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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/1998

Therapie nach Wunsch

Cover

Der Autor stellt dar, warum er einer Therapieform den Vorzug gibt, die verborgene Wünsche und Zielsetzungen aufdeckt und fördert, statt nach Blockaden und Fehleinstellungen zu fahnden.

Wie bei allen regelmäßig ausgeübten Aktivitäten scheint es auch beim Beruf des Therapeuten bestimmte Phasen zu geben, die man nach und nach durchläuft.
Während der Beginn der Praxistätigkeit in der ersten Phase noch von Seminaren und der Suche nach der wirklich guten Diagnostik und Therapie geprägt ist, meist gepaart mit der Anschaffung einiger mehr oder weniger nützlicher Geräte, besteht die zweite Phase darin, sich in den Methoden, die einem zugefallen sind, zu perfektionieren. Mit den Jahren wächst dann aber die Einsicht, daß es nicht nur auf Perfektion ankommt. Man begegnet immer wieder Patienten, die einem die Begrenztheit der angewandten Methoden vor Augen halten, Patienten, bei denen sich der gewünschte Erfolg nicht einstellen will, und das, obwohl sie vielleicht an einer Krankheit leiden, die man so – oder schwerer – bei anderen Patienten bereits mehrfach heilen konnte.
Auch der Versuch, diesem Mißstand durch Integration immer neuer Diagnose- und Therapiemethoden auf die Spur zu kommen, muß schlußendlich scheitern und eröffnet damit, so der Therapeut bereit ist, sich das einzugestehen, die dritte Phase.

Die dritte Phase ist ein Blick hinter den Vorhang und bringt die Erkenntnis, daß sich ja hinter jedem organischen Leiden auch ein Mensch verbirgt und daß, wenn die Behandlung der erkrankten Organe nicht das gewünschte Resultat zeigt, wohl der Mensch mit allen seien Eigenheiten der entscheidende Faktor ist. Diese Einsicht ist natürlich keineswegs neu, kann aber vom Therapeuten grundlegend nur durch jahrelange eigene Praxis so erfahren werden, daß sich ein ganz persönlicher Weg zu den zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten bilden kann. Selbst ein so anerkannter Autor wie Rüdiger Dahlke konnte sein Buch „Krankheit als Weg“ erst in dieser dritten Phase schreiben, als Ergebnis jahrelanger therapeutischer Erfahrung, im Verlaufe derer ihm diese Einblicke in die Zusammenhänge gewährt wurden.

In meiner Praxis ergab sich in dieser dritten Phase die Einsicht, daß man nicht nur vom erkrankten Organ auf die dahinter verborgene psychische Fehlhaltung schließen kann, so wie das sehr gut von Dahlke beschrieben wird, sondern daß dahinter wiederum eine Lebenssituation steht, die im wahrsten Sinne des Wortes krank macht.

Der Wunsch ist der Vater des Gedanken

Läßt man sich bei der Anamnese die Zeit, um das Umfeld des Patienten mitzuerfassen, begegnet man besonders bei den therapieresistenten Patienten Umständen, die auch dem medizinischen Laien das Ausbleiben des Heilvorganges erklärlich machen. Das Problem hierbei ist, daß der Patient unbewußt die Krankheit dem Angehen des verursachenden psychischen Konfliktes den Vorzug gibt. So hat er seine Krankheit ja erworben: Indem er sich geweigert hat, ein Problem dort zu regeln, wo es eine Lösung für dieses Problem gegeben hätte – in der Psyche. Wie aber schon jeder Buchhalter weiß, muß ein Posten, der einem Konto gutgeschrieben wird, einem anderen dafür belastet werden und so wird das Guthaben auf dem Konto Psyche zu einer Belastung auf dem Konto Organe. Das ist zwingend und tatsächlich genauso Gesetz wie bei der Buchführung.

Während von außen gesehen die Lösung des zugrundeliegenden Konfliktes relativ einfach erscheint, ist sie für den Patienten, der sich in der betreffenden Situation befindet, so schwierig, daß die Krankheit erst einmal das kleinere Übel schien. Auf Dauer ist diese Kompensation aber nicht möglich. Der Körper fordert die Lösung des Problems ein, indem die Symptome für den Patienten immer belastender oder gar lebensbedrohlich werden. Kommt dieser Patient dann in die Praxis, steht man als Therapeut vor dem Problem, daß man zwar geeignete Arzneien für die Symptome verabreichen kann, sich aber darüber im Klaren ist, daß diese ohne Angehen der ursächlichen Konfliktsituation bestenfalls Flickwerk sein werden und daß man mit der Linderung der Symptomatik einer wirklichen Lösung vielleicht sogar im Wege gestanden hat. Letzteres einfach deswegen, weil das Erträglichmachen der Symptome das Verdrängen der psychischen Komponente da noch möglich macht, wo eine akute Krankheit eine Konfrontation mit der Wurzel allen Übels quasi erzwungen hätte.

Wünsche versus Psychotherapie

Wie nun aber den Patienten an die Problematik heranführen? Wie nun auch als Therapeut die ganzen Facetten der Lebenssituation erfassen? Und vor allem: Wie dem Patienten über die Schwelle helfen, deren Übertretung er sich bisher so konsequent wie folgenschwer selber verboten hatte? Natürlich gibt es hier den Weg der Psychoanalyse oder auch der Gesprächstherapie. In der Praxis des Autors hat sich aber gezeigt, daß nur sehr wenige Patienten dazu bereit sind. Zum einen wegen der Therapieform als solcher, zum anderen aber auch aus ganz praktischen Erwägungen, wie z.B. der fehlenden Kostenübernahme durch die Krankenkasse oder auch aus zeitlichen Gründen.

Es gibt da aber noch einen Weg, der sich mit der Zeit herauskristallisiert hat und der so gute Erfolge zeitigt, daß er hier näher beschrieben werden soll. lm Gegensatz zu dem oft leidvollem Weg der Psychotherapie spricht dieser Weg die sonnigste Seite des inneren Kindes an, das sich nun an eine Tätigkeit machen darf, die so richtig nach seinem Herzen ist: Dem Erstellen eines Wunschzettels.

Die Leiden des jungen W.

Um besser veranschaulichen zu können, worum es hierbei geht, soll die Situation des Herrn W. als Beispiel dienen. Herr W. ist 35 Jahre alt, ledig, aus gutem Haus, sein Vater Vorstand eines Versicherungsunternehmens, sein Bruder sehr erfolgreich bei einem Automobilunternehmen. Erfolg wird groß geschrieben und so hat Herr W. sich für einen Beruf entschieden, dessen Erfolg gut nach außen sichtbar ist. Eigentlich war es sein Herzenswunsch, Grafiker oder gar Künstler zu werden, wegen der „Brotlosigkeit“ dieses Berufsstandes hatte er aber dann seinejetzige Tätigkeit gewählt. Wie das so oft ist, wenn man etwas nicht aus wirklichem inneren Antrieb tut, läuft es aber nicht so recht, und er muß jeden Monat mit seiner Kündigung rechnen. Trotz des inneren Wissens, daß er diese Stellung auch ohne Kündigung des Arbeitgebers nicht so wird aufrechterhalten können, versucht er täglich, die Fassade zu wahren.
In dem Tag für Tag gelebten Leben ist das Eingestehen des Versagens in dieser Position und die Hinwendung zu einer Ausbildung zum Grafiker oder Dasein eines Künstlers nicht vorstellbar. Tag für Tag gesehen ist es einfacher, den Anschein nach außen, vor Familie und Freunden, (auch alle erfolgreich) zu wahren.

Die Kraft des Wunsches…

In dieser Situation nun kommt der Wunschzettel zum Tragen. Der Patient wird aufgefordert, in einem ersten Schritt zehn Wünsche aufzuschreiben, zu deren Erfüllung er selbst beitragen kann. Das können ganz einfache Wünsche sein, wie z.B. ein neuer Salzstreuer, der nicht so leicht verstopft, bis hin zu großen Lebenswünschen, wie z.B. einem Berufswechsel oder Partnerwunsch. Wird schon hier relativ deutlich, wo die Defizite des Patienten liegen, die er sich wegwünscht, treten sie beim zweiten Schritt sehr deutlich zu Tage. Vor die Aufgabe gestellt, bitte aufzuschreiben, wie sich der Patient sein Leben die nächsten zehn Jahre vorstellt – und zwar mit der Maßgabe, sich alles wünschen zu dürfen – kommt sehr deutlich zutage, was der Patient sich nun nicht weiter vorstellen kann.
Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob man Tag für Tag eine Situation, mit der man Schwierigkeiten hat, aufrecht erhält, oder ob man das für die nächsten 10 Jahre zu tun gedenkt. lm Falle unsere Herrn W ein großer Unterschied, ob man diese ungeliebte Arbeit noch diesen und vielleicht nächsten Monat macht, oder für die nächsten zehn Jahre. Ohne Aussicht, das tun zu können, was man sich eigentlich wirklich wünscht. Der Leidensdruck, der Tag für Tag erträglich ist oder zumindest zu sein scheint – wird unerträglich, wenn er auf einen so langen Zeitraum wie zehn Jahre projiziert werden muß. Der Patient wird so damit konfrontiert, daß das, was er sich wünscht, nicht mit der momentanen Realität und Aussicht für die kommende Zeit übereinstimmt. Und angesichts des Zeitraumes von zehn Jahren fängt der Patient dann auch an zu sehen, daß das mit diesen zehn Jahren ja auch nicht getan ist, daß da ja auch noch weitere zehn Jahre folgen werden usw. Und jetzt ist es auch nicht mehr schwer, den Patienten an den Punkt zu führen, an dem er erkennt, daß diese wilde Hoffnung, die wir alle in uns haben, daß nämlich jemand kommt und alles richtet und dann alles gut wird, daß diese Hoffnung vergebens sein wird und daß, wenn er nicht selber etwas tut, es niemand anderen gibt, der es für ihn tun wird. Und wenn es dann klar ist, daß es irgendwann getan werden muß,und wenn auch klar ist, daß nichts dafür spricht, daß der Patient es durch Verschieben in die Zukunft auch nur einen Deut leichter machen könnte, als wenn er es jetzt gleich tut, daß erfahrungsgemäß sogar eine gegenteilige Tendenz besteht, die alles schwieriger macht, was wir auf später verschieben, was stünde dann noch einer baldigen Entscheidung entgegen?

So wird eine Therapie durch Wünschen möglich. Wünschen ist sehr positiv besetzt; die meisten Patienten haben es zwar verlernt und brauchen daher den ersten Schritt mit den zehn Wünschen, aber im Gegensatz zu einer Psychotherapie ist die Schwellenangst hier praktisch gleich Null. Der Patient freut sich darauf und geht meist mit einem Leuchten in den Augen nach Hause, und mit dem berechtigten Gefühl, daß er jetzt einen Behandler gefunden hat, der – im wahrsten Sinne des Wortes – auf seine Wünsche eingehen wird.

Wunsch – Gedanke – Wort -Tat – Erfüllung – Synchronisitätsbegriff nach Jung – Quantenforschung.

r9804_th1 Peter v. Buengner
Elektrastr. 17
81925 München

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