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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/1998

Erstes großes Migräne-Symposium der Migräne-Liga e.V. in München

Cover

r9804_mi1Unter der Schirmherrschaft der bayerischen Gesundheitsministerin, Frau Barbara Stamm, ging die 1993 gegründete Migräne-Liga e.V. zum erstenmal mit einem Symposium an die breite Öffentlichkeit. Etwa 400 migränegeplagte Patienten und 30 Journalisten aus der gesamten Bundesrepublik (Report war ebenfalls vertreten) füllten den großen Saal im Eden-Wolff-Hotel bis auf den letzten Platz. Den vielen Fragen der Teilnehmer stellte sich eine Riege von Migräne-Spezialisten, darunter Herr Dr. Brand, Chefarzt der Migräne-Klinik Königstein/Taunus, die Herren Dr. Pothmann aus Oberhausen und Dr. Heinze aus Kiel, vor allem Herr Prof. Dr. Grossmann, Leiter der Neurologie und klinischen Neurophysiologie vom Harlachinger Krankenhaus München. Die Naturheilkunde vertrat Hp Josef Karl aus München. In seiner Begrüßungsansprche wies Herr Nikolai Karheiding, 1. Vorsitzender (und selbst Migräniker) darauf hin, daß von „Pünktchen und Anton“ bis Ireen Sheer („Heut abend hab ich Kopfweh…“) Migräniker eher in der Nische hysterischer Egozentriker angesiedelt – und oft genug Objekte bissiger Bemerkungen waren.

Statistische Zahlen zeichnen ein ziemlich ernüchterndes Bild

Migräniker gehören seit Generationen zu jener Patientengruppe, die mit ihrem Leiden leben müssen. Die Zahl der schweren Fälle wird mit 4-5% der Bevölkerung angesetzt, das heißt, daß 3.28 bis 4.10 Millionen Menschen in Deutschland unter starker Einschränkung der Lebensqualität bei gleichzeitig hoher psychischer, physicher und sozialer Belastung leben müssen. Selbstmedikation von rund 2 Millionen Patienten, mangelndes Wissen in breiten Schichten der Ärzteschaft und die daraus resultierenden negativen Folgen für die Betroffenen haben 1993 zur Gründung der Migräne-Liga e.V. geführt.

Migräne ist eine Volkskrankheit

Aufgabe der Liga:

  • Zusammenführung Betroffener, Angehöriger,Therapeuten, Psychologen, Pädagogen, Publizisten und Journalisten zur Wissensvermittlung und zum Erfahrungsaustausch über die Krankheit.
  • Beseitigung von Unkenntnis, Mißverständnissen und Verharmlosung der chronischen Krankheit im gesamten Umfeld des Patienten.
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Durchsetzung der Akzeptanz und Anerkennung der Krankheit in der Öffentlichkeit und im Umfeld des Betroffenen.
  • Wissensvermittlung für Betroffene, Medien, Publizisten und interessierten Laien und Therapeuten.

Ziele:

  • Schaffung von ausreichenden stationären Therapieabteilungen in fachlich qualifizierten Reha-Kliniken für Migäne durch die zuständigen Leistungsträger, bei zusätzlicher Anerkennung der in zu geringer Zahl vorhandenen Fachkliniken als Reha-Klinik.
  • Verstärkte Durchführung von Informationsveranstaltungen in patientenverständlicher Form, zur Information über Änderung der Lebensführung, vorbeugende Maßnahmen, sowie über Gefahren des Medikamentenmißbrauchs. Dies mit Fachleuten aus allen Bereichen.
  • Anerkennung und Akzeptanz der Betroffenen in Öffentlichkeit, Gesellschaft und Arbeitswelt als das, was sie ist. Migräne ist eine chronische Erkrankung. (Sie wird nach Feststellung durch den Facharzt als Behinderung im Sinne des Behindertengesetzes anerkannt.)
  • Verstärker Mitgliederzuwachs zur Durchsetzung unserer gemeinsamen Interessen.
  • Verbesserung der medizinischen Versorgung der Patienten durch fachlich qualifizierte Ärzte. Auf- und Ausbau einer Adressenkartei über praktizierende Ärzte mit Qualifikation auf dem Gebiet der Migräne.
  • Aufbau eines vernünftigen Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patienten durch Abbau von Fehlinformation und daraus resultierendem Fehlverhalten von Patienten.
  • Verstärkte und schnelle Information Betroffener und Laien durch unser Migräne Magazin. Hier ist ein regelmäßiges Erscheinen erforderlich.

Berichte aus der Praxis

Betrachten wir das 1996 am Lehrstuhl für WWL der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth von Dr. Peter Oberender veröffentlichte Zahlenmaterial aus dem Jahr 1994,ist höchste Eile geboten.

So sind Kosten für: (ca. DM)
ambulante Therapie 110.000.000,-
stationäre Therapie 55.000.000,-
freiverkäufliche Migräne- und Kopfschmerzmittel 1.300.000.000,-
verordnete Migräne- und Kopfschmerzmittel 140.000.000,-
Folgekosten durch Schmerzmittelmißbrauch 170.000.000,-
Kosten durch Fehltage 2.900.000.000,-
Kosten durch Produktionsausfall 2.100.000.000,-
Fehltage/Patient und Jahr

Unberücksichtigt und in Mark und Pfennig nicht aufrechenbar bleiben die Angst um den Arbeitsplatz, die Einschränkung der Lebensqualität sowie das psychische und physische Wohlbefinden durch den Migräneanfall.

Die Referenten

Den Eröffnungsvortrag hielt Herr Dr. Med. Heinze aus Kiel und berichtete über neue Medikamente zur Schmerzbekämpfung, vor allem über“Triptane-Pro & Contra“.
Über die Schmerzbekämpfung ohne Medikamente sprach Dr. med. Jan Brand und empfahl Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressives Muskeltiefenentspannungstraining nach Jacobson, Thai Chi, Qigong oder Yoga bei konsequenter täglicher Anwendung, neben strikter Beachtung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte, Rotwein u.s.w.)
Idiopathische Kopfschmerzen bei Kindern, deren Leidensdruck im Alltag hoch ist, stellen nach Dr. Raymund Pothmann eine zunehmende therapeutische Herausforderung dar. Auch er setzt auf ein verhaltenstherapeutisches Programm mit Erlernen eines geeigneten Entspannungsverfahrens wie progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson oder er empfiehlt Biofeedback als Alternative.

Migräneprophylaxe mit einem Phytotherapeutikum

Neben der medikamentösen Therapie akuter Migräneattakken gewinnt die Prophylaxe mit unschädlichen Mitteln immer mehr an Bedeutung. In einer klinischen Studie konnte nachgewiesen werden, daß die Wirksamkeit der Pestwurz (Petasites hybridus) keinen Vergleich mit anderen Migräneprophylaktika zu scheuen braucht, ohne deren Nebenwirkungen aufzuweisen.
Univ. Prof. Dr. Werner Grossmann bereichtete über eine Zusammenfassung von Studienergebnissen des Weber & Weber Fertigpräparates Petadolex, wonach nach randomisierten Doppelblindstudien die Zahl der Migräneattacken in der Verumgruppe sigifikant abnahm. Bei der prophylaktischen Anwendung von täglich 2 mal 2 Kapseln über drei Monate sind keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten. Die Medikation kann bei erneuten Anfällen auch jederzeit wieder aufgenommen werden. Als letzter Referent erläuterte Hp Josel Karl die möglichen Entstehungsmechanismen der Migräne und deren adjuvante Behandlungsmöglichkeiten mit Homöopathie, Akupunktur und Kneippschen Anwendungen. Das von Frau Kollegin Hp Maria Lohmann hervorragend organisierte Symposium klang im Augustiner Biergarten mit den Referenten und Pressevertretern in lockerer Atmosphäre aus. Insgesamt ist der Initiative der Veranstalter für dieses gelungene Symposium, das vielen migräneleidenden Menschen Hilfe und Hoffnung vermitteln konnte, zu danken.
-sch-

 

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