Therapie bei Schmerzen

Hp. Kurt W. Seifert

Ein nicht unwesentlicher Teil unserer Patienten rekrutiert sich aus den sog. Schmerzpatienten. Oftmals fühlen sie sich von der Schulmedizin in Stich gelassen oder werden sogar als Simulanten eingestuft. Besonders betroffen sind die Patienten der Gruppe 6, obwohl auch sie in die bestehende Nomenklatur der International Association for the Study of Pain, International Headache Society aufgenommen sind.



Rezeptoren der Haut

Schmerzsyndrom ist der Oberbegriff für Beschwerdebilder, die mit chronischen (d. h. seit mehr als 6 Monaten bestehenden, dauernden oder rezidivierenden) Schmerzen einhergehen. Es handelt sich um die sog. Schmerzkrankheit. Die Beschreibung von Schmerzsyndromen erfolgt nach einheitlicher Nomenklatur vor allem unter Angabe von Körperregion bzw. Organsystem (z. B. Kopfschmerz, Schmerzen des Bewegungsapparates, viszerale Schmerzen, projizierte bzw. übertragene Schmerzen), Zeitmuster des Auftretens, Schweregrad und Dauer nach Angaben des Patienten, sowie Angaben zur Ätiologie.

Formen:

  1. Entzündungsschmerzen beruhen auf der Erregung von spezialisierten Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren), wobei chemische Entzündungs- bzw. Schmerzmediatoren stark erregungsfördernd mitwirken. Z. B. Schmerzen bei entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Polyarthritis, Appendizitis, Pankreatitis, Zahnschmerzen, Wundschmerz.


  2. Spastische Schmerzen beruhen auf der Erregung von Nozizeptoren durch übermäßige Kontraktion von glatter Muskulatur innerer Organe. Dabei können eine Vielzahl von Auslösemechanismen mitwirken. Z. B. mechanische Irritation eines Hohlorgans (Kolik durch Gallenstein), toxische Substanzen (chronische Gastritis), Ischämie (ischämische Kolitis), Nahrungsmittelallergie, sowie infolge übersteigerter Reflexe des enteralen Nervensystems (Reizkolon).
  1. Nervenschmerzen werden auch als neuropathische Schmerzen oder Neuralgie bezeichnet. Sie beruhen auf Irritation oder Schädigung peripherer Nerven oder zentralnervöser Strukturen, ohne die Beteiligung von Nozizeptoren. Unter diesen Begriff fallen z. B. Amputationsschmerzen (Phantomempfinden: ist die Projektion von Empfindungen in ein nach Amputation nicht mehr vorhandenes oder z. B. durch Plexusschädigung oder Querschnittläsion denerviertes Körperteil (Extremität, Mamma, Rektum, Penis, Zahn u. a.) dieses wird als vorhanden erlebt, nach Extremitätenamputation auch als direkt am Stumpf aufsitzende geschwollene Hand bzw. Fuß (sog. Teleskopphänomen) empfunden. Der Phantomschmerz kann durch Berührungsreiz oder Stumpfschmerz (insbesondere bei Amputationsneurom) ausgelöst werden oder spontan vor allem als Schmerz (evtl. begleitet von Stumpfschlagen), Juckreiz od. Bewegungsempfindung auftreten.), Trigeminusneuralgie, Schmerzen bei Engpaßsyndromen wie Karpaltunnelsyndrom oder Bandscheibenvorfall, Schmerzen bei Polyneuropathien (Diabetes mellitus), Schmerzen nach Rückenmarkverletzungen.


  2. Kopfschmerzen, besonders medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz (siehe auch Tabelle der Differentialdiagnosen des Kopfschmerzes).
  1. Fehlregulationsschmerzen beruhen auf einer unangemessenen Funktion eines physiologischen oder biochemischen Regulationssystems, z. B. unangepaßte motorischer Steuerung der Skelettmuskulatur, wie z. B. Hartspann oder Schmerzen bei Fehlhaltung (Behandlung dieser Schmerzgruppe wird durch Osteopathie oder Rolfing durchgeführt und stellt in der Regel kein Problem für den Behandler dar!), Fehlfunktion des sympathischen Nervensystems (sympathische Reflexdystrophie, Ischämie durch Vasospasmus), Fehlregulation von Neurotransmitterwirkungen auf die Gehirngefäße (Migräne).


  2. Psychosomatische Schmerzen, als körperliche Ausdrucksform unbewältigter psychischer oder psychosozialer Probleme (z. B. konversionsneurotische Schmerzen oder Migräne nach psychischen Belastung). Beim Somatisierungsprozeß können Mechanismen der Fehlregulation (z. B. psychisch ausgelöste Muskelverspannung) mitwirken. Schmerzen können auch begünstigt werden, wenn durch die Schmerzäußerung soziale Vorteile zu erwarten sind (sog. sekundärer Krankheitsgewinn im Sinne einer operanten Konditionierung). Das können z. B. kindliche Bauchschmerzen zur Sicherung der mütterlichen Aufmerksamkeit sein.

Die Behandlung

Zu 1)
Bei diesen Schmerzsymptomen müssen natürlich die Grunderkrankungen behandelt werden.
Die Appendizitis wird in die Hand eines Schulmediziners gegeben werden müssen, da eine Operation ins Auge gefaßt werden muß.
Auch die Pankreatitis gehört in der Regel in die Hand der Schulmedizin, da dem Heilpraktiker Schmerzmedikamente in der erforderlichen Stärke nicht zur Verfügung stehen. Der Schmerz der Pankreatitis wird in der Fachliteratur als "vernichtend" beschrieben.
Abgesehen von den Zahnschmerzen, die der Heilpraktiker nicht behandeln darf, lassen sich die anderen Erkrankungen mit der Homöopathie, der Phytotherapie, der Homotoxikologie, der Neuraltherapie und der Akupunktur gut in den Griff bekommen.
Bei allen rheumatischen Erkrankungen muß immer an eine Darmsanierung und eine Ernährungsumstellung gedacht werden.

Zu 2)
Hier gilt praktisch das Gleiche, was ich bereits in Punkt 1 aufgeführt habe. Auch hier ist es unumgänglich, die Grunderkrankung zu behandeln. Inwieweit Gallensteinkoliken mit der Neuraltherapie oder durch Akupunktur behandelt werden können, muß von Fall zu Fall entschieden werden.
Die Irritationen der Hohlorgane müssen natürlich beseitigt werden. In vielen Fällen wird hier die Phytotherapie eingesetzt werden können, wobei bereits die Zuwendung des Behandlers ein großer Schritt zur Gesundung des Patienten sein kann.

Zu 3)
Die Neuralgien beruhen nicht immer auf eine Irritation oder Schädigung eines Nervs. Oftmals lassen sich keine objektivierbare Gründe für die Schmerzen finden.
Ich erkläre es meinen Patienten folgendermaßen:
Ein Mikrofon und ein Lautsprecher haben grundsätzlich den gleichen technischen Aufbau. Vom Mikrofon werden Schallwellen aufgenommen und zum Lautsprecher geleitet und dadurch hörbar gemacht. Werden nur wenige Drähte im Mikrofon und im Lautsprecher umgelötet, kann man in den Lautsprecher hineinsprechen und hört das Gesprochene im Mikrofon.
So ähnlich kann man es sich auch bei den Schmerzempfindungen vorstellen. Normalerweise leiten die Nerven des Erfolgsorgans Empfindungen an das Gehirn. Es kann aber zu einer "Umpolung" kommen und plötzlich leitet das Gehirn Empfindungen (Schmerz) in das Erfolgsorgan.
Viele Kolleginnen und Kollegen werden jetzt empört der Meinung sein, daß ich zu sehr simplifiziere. Das mag durchaus sein, der Patient möchte aber sein Leiden verstehen können und das ist durch ein solches Beispiel gut zu erreichen.

Die Therapie der Wahl bei neuralgischen Schmerzen ist die Neuraltherapie. Ich injiziere Procainhydrochlorid an die entsprechenden Ganglien und/oder an den dazugehörigen Plexus. Vorher führe ich jedoch immer eine Störfeldsuche durch und oft genug habe ich erlebt, daß ich ein Sekundenphänomen auslösen konnte. Besonders zu beachten ist immer eine Narbe nach einer Gallenoperation.
Bei dem Phantomschmerz spritze ich alle Amputationsnarben ab und schiebe die Kanüle danach bis an den Nerv vor und deponiere das Neuraltherapeutikum direkt an die Faszie des Nervs. Die Erfolgsrate liegt bei über 70 %!
Auch hier kann ich dem Patienten eine einleuchtende Erklärung geben: Durch die Anästhesie beruhigt sich der Nerv zunächst und "erinnert" sich dann an seine eigentliche Aufgabe.
 


Injektionen: 1= Intramuskulär, 2= Subcutan, 3= Intravenös, 4= Intracutan



Gehirnaktivierungspunkte
durch Procain

Zu 4)
Bei dem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz, der nach einer längeren Einnahmezeit von Analgetika (mind. 3-monatiger Einnahme) auftreten kann handelt es sich um einen toxisch bedingten, diffusen Kopfschmerz.
Die einzige Therapie ist die schrittweise Entwöhnung von dem Medikament, das den Schmerz auslöste. Eine Psycho- oder Hypnosetherapie kann wertvolle Dienste leisten.

Zu 5)
Die Behandlung dieser Schmerzgruppe wurde bereits im Text erwähnt.

Zu 6)
Die Patienten dieser Gruppe werden von der Schulmedizin besonders leicht in die Kategorie "Simulant" eingeordnet weil sich die Schmerzen nicht organisch erklären lassen. Sehr oft steht der sogenannte Krankheitsgewinn.
Darunter versteht man die Bezeichnung für die objektiven oder subjektiven Vorteile, die sich aus der oftmals unfreiwilligen Übernahme der Rolle des Kranken ergibt.

Formen:

  1. primärer Krankheitsgewinn:
    Entlastung vom Konfliktdruck und Bindung von Angst durch Symptombildung.
  2. sekundärer Krankheitsgewinn:
    Zuwendung, Anteilnahme u. a. soziale Konsequenzen, durch die die Krankenrolle bzw. die Symptomatik stabilisiert werden. Zum sekundären Krankheitsgewinn zählt auch die sog. Rentenneurose.

Bei dieser Symptomatik bieten sich grundsätzlich 3 Therapieformen an.

  1. Die Bachblütentherapie
  2. die Psychotherapie
  3. die Hypnosetherapie

Durch den verantwortungsvollen Einsatz dieser Therapien meistens in Kombination ist ein Erfolg praktisch als sicher anzusehen.





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