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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 3/2010

B.A.R.F. – Alternative Fütterungsformen als Basis ganzheitlicher Tiergesundheit

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Neben vielen anderen Vorurteilen wird in Bezug auf Rohfütterung oftmals mit dem Satz „Das ist mir viel zu kompliziert, da muss man zu viel beachten“ argumentiert. Doch ist Rohfütterung – auch B.A.R.F. genannt – wirklich so kompliziert? Tierheilpraktiker Peter Alm geht der Sache auf den Grund.

Foto: ©Michael Pettigrew - Fotolia.comWenn Tierhalter sich für Rohfütterung ihrer Hunde oder Katzen interessieren, werden die wenigsten einfach so drauf „losbarfen“ wollen. Oft möchten sie sich vorher über diese Art der Fütterung informieren, und was liegt da näher, als das Internet zu Rate zu ziehen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, findet man doch auf diesem Weg schnell zahlreiche Informationen, Meinungen und Anregungen. Doch gerade diese Vielfalt birgt auch Tücken. Auf vielen Internetseiten werden die Vor- und Nachteile einzelner Rohfütterungsvarianten verglichen, auseinander gepflückt und teilweise ziemlich heftig diskutiert. Bedarfswerte der Tiere sowie Inhaltsstoffe der Rationen werden aufs Milligramm, teilweise sogar aufs Mikrogramm genau berechnet. Von Feinwaagen ist die Rede, von verschiedensten Vitamin- und Mineralstoffmischungen, die dringendst benötigt würden, und von weiteren, teilweise recht teuren, Anschaffungen. Bedarfswertetabellen und Lebensmitteldatenbanken werden gewälzt, verglichen, diskutiert und zum A & O der Rohfütterung erhoben.

All das können Sie jedoch getrost vergessen, denn Rohfütterung ist nicht so kompliziert, wie sie oft dargestellt wird. Es werden weder teure Anschaffungen benötigt, noch müssen Sie jede Ration bis ins kleinste Detail berechnen oder abwiegen. Rohfütterung ist nicht schwieriger als die Fütterung eines beliebigen industriellen Fertigfutters, wenn Sie die wichtigsten Grundlagen der Ernährung der jeweiligen Tierart kennen, einige Grundsätze beachten und abwechslungsreich füttern.

Teure Anschaffungen?

Alles, was Sie brauchen, gehört in aller Regel bereits zum Inventar Ihrer Küche: Messer und Schneideunterlagen zum Zerkleinern des Fleisches, Schüsseln zum Mischen der Rationen, eine Küchenwaage zum Abwiegen, kleine Behältnisse oder Tüten zum Einfrieren der einzelnen Portionen usw. Weitere Anschaffungen sind erst dann notwendig, wenn Sie davon überzeugt sind, dass Sie beim Barfen bleiben möchten. Dann kann es sinnvoll sein, einige Dinge zu erwerben, beispielsweise einen extra Satz scharfe Messer für die Futterzubereitung. Ein „Muss“ ist das aber noch lange nicht.

Das Thema Feinwaagen wird auch immer wieder gerne diskutiert. Ganz ehrlich: Sie brauchen keine! Kein Wolf, keine Wildkatze wird ihr Futter aufs Milligramm genau abwiegen. Und auch wir Menschen machen das bei unserer eigenen Ernährung nicht. Was soll das auch nützen? Wir können die Rationen aufs Milligramm genau auf den Bedarf unseres Tieres ausrichten und zusammenstellen. Klar, das geht. Aber schauen Sie sich anschließend doch bitte einmal Ihre Arbeitsmaterialien an. Da kleben Reste am Messer, an der Schüssel, am Löffel, an der Feinwaage. Auch im Napf bleiben nach der Fütterung kleinste Reste. Und schon ist die ganze Berechnung hinüber. Halter von mehreren Tieren dürften es ohnehin schwer haben, zu kontrollieren, wer wie viel wovon wirklich frisst.

Auch ist es nicht notwendig, jeden Tag den exakten Bedarf zu füttern. Im Gegenteil, eine Streuung der Zusammensetzung in einem gewissen Rahmen beschäftigt das Immunsystem und stärkt es. Haben Sie beispielsweise an einem Tag – aufgrund von Knochenfütterung – einen erhöhten Calciumwert in der Ration, können Sie diesen einige Tage später wieder ausgleichen. Der Organismus hat vielfältige Mechanismen entwickelt, solche Schwankungen zu tolerieren und auszubalancieren. Ein Ausgleich der Inhaltsstoffe über einen Zeitraum von circa drei oder vier Wochen ist wichtig. Aber auch hier reicht eine grobe Berechnung im Grammbereich in der Regel aus.

Vitamin- und Mineralstoffmischungen aus dem Humanbereich werden nicht benötigt. Alle für unsere Tiere erforderlichen Nährstoffe finden sich im Fleisch, den Innereien und sonstigen Bestandteilen einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ration. Ausnahmen aufgrund therapeutischer Maßnahmen sind natürlich möglich.

Bedarfswertetabellen

Foto: ©Barbara Helgason - Fotolia.comBedarfswertetabellen sind ausschließlich zur ungefähren Orientierung über benötigte Nährstoffe geeignet. Verstehen Sie diese bitte nur als grobe Richtschnur, zu mehr taugen sie nicht! Schon allein deshalb, weil Ihnen niemand garantieren wird und kann, dass diese Werte zu 100 % richtig sind. Die Bedingungen (Labor, Transpirationskammer), unter denen diese Bedarfswerte ermittelt werden, sind nicht wirklich vergleichbar mit den realen Bedingungen, unter denen unsere Tiere oder auch ihre wilden Verwandten leben. Als Anhaltspunkt sind sie aber durchaus geeignet und hilfreich.

Der tatsächliche Bedarf eines Tieres ist von unzähligen Faktoren abhängig, z. B. Alter, Aktivität, Rasse, Felllänge, Klima usw. All diese Faktoren beeinflussen den Bedarf Ihres Tieres an Nährstoffen derart, dass praktisch jedes Tier einen individuellen Bedarf hat.

Wenn Sie ein wenig suchen, werden Sie die unterschiedlichsten Bedarfswertetabellen finden. Diese weichen teilweise gravierend voneinander ab. Ursächlich hierfür sind unterschiedliche Bedingungen, unter denen die Bedarfswerte ermittelt wurden, aber auch ein unterschiedlicher wissenschaftlicher Kenntnisstand zur Zeit der Ermittlung. Nichtsdestotrotz können Sie unter oben genannten Voraussetzungen jede dieser Tabellen verwenden. Keine ist richtiger oder falscher als die andere.

Lebensmitteldatenbanken

Mit den Lebensmitteldatenbanken verhält es sich ähnlich wie mit den Bedarfswertetabellen. Auch sie taugen letztendlich ausschließlich als grobe Richtlinie zur Beurteilung der Nährstoffzusammensetzung eines Rationsbestandteiles. Vergleicht man die unterschiedlichen Lebensmitteldatenbanken miteinander, findet man Abweichungen von bis zu 300 %! Verantwortlich dafür sind unter anderem unterschiedliche Stichprobenanzahl, Testmethoden, aber auch unterschiedliche Fütterungsmethoden, Haltungsbedingungen und Rassen der Fleisch liefernden Tiere, die für die Tests herangezogen wurden.

Unterschiedliche Methoden der Rohfütterung

Beinahe fanatisch werden die Diskussionen, wenn es um unterschiedliche Methoden der Rohfütterung geht. Rohfütterung mit oder ohne Knochen, mit oder ohne Getreide oder Gemüse, mit diesem oder jenem Fleischanteil, Rohfütterung nach diesem oder jenem „Guru“ usw. Letztendlich ist aber jede dieser Methoden falsch, wenn sie nicht passt. Und passen muss sie – zum Tier und zum Tierhalter. Schauen Sie sich die einzelnen Methoden an und überlegen Sie, welche zu Ihnen und Ihrem Tier passt. Auch eine Mischung unterschiedlicher Methoden kann letztendlich die Methode der Wahl sein. Es wird Ihnen keine Freude bereiten, und Ihrem Tier wird es nicht gut bekommen, wenn Sie beispielsweise Knochen füttern, obwohl Sie selbst Bedenken haben. Dabei ist es unerheblich, ob diese Bedenken begründet sind oder nicht. Entscheidend ist Ihre Unsicherheit, die sich letztendlich auf Ihr Tier überträgt. Ebenso verhält es sich umgekehrt. Es bringt nichts, wenn Sie absolut überzeugt von der Knochenfütterung sind, Ihr Hund sie aber nicht verträgt.

Einfach anfangen

Als verantwortungsbewusster Tierhalter sollten Sie sich mit den Bedürfnissen Ihres Haustieres möglichst schon vor dessen Anschaffung auseinandersetzen. Das betrifft, neben Haltung und Verhalten, auch die Ernährung – unabhängig davon, ob Sie Ihr Tier roh ernähren wollen oder nicht. Haben Sie sich mit diesen Dingen auseinandergesetzt, fangen Sie einfach an. Sie benötigten dazu weder einen ausgearbeiteten, detaillierten Futterplan, noch irgendwelche Bedarfswertetabellen oder Lebensmitteldatenbanken. Was Sie allerdings benötigen, ist gesunder Menschenverstand, ein wenig des eben erwähnten Grundwissens und eine gute Beobachtungsgabe.

Der gesunde Menschenverstand sagt Ihnen, dass ein Karnivore hauptsächlich Fleisch und andere tierische Produkte frisst. Also kaufen Sie Fleisch, Innereien, Knochen usw. und füttern Sie es Ihrem Tier. Probieren Sie ruhig ein wenig herum. Was frisst Ihr Tier am liebsten, und in welcher Konsistenz? Was bekommt ihm besser, was weniger gut?

Ihr Verstand sagt Ihnen auch, dass Ihr Tier nicht Tag für Tag dasselbe Futter fressen möchte. So wie Sie sicherlich auch Abwechslung in Ihren Speiseplan bringen, bringen Sie diese auch in den Futterplan Ihres Tieres. Mit der Abwechslung minimieren Sie gleichzeitig die Gefahr einer längerfristigen Unter- oder Überversorgung mit einem oder mehreren Nährstoffen.

Beobachten Sie Ihr Tier! Sie als Halter sind am besten in der Lage, zu erkennen, wenn es Ihrem Tier an irgendetwas mangelt, lange bevor sich irgendwelche körperlichen Symptome zeigen. Kramen Sie dann rechtzeitig in Ihrem Grundwissen über die Ernährung Ihres Tieres und seine Bedürfnisse und überprüfen Sie die Rationsgestaltung diesbezüglich. Dann können Sie rechtzeitig dagegen steuern, ohne dass es zu Gesundheitsschäden bei Ihrem Tier kommt.

Gerade die zuletzt genannten Voraussetzungen, Abwechslung, gesunder Menschenverstand, ein wenig Grundwissen und Beobachtungsgabe gelten nicht nur für Rohfütterer, sondern selbstverständlich auch für jede andere Form der Fütterung. Wenn Sie sich dies vor Augen führen, werden Sie merken: Rohfütterung ist nicht schwieriger als Fütterung mit industriellem Fertigfutter!

Ein Paradoxum?

Viele erinnern sich sicher noch an den Medienrummel, als bekannt wurde, dass Tiermehl in großem Stil an Kühe und andere Pflanzenfresser verfüttert wurde. Schuld an dieser Praxis waren – neben dem allgemeinen Profitstreben der Agrarindustrie – auch die Konsumenten, die immer preiswertere Lebensmittel einforderten. Weder die eine, noch die andere Seite war sich der möglichen Konsequenzen für Mensch und Tier wirklich bewusst, und wenn doch, wurden diese Bedenken beiseite geschoben. Erst im Zuge der BSE-Krise und den damit verbundenen Ängsten der Bevölkerung vor einer Übertragung auf den Menschen und den darauf folgenden Umsatzeinbrüchen der Agrarindustrie rückte diese Fütterungspraxis in den Vordergrund und die Politik reagierte letztendlich mit einem Verbot der Verfütterung tierischer Proteine an Pflanzenfresser.

Jede Tierart ist von Natur aus auf eine bestim mte Ernährungsweise eingerichtet. Dies geschah nicht von heute auf morgen, sondern im Laufe von mehreren tausend Jahren. Hunde und Katzen beispielsweise sind von der Natur aus auf die Ernährung von Beutetieren und somit von tierischem Protein und Fetten spezialisiert worden. Kühe hingegen sind Pflanzenfresser und somit auf die Verwertung pflanzlicher Proteine aus. So wie es mittlerweile klar ist, dass man Pflanzenfresser nicht mit tierischem Protein ernähren kann, sollte es auch Jedem klar sein, dass Karnivoren genau dieses benötigen. Es stellt ihre Hauptfutterkomponente dar. Ich frage mich daher, warum Karnivoren nach wie vor mit Getreide und Soja als Hauptfutterkomponenten ernährt werden, ohne dass sich jemand groß darüber aufregt oder diese Art der Fütterung in Frage stellt. Im Gegenteil: Die öffentliche Meinung ist sich zum Teil noch mehrheitlich einig, dass Fleisch für Fleischfresser ungesund und gefährlich ist. Ein Paradoxum?

Nein, ich glaube nicht. Vielmehr handelt es sich hier um eine wirkliche Meisterleistung der Futtermittelindustrie. Sie hat es geschafft, in den gut 40 Jahren seit Einführung des ersten Trockenfutters die öffentliche Meinung derart geschickt zu beeinflussen und in einem großen Teil der Bevölkerung Ängste und Vorurteile gegen die ursprüngliche (natürliche) Ernährungsweise von Kanivoren zu schüren, dass diese Art der Ernährung unserer Hunde und Katzen meist nicht mehr in Frage gestellt wird. Betrachtet man sich die Aussagen in diversen Artikeln großer Hundeund Katzenzeitschriften und in der Werbung, aber auch auf vielen privaten Internetseiten und in Internetforen, so kann man diese Ängste verstehen und nachvollziehen. Überall wird vor der Rohfütterung und deren Folgen für die Gesundheit unserer Hunde und Katzen durch Fehlernährung und Übertragung von Krankheitserregern gewarnt. Durch die immense Informationsflut werden diese Aussagen den Tierhaltern immer wieder vor Augen geführt, daher die starke Verbreitung.

Entgegen kam dabei die allgemeine Bequemlichkeit vieler Tierhalter, der Zeitdruck, unter dem diese in unserer heutigen Zeit oftmals stehen, und vor allem die Flexibilität des tierischen Organismus, der es über sehr lange Zeit schafft, auch aus eigentlich ungeeigneten Futtermitteln noch weitgehend ausreichend Nährstoffe zur Verwertung und somit zur Erhaltung seiner Körperfunktionen zu ziehen. Darüber hinaus unterliegen sowohl die Futtermittelindustrie, wie auch viele Tierärzte und der Großteil der Verbraucher dem überaus fatalen Irrtum, dass sich die Ernährung (egal ob die Ernährung von Mensch oder Tier) auf eine entsprechende Zusammensetzung von Inhaltsstoffen, wie etwa Proteinen, Lipiden und Kohlenhydraten reduzieren ließe. Die BSE-Krise ließ hier zumindest bezüglich der Verfütterung von Tiermehl an Pflanzenfresser Politiker und Verbraucher aufhorchen und entsprechend reagieren. Bedauerlicherweise ist ein wünschenswertes Weiter denken bezüglich der Ernährungspraktiken in Landwirtschaft und im Hobbytierbereich unterblieben – sehr zum Leidwesen der Tiere.

Dabei bedarf es meiner Meinung nach noch nicht einmal der Einführung neuer Gesetze, um entsprechend zu reagieren. Schon das deutsche Tierschutzgesetz ist hier eindeutig und sollte endlich entsprechende Beachtung finden:

2. Abschnitt Tierhaltung § 2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Eine konsequente Durchsetzung allein dieses Paragraphen würde die Futtermittelindustrie unweigerlich dazu bewegen, ihre heutigen Praktiken zu überdenken und entsprechend konzipierte, tiergerechte Futtermittel herzustellen. Es gibt ja durchaus einige Hersteller, die das schon umsetzen. Der zukünftige Tierbesitzer wäre schon im Vorfeld gezwungen, sich mit den Bedürfnissen seines zukünftigen Begleiters auseinander zu setzen und sich entsprechendes Wissen anzueignen. Gefährlichem Halbwissen und blindem Vertrauen auf die Aussagen der Hersteller würde damit ein Riegel vorgeschoben. Letztendlich ist es auch der Tierhalter in seiner Funktion als Verbraucher, der die Futtermittelindustrie mit seinem Kaufverhalten zu einem Umdenken bewegen kann.

Peter Alm Peter Alm
Tierheilpraktiker. Seine eigenen Hunde und Katzen werden seit mehr als 20 Jahren roh ernährt.
Kontakt: info@mutig-gbr.eu

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