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Von Gabriele Metz
Die aktuelle Kräuterkunde basiert auf den Erkenntnissen des römischen Arztes Galenius. Die
„Galenischen Präparate“ genossen viele Jahrhunderte lang einen ausgezeichneten Ruf. Ihre Beliebtheit ist ungebrochen lm Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen wurden die pflanzlichen Heilkräfte mystifiziert und teilweise widersprüchlich genutzt, was wiederum auf die Dualität des materiellen Seins hinweist, so der naturheilkundlich versierte Mediziner. Experimente mit pflanzlichen Wirkstoffen seien zudem ein fester Bestandteil der "alchimistischen Wunderwelt" gewesen, was zu der klugen Erkenntnis geführt habe, dass auch sie in den ewig fließenden Evolutionsprozess eingebunden sind. Auch heute - in Zeiten bunter Pillen und komplizierter schulmedizinischer Hightech-Verfahren - nimmt die Phytotherapie nach wie vor einen wichtigen Stellenwert ein und wird unter anderem von zahlreichen Katzenhaltern immer wieder gerne eingesetzt. Galenius, der Kräuterarzt Der römische Arzt Galenius gilt allgemein als der erste Kräuterarzt, obwohl es sicherlich bereits lange vor seiner Zeit Menschen gab, die sich ganz ausgezeichnet auf dieses Handwerk verstanden. Auf jeden Fall verarbeitete er pflanzliche Materialien auf so geschickte Weise, dass sie tatsächlich einen annehmbaren Geschmack annahmen und ihre hohe Wirksamkeit nicht durch zu starke Nebenwirkungen beeinträchtigt wurde. Der berühmte Galenius behandelte seine hoffnungsvollen Patienten mit wohlschmeckenden Elixieren und zähflüssigem Sirup. Als kluger Kopf war der Kräuterarzt der Meinung, man könne dem einfachen Volk nicht verständlich machen, warum es eine bittere Medizin schlucken müsse. Das "bittere" und herbe Pflanzenwerk erwies sich - vom Kräuterarzt versüßt - als voller Erfolg. Die "Galenischen Präparate" erlangten binnen kürzester Zeit einen ausgezeichneten Ruf. - Die ausgeklügelten Darreichungsformen dienen der aktuellen Kräuterkunde übrigens nach wie vor als Grundlage: Sirup, Elixier, Extrakt, Aufguss, Abkochung, Liniment, Pasta und Salbe werden ganz nach Galenius Vorbild bereitet. Alles hat einen Sinn Eines hat sich im Laufe der Geschichte jedoch verändert: Viele der geschätzten Pflanzenarten, die beispielsweise noch im Alten Rom einen ausgezeichneten Ruf genossen, sind inzwischen ausgestorben. Becvar glaubt, dass andere, ganz und gar nicht zufällig auf der Bildfläche der Evolution erschienene Pflanzen, inzwischen ihren Platz ebenbürtig eingenommen haben. Man habe ihnen in der Vergangenheit vermutlich lediglich keine Beachtung geschenkt, obwohl sie sehr wohl Ober heilende Kräfte verfugen. Auch hier gibt es keine Zufalle wann, wo und warum bestimmte Pflanzen in bestimmten Gegenden beziehungsweise in der Nahe von bestimmten Gruppen von Menschen oder Tieren auftauchen. Als signalsetzende Indikatoren wachsen sie eigentlich immer da, wo sie gerade gebraucht werden, versichert Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. So konnten sie die Funktion einer wertvollen Heilpflanze einnehmen oder auch Missstände, deren Ursachen in den Tiefen des Erdbodens wurzeln, eindeutig anzeigen. Die Kamille trete beispielsweise stets auf sehr kargen Boden zu Tage. TINKTUREN, AUSZÜGE UND AUFGÜSSE Die genannten Bezeichnungen der einzelnen Darreichungsformen dürften dem naturheilkundlich interessierten Leser sicherlich bekannt sein. Aber wissen Sie auch, welche Zubereitungsform sich dahinter verbirgt? Hier noch mal eine kleine Gedankenstütze:
• Sirup ist eine dickflüssige Losung von Zucker in wässrigen alkoholischen oder weinhaltigen
Flüssigkeiten, denen bestimmte Drogenauszüge zugesetzt werden. Hohe Konzentrationen Im Rahmen der Phytotherapie werden vorzugsweise Pflanzenteile verarbeitet, in denen die gewünschten Wirkstoffe besonders hoch konzentriert sind. Je nach Bedarf werden frische oder getrocknete Pflanzenbestandteile verwendet. Die Phytotherapie umfasst auch Giftpflanzen, die unter Berücksichtigung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen durchaus eine heilende Wirkung entfalten können. ,,Wie wir alle wissen, bedarf die therapeutische Nutzung von giftigen Arzneipflanzen gewisser Vorsichtsmaßnahmen und spezieller Zubereitungsverfahren, um deren Giftwirkung deutlich einzuschränken oder aufzuheben", so Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Reine Heilpflanzen konnten im Gegensatz zu giftigen Gewachsen ohne jegliches Risiko angewendet werden. "Die eigentlichen Heilpflanzen jedoch, die sich aus dem giftigen Bereich bereits zurückgezogen haben, bieten sich uns überwiegend zweifelsfrei an", versichert der Naturheilkundler. Die Wirksamkeit der Pflanze ist im Grunde genommen verschiedenen Stoffwechselprodukten zu verdanken, die grob in Ballast- und Wirkstoffe eingeteilt werden können. Beiden Produkten kommt eine wichtige Stellung zu: Die Ballaststoffe fordern nämlich die gewünschte Resorption der heilenden Wirkstoffe. Wirk- und Ballaststoffe "Die pflanzlichen Drogen - darunter versteht man jene Pflanzenteile, die in frischem oder getrocknetem Zustand entsprechend aufbereitet werden - werden hinsichtlich ihrer Wirkstoffe klassifiziert. Im Laufe ihres Lebens entwickeln die Pflanzen unzählige Stoffwechselprodukte, die wir grob in Wirk- und Ballaststoffe einteilen. Selbige sind das vorläufige Ergebnis einer ständig wandelbaren Evolution", erläutert Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Je hoher sich eine Gruppe von Pflanzen entwickelt habe, desto starker wurden auch ihre wertvollen Heilkräfte. Erst dann seien sie tatsächlich Heilpflanzen, die der Gesundheit dienlich sein können. Eine optimale Heilkraft kann nach Aussagen des erfahrenen Naturheilkundlers nur bei einem gelungenen Zusammenspiel von Wirk- und Ballaststoffen erzielt werden: "Das eine bedingt das andere und setzt im Organismus komplizierte, wissenschaftlich nicht so leicht nachvollziehbare chemische Reaktionen frei, die dann in den Heilkräften wirksam werden". Der Arzneicharakter Der so genannte Arzneicharakter einer Pflanzengattung setzt sich aus der Summe aller Wirkstoffe (alle chemisch anaIysierbaren Inhaltsstoffe) einer Pflanze zusammen. Die eigentliche Heilkraft kann sich erst durch ein Zusammenwirken aller Komponenten (Pharmakodynamik) entfalten. Becvar glaubt, das physikalisch-chemische Credo einer Heilpflanze entspräche ihrem Charakterbild auf materieller Ebene. Genau aus diesem Grund erreiche die Phytotherapie vor allem Erkrankungen, die durch materiell-physische Ursachen bedingt seien. Folglich sei abzusehen, dass die feinstofflichen, vergeistigten Strukturen jedes Individuums zunehmend einen Bedarf an feinstofflichen Informationen aus der Pflanzenwelt hatten. Das sei auch im Rahmen homöopathischer Behandlungen und der Bach-BIüten-Therapie zu beobachten. Die erwähnten Ballaststoffe geben der Pflanze die nötige Struktur grob materieller Beschaffenheit und schützen so deren Geheimnis (Arcanum) vor unbefugtem „Entdeckt werden" und Missbrauch. Sachlicher formuliert garantieren diese Ballaststoffe letztendlich die optimale Resorption der eigentlichen Wirkstoffe an der richtigen Stelle im Körper des Patienten", propagiert Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Pflanzliche Wirkstoffe Ein kleine Übersicht wird Ihnen helfen, sich in der verwirrenden Welt der Kräuterkunde besser zurechtzufinden. Pflanzliche Wirkstoffe lassen sich nämlich in folgende Rubriken einteilen: • Bitterstoffe Bitterstoffe kommen bei folgenden Indikationen zum Einsatz: Die Bitterstoffdrogen verabreicht man am besten 10 bis 15 Minuten vor einer Mahlzeit; bei der Katze am besten in Kapselform. Stehen lediglich alkoholische Tropfen zur Verfügung, sollten diese mit reichlich Wasser verdünnt werden, um das Tier nicht zu vergraulen, rat Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. • Gerbstoffe lm Zusammenhang mit der Lederherstellung, der Gerberei, ist uns allen der Effekt der Gerbstoffe auf der Haut geläufig. Sie besitzen die spezifische Fähigkeit, mit Eiweißkörpern der verletzten oder irgendwie irritierten (entzündeten) Haut oder Schleimhaut komplexe chemische Verbindungen einzugehen, die letztlich als schützende, für weitere schädliche Reize aller Art undurchdringliche Schicht deren Oberfläche überziehen, erklärt Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Auf diese Weise werde sowohl eine Keimentwicklung als auch eine Resorption giftiger Substanzen effektiv verhindert. außerdem forderten Gerbstoffe die Wundheilung durch Substratverbindungen mit Blutbestandteilen. Das Einsatzgebiet der Gerbstoffe auf einen Blick: - Wundheilung (insbesondere bei schlecht heilenden Wunden) • Schleimstoffe Um dem zumeist unerwünschten Effekt der zumeist gleichzeitig vorhandenen Gerbstoffe vorzubeugen, werden die Schleimstoffdrogen im Allgemeinen für mehrere Stunden im Wasser angesetzt. Danach kann das Mazerat bei Bedarf erwärmt werden, empfiehlt Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Schleimstoffe werden überwiegend bei folgenden Indikationen eingesetzt:
- entzündliche Veränderungen im Verdauungstrakt und Sekretionsstörungen • Scharfstoffe Ihre Wirkung beruht auf einer heftigen Reaktion von bestimmten Sinneszellen in der Haut und Schleimhaut, die mit einer mehr oder weniger schmerzhaften Reizung, Rötung und Temperaturerhöhung auch des unter der Haut liegenden Gewebes verbunden ist, präzisiert Dr. med. vet. Wolfgang Becvar. Selbst bei so genannten indolenten Systemen wie beispielsweise einer chronischen Gelenkentzündung erweisen sich Scharfstoffe immer wieder als wohltuendes und heilungsförderndes Mittel. Durch den Impuls der Reaktivierung wird die örtliche Durchblutung erheblich gefördert, so dass dadurch nicht nur frische "Odkraft" in das kranke Gebiet einfließt, sondern zugleich belastende Schadstoffe von dort vermehrt abtransportiert werden, so Becvar. Tipp: Die Verabreichung der Kräuter bereitet bei Pflanzenfressern im Allgemeinen keine Probleme. Unsere Katzen hingegen sind um einiges zurückhaltender und verweigern sogleich die Nahrung, wenn man ihnen die Drogen im Rohzustand anbietet. Tees werden zuweilen gerade noch akzeptiert, wenn sie nicht zu viel Eigengeschmack besitzen oder geschickt dem Lieblingsfutter beigemischt werden. Das Gleiche gilt für Kräutertropfen, deren Dosis von eins bis drei nicht überschritten werden sollte. Am glaubwürdigsten überlistet man die Katze mit pulverisierten Dragees, Kapseln oder Tabletten, von denen man im Allgemeinen 1/4 reicht. Zäpfchen (Supositorien) mögen im ein oder anderen Fall die einzige Möglichkeit sein, wenn die Katze alles verweigert. Der Einsatz von Scharfstoffen bewirkt: eine Reaktivierung alter Prozesse, Wärme, der Abbau von Schadstoffen wird gefördert, Erweichung und Auflösung. Die häufigsten Indikationen sind:
- chronische Entzündungen (Muskeln, Gelenke, Sehnen etc.) • Ätherische Öle Aufgrund ihrer Fettlöslichkeit werden ätherische Öle auch über die Haut und die Schleimhäute resorbiert. Manche Öle werden resorbiert und üben an verschiedenen Organen eine Fernwirkung aus; andere vermitteln (zusätzlich) feinstoffliche Botschaften und beeinflussen so auch den Emotional - beziehungsweise Mentalkörper. In Zusammenhang mit diesen Erkenntnissen hat sich die Aromatherapie entwickelt, auf die auch Tiere sehr gut ansprechen, etwa im Sinne von Entspannung, Krampflosung, Beruhigung oder auch Anregung und Konzentrationsförderung. Ätherischen Ölen wird eine krampflösende Wirkung zugesprochen. Auch Asthma, Bronchitis und Verdauungsprobleme werden mit ihrer Hilfe therapiert. Einige Öle wirken auch beruhigend, entspannend, desinfizierend, auswurffördernd oder vertreiben Ektoparasiten. Folgende Anwendungsbereiche sind in der Naturheilkunde heutzutage populär:
- Aromatheraple (mithilfe einer Duftlampe) Vorsicht: Dr. med. vet. Wolfgang Becvar weist darauf hin, dass die inhalierten ätherischen Öle und die homöopathischen Arzneien sich nicht gut vertragen. Zwischen der Einnahme eines homöopathischen Mittels und einer Inhalation sollten grundsätzlich stets mindestens vier Stunden liegen. • Saponine Saponine sind glykosidische Pflanzeninhaltsstoffe, die sich in Verbindung mit Wasser wie Seife verhalten, obwohl sie streng genommen keine Seifen sind. Ihnen wird eine reinigende, ausschwemmende Wirkung zugeschrieben, die unter anderem die Drüsenfunktion und den Lymphfluss anregt. Obwohl die meisten saponinhaltigen Pflanzen giftig sind, fungieren sie selbst als effektive Entgifter. Saponine sind beispielsweise in Primeln, Veilchen, Süßholz, Königskerze und Seifenkraut vorhanden - als Pflanzeninhaltsstoffe, die den Auswurf bei Atemwegserkrankungen fördern. Auf der Basis von Zinnkraut, Brennessel, Goldrute, Schafgarbe und Dorniger Hauhechel werden sie als harntreibendes Mittel (Diuretika) eingesetzt. Wenn eine Anregung des Lymphflusses er förderlich ist, kommen Bruchkraut, Brennessel und Erdrauch zum Einsatz. Die vorgestellten Wirkstoffe bieten nur einen kleinen Einblick in die Phytotherapie. Natürlich zahlen auch Enzyme, Glykoside, Vitamine, Harze, Alkaloide etc. zu den möglichen Wirkstoffen der Kräuterheilkunde. Weiterführende Literatur zu diesem Thema: Dr. med. vet. Wolfgang Becvar (1996): Naturheilkunde für Katzen, KOSMOS Stuttgart. (ISBN 3-440-06597-9) |