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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/1998

Sanathana Sai Sanjeevini – Heilen mit Gebeten

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Der kleine Julian, 5 Jahre alt, bekam plötzlich Fieber, massive Durchfälle und erbrach sich pausenlos. Er schmolz dahin wie der Schnee an der Sonne. Zäpfchen blieben nicht drin, Tabletten und Tropfen auch nicht – was also tun? Ins Krankenhaus? Aber da war doch noch diese indische Medizin, die der Nachbar, ein Arzt, von seiner Reise mitgebracht hatte und die so wunderbar helfen sollte.

Ein Telefonanruf, es war schon spät am Abend: der Doktor nahm ein wenig Vibuthie, eine heilige Asche, die nach einer uralten vedischen Formel in vielen Tempeln Indiens hergestellt wird, als Träger der Medizin, bereitete sie zu und strich dem Kleinen ein wenig davon auf die Zunge. Die Prozedur wurde jede halbe Stunde wiederholt, bis nach 2 Stunden die Durchfälle deutlich weniger wurden. Dann bekam Julian die Medizin in größeren Abständen und war nach 2 Tagen wieder völlig gesund.

War es der natürliche Ablauf der Krankheit oder wurde die schnelle Heilung durch die indische „Medizin“ bewirkt, die in Wahrheit kein Heilmittel im eigentlichen Sinne, sondern eine besondere Heilmethode ist? Viele ähnliche Fälle lassen Letzteres vermuten. Die Methode heißt original „Sanathana Sai Sanjeevini Healing Fragances“, wobei healing fragrances mit „Heilschwingungen“ übersetzt wird. Sanathana ist ein Sanskritwort und bedeutet zeitlos. Gemeint ist damit die körpereigene Energie, die in jedem von uns schlummert. Sai bedeutet Göttliche Mutter, womit die kosmische Energie (Shakti), das Handelnde in der Schöpfung gemeint ist, und Sanjeevini hat die Bedeutung von ewiger Gesundheit auf der physischen Ebene: Die Sanjeevinis werden also als feinstoffliche Schwingungen aller mikro- und makrokosmischen Heilkräfte verstanden, welche durch Gebete an die Göttliche Mutter im Geist völliger Hingabe sozusagen eingefangen werden. Sicherlich ist dies für jemanden, der keine Ahnung vom Hinduismus hat, nur schwer zu verstehen.
Die Schwingungsenergie, die beim Sprechen der gezielten Gebete entsteht und die körpereigenen Heilkräfte wecken soll, wird radioaesthetisch auf Papier übertragen und kann damit auch vervielfältigt und sogar photokopiert werden.
Inzwischen gibt es weltweites Netz von Heilern, die mit Sanjeevinis arbeiten. Viele von ihnen, aber keineswegs alle sind Anhänger (Devotees) von Sai Baba, dem Heiligen aus Südindien – , der diese spirituelle Heilweise auf eher mystische Weise initiiert und bestätigt hat.
„Diese Darstellung einer Heilmethode aus einem ganz anderen Kulturkreis – von einem Schulmediziner, der andere Heilweisen als komplementär ansieht – soll anregen zum Nach-Denken und vielleicht auch zum Nach-Machen. Das „Heilen mit Gebeten“ steht letzlich ganz in der Tradition östlicher Denk- und Heilweisen, von denen schon etliche Eingang in das Arsenal des Heilens auch im Westen gefunden haben.“ Geistige Energie als Heilmittel? Es gibt dafür andere Beispiele, am ausgeprägtesten wohl heute in der tibetischen Medizin, in der Gebete, Mantras und Visualisationen des Medizinbuddha zur Verstärkung der Wirkung natürlicher Heilmittel benutzt werden, auch bei der Herstellung besonders wertvoller Medizinen. Die Chakraheilung und das Handauflegen sind andere spirituelle Methoden, die nur von hohen Lamas angewendet werden dürfen (1).

Daß der Glaube Berge versetzen kann, ist eine alte Redensart. Daß der Glaube von Patient und Arzt die natürlichen Heilkräfte verstärkt, scheint mir nur natürlich zu sein. Auch im Westen wissen wir heute um die enge Verflechtung der Psyche mit dem Immun-, dem Nerven- und dem hormonalen System, die durch einige wenige Neurohormone vernetzt werden, welche der Körper in Bruchteilen von Sekunden auf- und abbauen kann.

„Diese Darstellung einer Heilmethode aus einem ganz anderen Kulturkreis – von einem Schulmediziner, der andere Heilweisen als komplementär ansieht – soll anregen zum Nach-Denken und vielleicht auch zum Nach-Machen. Das „Heilen mit Gebeten“ steht letztlich ganz in der Tradition östlicher Denk- und Heilweisen, von denen schon etliche Eingang in das Arsenal des Heilens auch im Westen gefunden haben.“

Der „Erfinder“ der Sanjeevinimethode ist ein Inder, der vorher auf homöopathischer Basis gearbeitet hatte. Er sagt, daß ihm, der in Übersee lebte, Sai Baba im Traum erschienen sei. Eine Aussage, die man häufig von Devotees hört, die sich voll und ganz der geistigen Führung von Sai Baba anvertraut haben. Sai Baba habe ihn nach Indien zurückbeordert und das weitere Procedere sei ihm dann nach und nach von Sai Baba in Traumen angegeben worden. Wer im religiösen Klima Indiens aufgewachsen ist, dem sind solche Geschehnisse keinesweges so fremd wie uns, denen es schwerfällt, in Sai Baba einen Avatar, also eine Inkarnation Gottes mit allen sich daraus ergebenden Potenzen zu sehen. Aber auch gläubige Christen ziehen ja die Wunder, die Jesus gewirkt hat, nicht in Zweifel und wenden sich in Gebeten an ihn, den höchsten Heiler.
Man mag zu Sai Baba stehen, wie man will – ich betone, daß ich kein Devotee bin: Was das Heilen betrifft, so hat er jedenfalls sehr praktische Anschauungen dazu und hat seinen Devotees alles Heilen, in welcher Form auch immer, in seinen Ashrams verboten. Und er hat, wohl wissend, daß der Mensch nicht immer von Gebeten allein gesunden kann, ein High-Tech-Hospital in der Nähe seines südindischen Ashrams gegründet. Es ist das zweitgrößte Hospital in Südostasien und verfügt über die modernste Medizintechnologie, die heute verfügbar ist.
Wie wird nun die Methode praktiziert? Es gibt dazu ein Buch, in dem sie zunächst leicht verständlich erklärt wird. Es folgen Kapitel über Diät und Lifestyle, wie sie in allen traditionellen Heilsystemen Asiens Vorrang vor der Behandlung mit Medikamenten haben. Sie dienen natürlich insbesondere auch der Erhaltung der Gesundheit.
Dann sind Heilkarten abgedruckt in der Form eines neunblättrigen Lotus, von denen 6 auf eine Din-A-4 Seite passen. Es sind eben diese „geprägten“ Gebete, zielgerichtet für jeden Körperteil, jede Krankheit und jedes Symptom. Sie werden nach Körperteilen (60), spezifischen Krankheiten (186) und fixen Kombinationen der beiden (54) unterschieden. Man stellt kleine Fläschchen mit Globuli, wie man sie in jeder homöopathischen Apotheke erhalten kann, für mindestens 15 Sekunden nacheinander auf die Karten, welche den erkrankten Körperteilen entsprechen, also etwa Brustkorb, Bauchraum, Kreislauf- oder Immunsystem. Dann wird das gleiche Gefäß auf die Karten für spezifische Krankheiten wie z.B. Asthma, hoher Blutdruck oder Diabetes gestellt. Man kann aber auch eine der Kombinationen nehmen und je nach Art der Beschwerden und ihrer Lokalisation entsprechende Sanjeevinis hinzufügen:
So enthält die Kombination für Erkrankungen der Lunge und des Brustraumes die Sanjeevinis für Brustkorb, Atemwege, Infektionen, Fieber, Blut und Lunge. Man kann dazu Sanjeevinis für Bronchitis, schleimigen oder trockenen Husten, Lungenentzündung, Asthma oder Tuberkulose, für Erstickungsanfälle und keuchende Atmung und ggf. auch eine Notfallkombination für einen Asthmaanfall hinzufügen. Das Gefäß mit den Globuli – oder Wasser – wird nacheinander auf die entsprechenden Karten gestellt. Je nachdem, wie akut oder chronisch die Erkrankung ist, soll der Kranke einige Globuli stündlich oder mehrmals täglich einnehmen.
Die so angefertigte Probe kann mit Hilfe spezieller Vervielfältigungs- und Übertragungskarten kopiert oder in größere Gefäße übertragen und auch zur Fernheilung benutzt werden. Für letztere läßt man die Probe einfach für Stunden oder Tage auf der Übertragungskarte stehen, zusammen mit einem Stück Papier, auf dem der Name des Kranken steht. Es können damit auch Nosoden u.a. von allergisierenden Substanzen, von Nahrungsmitteln, Heilkräutern oder Körperflüssigkeiten hergestellt werden. Mit einer anderen Karte lassen sich die Proben neutralisieren, wenn man sie neu aufladen will.
Es ist wichtig zu wissen, und für westliche Heiler nicht immer nachvollziehbar, daß das „Heilen mit Gebeten“ deren feinstoffliche Schwingungen der Gebete nutzt und damit, ohne daß dies ausdrücklich gesagt wird, auf den feinstofflichen Körper – manchmal auch Astralkörper genannt – zielt. Der Osten ist seit Jahrtausenden mit der Anschauung vertraut, daß es eine Abstufung der Materie in immer feinere Bereiche hinein bis zum Geist-haften gibt. Sie ist letztlich die Basis für das ganzheitliche Denken aller asiatischen Heiltraditionen. Wir hingegen kennen nur Geist oder Materie (Körper) und trennen sie noch dazu fein säuberlich voneinander. lm Westen sprechen Heiler oft von Energie und energetischen Kräften, ohne damit unbedingt das zu meinen, was im Osten als feinstofflicher Körper verstanden wird. Man hat oft den Eindruck, daß hier eher eine grobstoffliche Energie im physikalischen Sinne gemeint wird.
Es sind ohnehin Denkmodelle, die zum Heilen benutzt werden und nicht immer – auch nicht in der allopathischen Medizin – nachprüfbare und reproduzierbare Fakten. Der Glaube des Heilers an sich selbst und an das, was er tut zusammen mit dem Glauben des Kranken an den Heiler ist die einfachste Form des Glaubens und nichtsdestotrotz auch im ärztlichen Bereich überaus wirksam. Eben deshalb ist die Medizin keine reine Naturwissenschaft wie die Physik.
Die oben erwähnten spirituellen Heilmethoden der Tibeter zielen ebenfalls auf den feinstofflichen Körper. Mantras sind nichts anderes als rhythmisch wiederholte Silben, deren Klang die Schwingungen des feinstofflichen Körpers harmonisieren soll, die im Tages- und Jahresrhythmus pulsieren (2). Dabei wird vorausgesetzt, daß es eine okkulte Korrespondenz zwischen den feinstofflichen Organen des menschlichen Körpers einerseits und den kosmischen Kräften oder Energien andererseits gibt. Für die ayurvedische Medizin Indiens gilt das Gleiche und nichts anderes liegt dem hier dargestellten Heilen mit Gebeten zugrunde. Hinduistisch ausgedrückt, wie oben, klingt es nur komplizierter.
Bei der Übertragung der feinstofflicher Energien der Sanjeevinis soll der Heiler sich immer bewußt sein, daß er sein Heilen als selbstlosen Dienst im Geist der Liebe, des Mitleidens und der Hingabe an Gott (Bakhti-Yoga) ausüben muß, um die höchstmögliche Wirkung zu erzielen. Das wird freilich nicht nur Anhängern Sai Babas oft schwerfallen, ist aber in der Tat die Matrix wirklichen, ganzheitlichen Heilens.
Die vorstehende Darstellung einer Heilmethode aus einem ganz anderen Kulturkreis – von einem Schulmediziner, der andere Heilweisen als komplementär ansieht – soll keine Proselyten für Sai Baba machen, sondern lediglich anregen zum Nach-Denken und vielleicht auch zum Nach-Machen. Das „Heilen mit Gebeten“ steht letzlich ganz in der Tradition östlicher Denk- und Heilweisen, von denen schon etliche Eingang in das Arsenal des Heilens auch im Westen gefunden haben.

Wer über einen Internet Anschluß verfügt, kann sich die Methode daraus abladen: http://www.uriel.net/-lakhani oder unter „Sanathana“ suchen. Die Adresse der Sai Sanjeevini Foundation ist: 108/39 Silver Oaks, DLF Phase 1, Gurgaon, Haryana 122002, Indien.

Literatur:
1) Asshauer, E.: Tibets sanfte Medizin. Heilkunst vom Dach der Welt. Herder Spektrum Bd. 4628. Verlag Herder. Freiburg 1997.
2) Asshauer, E.: Der feinstoffliche Körper, in: Das Wissen vom Heilen.Herausgeber F.Reichle Haupt Verlag, Bern 1997

Dr. Egbert Asshauer, Andreas-Schlueter-Weg 12, 25451 Quickborn

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