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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/1995

Arthrose

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Thesen – Hypothesen – Therapiemöglichkeiten

R. M. Schischegg

r9504_ar1Mögen uns manche Passagen obsolet und die Besetzung der Kuranstalt Bilz mit „ approbirten Ärzten“ dünn erscheinen, grundsätzlich stimmen die Prinzipien zur Verhütung rheumatischer Erkrankungen. Die Subtilität der heutigen Rheumaforschung aber eröffnet uns ein weites, interdisziplinäres Feld der Ursachenerkennung und Therapie. Der Bogen rheumatischer Erkrankungen spannt sich von entzündlichen Veränderungen im Bereich der Gelenke, Sehnen, Muskeln oder Schleimbeutel bis hin zu den bekannten „Abnützungserscheinungen“ in den Gelenken, kurz Arthrosen genannt. Brackertz nennt noch akute und chronische Traumen, erworbene Formstörungen der knöchernen Gelenkteile. MAZIERÈS stellt in den Mittelpunkt des arthrotischen Geschehens die Degeneration des Gelenkknorpels, begleitet von einer defizitären Reparation des Knorpelgewebes, sowie einer Neubildung des subchondralen Knochen, mehr oder weniger verbunden mit einer sekundären Synovialreaktion.

Die Literatur füllt inzwischen ganze Bibliotheken mit Thesen und Hypothesen über die Entstehung rheumatischer Erkrankungen. Seit einigen Jahren setzt sich zunehmend die Meinung durch, daß es sich bei den Arthrosen um ein hochkomplexes Krankheitsbild handelt, das auf der Basis komplizierter zellulärer und biochemischer Interaktion entsteht (OTTE 1973).

Im Zentrum der Betrachtungen stehen der Chondrozyt und die Knorpelmatrix. Zur Gesunderhaltung des Gelenkknorpels ist die Unversehrtheit der „Grundsubstanz“ absolute Voraussetzung. Je stärker die Makromoleküle der Matrix geschädigt werden, desto stärker ist die Gelenkfunktion beeinträchtigt. Man ist der Meinung, daß bei der Interaktion von Grundsubstanz und Chondrozyt Mediatorsubstanzen beteiligt seien, das wären nach heutigem Wissensstand Interleukin, Tumor-Nekrose-Faktor, sowie andere Zytokine und Wachstumsfaktoren.

Stellt man alle als sicher oder wahrscheinlich geltenden Faktoren der Arthrose zusammen, so kommt MAZIERÈS zu folgenden zwei ätiologischen Hauptgruppen:

  1. Die „mechanischen“ Arthrosen. Ein ursprünglich normaler Knorpel wird einem zu großen Druck ausgesetzt (deckt sich mit der Auffassung BRACKERTZ !). Dies ist der Fall bei Dysplasien (Dysplasie der Hüftpfanne), Instabilität (Riß des Ligamentum cruciatum anterius), Überlastug (gewichts- oder funktionsbedingt z.B. durch sportliche oder berufliche Beanspruchung). Deshalb spricht man auch gemeinhin auch von der Gruppe der sog. „sekundären“ Arthrosen).
  2. Die „strukturellen“ Arthrosen. Bei ihnen funktioniert das Gelenk zwar normal, ist aber durch eine anomale Knorpelstruktur anfälliger gegenüber dem normalerweise auf den Knorpel ausgeübten Druck.

Die Gruppe der „strukturellen“ Arthrosen ist ziemlich heterogen und nicht so bekannt wie die „mechanischen“ Varianten.

Interessant ist, daß eine Osteoporose eine Schutzwirkung auf die Arthrose ausübt, indem der flexibilere Knochen vermutlich den Knorpel vor Traumen bewahrt.

Immerhin, der Chondrozyt nimmt in allen Auffassungen eine Schlüsselstellung ein und deshalb spricht man, in Anspielung, auf die „aktivierten Chondrozyten“. Der Mechanismus dieser metabolischen Aktivierung ist noch weitgehend unbekannt, daher verlassen wir den hohen Olymp der Wissenschaften und wenden uns praktischeren Dingen zu:
Pathologisch anatomisch finden wir bei der Arthrose eine Aufrauhung des Gelenkknorpels mit zunehmendem Knorpelschwund. Ferner eine Verdickung der Synovialmembran und Entstehung von Sporen am Gelenkflächenrand.

Radiologisch zeigen sich folgende Merkmale: 

  • Frühzeitige Gelenkspaltverschmälerung, Knochenabbau mit Osteophytose
  • Kapselverknöcherung
  • Subchondrale Knochenverdickung
  • Zystoide Spongiosadefekte.

Die sekundären Arthrosen laufen zwar klinisch ähnlich ab wie die primären, jedoch mit schwererem Verlauf. Sie können im Grunde jedes Gelenk befallen und sind meist Folge intra- oder extrazellulärer Traumen.

Im Anfangsstadium ist die Arthrose in der Regel symptomarm bis symptomfrei, aber selbst bei fortgeschrittener Erkrankung bestehen oftmals keine subjektiven Beschwerden. Wir sind also verwundert über Röntgenbefunde, die erhebliche Deformierungen zeigen, ohne daß der Patient über besondere Beschwerden klagt, doch auch der umgekehrte Fall wird in der Praxis beobachtet.

Beschwerdebilder der Patienten

  • Spannungsgefühl in den Gelenken
    Gelenksteifigkeit
  • Anlaufschmerz (sehr typisch und differentialdiagnostisch gegen Gefäßerkrankungen abzugrenzen!)
  • Belassungs- und Dauerschmerz

Mit Arthrose aufs Rad? Ja, aber Sattel hoch!

In naturheilkundlich orientierten Kliniken werden Arthrotiker u.a. mit Bädern, Massagen und Heilgymnastik behandelt. Aber auch daheim kann jeder für seine Gelenke die richtige Bewegungskur auswählen. Sportarten, „Mann gegen Mann“ wie Fußball sind zu vermeiden. Ebenso Tennis oder andere Sportarten mit gelenkbelastenden raschen Richtungsänderungen.

Probieren Sie es dagegen mal „Mann mit Frau“ und Musik. Tanzen ist dafür hervorragend geeignet. Es muß ja nicht ein harter Rock´n Roll sein. Wandern, Skilanglauf (der Schlittschuhschritt sollte tabu sein) und Radfahren gefällt Ihrem defekten Gelenk auch. Beim Radfahren sollte der Sattel so hoch wie möglich eingestellt sein.

Wer so radelt, daß die Knie fast neben seine Ohren reichen, strapaziert seine Kniegelenke. In der oberen Pedalstellung sollte das Knie nicht mehr als 90 Grad (das ist ein rechter Winkel) angewinkelt sein.

Rund um die Uhr gibt es jetzt zum Telefon Normaltarif weitere Informationen und Tips über Arthrose: Tel. 02173- 9 56 02 00. Wer am Ende seine Adresse nennt, bekommt auch zwei Broschüren („Arthrose – Patientenfragen kurz beantwortet“ und „Aktiv mit Arthrose“) kostenlos zugesandt.

Ein Service der Firma Opfermann Arzneimittel, Wiehl (dona ® 200-S).

Die Untersuchung des Patienten

Sie besteht in der Aufnahme der üblichen Anamnese (Familienanamnese), im Durchführen von aktiven und passiven Bewegungen.

Da bei der Coxarthrose das Gelenkspiel gestört ist, sollte zunächst eine Innenrotationsprüfung erfolgen. Dabei liegt der Patient auf dem Rücken, Knie- und Hüftgelenk sind rechtwinklig gebeugt. (Ein gesunder Oberschenkelkopf kann sich fast um alle Achsen gut bewegen!)

Ferner ist auf das Patricksche Zeichen zu achten, d.h. Ausführung einer kombinierten Abduktion und Außenrotation, das einen eindeutigen Hinweis auf eine Affektion des betreffenden Gelenkes erlaubt.

Röntgenbilder sind nur bedingt interessant, da zwischen ihnen und der klinischen Symptomatik oft eine Diskrepanz besteht.

Therapie

Die klassische Basistherapie der orthodoxen Medizin mit Antiphlogistika und Antirheumatika hat Grenzen, man erreicht mit ihr meist nur eine vorübergehende Linderung. Auch die Physikalische Therapie hat ihr Erfolgslimit, wenngleich bei den fast immer verspannten Muskeln um das erkrankte Gelenk durch sanfte Massagen diese Verspannungen gelöst werden können.

Grundsätzlich wird sich die Tätigkeit des Heilpraktikers bei Arthritiden und Arthrosen auf das Gebiet der Prävention bzw. auf die chirurgische Nachsorge beschränken müssen. Ein degenerativ zerstörtes Gelenk wird daher weder durch homöopathische noch durch
physikalische Therapiebemühungen seine ursprüngliche Funktionalität zurückerhalten. Dennoch: Wir sind absolut in der Lage, Linderung zu verschaffen.

Vorschläge:

  • Gewichtsreduktion,
  • reizlose Nahrung, mit Vitaminen, vor allem E,
  • Entgiftung (z.B. Entgiftungssystem PHÖNIX)
  • Bewegungstherapie

Phytotherapie

Reichlich Brennesseltee
Harpagophytumtee oder
Rp.
Rad. Ebuli 10,0
Fol. Betulase
Fruct. Jubiperi aa 25,0 M.f.spec. D.S. zum lnfus morgens und abends 1 Tasse
oder
Rp.
Tct. Guajaci 30.0
Bryonia ø
Dulcamara ø aa 10,0
Löwenzahntropfen
309 Presselin 100,0
M.S.: 3×1 TL p.c./Rheumatee

Pflanzensaftkur nach J. Karl
1 Woche Brennesselsaft
1 Woche Birkensaft
1 Woche Löwenzahnsaft
Einnahmezeit mindestens 3 Wochen.

Steirocall Lösung (Phytotherapie)
S. 30-40 Tr. v.d. Mahlz. (auch gegen Bandscheibenschäden!)
oder
Araniforte (Fa. Vogel & Weber) Tropfen S. nach Anweisung

Bei Schmerzen:
Phytodolor Tinktur (Fa. Steigerwald)
S. mehrmals tägl. 40 Tropfen
oder
Chiroplexan H Tr, (Fa. Pflüger)
S. 6mal 15 Tr. tägl.
dazu:
Pfx. Rhododendron 397 (Pflüger)
S. 4mal tägl. 1 Tablette

Entsäuerung des Gesamtorganismus mit BASICA (Fa. Klopfer)
S. 3 mal tägl. 1 Messerspitze Plv. in Wasser; Basische Ernährung!

Enzymtherapie

(in der Rheumatherapie unererläßlich!)
Phlogenzym Dragees (Fa. Mucos)
S. Initial hoch dosieren, bis zu 3mal 10-12-15 Dragees tägl. (Nicht einsetzen vor Operationen, bei Dialysepatienten und Blutern!)

Neuraltherapie

Sie steht im Mittelpunkt unserer therapeutischen Maßnahmen. Vorausgesetzt die Injektionstechniken werden beherrscht, stehen uns eine ganze Reihe hervorragender Präparate zur Verfügung:

Ney-Arthros Dil. Amp. Mischspritze
Ney-Chondrin Dil. Amp.
Periarticulär (ev. s.c.) um das betroffenen Gelenk herum injizieren.
S. 3mal wöchentl. 1 Injektion (Mischspritze), mit Stärke I beginnen.
1. Woche 2 Amp. I,
2. Woche 2 Amp. II,
3. Woche 1 Amp. III,
Nach Abschluß der Dil. Serie Ney-Arthros Sol im., 1 Amp./ Woche.
oder:
ZEEL P Amp.
S. 3 mal vvöchentl. 1-2 Amp , je nach Größe des Gelenkes,
dazu:
ZEEL Tabletten.
S. 4 mal tägl. 1 Tablette.
ZEEL Salbe einmassieren oder Salbenumschläge machen. (Sollte die Arthrose eine entzündliche Komponente haben, wäre Traumeel S dem ZEEL zuzumischen!)

Bestrahlung

UNISOL Lampe, ggf. Einsatz des pulsierenden Magnetfeldes.

Schröpfen

Die Methode hat sich sowohl bei der Cox- wie auch der Kniegelenksarthrose bewährt.

Auch in der Arthrosetherapie sollte an ein Antioxidans gedacht werden, schon um entzündliche Schüben zu begegnen. Mir haben sich SPONDYLONAL KAPSELN, S. 4mal tägl. 1 Kapsel (Fa. Brenner-Efeka) in vielen Fällen, vor allem auch in der Schmerztherapie sehr bewährt, besonders bei Wirbelsäulenerkrankungen, Bandscheibenschäden usw. Viel empfohlen wird auch SELENIUM ACE (Fa. Stroschein Gesundkost) das ist Selenhefe mit den Vitamen A, C und E.

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