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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/1998

Erfolgstherapien von Kopf bis Fuß – Teil 16 – Darmerkrankungen

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r9804_et1 Allgemeines
In alten Gesundheitsbüchern steht zu lesen, daß es Krankheiten gar nicht geben könne, so lange Nieren und Darm einwandfrei funktionieren.
Dieser geradezu neuzeitlichen Auffassung ist prinzipiell zuzustimmen, denn es ist wahr, daß der Verdauungsapparat die „Wurzel der Pflanze Mensch“ ist.
Leider aber herrschen in der Verdauungsregion dieser „Pflanze Mensch“ bisweilen desaströse Zustände, seit unsere zivilisatorischen Ernährungssün den die Idylle in unserem Bauch empfindlich gestört haben und unser Darm (Hauptträger des Immunsystems!) in krankmachenden Gärungs- und Fäulnisprozessen vor sich hindümpelt.
In seinen Krypten stehen Gifte wie Indol, Skatol, Kresol, ja sogar Cadaverin (Leichengift) und Histamine (Histaminkopfschmerz!) in ständigem Schlagabtausch mit unserem Abwehrsystem, das diesen Attacken oft nicht mehr Herr wird und toxische Darmprodukte über die Blutbahn des locus minoris resitentiae finden. Um dort ihre verheerende Wirkung zu entfalten.
Diese eben genannten Stoffe werden leider nicht zur Gänze über den Stuhl ausgeschieden und finden daher bei einer Körpertemperatur von rund 37° Grad ein hervorragendes Milieu für ihre Zersetzungsarbeit. Ist womöglich auch noch die Leber durch ständige Entgiftungsaufgaben in ihrer Leistungskapazität reduziert, kann es zu einer generalisierten Intoxikation des Gesamtorganismus kommen.
Gärprodukte wie Fuselalkohole entstehen aus Zucker, Obst, Kuchen usw. toxische Fäulnisstoffe aus Fleisch, Fisch, Eiern u.a., also genau aus der von uns modernen Menschen bevorzugten Ernährung.

Der Weg zur Verschlackung
Ist der Darm nicht mehr in der Lage, das Blut zu reinigen, kommt es zu einem Rückstau von Stoffwechselabfällen, die ihrerseits wiederum eine Selbstvergiftung nach sich ziehen.
Natürlich sind wir durch eine Reihe von Sicherheitssystemen geschützt. Um lebenswichtige Organe vor den Angriffen der erwähnten Darmgifte zu bewahren, werden rückgestaute Schlackenstoffe in „weniger wichtigen“ Geweben abgelagert wie z.B. im Fett- und Bindegewebe, in Kapseln und Muskeln, was aber nicht heißt, daß sie an diesen Zielorten besonders willkommen wären, im Gegenteil! Hier induzieren sie Gelosen, Arthrosen, Verkalkungen der (vor allem kleinen) arteriellen Gefäße, aber auch Nierensteine.
Hauterkrankungen zum Beispiel, ohne eine gründliche Darmsanierung vorausgehen zu lassen, werden nicht in den Griff zu bekommen sein, da ihre Ursachen fast immer in einer Dysbakterie des Darmes liegen.
In diesem Zusammenhang muß ich erneut auf die Wichtigkeit der Kenntnisse der Mayr-Diagnostik hinweisen, die jedem Heilpraktiker geläufig sein sollte!

Die wichtigsten Krankheiten des Darms

Darmträgheit und ihre Ursachen
Zellulosearme Nahrung und Mangel an Bewegung können als Hauptverursacher angesehen werden, aber auch innere Konfliktsituationen, das „Hinunterschlucken müssen“, „möchten und nicht können“… führen zu Verdauungs- und Darmbeschwerden.
Es gibt grundsätzlich kaum eine Darmstörung ohne psychische Irritationen! Weitere Ursachen liegen im Fehlen von Ballaststoffen, die überschüssige Fettaufnahme drosseln und den Cholesterinspiegel senken sollen. Außerdem verhindern sie starke Schwankungen des Zuckerspiegels, da sie für eine langsame Aufnahme von Zucker aus der Nahrung sorgen.
Ballastarme Kost hat den Nachteil, daß das Sättigungsgefühl später eintritt, wodurch nicht nur öfter, sondern auch mehr gegessen wird.
Ballaststoffe sind enthalten in Rohkost, Joghurt, Kefir, Müsli, rohem Sauerkraut (3 volle Gabeln vor den Mahlzeiten) und in jeder Nahrung mit rechtsdrehender Milchsäure. Ist die Darmträgheit auch keine Erkrankung an sich, induziert sie doch eine Reihe von unangenehmen bis letzten Endes doch krankhaften Folgen.
Merksatz: Wer am Abend viel ißt, womöglich viel Süßes, (Hauptursache für Blähungen!) wird nicht nur automatisch verstopft, sein Stoffwechsel kippt auch zur sauren Seite!

Die Obstipation

Anamnestisch ist abzuklären, wie lange die Obstipation bereits besteht und ob Schmerzen vorhanden sind. Ferner ist die Stuhlbeschaffenheit zu erfragen (Schafskot?) und die Häufigkeit der Defäkationen. (Achtung! Blut im Stuhl?) Sind keine organischen Erkrankungen (ohnehin seltener) erkennbar, muß man von einer habituellen Obstipation ausgehen, von der vor allem introvertierte, schüchterne und depressive Menschen betroffen sind. Mangelnde Bewegung, schlackenarme Ernährung, herabgesetzter Tonus des Kolons komplettieren das Ursachenspektrum.

Therapie
Sie besteht zunächst in der Aufklärung des Patienten. Es muß darauf hingewiesen werden, daß auftretender Stuhldrang niemals unterdrückt werden darf, andererseits sollte sich keine Defäkationshysterie entwickeln, das heißt, die Aufmerksamkeit nicht ununterbrochen der Darmträgheit zugewandt werden.

Zur Umstimmung sind Heilfastenbehandlungen (schon wieder Mayr!) sowie Rohkostdiäten geeignet.

Ausleitungsverfahren und Aschnermethoden. (Soweit sie zum Purgieren verwendet werden, sind sie für eine Dauertherapie allerdings ungeeignet!)
Abführmittel leiern den Darm aus! Auch wenn sie pflanzlicher Herkunft sind, sollten sie nur kurzzeitig eingesetzt werden.
Sennesblätter z. B., durchaus ein pflanzliches Mittel, oder gar Aloe (früher ein beliebtes Abtreibungsmittel) führen letzten Endes zu einer Darmschwäche.
Die Verwendung solcher stark wirkender Laxantien ist schon deshalb widersinnig, weil der Darm immer nur partiell verstopft ist, durch solche Radikalkuren aber in seiner Gesamtlänge aufgeputscht und gereizt wird. Die Folgen können schwerwiegend sein. Erbrechen, Herzstolpern, Wadenkrämpfe usw. werden durch den in Mitleidenschaft gezogenen Mineralhaushalt hervorgerufen.
Daher: Jedes Abführmittel höchstens 2 Wochen lang verordnen!
Kalium und Natriumverluste sind auszugleichen, es könnte sich sonst ein verhängnisvoller Circulus vitiosus entwickeln: Hypokaliämie – Obstipation – Laxantien – Hypokaliämie – Obstipation.

Physikalische Maßnahmen
Vor dem Aufstehen Bauchmassage im Uhrzeigersinn und tagsüber öfter Bauchschnellen.

Hydrotherapie
Wellenbad: Der Patient ruht entspannt im warmen Vollbad, der Behandelnde sitzt neben der Wanne und schlägt unter dem Wasser Wellen, die auf den Bauch gerichtet sind. Dadurch wird die Peristaltik angeregt, so daß es noch in der Badewanne zu einem Defäkationsreiz komt.

Phytotherapie
Semen psyllii (Flohsamen)
Plantago lanceolata (Spitzwegerich)
S. 5 – 15 Gramm in Wasser quellen lassen. Kurzzeitig empfehle ich folgende Maßnahmen, bzw. Medikamente, um die Verstopfung zu lösen:
Das wichtigste Mittel ist nach wie vor der Leinsamen. Man weicht über Nacht 1 Eßlöffel in 1 Tasse Wasser ein und nimmt ihn morgens vor dem Frühstück ein.
Wichtig ist, nach jeder Obstipationsbehandlung die Darmflora zu sanieren, z.B. mit:
Omniflora Kaps. N (Fa. Novartis Consumer Healt GmbH) Dosierung nach Prospekt
Fertigarzneimittel
– Infi-Chelidonium Trofen (Fa.Infirmarius-Rovit) S.4 mal tägl. 15-20 Tropfen mit etwas Tee
– Schwedentrunk der Echte (Fa. Infirmarius-Rovit) morgens u. abends 1 Teelöffel (evtl. öfter)
oder
– Defaeton spag. Tropfen (Fa. Pekana) S.20 Tropfen 2 mal täglich evtl. zusammen mit Defaeton N Medizinaltee, 2 mal tägl. 1 Tasse
oder
– Hormolax Drag.(Fa. Pharmakon) als mildes pflanzliches Laxans
oder
– Tee
Milder Abführtee:
30 g Kamille, 30 g Fenchel, 30 g Faulbaumrinde, 10 g Sennesblätter S. abends 1-2 Teelöffel mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen.
Zur Darmsanierung (von oben nach unten und nicht umgekehrt wie beim Klistier!) verordne ich seit vielen Jahren:
– F. X. Passage Pulver (Fa. Dr.Virgil Mayer, Bad Cannstadt). S. 1 gehäuften Teelöffel Pulver in 1 /4 Liter warmen Wasser auflösen und 1/2 Stunde vor dem Frühstück zügig austrinken.
Man erreicht damit das Herauslösen alter Schlacken aus den Darmkrypten. Die Methode kann kurmäßig durchgeführt werden, sie ist unschädlich, leicht und schonend laxierend.

Diätetik
Ballastreiche Kost, z. B. 15-20 g Weizenkleie pro die.
Zur Normalisierung der Darmentleerung (auch nach längerem Laxantiengebrauch): Täglich 200-300g Weizenschrotbrot, zusätzlich am Morgen nüchtern genommener Pflaumensaft mit etwas Milchzucker.

Mayr-Kur
Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß eine totale, systematische Umstimmung und Regeneration des Verdauungstraktes, wie überhaupt des gesamten Organismus nur über ein Heilfasten nach F. X. Mayr erreicht werden kann.

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„Gargantua und sein reich gedeckter Tisch“.
Stich von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
(Paris, Museum Carnavalet)

Die spastische Obstipation

Liegt eine Spastik des Kolons vor, verweilt der Stuhl zu lange in den Haustrien. Es kommt dadurch zu einer vermehrten Wasserresorption und zu hartem, trockenem und mit Schleim überzogenem Stuhl.

Symptomatik
Druckgefühl oder krampfartige Schmerzen im Kolon, verstärkt durch die Defäkation. Obstipation und Diarrhöen können sich u.U. abwechseln. Diese spastische Obstipation tritt gerne bei Frauen einige Tage vor der Menses auf, das Sigma ist oft als druckempfindliche Walze tastbar.

Therapie
Abführmittel sofort absetzen!

Diät
Als Übergang Sauerkraut, rohe Obstsäfte, Kartoffel, nicht blähendes Gemüse. Zum Essen sollte stets ein Mineralwasser getrunken werden, um Verklumpungen zu vermeiden. Dringend verbieten: Schokolade, Haferschleim, Heidelbeeren, aber auch Vollkornbrot, vor allem bei älteren Patienten.
Auch bei der spastischen Obstipation ist zu einer Mayr-Kur zu raten! (Sie sollte in Spezialkursen erlernt werden)

Physikalisch
Bauchgymnastik, Bauchmassage, richtiges Atmen! Dadurch wirkt das Zwerchfell wie eine Saug- und Druckpumpe auf die Peristaltik.

Hydrotherapie
Warme Sitzbäder, warme Bauchauflagen in Form von Heizkissen oder Wärmflasche.

Neuraltherapie
„Magenstich!“
Er ist als Zusatzmaßnahme zu verstehen. Wir quaddeln außerdem das gesamte Kolon ab (s.c.), beginnend am K. ascendens im Uhrzeigersinn bis zum K. descendens mit anschließender Katzenpfötchen-Massage. Auch mit einer Vibrationsmassage kann man gute Erfolge erzielen. (Massagen aber nicht bei akuten Entzündungsvorgängen anwenden!)
Als Neuraltherapeuten behandeln wir selbstverständlich auch die Zonen über dem os sacrum. Nach der Behandlung empfiehlt es sich, den Patienten warm zugedeckt eine halbe Stunde bei Einspielen entspannender Musik oder sonstiger eutonischer Maßnahmen wie Gesprächen ruhen zu lassen.

Die „Volkskrankheit Blähungen“

Wenn man diese unangenehmen, wenn auch meist harmlosen Beschwerden nicht gerade als Krankheit bezeichnen kann, muß doch bei längerem Anhalten der Blähungen abgeklärt werden, ob nicht ernsthafte Magen- oder Darmkrankheiten vorliegen.

200 ml ständig in unserm Bauch
Während des Tages werden etwa 500 bis 1200 ml Gas ausgeschieden, was im Normalbereich läge. Erst wenn mehr Gas gebildet wird als abgeht, spricht man vom Gasbauch (Meteorismus).
Krankhaft sind Blähungen auch dann, wenn z.B. wenig Enzyme von der Bauchspeicheldrüse angeliefert werden und dadurch die Verdauung verlangsamt wird.

Der Umstieg auf Vollwertkost kann problematisch werden
Daß diese Kostform nicht von jedem Darm toleriert wird, weiß man. Vor allem ältere Menschen sind z.B. gegen Vollkornbrot empfindlich. Man sollte alle diätetischen Umstellungen langsam und vorsichtig vollziehen.

Das Problem der Luftschlucker
Etwas Luft wird auch bei sorgfältigstem Kauen geschluckt. Sie erreicht nach etwa 20 Minuten den Dickdarm und wird dann ausgeschieden.
Wird während des Essens viel gesprochen oder die Mahlzeit hastig eingenommen, kommt automatisch wesentlich mehr Luft in den Darm. Betroffene sollen die Zunge gegen den Gaumen pressen und geräuschlos trinken. Dazu empfiehlt sich viel Bewegung.

Therapievorschläge

Fertigpräparate
– Entschäumer in der Form von Kautabletten (sie lösen die Blasenbildung im Darm auf)
– Röflatol N Tropfen S. 4-5 mal täglich 25-30 Tropfen in etwas Flüssigkeit
oder
– Helopanflat N Dragees (Fa. Knoll) S. zu allen Mahlzeiten 2 Dragees unzerkaut einnehmen
oder
– Agamadon N Kräutertabletten (Fa. Agamadon) S.3 mal täglich 4Tabletten
Viel verordne ich:
– armiantivum Hetterich N (Fa. Galenika Hetterich) S.3 mal 30 Tropfen

Teemischungen
– 20 g Kardamomen, 20 g Kümmel,10 g Fenchel. 2 Teelöffel mit Mörser zerstoßen und im Heilaufguß zubereiten. S. täglich 1 Tasse trinken. Dieser Tee eignet sich besonders zur Behandlung des Römheld-Syndroms.
oder
– Magen-Darm-Tee
Je 25 g Kümmel, Pfefferminzblätter, Kamillenblüten und Baldrianwurzel gut vermischen und 10 Minuten ziehen lassen.

Homöopathie
Komplexmittel:
Basilikum Oplx (Fa. Madaus) Tropfen Momordica Oplx Liquid. (Fa. Madaus) S.jeweils 3 mal 15 Tropfen in Wasser
Einzelmittel:
Zingiber D4 Tropfen S. 2 mal täglich 15 Tropfen
oder
Asa fortida Dil.D4 (besonders bei ranzigem Aufstoßen) S.2-4 mal täglich 10 Tropfen
Mandragora e radice D3 Tabletten S.3 mal 1 Tablette
Das Homöopathikum hat ein besonders breites Wirkspektrum, daher sorgfältig repertorisieren!

Heilerde bindet ebenso wie Tierkohle gasbildende Zersetzungsprozesse. S. 1 Eßlöffel in einem Glas Kräutertee oder Wasser auflösen, in kleinen Schlucken trinken.

Diätetik
Keine blähenden Speisen wie Hülsenfrüchte, Kohl, Kraut, Pilze, unreifes Obst, sowie kohlensäurehaltige oder moussierende Getränke, keinen Zucker!

Hydrotherapie
Wärmestauende Lenden- und Kurzwickel, Sitzbäder, Schenkelgüsse, ansteigende Teilbäder.

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„Die Auswirkungen der Medizin“.
Stich vom Anfang des 19 Jahrhunderts
(Paris, Museum Carnavalet)
Alle Abbildungen aus:
„Illustrierte Geschichte der Medizin“;
Andreas & Andreas, Verlagsanstalt Vaduz, 1992

 

Durchfallerkrankungen

Allgemeines
Meist tritt der Durchfall in Begleitung verschiedener Krankheiten auf oder wird durch bestimmte Noxen ausgelöst. Ansonsten zählen Erkältungen, Diätfehler, Schreck u.a. zu den auslösenden Ursachen. Die so entstandenen Durchfälle sind zwar meist heftig, aber stets von kurzer Dauer und ich möchte hier lediglich auf diese Akutfälle eingehen und infektiöse Ursachen ausklammern,die meist ärztlicher Hilfe bedürfen. Dieses ist dann der Fall, wenn Blut, Eiter, Fieber, starke Austrocknung, allgemeines Krankheitsgefühl hinzutreten würden oder der Durchfall länger als 5 Tage andauert. Meist aber liegt die Ursache in Diätfehlern oder nach Anwendung verschiedener Antibiotika. Bei Kindern oft durch den Genuß unreifen Obstes.

Therapien

Sogenannte „Stopfmittel“ sind nicht unbedingt die beste Wahl. Zwar beseitigen sie (Kakao, Heidelbeeren, Tierkohle usw.) ziemlich rasch den Durchfall, lähmen aber andererseits die Darmtätigkeit und halten somit den Darminhalt zurück, wodurch die Erkrankung eher verlängert als beseitigt wird.
Grundsätzlich tritt die diätische Behandlung gegenüber der Substitution von Wasser und Elektrolyten in den Hintergrund. Dennoch hat sich die Entlastung des Darmes durch 12 tägiges strenges Fasten oder Teefasten bewährt.

Teefasten
Hier kommt zur Entlastung des Darmes eine obstipatierende Wirkung durch das Tannin hinzu, das in den Blättern des schwarzen Tees zu 5-12 %enthalten ist. Um einen möglichst hohen Gehalt an Tannin zu erzielen, läßt man den Tee 15-20 Minuten ziehen.

Rohapfeldiät nach Heiler und Moro
Bei der akuten Enteritis kann diese Diät bereits am ersten Tag gegeben werden. Man verabreicht normalerweise 1,5 kg Äpfel pro Tag, verteilt auf etwa 6 Mahlzeiten. Die Äpfel werden mit Schale, aber kernlos auf einer Glasreibe zu jeder Mahlzeit frisch gerieben und mit Zitronensaft beträufelt.
Ab dem 4.Tag empfiehlt man Schonkost in Form von Suppen-, Schleim- oder Breikost. Anschließend, je nach Appetit des Patienten, geht man wieder zur Normalkost über.

Hydrotherapie
Mehrmals täglich feuchtwarme Leibauflagen, Heusack oder Dampfkompressen verwenden.

Homöopathie
– Arsenicum album wäre das Hauptmittel bei Darmkatarrhen, besonders nach kaltem Trunk, Eis oder Erkältung.
– Bryonia alba bei Sommerdurchfällen mit heftigen Kolikbeschwerden, ebenso
– Veratrum album, besonders nach dem Essen und Trinken.

Phytotherapie
Heidelbeeren oder Wacholderbeeren gehören zu den klassischen Druchfallmitteln. Heidelbeeren verfügen über viel Gerbstoffe und wertvolle Begleitstoffe wie z.B. den blauen Farbstoff, der das Wachstum von Bakterien hemmt.
Zu empfehlen ist eine konzentrierte Abkochung, von der man jeweils 1/8 Liter trinkt.

Fertigarzneimittel
– Iberogast Tct. (Fa. Steigerwald) S. mehrmals täglich 25 Tropfen, dazu Basilikum Plantaplex im Wechsel mit Momordica Plantaplex (sehr Pankreaswirksam!)
oder
– Uzara Dragees, die ich in vielen Fällen mit sehr gutem Erfolg eingesetzt habe (Fa. Stada) S. Initial 5 mal 1-2 Dragees
oder
– Diarrhoesan flüssig (Fa. Loges) auf Pectinbasis S. Initial 2 Eßlöffel in etwas Wasser, danach stündliche Einnahme von 1 Eßlöffel
– Nicht zu vergessen wäre die Darmsanierung mit Omniflora (Fa. Novartis Consumer Health), ggf. mit Mutaflor (Fa. Ardeypharm) S. Anwendung nach Prospekt

Injektionstherapie
Infi-Tormentilla-Injektion (Fa. Infirmarius-Rovit) S. Anfangs täglich 11 Injektion s.c., i.m. oder i.v.

Chronische Diarrhöe

Symptomatik
Häufige Entleerung dünner Stühle als polyätiologisches Symptom verschiedener funktioneller und organischer Störungen mit verminderter intestinaler Flüssigkeitsresorption.
Die chronische Diarrhöe verlangt akribische Ursachenabklärung, am besten fachärztlich.

Therapie

Diätetik
Meiden von Fett, Gebratenem und Gebackenem, sowie Kohl und Hülsenfrüchten, Alkohol, kalten Getränken und Nikotin.

Hydrotherapie
Sitzbäder, Untergüsse.

Praxisfall

Patientin, 54 Jahre, nervöser Typ, untergewichtig, leidet seit Monaten an rezidivierenden Duchfallkrisen. RR 110/75, die Laborwerte weisen, durch die ständigen Durchfälle bedingt einen Natrium-Kaliummangel auf, außerdem liegt ein Eisenmangel vor. Ein organischer Befund ist nicht zu erheben. Die Patientin berichtet außerdem über latente Kopfschmerzen und Schlafstörungen, sowie überfamiliäre Spannungen. Der Mann trinkt, die Tochter hat einen schwarzen Freund, der von der Familie nicht akzeptiert wird.

Diagnose
Chronischer Reizzustand im Darmbereich.

Therapie
Der Therapieansatz mußte also in erster Linie im psychologischen Bereich liegen. Da ich kein“gelernter“ Psychologischer Berater bin, kam mir meine lange Praxis- und Lebenserfahrung zugute, um zunächst einmal eine solide Vertrauensbasis zu schaffen.
Medikamentösen Behandlungen gingen stets längere Gespräche voraus, die Patientin musste „umgestimmt“ werden.

Medikamentös
– Sedaphin und Rytesthin Tropfen im Wechsel mit Sedaphin Tropfen (Fa. Pharmakon) S.3 mal täglich 20 Tropfen,
– Entramin Tabletten (K/CA/Mg) S. 3 mal täglich 1 Tablette

Injektion
– Röwo Psychoneurotikum Ampullen S. Initial täglich 1 Ampulle i. m., später zweimal wöchentlich 1 Ampulle
– Magenstich: 2 x wöchentlich mit Procain Rödler 1 % zusätzlich wurde eine Quaddelung des ganzen Kolonverlaufs vorgenommen.

Zur Darmsanierung verordne ich Mutaflor. Einnahme am 1.Tag 1 Kapsel, danach 2 Kapseln täglich.

Therapiebilanz
Die noch einige Wochen temporär auftretenden Durchfälle wurden mit Uzara Dragees (Fa. Stada) behandelt, eine Dauerstabilisierung trat nach 4 Monaten ein.

HP Mario Schischegg

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