Sozialverhalten
Delphine leben in Gruppen. Es sind sehr soziale Tiere. Der jeweilige Lebensraum bestimmt die Grösse der Gruppe. "Hochseedelphine" bilden oft grosse Gruppen (sogenannte "Schulen"), welche aus bis zu 8500 Individuen bestehen können. Sind sie auf der Jagd, bilden sie mehrere kleine Gruppen, die sich auf ein grosses Areal verteilen. Sie halten immer Hörkontakt zueinander.
Mit Hilfe ihrer Sonarortung suchen sie bevorzugt nach Schwärmen von Dorschen, Makrelen oder Heringen. Nach Ortung eines solchen Schwarms kreisen ihn einige Tiere der Gruppe – die Treiber – ein. Durch das näherrücken wird die Arbeit der Jäger erleichtert.
Beim Fressen herrscht eine klare Rangordnung: Zunächst dürfen die stärkeren Tiere fressen, bevor die rangniederen Tiere an die Reihe kommen. Während des Fressens halten die Delphine den Kreis geschlossen, damit ihnen die Beute nicht entwischen kann. "Küstendelphine" leben vorwiegend in Familiengruppen, welche aus bis zu zwanzig, meist miteinander verwandten Tieren bestehen. Diese Delphinart jagt in der Regel einzeln. Auf ihren Beutestreifzügen bewegen sie sich meistens in Ufernähe. Die Nahrung der Küstendelphine ist wesentlich vielfältiger als die der Hochseedelphine: Sie stöbern Aale, Kraken, Tintenfische, Krebstiere und andere, am Meeresgrund lebende, Fische auf.
Kommunikation
Die Kommunikation der Delphine untereinander geschieht durch verschiedene Laute wie Schnalzen, Klicken, Pfeifen und Brummen.
Auch heute noch ist die Forschung weit entfernt davon zu verstehen, was diese Laute und Töne bedeuten könnten. Gesichert ist jedoch, dass jeder Delphin seinen persönlichen Erkennungston, den sogenannten "Signaturpfiff", hat. Dieser wird langsam entwickelt. Männliche Jungtiere eignen sich einen Ton an, welcher sehr ähnlich wie der, der Mutter klingt. Weibliche Jungtiere hingegen entwickeln einen Pfiff, der sich komplett von dem der Mutter unterscheidet.
Im Laufe seines Lebens lernt ein Delphin alle Signaturpfiffe der Gruppe und zusätzlich noch 20-25 weitere Töne. Dabei kann jeder Delphin die Signaturpfiffe der anderen Gruppenmitglieder erkennen und auch zuordnen.
Sonarortung
Durch die Sonarortung können Delphine zwischen Artgenossen und grösseren Objekten unterscheiden. Sie können Hindenisse umgehen und ihre Nahrung orten. Aufgrund der Sonarortung können Delphine auch Nachts und in mehr als 600 Metern Tiefe auf Jagd gehen. Junge Delphine müssen die Methode erst erlernen.
Die Schallwellen werden über die sog. "Melone" ausgesandt. Die Melone ist die grosse Wulst am Vorderkopf, die mit einem speziellen Fett gefüllt ist. Der Mensch nimmt die ausgesandten Schallwellen als Klicklaute wahr. Sie werden in der Kehlkopftasche erzeugt und rund dreihundert Mal pro Sekunde ausgestossen. Die Schallwellen werden von einen Objekt (z.B. Hindernis, Beute...) reflektiert und gelangen zum Delphin zurück. Sie werden dann im hinteren Bereich des Unterkiefers empfangen und ins Mittelohr geleitet. So kann der Delphin exakt die Distanz zum jeweiligen Objekt ermitteln.
Anfänge der Delphinhaltung
Bereits 1870 wurden fünf Weisswale lebend nach England gebracht, um sie dort auszustellen. Sie waren die ersten Wale, welche der Öffentlichkeit in einem Becken vorgeführt wurden. In den 30er Jahren hielt man gelegentlich im Aquarium von Playmouth Tiere, die man bei Strandungen gerettet hatte. Es dauerte jedoch bis 1962, dass man durch zwei gefangene Tümmlerweibchen eine Dauerausstellung aufbauen konnte. Dies war der Beginn für die Delphine, in einem künstlichen Lebensraum zu leben. Kurze Zeit später begannen jedoch die Probleme.
Aufgrund ihrer Intelligenz haben Delphine einen hohen Bewegungsdrang, den sie in den viel zu kleinen Becken nicht ausleben konnten. Die Lösung des Problems war eine gelenkte Beschäftigungstherapie. Diese Therapie hatte zwei Vorteile. Einerseits blieben die Delphine gesund, andererseits konnten die eingeübten Nummern einem breiten Publikum vorgeführt werden, und damit wurde Geld verdient. Ohne dieses täglichen Trainings hätten die Delphine das Leben in Gefangenschaft nicht ausgehalten und wären wahrscheinlich vor Langeweile gestorben.
Wissenschaft
Das Wissen, das wir über Delphine haben stammt hauptsächlich von Delphinen in Gefangenschaft. Durch die Beobachtung gefangener Delphine konnten die Wissenschaftler herausfinden, wie sie sich vermehren, wie gut ihre Sinnesleistungen sind, wie die Sonarortung funktioniert, wie die Tiere tauchen und wie sie miteinander kommunizieren. Wissenschaftler, die gegen eine Haltung von Delphinen in Gefangenschaft sind, argumentieren, dass die Delphine unter solchen Bedingungen nicht dasselbe Verhalten wie in freier Wildbahn zeigen würden. Daher seien die Forschungsergebnisse nur teilweise zuverlässig. Die Delphinhaltung hat jedoch unser Wissen und Verständnis bereichert und zudem auch viele Arten für zukünftige Generationen erhalten.
Delphintherapie
Seit 1978 schwimmen behinderte Kinder mit Delphinen in – vom Meer abgetrennten – Buchten. Hier übernimmt der Delphin die Rolle des Therapeuten. Dies bedeutet jedoch wiederum ein Leben in halbkünstlichem Lebensraum für die Delphine.
Der Erfinder der Delphintherapie, Dr. David E. Nathanson, meint zum Thema "Tierschutz": "Es gibt Tierschutzvereine, die vollkommen gegen Delphine in Gefangenschaft sind, egal aus welchen Gründen. Ich neige dazu in der realen Welt zu leben, und dort ist man oft gezwungen Kompromisse einzugehen, um die Welt voranzutreiben. Es ist wahr, dass es einen Zaun gibt, aber ich würde das als einen Kompromiss bezeichnen, mit dem man gut leben kann, um das zu vollbringen, was wir hier machen müssen!"
Der Tierschutz ist in Amerika durch ein festgeschriebenes Gesetz gesichert. Dieses Gesetz besagt, dass man Delphine nicht mehr als zwei Stunden pro Tag zur Therapie einsetzen darf. Ausserdem dürfen Delphine nicht mehr gefangen und eingeführt werden. Mit diesen Gesetzen geben sich jedoch nicht alle zufrieden. Mit verschiedenen Argumenten begründen Gegner die Abschaffung der Delphinhaltung. Einer dieser Gegner ist Thomas Henningsen, Meeresbiologe und Kampagnendirektor für den Bereich Wald und Meere bei "Greenpeace". Er argumentiert, dass auch im besten Delphinarium Delphine nicht artgerecht halten können, denn sie seien soziale Wesen, die sich ihre Gesellschaft gerne selbst aussuchen würden.
In einigen Punkten muss ich Thomas Henningsen Recht geben. Ein Negativbeispiel ist das Delphinarium in Nürnberg. Seit ungefähr 4 Jahren führt die Universität Würzburg dort das Forschungsprojekt "Delphintherapie" durch. Die Delphine des Tierparks Nürnberg werden jedoch in künstlichen, alten und viel zu kleinen Bassins gehalten.
Eine – berechtigte - Reaktion auf diese Haltung ist ein Bürgerbegehren, welches die sofortige Einstellung der Nachzucht, Verbot von Wildfängen aus dem Meer und ein Verbot von Übersiedlungen aus anderen Delphinarien fordert. Mit Erfüllung dieser Forderungen soll letztendlich die Schliessung des Delphinariums erreicht werden. Da dieses jedoch der Anfang vom Ende der Haltung von Delphinen in künstlichen Lebensräumen bedeuten würde, stellt sich die Frage, was würde mit den behinderten Kindern passieren, die auf eine Delphintherapie hoffen?
Nürnberg und Key Largo sind Therapiezentren mit künstlichen Lebensräumen. Diese Zentren müssten früher oder später geschlossen werden, wenn das Gesetz verabschiedet wird. Eine Alternative könnte Ägypten sein, denn dort wird die Delphintherapie mit freilebenden Delphinen angeboten. Trotz aller Bedenken, die der Tierschutz fordert, bin ich der Meinung, dass die Delphintherapie erhalten werden muss, denn die Delphintherapie kommt bei ganz verschiedenen Krankheiten und Behinderungen zum Einsatz. Bei der "Dolphin Human Therapy" in Key Largo beispielsweise werden Kinder mit über 200 verschiedenen Krankheiten (resp. Behinderungen) behandelt. Die häufigsten sind: Zerebrallähmung, Autismus, Down- Syndrom und geistige Behinderungen infolge von Unfällen. Einige Therapiezentren führen aber auch Delphintherapien mit depressiven Menschen, Vergewaltigungsopfern, Krebs- oder HIV- Patienten durch.
Zerebrallähmung
Zu den Zerebrallähmungen gehören eine Reihe von Bewegungsstörungen aufgrund von Hirnschäden, die während oder kurz nach der Geburt auftreten. Es handelt sich nicht um eine spezifische Krankheit, sondern es ist ein allgemeiner Begriff für Störungen die Einfluss auf Bewegung und Körperhaltung haben. Auslöser können sein, Infektionen der Mutter (z.B. Röteln), Strahlenschäden, Sauerstoffmangel, Blutvergiftungen, Verletzungen, Hirninfektionen.
Es werden vier Hauptformen unterschieden: Spastische Lähmungen, Athetose, Ataxie und Mischformen. Die spastische Lähmung ist mit 70 Prozent, die am häufigsten auftretende Zerebrallähmung. Dabei kommt es zu Versteifungen und Lähmungen der Muskeln. Die Athetose ist mit 20 Prozent, die am zweithäufigsten auftretende Zerebrallähmung. Sie ist durch unwillkürliche, ruckartige Bewegungen gekennzeichnet. Je nach Lokalisation des Hirnschadens können die Auswirkungen schwächer oder stärker sein. Es können auch Epilepsie, Sehstörungen und Hörbehinderungen hinzukommen. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Erhaltung der Selbständigkeit. Je nach Art der Behinderung werden auch orthopädisch- chirurgische Eingriffe vorgenommen.
Autismus
Die genaue Ursache des Autismus ist auch heute noch weitgehend unbekannt. Wir wissen nur, dass es eine schwere Entwicklungsstörung des Gehirns ist. Es wird angenommen, dass die Ursache ein genetischer Schaden auf den Chromosomen sieben und fünfzehn sein könnte. Allerdings können auch Komplikationen bei der Geburt der Auslöser sein.
Etwa ein Kind auf 2000 Geburten kommt mit dieser Störung zur Welt. Knaben sind dabei vier- bis fünfmal häufiger betroffen als Mädchen. Die Hälfte der Autisten ist stumm. Es gibt jedoch ganz unterschiedliche Arten von Autismus. In der Regel leiden Autisten an Beziehungs- und Kommunikationsstörungen. Sie sind nicht fähig normale Verhältnisse zu den Eltern oder Geschwistern aufzubauen.Sie spielen nicht mit anderen Kindern und reagieren extrem stark auf kleinste Umweltveränderungen. Sie bestehen auf eine bestimmte Ordnung. Sie wiederholen immer die gleichen Verhaltensweisen und entwickeln Stereotypien. Oft haben sie Probleme beim Essen und Schlafen und neigen auch zur Selbstzerstörung.
Vor normalen Gefahren, wie Strassenverkehr, haben sie keine Angst. Sie neigen jedoch zu einer Über- oder Unterempfindlichkeit einzelner Sinnesbereiche. Bei vielen Autisten können bereits geringe Berührungen Schmerzen, Verkrampfungen, oder sogar Schockzustände hervorrufen. Es gibt auch Autisten die absolut schmerzunempfindlich sind und auch auf Verletzungen überhaupt nicht reagieren. Ihre Intelligenz reicht von geistiger Behinderung bis zu normaler Intelligenz. Sie zeigen oft erstaunliche Teilleistungen in den Bereichen Mathematik, Technik und Musik.
Bei Autisten muss das Lernen in kleinen Schritten im Vordergrund stehen. Auch die Erziehung ist ein wichtiger Faktor.
Down- Syndrom
Das Down- Syndrom ist ein angeborener Gendefekt. Auf 700 Geburten kommt etwa ein Kind mit dem Down-Syndrom zur Welt. Das Risiko steigt mit dem Alter der Mutter.
Die Forschung auf diesem Gebiet ist noch sehr jung. Die Ursachen für die Entstehung des Down-Syndroms sind auch heute noch weitgehend unbekannt. Es wird angenommen, dass es durch einem spontanen Fehler bei der Zellteilung, während der Bildung der Ei- oder Samenzellen, oder bei der ersten Teilung der befruchteten Eizelle entsteht. Menschen mit dem Down- Syndrom haben statt zwei, drei Kopien des Chromosoms 21 und haben so insgesamt 47, anstatt der üblichen 46 Chromosomen.
Das auffälligste Merkmal der Menschen mit Down-Syndrom ist ihr Aussehen. Sie haben einen kleinen, runden Kopf und eine Hautfalte an den inneren Augenwinkeln. In der Hand ist die sog. "Affenfurche" auffällig. Die Entwicklungsschritte wie wie Sitzen, Sprechen und Krabbeln erreichen sie etwas später als normal. Sie leiden oft an Störungen der Sprachentwicklung. Meistens zeigen sie jedoch ein normales Verhalten und haben ein sensibeles Einfühlungsvermögen. Der Intelligenzquotient liegt allerdings meist sehr tief. Sie erreichen das geistige Alter eines Achtjährigen. Sie haben eine hohe Anfälligkeit für Leukämie, Herzfehler, Magen- und Darmprobleme und Sehbeeinträchtigungen. Eine Heilung ist nicht möglich. Nur die Begleiterkrankungen wie Fehlfunktionen und Herzfehler, können behandelt werden. Zu den Therapiemöglichkeiten gehören Physiotherapie, um die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, und die Sprachförderung.
Vorbereitungen
Für den Patienten aber auch für die Familie benötigt es gewisse Vorbereitungen um eine Delphintherapie im Ausland erleben zu können. Nach der Entscheidung für eine Delphintherapie, sollte mit den Vorbereitungen so früh als möglich begonnen werden. Familien die sich für eine Delphintherapie interessieren, sollten sich genau über den Therapieort informieren, da die Delphintherapie in vielen verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Kulturen, weltweit angeboten wird. So sind zum Beispiel die Sitten in Amerika ganz unterschiedlich als in Ägypten. Auch was die Delphine anbelangt, sind Unterschiede vorhanden. Für Familien die mit freilebenden Delphinen zusammenarbeiten möchten, ist Ägypten passend. Wenn sie jedoch sicher sein möchten, dass immer Delphine anwesend sind, sind Orte wo Delphine in Gefangenschaft gehalten werden geeigneter.
Grundsätzlich wird auch empfohlen, dass sich die Familie gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker und mit den behandelnden Therapeuten für ein passendes und geeignetes Therapieprogramm entscheidet. Jedes zu behandelnde Kind braucht sein persönliches, nach seiner Behinderung orientiertes Programm. Und nicht alle Zentren bieten die gleichen Therapien an. Natürlich sind auch die Kosten für die Therapie ein wesentlicher Faktor. Amerika ist im Vergleich zu Israel oder Ägypten deutlich teurer, was nicht zuletzt an den teuren Hotel- und Flugkosten liegt.
Familien, welche sich eine Delphintherapie nicht leisten können, sollten sich früh genug mit einem der zahlreichen Vereine zusammen setzen. Diese Vereine unterstützen Familien finanziell und vermitteln Kontakte. Wie bei allen Reisen ins Ausland sollte auch der Impfschutz überprüft werden. Um sicher zu gehen, dass das gewählte Reiseziel für das Kind geeignet ist, sollte die Reise mit dem Hausarzt oder Heilpraktiker besprochen werden. Auch die Wartezeit spielt eine wichtige Rolle. So kann die Wartezeit bei manchen Therapienzentren mehrere Jahren betragen, bei anderen wiederum "nur" ein paar Monate.
Quelle:
Sabrina Stöckli
Weitere Informationen bei: www.delphintherapie.org
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