wunde sezerniert:
Hirudin hemmt die Blutgerinnung, wirkt diuretisch und antibiotisch. Es hält die Wunde für den ca. 30 minütigen
Saugakt offen und das Blut fließfähig.
Calin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung. Hat aber im Gegensatz zu Hirudin eine wesentlich längere Wirkzeit und sorgt somit
für die ca. 12 Stunden dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten.
Hyaluronidase ist ein "Ausbreitungsfaktor" der dafür sorgt, daß sich die anderen Wirksubstanzen an den Bißstelle
ausbreiten können.
Eglin hemmt Verdauungsproteasen. Bdellin ist ein Plasminhemmer. Sie wirken zusammen mit Apyrase und
Kollagenase mit unterschiedlichen Wirkmechanismen an der Gerinnungshemmung mit. Darüberhinaus haben einige dieser Substanzen
entzündungshemmende, antibiotische und weitergehende Eigenschaften.
Eine anästhesierende Substanz führt zur Schmerzunempfindlichkeit (Analgesie) beim Saugen.
Hementin und Orgelase, die bei einer verwandten Blutegelart (Haementeria ghilianii) nachgewiesen wurden haben
hyperämisierende Wirkung.
Die Blutegelwirkstoffe blockieren insgesamt die bei Entzündungen oder Traumen aktivierten oft überschießenden enzymatischen Vorgänge.
Durchführung der Blutegeltherapie
Grundsätzlich gilt für alle Anwendungen daß ein Fülle- oder Pluszustand gegeben sein muß (Plethora). Allgemein ist eine Blutegeltherapie
immer dann angezeigt, wenn ein Aderlaß indiziert, aber technisch nicht möglich und energetisch falsch wäre, z.B. bei Kindern.
Ansatzpunkte bei Ulcus cruris
Ansatzpunkte bei Varizen
Eine praktische Alternative für Blutegel sind oft die rascher durchführbaren Schröpfverfahren. Die Blutegel auf einem normalen Rezept
verordnen - pro Anwendung bis zu 12 Stück - und beim Apotheker bestellen. Für den Notfall stets mindestens 10 Egel vorrätig haben.
Die frischen Blutegel an einem kühlen, schattigen und ruhigen Platz in einem größeren Glas aufbewahren, tägl. mineralarmes Wasser
nachfüllen.
Die Blutegel-Applikation erfordert in der Praxis einige Zeit, Geduld und Ruhe: Der Patient muß einen ganzen Tag Zeit haben,
darf nur wenig getrunken haben und sollte mit leerer Blase erscheinen. Der Patient liegt auf einem Gummituch. Die zu behandelnde
Körperstelle mit geruchloser Seife oder nur mit Wasser waschen, sauber abspülen, keine parfümierten Hautareale verwenden. Die geplante,
evtl. markierte Bißstelle (genaue Lokalisation sehr Wichtig!) ggf. rasieren und mit einer Hämolanzette etwas anritzen. Den ca. 5 cm
langen Blutegel mit einer stumpfen Pinzette aus einem Reagenzglas nehmen und mit seinem Kopf an die kleine Wunde legen: Der Patient
spürt nur den Biß. Wenn die Blutegel festsitzen, das Gebiet mit Zellstoff ringsum abdecken. Je nach Indikation und Ort sollten 2 bis 12
Tiere anbeißen und wenn möglich in eine Linie gelegt werden.
Bei lediglich lokaler Fülle, aber allgemeinem Leerezustand (Astheniker, Hypotoniker) nur 2-3 Egel verwenden. Die Egel brauchen für ihre
Arbeit Ruhe und Halbdunkel und fallen ab sobald sie sich vollgesogen haben (10-40 Min.). Die Egel auf keinen Fall gewaltsam
abreißen (Vorsicht: Hautverletzung).
Blutegel dürfen nur einmal verwendet werden und müssen danach entsorgt werden. I.d.R. werden sie nach dem Einsatz in hochprozentigem Alkohol z.B. Spiritus ertränkt oder bei mindesten minus 18 Grad Celsius tiefgefroren. Nach dem Töten werden Blutegel als infektionspräventive Abfälle angesehen und müssen entsprechend entsorgt werden. Flüssigkeitsdichte Behälter mit entsprechender Aufschrift können in den Restmüll gegeben werden. (Vollständigen Artikel zur Entsorgung der Blutegel hier lesen.)
Bei Tieren, die aus Zuchtanstalten geliefert werden, besteht keinerlei Risiko einer Infektionsübertragung
auf den Menschen. Aus der Wunde soll nun über Stunden Blut und Lymphe nachsickern, was einem protrahierten Aderlaß entspricht, der den
direkten Blutverlust komplettiert.
Blutegelfurunkel
Blutegelkrawatte
Das austretende Blut mit Zellstoff auffangen. Bei Krampfaderbehandlungen blutet es oft lange nach. Ein zu großer Blutverlust kann
jederzeit mit einem Druckverband gestoppt werden. Nach etwa 7 h, meist abends, einen Verband mit viel saugfähiger Watte
(hämostyptische Watte nach Herget) anlegen. Bis dahin muß der Patient liegen. Nach 24 h einen ersten Verbandswechsel durchführen,
diesen 3 h später entfernen. Nach ca. 1 Woche kann die Stelle wieder gewaschen werden.
Nicht eingesetzt werden darf die Blutegeltherapie bei (Kontraindikationen):
Hämorrhagische Diathesen (Bluter).
Hauterkrankungen an den Applikationsorten.
arterielle Verschlußkrankheiten (AVK) und den Veränderungen in den Haargefäßen bei Zuckerkrankheit (diabetische Mikroangiopathie).
Komplikationen
Vom Egel sezerniertes Histamin kann zu einer allergischen Reaktion führen, die sofort oder bis zu 4 h verspätet auftritt.
Ein Wundrose (Erysipel) nach Biß ist sehr selten.
Eine kleine Narbe an der Bißstelle kann Wochen bestehen bleiben.
Eine Heftpflasterallergie ist nach einer Blutegelbehandlung häufiger anzutreffen, deshalb hautschonende, hypoallergene
Pflaster verwenden.
Blutegelspritze
Cantharidenpflaster
Kurzinfo/geschichtlicher Hintergrund
Das Cantharidenpflaster gehört zu den blasenziehenden Mitteln ("Vesikantien"), die in verschiedener Form seit Jahrtausenden
verwendet worden sind. Der Cantharidenextrakt stammt aus der Laufkäferart "Spanische Fliege" (Lytta vesicatoria) und
wurde bereits bei den Ärzten des römischen Reiches als Heilmittel eingesetzt. Den medizinhistorischen Stellenwert des Cantharidenpflasters
dokumentiert ein Ausspruch von Paracelsus, der sagte, daß "nur der den Namen Arzt verdiene, der (mit einem Cantharidenpflaster) die
Gicht heilen kann". Denn "wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe anhäufen und ausleeren.
Wo sie dies nicht selbst fertigbringt, dort mache man ein Loch in die Haut und lasse diese heraus."
Anwendung (Indikationen) des Cantharidenpflasters:
Sehr gute Ergebnisse gibt es meist bei:
Wirbelsäulenleiden: Alle lokalen Wirbelsäulen-Syndrome von der Halswirbelsäule bis zum Steiß, Schulter-Armsyndrom (nach Durchführung
der Schröpftherapie), nach Hexenschuß, Intercostalneuralgie, M. Bechterew. Das Cantharidenpflaster stellt eine ideale Ergänzung zur
Chirotherapie dar. Die Pflaster werden an der Wirbelsäule üblicherweise nur auf die Dornfortsätze gesetzt, von einigen Therapeuten auch
paravertebral. Man kann dabei durchaus mehrmals ein Pflaster auf dieselbe Stelle setzen.
Tumorschmerzen: Bei isolierten Knochenmetastasen.
Gelenkleiden: Arthrose, Gichtgelenke
Pleuraergüsse und -Verschwartungen
HNO: akute und chronische Mittelohrentzündung bei Kindern, Mastoidherde, Nebenhöhlenentzündungen.
Klimakterische Depressionen
Befriedigende Erfolge gibt es bei:
Gelenkleiden: Arthrosen der kleineren Gelenke, des Schultergelenkes, der Sprunggelenke
HNO: Akuter Hörsturz (Pflaster an Mastoid und Nacken, dazu schröpfen), Schwindel, Tinnitus und Menierescher Erkrankung.
Aschner und Abele heben noch weitere Anwendungsmöglichkeiten hervor:
Angina tonsillaris und Mandelabszeß als Alternative nach einer Blutegelbehandlung, funktionelle Herzbeschwerden, Pflaster beschleunigen
bei feuchter oder trockener Herzbeutelentzündung (Pericarditis) die Flüssigkeitsresorption. "Gallebeschwerden", nach
Gallenblasenentfernung, Narbenbeschwerden, Schmerzen nach Meniskusentfernung, beginnendem Herpes zoster und davon resultierenden
Neuralgien, Trigeminusneuralgie, bei Augenerkrankungen (Iritis, Glaukom).
Früher angegebene Indikationen, die sich in der Praxis nicht bewährt haben:
Hüftgelenksarthrose, Tennisarm, entzündliche oder traumatische Kniegelenksschwellungen, akute rheumatische Schwellungen,
Bandscheibenvorfall mit Wurzelreizsyndrom bei asthenischen Patient im Leerezustand.
Theorie der Wirkungsweise
Das Cantharidenpflaster ähnelt in seiner Wirkung der Schröpftherapie und wird wegen seines Effektes auf das Lymphsystem auch weißer
Aderlaß genannt. Der Hautreiz des Pflasters stellt eine künstliche Verbrennung zweiten Grades dar und führt zu einer Brandblase.
Im Grundgewebe kommt es zu einer Summierung verschiedener Effekte:
Antiödematöser, entzündungshemmender und schmerzlindernder Effekt: Das Cantharidenpflaster führt zu einer direkten Entfernung von Lymphe,
Schmerzmediatoren und "Stoffwechselschlacken" (Ablagerungen von Toxinen, Antigen-Antikörper-Komplexen, sauren Radikalen usw.)
an die Hautoberfläche. Zu einer ähnlichen Wirkung kommt es im Inneren des Körpers durch die einsetzende Durchblutungsanregung und die
Lymphdrainage nach innen. Je größer der Lymphverlust während der Pflasterapplikation ist, desto weniger Schmerzen und Beschwerden
bestehen nachher.
Immunologische Wirkung: Zunächst lokal, später auch im ganzen Organismus kommt es zur Aktivierung immunkompetenter Zellen und Enzyme.
In der Grundsubstanz wird eine Vielzahl Mediatoren und Botenstoffe freigesetzt, die selbst wieder biologische Reaktionen anstoßen
können. Die immunologische Autoregulation im Zielgebiet, die durch ehren. Entzündungen blockiert ist, wird wiederhergestellt und kann dann
oft über Jahre anhalten.
Durchblutungsförderung: Die regionale Verbesserung der Durchblutung und Steigerung der Bluteigenschaften bewirkt bis zur völligen
Abheilung der Hautoberfläche eine Erhöhung von Temperatur und Stoffwechsel lokal und im Zielgebiet der Reflexzone.
Durchführung der Cantharidenbehandlung
Die Hilfsmittel für Cantharidenbehandlung Cantharidenspezialpflaster sind fertig beziehbar. Cantharidensalbe kann man jedoch auch in der
Apotheke herstellen lassen. Pflaster morgens anlegen, um die unangenehme Phase der ersten Stunden nicht in die Nacht zu verlegen und dem
Patienten tagsüber bei Beschwerden helfen zu können. Eine pflasterwürdige Stelle sollte sulzig und etwas druckdolent sein (Hinweis auf
lokales Lymphödem). Aber auch äußerlich relativ unauffällig erscheinende Hautareale können gepflastert werden
Hautareal gemäß Tastbefund (Palpationsbefund) des Bindegewebes ermitteln. Hautareal (Lokalisation s.u.) mit Fettstift markieren
und das Pflaster lieber etwas größer zuschneiden. Haut rasieren und mit Benzin entfetten. Die Pflastermasse ca. 1 mm dick auf einen
Zellstoff aufbringen und darauf sterile Kompressen zur Aufnahme des Wundsekretes legen. Darüber gut klebende Pflasterstreifen als
Fensterrahmen-Verband kleben (besser als großflächige Totalklebeverbände). Kleine Pflaster brennen so stark wie größere und bringen
keinen Effekt.
Vorsicht: Unter dem Verband darf keine Salbe hervortreten - Gefahr von Verbrennungen außerhalb des gewünschten Hautareals.
Den Patient unbedingt vorher aufklären, daß eine schlaflose, weil schmerzhafte Nacht bevorstehen und leichte brennende Schmerzen
von Harnröhre und Blase auftreten können (nierenreizende Wirkung des Cantharidins).
Ca. 4 h nach dem Anlegen beginnt es unter dem Pflaster für einige Stunden zu "brennen". Der Patient muß darauf hingewiesen
werden, daß er das Pflaster nicht vorzeitig abnimmt. Blase bis zur Abnahme erhalten - vorzeitiges platzen verzögert Heilung. Dem Patient
deshalb eine geeignete Nachtlagerung sowie Unterlage eines Handtuches nahelegen.
Nach 12-16 Stunden sollte eine ausreichend große Brandblase entstanden sein. Jetzt Verband wechseln und Wunde kontrollieren:
Bei klarer Flüssigkeit Blase mit Kanüle anstechen und Sekret abfließen lassen. Blasenhaut nur entfernen, wenn sie stark eingerissen ist,
sonst als Verband belassen. Bei sulzig-eingedicktem Inhalt Blasenhaut auf jeden Fall steril abtragen. Auf jeden Fall alle Reste der
Cantharidensalbe säuberlich entfernen.
Wenn nach 16 Stunden noch keine Blase entstanden ist, nochmals 8 Stunden warten. Wunde mit steriler Kompresse abdecken, evtl.
mit neutraler Salbe oder "Lymphsalbe" dünn bestreichen und versorgen. Bei erhaltener Blasendecke ist die Verwendung eines
Wundpuders sinnvoller.
Wenn aus der Wunde viel Lymphe sezerniert wird, was als positives Zeichen zu werten ist, täglicher Verbandswechel durchführen, sonst
erst nach 2 oder 3 Tagen. Verband 5 Stunden nicht durch Waschen befeuchten, dann ist die neue Haut "waschecht".
Blaseninhalt kann ganz oder in potenzierter Form dem Körper in verschiedener Form wieder zugeführt werden. Ein zweites Pflaster
an derselben Stelle frühestens nach 4 Wochen - d.h. nach der völligen Abheilung der Wunde verordnen.
Nebenwirkungen
Hyperpigmentierungen der behandelten Haut über Jahre: Nur bei wenigen Patienten, bei Verdacht sicherheitshalber milde Salbe (s.u.)
verwenden
Lokale Entzündung - Möglich, wenn Patient das Pflaster vorzeitig abnimmt (darauf hinweisen)
Pflasterallergie. Die Therapie kann meist fortgeführt werden.
Harnblasenreizungen: Können routinemäßig bei allen Patient durch prophylaktische Gabe eines Nierentees oder Mittels als
"Blasenschutz" vorgebeugt werden.
Eine extrem seltene blutige Reizblase durch die Inhaltsstoffe der Salbe, kann mit Kalziumgabe und einem allergiehemmenden
Mittel behoben werden.
Niere: Nephrotoxische Wirkung bei größeren Mengen der Inhaltsstoffe.
Kontraindikationen
Akute Blasen- oder Nierenbeckenentzündung (Vorsicht: nierentoxische Wirkung von Cantharidin in größeren Mengen), Gewebsauflösung
(Gangrän), Stauungsödemen, arterielle Durchblutungsstörungen und alle unklaren Hautveränderungen
Salbe auf keinen Fall auf akut entzündetes Gelenk, offene Wunden, Schleimhäute oder in Gelenkbeugen bringen
Bei dunklen, pigmentreichen Typen zurückhalten (Vorsicht: Überpigmentierungen).
Kombinationstherapie
Cantharidenpflaster und blutiges oder trockenes Schröpfen (inkl. Petechiale Saugmassage) können gut zusammen an einem
Termin durchgeführt werden
Cantharidenpflaster sind in Abständen von wenigen Tagen auch wechselweise mit dem Baunscheidt-Verfahren sinnvoll kombinierbar.
Schröpfen
Kurzinfo:
Mit der Schröpftherapie lassen sich über Hautareale innere Organe beeinflussen. Sie wird angewandt als ausleitendes Verfahren zur
Entlastung, oder Anregung des Organismus
Geschichtlicher Hintergrund:
Darstellungen von Schröpfgläsern sind bereits aus dem alten Ägypten überliefert. Im klassischen Griechenland war das Schröpfen
so geschätzt, daß die Schröpfglocke zum Emblem des Arztes wurde.
Wirkungsweise:
In der Praxis ist die Schröpfkopfbehandlung der leichteste Zugang zum gestörten Gleichgewicht des Organismus. Wenn man eine gezielte
Schröpftherapie an den Schröpforten durchfuhrt, verschwinden oft mit einem Schlage viele spezielle Leiden. An den Wirbelsäulensegmenten
entspringen Nervenfasern, die nicht nur zu einzelnen Organen ziehen, sondern auch zu bestimmten Hautarealen (Headsche Zonen). Über die
Behandlung dieser Hautzonen, die in der Wirbelsäule denselben Ursprung haben, lassen sich auch rückgekoppelt Wirkungen auf die verknüpften
Organe erzielen. Außerdem lassen sich die Wirkungen der Schröpfbehandlung auch mit den Funktionsmechanismen der Reflexzonen
oder der Akupunkturpunkte am Rücken erklären.
Hintergrund der Schröpfbehandlung:
Wann baut sich eine Schröpfzone auf?
Auslösende Situationen liegen vor:
Wenn durch äußere oder innere Faktoren ein Organ in der Tiefe gestört ist (Organirritationszone).
Wenn ein Gelenk blockiert ist (Gelenkirritationszone).
Wenn ein Fokus ein Segment oder Funktionskreis imitiert (Herdreflexzone).
Wenn ein psychischer Faktor zu einer derartigen Irritation führt (psychosomatische Beschwerden).
Diese Geschehen spiegeln sich nach einer gewissen Dauer und Intensität des Reizes an vielen Stellen des Körpers, aber
besonders deutlich "faßbar" als Verhärtungen, oder zu weichen Stellen, den sogenannten Gelosen an den Schröpforten wieder.
Formen von Gelosen:
Es gibt drei Hauptqualitäten von Gelosen: Fülle, Leere und Übergang. Sie imponieren beim Abtasten des Rückens als Erhebungen, Härten
oder sulzige Eindellungen. Wo keine Gelose zu tasten ist, kann davon ausgegangen werden, daß der Funktionskreis der jeweiligen Reflexzone
kybernetisch ausgeglichen ist.
Heiße Gelose (Füllegelose)
Mit Blut gefüllte, umschriebene Zone in Haut, Bindegewebe oder Muskelbäuchen. Sie ist als prallelastische Härte tastbar, heiß und beim
Betasten schmerzhaft. Sie kann die Größe eines 5-DM-Stückes haben oder fast fließend in die Umgebung übergehen. Die lokale Blutfülle
tritt meist am Anfang einer Erkrankung auf und zeigt den Yang-Charakter der Erkrankung an (akute Erkrankung, hochakute Entzündung,
Energie im Überschuß). Als Behandlung ist das blutige Schröpfen angezeigt. Je länger sie dauert, desto mehr wandelt sie sich in eine
Übergangsgelose oder eine kalte (leere) Gelose um.
Kalte Gelose (Leergelose)
Ischämische Verhärtung oder weiche "Sulze" im Bindegewebe, die auch thermographisch kalt und blaß ist, weil die Blutzufuhr zur
Gelose gedrosselt und die Zirkulation durch Umgehungsgefäße umgeleitet ist. Kleine, harte oder schlaffe, talförmig eingesunkene Zone,
in die oft pfennigkleine, harte und schmerzhafte Gelosen hineingestreut sind. Milieu im Bindegewebe ist zur Gelphase verschoben,
Stoffwechsel verlangsamt. Je nachdem was zu tropischen Mangelerscheinungen führt (Durduration).
Die immunologische und hormonale Aktivität ist in einer solchen Zone und ihrem Reflexgebiet sehr schwach. Schmerz entsteht bei den
kleinen Gelosen erst bei sehr fester, bei den flächigen schon bei leichterer Palpation. Man muß oft tief tasten. Massage führt kaum zu
Hautrötung. Wärme wird immer als angenehm empfunden (lokale Applikation, Moxen, Bäder, Fußbäder). Leerzonen können als Ausdruck eines
Yin-Geschehens (chron., statische Erkrankungsphase, Energie im Mangel) bei allen Konstitutionstypen auftreten und sind häufig bei
allgemeiner, konstitutionsbedingter Energieleere und Schwächezuständen zu finden. Im energetischen Sinne kommt es in ihnen zu einem
vorübergehenden Anhalten der Energiepassage. Sie stellen deshalb Zonen mit lokaler Energiefülle und begleitender Blutleere dar.
Behandlung durch trockenes Schröpfen.
Übergangsgelose
Häufig vorkommende fließende Übergänge und Mischformen zwischen heißen und kalten Zonen. Von teigiger Konsistenz, eher großflächig und
kalt. Manchmal liegen sie auch in einer größeren, schlaffen Bindegewebszone (z.B Leberbuckel).
Praktische Durchführung der Schröpfzonen-Untersuchung
Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen auf der Untersuchungsliege, Oberkörper so weit wie möglich nach vorne gebeugt, Kopf und Schultern
nach vorne hängend. Die Behandlung mit ausleitenden Verfahren beginnt stets mit einer sorgfältigen Abtasten (Palpation) der zu behandelnden
Areale.
Hinter den Patient treten, zunächst mit leichtem, dann mit hartem Druck der Zeige- und Mittelfinger (evtl. auch Ringfinger) von oben
nach unten Stück für Stück die Zonen abtasten, zur genauen Lokalisierung auch nur mit dem Mittelfinger. Bei Füllegelosen
zerquetschen der kleinen Venen (Venolen) hörbar (leichtes Knacken). Zonen mit einem Filzstift markieren, Dauer der gesamten
Untersuchung nicht mehr als 2 Min.. Anfängliche Untersuchungsschwierigkeiten sind sowohl bei einem zu mageren wie auch einem zu dicken
Rücken möglich; am einfachsten sind zunächst Gallenzone und Leberbuckel zu tasten. Art, Ort und geplanten oder schon durchgeführten
Eingriff dokumentieren.
Allgemeine Regeln
Bei geschwächten Menschen auch bei Füllegelosen ggf. zusätzlich zum blutigen Schröpfen eine anregende Behandlung durchführen.
Vor jeder Schröpftherapie individuellen Energiezustand des Menschen beurteilen.
Schröpfen nicht als Einzeltherapie betrachten obwohl es durchaus auch allein mit großem Erfolg eingesetzt werden kann.
Ergänzend gehören andere energetische Verfahren dazu, die zur Anregung (Tonisierung) oder Beruhigung (Sedierung) beitragen und damit
das allgemeine Energieniveau beeinflussen.
Auf keinen Fall an Leeregelosen blutig oder an einer Füllegelosen trocken schröpfen!
Nie über einem Knochen blutig schröpfen (z.B. Dornfortsätze).
Zur Differenzierung eines unklaren Befundes (Frage: Fülle oder Leere) eine Schröpfkopfmassage durchführen. Tritt eine blutige
Verfärbung auf, dann dies als Hinweis auf eine Füllegelose nehmen und blutig schröpfen.
Anmerkung:
Die Schröpfzonen sind nicht immer an einem exakt zu definierenden Ort zu finden, sondern durchaus in geringem Umfang ortsvariabel.
Das blutige Schröpfen
Indikation und Dynamik des blutigen Schröpfens
Beim blutigen Schröpfen behandelt man ausschließlich umschriebene heiße Gelosen (Füllegelosen), die überwiegend an den Rückensegmenten
neben der Wirbelsäule liegen. Man findet sie häufiger beim Plethoriker, dem sogenannten "Fülletyp", aber auch als Ausdruck einer
lokalen Blutfülle beim Astheniker, dem "Leeretyp". Mit der Schröpftherapie greift man wie mit energieanregender oder
energieableitender Akupunktur harmonisierend in diese Yin-Yang-Dysbalance ein: Energetisch ist das blutige Schröpfen als sedierende
Maßnahme zu interpretieren, die zwar zu einer momentanen Energiebalance führt, aber eine Minderung des allgemeinen Energieniveaus
bewirkt.
Wirkungsweise des blutigen Schröpfens
Wesentliche therapeutische Angriffspunkte sind der Blutfluss (Hämodynamik) und die Spannung (Tonus) im Stoffwechsel und Energiestatus in
der Reflexzone und im Zielort mit den Folgen:
Verbesserter Fluss von Blut und Lymphe in der Mikrozirkulation durch Entfernen der lokalen Blut und -Lymphstauung.
Senkung des Hämatokrits bei einer ausgiebigen Schröpfung.
Spannungsabnahme der Gefäßwände der glatten Muskulatur.
Drainage des lokalen Ödems und der Schmerzmediatoren nach außen, durch die reaktive Durchblutungssteigerung nach innen.
Besserung alle Stoffwechselvorgänge im Segment.
Massive Stimulierung verschiedener Hautrezeptortypen mit Entspannung der Muskulatur und Schmerzreduktion im entsprechenden Segment.
Praktische Durchführung des blutigen Schröpfens
Der Patient behält seine sitzende Haltung auf der Behandlungsliege bei. Markierte Stellen desinfizieren, mit einer Hämolanzette oder
speziellen Geräten senkrecht in die Haut in Richtung der Akupunkturmeridiane einstechen; Stichtiefe etwa 5-8 mm (Kapillarbereich), bis
etwas Blut austritt. Einen dünn- oder dickwandigen, sterilisierbaren Schröpfkopf aus Glas (Schröpfkopfglas) auf die Füllegelose setzen.
Unterdruck erzeugen (entweder durch manuelle Vakuumpumpe oder durch Abbrennen einer Watte im Glas mit nachfolgender Abkühlung auf der Haut)
und das in der Gelose befindliche gestaute Kapillarblut ansaugen lassen (zwischen 5 und 100 ml).
Schröpfkopf vorsichtig abnehmen, wenn nach ca. 5-10 Min. der Saugvorgang beendet und das Glas etwa 1/3 voll ist (durch Druck am oberen
Glasrand in die Haut Unterdruck lösen). Unter Umständen mehrfach neues Glas setzen, danach ausreichend großes Pflaster
(mit/ohne Wundsalbe) über die Wunde kleben. Narben bleiben nicht zurück.
Exakte Lokalisierung der Schröpfstelle und geeignete energetische Lage des Patient sorgfältig ermitteln. Unbedingt vermeiden,
einfach "darauflos zu schröpfen", weil dies meist zu therapeutischen Enttäuschungen und Zweifeln an der Wirksamkeit
der Methode führt. Zweifelsfall: Schröpfkopfmassage durchführen.
Nicht zuviel Blut auf einmal schröpfen - Gefahr von Kreislaufreaktionen in Form eines Kollapses oder einem über Tage anhaltenden
Blutdruckabfall. Deshalb den Patient nach der Schröpfung eine Zeit lang liegenlassen. Diesbezüglich ist besonders am unteren
Rücken Zurückhaltung geboten.
Eine Schröpfung mit anderen Methoden kombinieren, da sie nur einen Baustein der notwendigen Gesamtregulierung des Patient darstellt.
Dazu bieten sich die Akupunktur, Diätetik und biologisch-homöopathische Medikamente an. Besonders wirksam ist die Schröpfung vor einem
chirotherapeutischen Eingriff , weil dadurch viel leichter deblockiert wird. Narben können bei disponierten Personen durch sofortige
Infiltration von Procain verhütet werden. Kontraindikationen sind akute Entzündungen des betreffenden Hautareals, allergische
Hautveränderungen und eine Radiatio.
Das trockene Schröpfen
Wirkungsweise des trockenen Schröpfens
Beim trockenen (unblutigen) Schröpfen werden nur Leeregelosen behandelt. Die Wirkung kommt wie beim blutigen Schröpfen durch
mehrere Effekte zustande: Forcierte Durchblutung (Hyperämie) an der Haut, Unterhaut und am Bindegewebe durch den Saugvorgang mit
Austritt von roten Blutkörperchen aus den Gefäßen ins Gewebe, offensichtlich ohne Verletzung der Kapillarwände.
Auflösen von Sludge-Phänomenen (bei vielen Krankheiten zu beobachten) im Kapillarbereich durch das Entfernen einer größeren
Menge von roten Blutkörperchen aus der Gefäßbahn, zugleich vermehrter Einstrom von Lymphe in die Kapillaren.
Hyperämie in der behandelten Zone und im Zielgebiet über mehrere Tage mit Temperaturerhöhung
Stoffwechselsteigerung und besserer Sauerstoffversorgung
Aktivierung des Immunsystems und von Resorptionsvorgängen in der Haut, die zur Entfernung der Schlacken aus dem Bindegewebe
notwendig sind
Vegetative Funktionsanregung lokal und in der Tiefe durch massive Reizung der in der Haut befindlichen neurovegetativen Rezeptoren
Tonisierende Maßnahme, die "Energie zuführt".
Durchführung des trockenen Schröpfens
Es sind mehrere Vorgehensweisen möglich:
1. Trockenschröpfung mit stehenden Gläsern. Bei erschöpften, energiearmen und sehr schmerzempfindlichen Patienten.
Das Schröpfglas mit erzeugtem Unterdruck ohne vorherige Hautverletzung aufsetzen, Haut- und Unterhautgewebe ansaugen, dadurch kommt es
zu einer bläulichen Verfärbung. Nachbehandlung mit einer Lymphsalbe möglich.
2. Saugglockenmassage
Öl auf die Haut aufbringen, evakuierten Schröpfkopf von maximal 3 cm Durchmesser aufbringen und nach oben und unten ziehen. Dadurch
langsames "Verschieben" der in ihn eingesaugten "Hautfalte" über die ganze Behandlungsfläche. Dauer des Vorganges
ca. 2 Min.. Tonisierende und Muskelspasmus lösende Wirkung der Massage, schneidender Schmerz wie bei einer starken Bindegewebsmassage
möglich. Wird angewandt bei: Restbeschwerden nach Lungenfellentzündung, Magenschmerzen und Magenerkrankungen wie Magengeschwür.
3. Schröpfkopfmassage (Chinesische Münzmassage)
Das zu behandelnde Hautareal mit gereinigtem Pfefferminzöl oder Mandelöl einreiben, dann 2-4 Min. fest mit dem Rand eines dünnen
Schröpfglases reiben, Anwendung mehrmals wiederholen. Häufig am Nacken oder in der Schultergegend, zur Chirother. und immer dann
indiziert, wenn man "anregend" arbeiten und den (schmerzbedingten) sedierenden Effekt einer Hautreizmethode vermeiden möchte.
Bei starker Durchführung durch den Schmerz entspannende, beruhigende Wirkung, dann Vorsicht bei Patienten in energetischer Leere.
Das trockene Schröpfung wird Angewandt bei (Indikationen):
Soweit nicht schon bei der Topographie der Schröpfzonen angegeben, hat die Trockenschröpfung mit stehenden Gläsern oder als
Schröpfkopfmassage folgende Indikationen und Orte:
Chronische Schwächezustände, besonders bei asthenischen Patienten (neben der Wirbelsäule vom Nacken bis Kreuzbein schröpfen).
Durchblutungssteigerung von Haut, Unterhaut und Bindegewebe, bei Narbennachbehandlung und zur Steigerung postoperativer
Resorptionsvorgänge, an den Extremitäten und sogar bei Muskel- und Gewebeschwund (Atrophie) hier lokal schröpfen. Wirbelsäulen-Schmerzen
(diffus oder umschrieben) bei lokalem oder Wirbelsäulen-Syndrom (an Schmerzorten schröpfen).
Rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule z.B. M. Bechterew, Osteoporose und schmerzhaft verspannte Muskulatur.
Am Rücken kann lokal oder großflächig gearbeitet werden.
Nackenzone: Eine Schröpfkopfmassage (oder eine blutige Schröpfung) wirkt hier bei lokalem Halswirbelsäulensyndrom sehr gut,
nur mit stehenden Gläsern sollte nicht geschröpft werden!
Dornfortsätze der oberen Brustwirbelsäule: bei niedrigem Blutdruck und ständiger Müdigkeit
Magenzone: Oberbaucherkrankungen, funktionelle Herzbeschwerden, akute und chronische Bronchialinfekte
Leber-Gallenzone: Neben den bei der Schröpfzonentopographie schon erwähnten Indikationen ist eine Schröpfkopfmassage der
Leberzone zur Durchblutungssteigerung bei allen Energiemangelzuständen, Appetitlosigkeit und besonders bei Leberzirrhose sehr günstig.
Die Leberzone sollte nie blutig, sondern immer nur trocken behandelt werden!
Ganzer Rücken: Eine Behandlung des ganzen Rückens ist sowohl als Trockenschröpfung in ein oder zwei zur Wirbelsäule
parallelen Linien im Abstand von 5-10 cm indiziert als auch in Form einer Saugmassage bzw. Schröpfkopfmassage bei: Osteoporoseschmerzen,
diffusen Rückenschmerzen, Rückenmuskelschwäche und adjuvant zur Chirotherapie.
Lenden-Kreuzbeinbereich: lokale Rückenschmerzen, Funktionsstörungen von Niere und Blase, Darm und Beinen.
Oberkörper vorne: Bei akuten und ehren. Bronchialinfekten sollten die Gläser trocken aufgesetzt und die Alarmpunkte der
Lunge behandelt werden, zusätzlich auch die Zonen am Rücken mit der Saugmassage. Auch das Asthma bronchiale und das
Brustwirbelsäulen-Syndrom.
Unterbauch, Leiste und Oberschenkelinnenseite: Funktionelle und organische Beschwerden des Darmes und der Urogenitalorgane.
Hier werden zusätzlich Heublumensitzbäder eingesetzt.
Oberschenkel-Außenseite bis zum Knie: Hüftgelenksschmerzen und Verstopfung.
Hinweise zum trockenen Schröpfen
Trockenes und blutiges Schröpfen lassen sich gut miteinander kombinieren. Kombinationen von blutiger Schröpfung oder
Schröpfkopfmassage sind gleichermaßen in einer Sitzung möglich.
Unter Umständen kann aus einer Leergelose eine Füllegelose und damit leichter zu therapierende Gelose gemacht werden.
Das verspannte und minderdurchblutete Hautareal in mehreren Sitzungen trocken behandeln, bis sich Durchblutung und die Vitalität in der
Zone so gesteigert haben, daß im Zustand einer blassen Gelose eine heiße Füllegelose entsteht.
Bei Unklarheiten in der Beurteilung der Energielage des Patienten stehende Gläser anwenden.
Als therapeutische Alternative kommt statt der Trockenschröpfung auch eine Baunscheidtierung mit Mandelöl in Frage.
Ihr Browser unterstützt kein JavaScript !
Bitte aktivieren Sie die JavaScript-Unterstützung in Ihrem Browser,
weil Ihnen sonst keine Navigation auf unseren Seiten möglich ist.