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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 2/1999

Sexualität in der Gerontopsychiatrie – ein Tabu?

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Sexualität: was ist das?

Der französische Schriftsteller Bernard Bovier de Fontenelle (1657-1757) antwortete auf die Frage nach der größten Liebe seines Lebens: “Das kann ich noch nicht sagen. ich bin erst 95”.

In den Medien ist das Thema Sexualität fast täglich “auf dem Tisch”. Das Fernsehen und die Printmedien bieten ein breites, unüberschaubares Spektrum der Darstellung von Sexualität. Sexualität wird vielfach auf die körperliche Vereinigung reduziert bzw. werden Berührungen und Zärtlichkeit sofort in Verbindung mit Sex gebracht. Dabei bedeutet Sexualität nicht nur Genitalkontakt. Sexualität hat auch mit Erotik,Umarmungen, Küssen, Streicheln zu tun. Sexualität beinhaltet Emotionen, Empfindungen, Privatsphäre, Intimität, Würde, Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Sexualität ist weniger eine Leistung, ein “Trainingserfolg” oder ein Machtmittel, als vielmehr Hinwendung, Vertrauen und Geborgenheit. Sexualität ist in allen Lebensaltern, auch im Alter, ein Bestandteil der Gesamtpersönlichkeit, ein lebensbestimmender Faktor und eine Quelle physischen und psychischen Wohlbefindens. Sie ist Teil der Lebensbiographie. Sie hat eine sehr vielschichtige Bedeutung und Auswirkung für und auf jeden einzelnen Menschen. Dennoch wird oft davon ausgegangen, daß Sexualität im Alter kein Thema mehr ist. GesellschaftIiche Vorurteile schränken diesen Lebensbereich alter Menschen erheblich ein. Das herkömmliche Bild von Partnerschaft im Alter sieht wie folgt aus: Oma und Opa sitzen auf der Bank, die heitere Ruhe und Abgeklärtheit des Alters liegt über ihrer Beziehung, Besinnlichkeit und nicht Sinnlichkeit steht im Vordergrund. Beide sind sie zwar geistig verbunden, die körperlichen Leidenschaften sind jedoch längst erloschen und einer gelassenen Ruhe gewichen. Partnerschaft im Alter wird als eine asexuelle Beziehung betrachtet. Diesem Bild entsprechend sind körperliche Zuneigungsbeweise (z.B. sich umarmen, sich küssen) verpönt, wirken anstößig oder lächerlich.

Welche Faktoren beeinflussen die Sexualität im Alter?

Im Laufe des Lebens verändert sich das Sexualverhalten, dessen Stellenwert und Bedeutung. Verschiedene Faktoren verändern das Sexualverhalten im Alter.

  • Der Verlust des Ehepartners nach langen Ehejahren führt vielfach zu einer Afgabe der sexuellen Aktivitäten. Der Verlust des Partners muß häufiger von Frauen als von Männern bewältigt werden, da die Lebenserwartung der Männer niedriger ist.
  • Geschlechtsspezifische Ursachen: Bei alleinstehenden und verwitweten Frauen ist ein deutliches Nachlassen sexueller Aktivitäten zu verzeichnen. Die gesellschaftliche Norm vom “aktiven” Mann und der “passiven” Frau, der es nicht ansteht, die Initiative zu übernehmen (schon gar nicht, wenn sie alt ist), spielt eine entscheidende Rolle: eine anständige Frau tut so etwas nicht. Allerdings wird älteren Männern weit eher zugestanden, sexuell aktiv zu sein. Ein älterer Mann mit einer jungen Frau wird beneidet, eine ältere Frau mit einem jungen Mann wird verlacht. Für Männer ist es in der Regel leichter, im höheren Alter eine neue Ehe einzugehen. Dies hängt auch mit der verbreiteten Ansicht zusammen, daß ein älterer Mann eine Frau braucht, die ihn “versorgt”.
  • Der Gesundheitszustand spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Akute oder chronische Erkrankungen können zu einer erheblichen Reduktion sexueller Aktivitäten bis hin zum völligen Erlöschen der Sexualfunktion führen. Zu diesen Erkrankungen zählen Diabetes Mellitus, zentralnervöse Störungen (z.B. Traumata, Tumoren, Infektionen), periphere Nervenläsionen (z.B. durch Beckenfrakturen), Stoffwechselerkrankungen, Auswirkungen eines Alkohol- und Medikamentenmißbrauchs, kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. koronare Herzerkrankungen, Herzinfarkt), chronische Nierenversagen, Erkrankungen an den Genitalen.

Psychische Störungen und Erkrankungen beeinflussen die Lebensqualität und somit auch das Sexualverhalten. Die häufigsten Erkrankungen sind depressive und dementielle Syndrome. Sehr einschneidend sind auch die Folgen einer Harninkontinenz. Zahlreiche Medikamente beeinflussen nicht nur die Sexualfunktionen, sondern auch das Interesse an der Sexualität: Anticholinergika, Blutdruckmittel, Antikoagulantien, Östrogene, Sympatholytika, Narkotika, Parkinsonmittel, Antidepressiva, Barbiturate, Tranquilizer und Neuroleptika. Bedenkt man, daß der Medikamentenkonsum bei alten Menschen steil ansteigt und daß im Durchschnitt über 3 Medikamente pro Tag kontinuierlich konsumiert werden, so wird der Einfluß von Medikamenten bei der Frage zur Sexualität im Alter sehr klar.

  • Nachwirkungen von Moralvorstellungen, die im Verlauf der Sozialisation übernommen wurden.
    – Tabuisierung der Sexualität ganz generell und speziell Ablehnung der eigenen Sexualität (aus Angst vor Versagen oder aus Überdruß).
    – Sexualität ist etwas “Unanständiges”, wenn sie nicht in erster Linie zur Fortpflanzung betrieben wird. Frauen jenseits der 60 sollen Oma sein, sollen Mütter bleiben, denn wo keine Fruchtbarkeit ist, da soll auch keine Lust sein.
    – Negative Einstellung gegenüber Sexualität im Alter. Vorurteile wie “alte Menschen sind asexuell wie Kinder”, “ein alter Körper ist unattraktiv”, “im Alter kann man gar keinen Geschlechtsverkehr mehr ausüben”, “Alte sollen Vorbilder sein und keine Sexprotze” sind immer noch anzutreffen. Hinzu kommt die Tendenz, Älteren zu vermitteln, daß sie sich “lächerlich machen”, “läppisch sind”, wenn sie noch sexuelle Gefühle haben.
    Was im Alter erlaubt ist, wird oft von Jüngeren bestimmt. Die Jüngeren verbieten den Alten, was diese früher den Jüngeren verboten haben. Erwachsene Kinder sprechen sich oft gegen eine neue Partnerschaf aus und versuchen diese neue Bindung als “kindische Dummheit” zu degradieren. Dabei ist anzumerken, daß sich neueingegangene Ehen oder Lebensgemeinschaften als äußerst stabile Lebensformen und harmonische Beziehungen erweisen. Der Wunsch, die Einsamkeit, zu überwinden spielt beim Eingehen einer neuen Ehe, neben der persönlichen Zuneigung, eine große Rolle.
  • Die Wohnsituation: Viele alte Menschen wohnen mit ihren erwachsenen Kindern zusammen und sind so “unter Kontrolle”. Ältere Menschen In Helmen sehen sich einer noch schärferen Kontrolle durch die Mitbewohner und die Heimorganisation ausgesetzt. Das Privatleben und die Intimsphäre sind nicht nur durch die räumlichen und organisatorischen Verhältnisse, sondern auch durch negative Einstellungen auf Seiten mancher Heimleitungen und Pflegepersonen eingeschränkt.

Alle diese Faktoren und Vorurteile werden noch durch die Annahme verstärkt daß sich die sexuelle Aktivität der Frau (Leistungsfähigkeit, Libido) durch das Klimakterium vermindert und daß die des Mannes vom kalendarischen Lebensalter abhängt. Grundsätzlich unterliegen die sexuellen Interessen eines alten Menschen keinem spezifischen Altersabfall, können auch im höheren Alter erhalten bleiben und zu einem intakten Sexualleben führen. Das setzt allerdings eine positive Einstellung zu sexuellen Aktivitäten voraus. Es sind eher die psychosozialen Faktoren, die vermindernd auf das Sexualverhalten einwirken als etwa biologische Veränderungen. Onanie wird nach Partnerverlust oft Ersatzhandlung bzw. äußert sich sexuelles Begehren in Tagesphantasien oder Träumen. Verdrängte Triebbedürfnisse können durch regressives Verhalten, das als psychisch gestört abgewertet wird, sichtbar werden (z.B. übermäßiges Verwöhnen eines Haustieres, das gleichsam ein Kind ersetzt oder eine durch das Tragen “jugendlicher” Kleidung, Frisuren und anderer Attribute betont zur Schau gestellte Jugendlichkeit). Jedoch sind körperliche Erregungen, Kokettieren und sexuelle Phantasien kein Symptom einer psychischen Störung: alte Menschen haben das Recht, sexuelle Wünsche zu äußern und Herr des eigenen Körpers zu bleiben.

Allgemein werden dennoch mit zunehmenden Alter Zärtlichkeit und Zuneigung wichtiger als Verkehr. Dies rührt daher, daß im Alternsprozeß neu definiert werden muß, was schön und sexuell attraktiv zu verstehen ist. Charakter, Haltung, Persönlichkeit, Auftreten und Einfühlungsvermögen nehmen an Bedeutung zu. Im Alter wachsen die Bedürfnisse nach Wechselseitigkeit gegenseitigem Vertrauen und örtlicher Berührung-

Psychische Erkrankungen und Sexualität

Eine Reihe von psychischen und psychosomatischen Störungen und Erkrankungen im Alter beeinträchtigen die Sexualität. insbesondere depressive und psychosomatische Reaktionen können auf unbewußte Konflikte hinweisen, die sexuelle Störungen beinhalten. Ein Tabu besonderer Art ist die Sexualität von Demenzkranken. Warum sollten Demenzkranke oder hirnorganisch veränderte Patienten gerade dieses Grundbedürfnis eines Menschen bei Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten nicht mehr haben? Auch Demenzkranke zeigen sexuelle Verhaltensweise: Kognitionen vergehen, Emotionen bleiben! Die Suche nach Intimität, Zärtlichkeit und Körperkontakt ist bei den meisten Demenzkranken zu beobachten, auch wenn deren Erlebnis und Ausdrucksformen verändert sind und von Gesunden fehlinterpretiert werden können. Auf Grund der Desorientierung kann es dazukommen, daß Fremde als Ehepartner empfunden und sexuell belästigt werden. Durch das Nachlassen der Steuerungsfähigkeit kann es zu Wesensveränderungen, zu Enthemmungen und mangelnder Selbstkontrolle kommen, denen Mitpatienten oder Betreuer ausgesetzt sind. Manch unerwünschte Verhaltensweise (wie Genitale zur Schau stellen, onanieren in der Öffentlichkeit, vulgäre Ausdrücke benutzen etc…) können eine Folge dessen sein und verunsichern Argehörige und Pflegende. Andererseits können sich auch zwischen Demenzkranken neue Kontakte bilden, die zur gegenseitigen Zärtlichkeit und zum Körperkontakt führen. Andere psychiatrische Krankheiten bewirken Veränderungen in der Libido. So ist bei Manien eher ein Ansteigen der sexuellen Bedürfnisse bekannt. Dagegen bewirken Depression und Angstzustände eher eine Dämpfung des Sexualverhalten. Bei Psychosen und besonders bei paranoiden Psychosen im Alter können sexuelle Wahnvorstellungen vorkommen. Manchmal ist es sehr schwierig, zwischen Realität und Wahn zu unterscheiden. Besonders belastend für die Betreuer dieser Patienten kann es werden, wenn sie selbst in deren sexuelle Wahnvorstellungen, eingesponnen werden.
Sexuelle Betätigungen können auch Träger von psychischen Äußerungen sein. Sie können den Wunsch nach Aufmerksamkeit ausdrücken (z.B. in Form von Exhibitionismus) oder ein Kompensationsmechanismus für aufkommende altersbedingte Beeinträchtigungen sein (wenigstens in diesem Bereich klappt es noch!) oder können eine Form von Selbststimulation bei mangelnder Zuwendung und Reizarmut darstellen.

“Lustkiller Institution”

Institutionen geben nur wenig Raum für eine Privatsphäre. In Alteneinrichtungen wie auch in gerontopsychiatrischen und geriatrischen Kliniken stehen alte Menschen mehr oder weniger unter ständiger Beobachtung und werden in ihrem Verhalten beeinflußt. Aufgeschlossenen Stationen oder Pflegeeinrichtungen ist der Freiraum noch weiter eingeschränkt. Sexualität hat in diesen Einrichtungen nichts zu suchen!
Weder Patienten noch Pflegende oder sonstige Bedienstete stoßen auf Akzeptanz oder gar Ermunterung, wenn sie sich diesem Bereich annähern. Sexualität ist das klassische Tabuthema. Da insbesondere die Pflegenden durch die Art ihrer Tätigkeit den engsten, intensivsten und auch intimsten Kontakt zu den Patienten haben, sind sie der Problematik in ganz besonderer Weise ausgesetzt Für Pflegende existiert die unausgesprochene Regel, daß man während der Arbeit möglichst seine eigene sexuelle Identität nicht zu erkennen geben darf und sexuelles Erleben in der Beziehung zum Patienten außerhalb jeder Akzeptanz liegt. Nicht umsonst verleiht die Uniformierung den Pflegepersonen den äußeren Anschein völliger Asexualität. Ebenso unterstützt die Bezeichnung Schwester diese Asexualität. Zu einer Schwester darf es keine sexuellen Neigungen geben. Auch von ihr darf keine Sexualität ausgehen. Das Händewaschen nach einem Patientenkontakt kann ebenso dazu dienen, Intimität gegenüber dem Patienten abzuwehren. So werden Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu einem scheinbar sexualitätsfreien Raum. Wo auf Sauberkeit und Pflege geachtet wird, scheint wenig Platz für Zärtlichkeit zu sein.
Gibt es auch zunehmend weniger reine Männer- oder Frauenstationen in Kliniken, so besteht kaum eine Möglichkeit, “für sich sein” zu können. Selbst in der Nacht wird häufig kontrolliert. Möglichkeiten für ein rooming in gibt es für alte Menschen und ihre Angehörige kaum. Dies wäre gerade für Partner, die seit Jahrzehnten zusammenleben und von denen einer wegen einer psychischen Erkrankung in der Klinik behandelt werden muß, manchmal sinnvoll und notwendig. Ob Zärtlichkeit und Sexualität in einer Einrichtung Platz haben, ist weniger von den Patienten abhängig als vielmehr von der Einstellung des Personals, der “Institutionsphilosophie”, den Vorstellungen von Vorgesetzten, Angehörigen und Besuchern sowie den ungeschriebenen Gesetzen der Jäger der Einrichtung. Der Hinweis auf “Fürsorgepflicht”, Schutz zu geben denen, die nichts mehr davon wissen wollen zeugt eher von lebensfeindlicher Einstellung als von dem Bewußtsein, die Lebensqualität alter Menschen zu fördern. Institutionen können durchaus als Lustkiller bezeichnet werden. Sie geben keinen bzw. nur minimalen Raum für die Bedürfnisse, die jeder Mensch bis zum Lebensende haben kann. Werden alte Menschen, die zu Hause leben, schon oft als “geschlechtslose Wesen” gesehen, so trifft dies in größerem Umfang in Institutionen zu.

Der Patient und die Pflegekraft

Daß alte Menschen auch sexuelle Bedürfnisse und sogar Lustempfindungen haben, ist ein seit wenigen Jahren etwas bekannter geworden. Tabuisiert werden diese immer noch. Meist wird so getan, als ob alle ATL gleich bewertet und beachtet werden. Aber beim genaueren Hinsehen wird deutlich, daß sich viele Pflegende vor dem ATL “sich als Mann/Frau fühlen” drücken. Am ehesten ist für die Pflegende Sexualität zu akzeptieren wenn zwei Patienten frei und selbstgewählt mit unbeeinträchtigtem Urteilsvermögen und dem öffentlichen Empfinden angepassten Umgangsformen eines sexuelle, Beziehungen leben. Ist ein Patient so stark eingeschränkt, daß von einer Selbstentscheidung zu sexuellen Handlungen nicht die Rede sein kann und sexuelle Aktivitäten eines Mitpatienten ihm gegenüber eine Nötigung darstellen, so ist das Personal zur Handlung aufgerufen. Den Betreuern fällt die Aufgabe zu, die richtige Entscheidung zu treffen.
Für Pflegende ist es besonders schwer, Sexualität bei Patienten zu akzeptieren, wenn sie als Person selber davon betroffen sind (z.B. wenn der Patient seine sexuellen Wünsche auf sie richtet). Da das Thema Sexualität häufig in den Pflegeteams ein Tabu darstellt, kann im Kollegenkreis nicht offen über Schwierigkeiten in diesem Bereich gesprochen werden. Besonders belastend wird die Situation, wenn Pflegende selber unter ungelösten sexuellen Konflikten und Problemen leiden. Denn wer ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst, seinem Körper und seiner Sexualität hat, kann in diesem Bereich auch nicht hilfreich für seine Patienten sein.Von daher soll sich jede Pflegekraft über ihre eigene Einstellung zur Sexualität klar werden, um nicht unreflektiert Eigenes einfach auf den Patienten zu übertragen.
Ein Grund, warum es für Pflegende schwer ist, die Sexualität von geriatrischen Patienten zu akzeptieren, mag darin liegen, daß sie in den Patienten Elternfiguren sehen oder die Patienten in der Kindposition empfinden, da die Patienten teilweise unselbständig, abhängig und hilflos wie Kinder sind. Weder Eltern noch Kindern wird Sexualität zugestanden. Kinder verdrängen die elterliche Sexualität. Die kindliche Sexualität wird von den Erwachsenen verleugnet.
Scham und Peinlichkeit sind starke Gefühle, die auch den Umgang miteinander belastet. Der Patient schämt sich seiner Blöße, da Sexualität eigentlich der intimen Partnerbeziehung vorbehalten ist. Auch bei Pflegenden kann Scham entstehen, wenn sie sich mit der Scham Ihrer Patienten identifizieren. Der Scham des Patienten auf der einen Seite steht das Gefühl der Peinlichkeit bei der Schwester auf der anderen Seite gegenüber Durch Scham und Peinlichkeit entsteht eine emotionale Distanz zwischen Pflegenden und Gepflegten. Mitgefühl und Einfühlungsvermögen haben keinen Raum mehr.

Die Frage, ob Sexualität in der Gerontopsychiatrie ein Tabu sei, wurde nicht beantwortet Es stellte sich heraus, daß das ATL 13 – sich als Frau/Mann fühlen – und die daraus resultierenden Situationen nicht nach einem Standard abgearbeitet werden können: zu viele individuelle Komponenten sowohl seitens des Patienten wie auch der Pflegenden spielen eine Rolle. Auch erhielten viele Fragen recht unterschiedliche Antworten. Allgemein wurde für mehr Verständnis und Toleranz auf beiden Seiten plädiert. Es wurde auch bewußt, daß in der Regel Pflegende keine fordernde Einstellung bezüglich der Sexualität Ihrer Patienten haben. Viele traditionelle Ideale im Pflegeberuf verstärken dies noch. Wer derzeit in der Altenarbeit tätig ist, muß sich fragen, ob er im Alter belächelt, mißverstanden und eingeschränkt werden will, wie er dies jetzt aus vielerlei Gründen selbst tut oder glaubt tun zu müssen, wenn alte Menschen – ob krank oder gesund – Bedürfnisse nach Sexualität, Zärtlichkeit und Intimität haben.

Literaturhinweis

  • “Psychologisches Grundwissen für Altenpflegeberufe”, Autor: Kurt Wirsing, Psychologische Verlags Union, ISBN: 3-621-54648-3
  • “Praxis der psychischen Altenpflege”, 9. Auflage, Autor Erich Grond ISBN: 3-8040-0397-3
  • “Soziologie des höheren Lebensalters”, Autor: Wolfgang Voges. Maro Vorlag, ISBN: 3-87512-3085
  • “Sexualität im Alter: zwischen Lust und Tabu”, Autor Rolf D. Hirsch

© 1998 by Edith Specovius, Bielefeld. Alle Rechte vorbehalten. Letztes update: 2. März 1999

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