Die Therapie mit Kangalfischen

Hp. Kurt W. Seifert

In Falkensee können Menschen, die unter Schuppenflechte und Neurodermitis leiden, eine ganz besondere Therapie durchführen. Kangalfische - auch Doktorfische genannt - knabbern die erkrankten Hautstellen Schuppe für Schuppe ab. Dadurch wird eine z. T. monatelange Spontanverbesserung (Remission) des Krankheitsbildes erreicht. Es werden auch die seelischen Belastungen, die diese Erkrankungen mit sich bringen, zumindest zeitweise gelindert. Viele Patienten, die diese Therapie ausprobiert haben, berichten von eindrucksvollen Erfolgen bei einigen Hauterkrankungen.

Ursprünglich kommen die Kangalfische aus der Türkei, werden jetzt aber auch in Deutschland nachgezüchtet. Vor knapp zwei Jahrzehnten breitete sich in Mitteleuropa die Kunde von Fischen aus, die in einem Fluss (Quelle) bei dem kleinen Ort Kangal in der Türkei leben und Menschen mit Psoriasis und Neurodermitis durch Knabbern an der Haut zur Besserung ihrer Beschwerden verhelfen. Diese Eigenart der Fische wird von den Einheimischen seit über hundert Jahren genutzt. Zu diesem Zweck legten sie Fischbassins an, die seit 1963 auch für Besucher geöffnet sind. In den 80er Jahren fuhren dann die ersten Westeuropäer nach Kangal, um am eigenen Leibe zu erfahren, was es tatsächlich mit dem Mythos der heilenden Fische auf sich hat.

Die Fische

Es handelt sich um zwei Arten von Fischen, die bis zu 20 cm lang werden können. Sie haben sich perfekt an die Lebensbedingungen in dem 350C warmen Wasser der dortigen Quellen angepasst. Da das Wasser der Quellen nahezu kein Plankton - von dem die Fische normalerweise leben - enthält, mussten sie sich zwangsläufig nach anderen Eiweissquellen umsehen um zu überleben. Eine wichtige Nahrungsquelle für die Fische sind die abgestorbenen Hautzellen der Menschen, die zu ihnen ins Wasser kommen. Allerdings fressen sie sich auch gegenseitig, wenn kein anderes Futter zur Verfügung steht. Die wissenschaftlichen Namen der beiden Fischarten sind Cyprinion macrostomus und Garra Rufa obtusa. Sie arbeiten quasi Hand in Hand. Die Fische der ersten Art stossen und massieren die betroffenen Hautstellen der Badenden und lockern dadurch die Krusten der abgestorbenen Zellen. Die Fische der anderen Art lösen dann die Hautschuppen ab. Der Badende merkt davon ausser einem leichten Klopfen und Kitzeln auf der Haut nicht viel. Empfohlen wird eine dreiwöchige Kur, bei der der Patient jeden Tag zweimal 2-4 Stunden in dem Wasser mit den Fischen verbringen soll. Zusätzlich trinken die Patienten jeden morgen von dem Quellwasser.

Das Fressen der abgestorbenen Haut von den entzündeten Stellen allein erklärt aber nicht die lindernde Wirkung, die von dieser Behandlung auf die Psoriasis und die Neurodermitis ausgeht. Angeblich sollen die Fische beim Fressen, neben der "Mikro-Massage", auch entzündungshemmende Stoffe in die Haut der Badenden abgeben. Bislang fehlen darüber jedoch aussagekräftige Untersuchungen. Der wohltuende Effekt auf die Psyche des Kranken und der feste Glaube an die heilende Wirkung der Fische darf nicht ausser Acht gelassen werden. Beides hat sicherlich seinen Anteil an der Besserung der Beschwerden.

Durch das Entfernen der Krusten werden die von der Psoriasis betroffenen Stellen direkt dem Wasser und dem Sonnenlicht ausgesetzt. Mit Sicherheit ist das besondere Wasser der heissen Quellen ein wichtiger Faktor für die positive Wirkung dieser Kur auf die meisten Patienten. Wasseranalysen ergaben, dass das Wasser einen hohen Anteil an Selen hat. Selen ist im menschlichen Körper entscheidend am Prozess der Wundheilung beteiligt.
Das Wasser lindert u. a. auch rheumatische, neurologische und gynäkologische Probleme.

Nachzucht in Deutschland

Es ist mehreren Leuten inzwischen gelungen - siehe Falkensee - die Fische aus der Türkei heil nach Deutschland zu bringen. Die Fische werden nun auch hier gezüchtet und auch verkauft. Obwohl die Zuchtfische nicht billig sind, ist es jedoch eine preiswertere Variante als eine dreiwöchige Kur in der Türkei. Die Wirkung hier zu Lande dürfte aber nicht die gleiche wie in Kangal sein, weil das spezielle Quellwasser fehlt und das Klima hier völlig anders ist. Allerdings bringen die Fische allein bereits eine Linderung. Im Internet lassen sich Adressen finden, wo man sich auch in Deutschland von den "Doktorfischen" behandeln lassen kann.





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