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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 5/2010

Therapeuten-Portrait: Tierheilpraktiker Jens Kohnert

Cover

Wann und aus welchem Grund fassten Sie den Entschluss, Tierheilpraktiker zu werden?

2010-05-THP1Nach dem Abitur wollte ich Veterinärmedizin studieren. Doch es kam alles anders. Ich machte eine Ausbildung zum Elektroniker, absolvierte ein betriebswirtschaftliches Fernstudium, arbeitete in einigen großen Konzernen in Hamburg und begann parallel dazu ein Hochschulstudium in Informatik. Eines Tages wurde mir alles zu viel und ich musste mein Leben neu strukturieren. Ich brach das Studium ab, kündigte meine Arbeitsstelle, löste mich aus der damaligen Beziehung und suchte nach einer neuen Aufgabe. Zu dieser Zeit musste meine 2½-jährige Bobtailhündin euthanasiert werden. Ich litt mindestens genauso wie das Tier. Für mich war klar: Ich möchte mehr lernen über Tiere, fundierte Diagnostik und wirksame Therapien, vor allem auf naturheilkundlicher Basis. So entschloss ich mich im Alter von 35 Jahren, den Beruf des Tierheilpraktikers zu erlernen.

Wie lange hat Ihre Ausbildung gedauert und auf welche Schwerpunkte haben Sie sich konzentriert?

2010-05-THP2Mein Studium zum Tierheilpraktiker absolvierte ich an der Paracelsus Schule Hamburg, die Ausbildung dauerte 2 Jahre. Meinen Schwerpunkt setzte ich auf die Diagnose. Mein Mentor, ein Humanmediziner, dem ich sehr viel zu verdanken habe und der mich stets mit seinem großen Wissen und seiner Erfahrung unterstützte, sagte einmal: „Der liebe Gott hat vor jede Therapie eine Diagnose gestellt. Verfehlst du diese, wird jede Therapie ins Leere gehen!“ Die Tragweite dieser Worte wurde mir erst später bewusst. Jetzt helfen sie mir bei meiner täglichen Arbeit!

Wie und wann erfolgte dann der Start der eigenen Praxis?

2010-05-THP5Ich begann – wie die meisten Tierheilpraktiker – mit einer Fahrpraxis. Allerdings merkte ich schnell, dass man gewisse Dinge NICHT im Haus der Tierhalter machen kann. Blutflecken auf dem Perserteppich müssen nicht sein. Oder wenn beim Spülen der Analdrüsen etwas danebengeht. So beschloss ich, sowohl mobil als auch ambulant zu praktizieren.

Wie lief das erste Jahr? Und wie ging es weiter?

2010-05-THP3Trotz mannigfaltiger Werbung und Investitionen in die Praxis liefen die ersten 3 Jahre recht schleppend an. Ich merkte auch, dass die abgeschlossene Ausbildung nicht gleichzusetzen ist mit dem Ende des Lernens. Ich musste mich spezialisieren. Mit der Zeit wurden mir immer mehr Hunde mit Tumoren, Hautproblemen und schlechten Zähnen vorgestellt. Also machte ich diesen Bereich zu meinem Fachgebiet. 2006 zog ich zu meiner jetzigen Ehefrau nach Nordrhein-Westfalen, wo ich – parallel zu meiner Arbeit – noch eine Ausbildung zum Hufpfleger absolvierte. Ich stellte fest, dass viele Pferde meiner Meinung nach nicht optimal aus ganzheitlicher Sichtweise bearbeitet waren. Von Hufschuhen wollen die wenigsten Schmiede etwas wissen. Die Kombination Tierheilpraktiker und Hufpfleger ist nicht alltäglich – sie bietet mir einen besonderen Blick aufs Pferd. Mein Wissen lernten viele Pferdehalter zu schätzen, seitdem arbeite ich viel mit Pferden. Nach 4 Jahren in NRW zog es mich zurück in den Norden, wo ich seit März 2010 als niedergelassener Tierheilpraktiker in Tangstedt (bei Norderstedt) erfolgreich eine Praxis führe.

Welche Ihrer Werbemaßnahmen waren erfolgreich, welche nicht?

2010-05-THP4Keine guten Erfahrungen habe ich mit Printmedien gemacht. Die beste Werbung ist meiner Meinung nach – mit Abstand – die Mundpropaganda. Doch wer soll über einen reden, wenn keiner die Praxis kennt? Nachdem ich merkte, dass Werbung in den Wochenblättern nur Geld kostet, kreierte ich einen Flyer, ließ Visitenkarten drucken und kaufte Hundekekse (natürlich ohne Konservierungsmittel!). In die Visitenkarten stanzte ich Löcher und band einen Hundekeks dran, dann schnappte ich mir meine beiden Bobtaildamen und ging mit einem großen Beutel auf Werbetour durch die Stadt. Die Aktion war ein voller Erfolg!

Wie groß ist Ihre Praxis?

Meine ambulante Praxis ist ca. 30 m2 groß. Zur Ausstattung gehören u.a. PC, Zentrifuge, Labormikroskop, Sterilisator, Tierwaage sowie therapeutische Hilfsmittel, z.B. TENS.

Was sind Ihre Arbeits- und Therapieschwerpunkte?

Ich habe mich spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie von Tumoren bei Hunden, Stoffwechselerkrankungen von Hund und Pferd sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates von Hund und Pferd. Auch Huferkrankungen bei Esel und Pferd sowie das korrekte Stellen gehören zu meiner täglichen Arbeit.

Was war Ihr schönstes Praxiserfolgserlebnis?

2008, MDR Radio Thüringen: „Der Tierheilpraktiker – was macht er, wie behandelt er, was darf er nicht“. So hieß die Sendung, in der ich Gast war und über meinen Beruf berichten durfte. Die Resonanz war hervorragend! Während der Live-Sendung riefen sehr viele Menschen an und ersuchten meinen Rat. Eine Dame, Halterin einer Katze, fragte, ob ich das Entfernen des Auges ihrer Katze verhindern könne. Die Katze hatte eine Keilerei mit einem Artgenossen gehabt. Ich bat sie, mir ihr Tier vorzustellen. Am nächsten Tag lernte ich „Mietzi“ kennen. Das Bild, das sich mir bot, war alles andere als eine „Kleinigkeit“.

2010-05-THP6Das Auge der Katze hatte eine massive Verletzung der Hornhaut. Die Iris war nicht mehr zu erkennen. Es war ein regelrechtes Loch in der Linse. Die Tierklinik Erfurt hatte das Auge abgeschrieben, ein OP-Termin stand bereits fest. Nach gründlicher Untersuchung erstellte ich einen Therapieplan, den die Tierbesitzerin genau einhalten sollte.

14 Tage später: Das Ergebnis konnte sich sehen lassen!

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Die Iris war wieder sichtbar! Die Verletzung der Hornhaut allerdings auch noch. Es war an der Zeit, die Medikation zu ändern.

Wieder 14 Tage später:

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Das Auge hatte sich fast komplett regeneriert! Die leichte Trübung verschwand kurz darauf. Die Funktion des Auges war wiederhergestellt!

Medikation:

  • Entgiftung vor der Behandlung mit Sulfur D200, Einmalgabe
  • Arnica D30, Einmalgabe
  • Euphrasia comp. Augensalbe (begleitend für die gesamte Zeit der Therapie)
  • Pulsatilla D6 (für 6 Tage)
  • gefolgt von Mercurius sublimatus corrosivus D6 bis zum Therapieende
  • Nachbehandlung mit Conium C30

Welchen Fehler würden Sie nicht noch einmal machen wollen?

Ich hätte schon viel früher die Ausbildung zum Tierheilpraktiker machen sollen! Ich habe zu lange gewartet, meinen Traumberuf zu erlernen. Heute weiß ich, dass es immer einen Weg und eine helfende Hand gibt, die einen dabei unterstützt, seinen Berufswunsch Realität werden zu lassen.

Gibt es Besonderheiten in Ihrem Praxisangebot?

Ja, die Kombination von Tierheilpraktiker und Hufpfleger. Stoffwechselstörungen des Pferdes sind oft für Hufprobleme verantwortlich, und falsch ausgeschnittene Hufe begünstigen häufig Erkrankungen im Bewegungsapparat. Das ganzheitliche Herangehen an die Arbeit am Pferd hat sich bis heute bewährt und ausgezahlt.

Ihr Tipp für Praxis-Neulinge und Kollegen?

Suchen Sie Kontakt zu Veterinären. Suchen Sie die Zusammenarbeit. Dokumentieren Sie jeden einzelnen Fall mit Fotos. Archivieren Sie Rezepturen und Rezepte. Diagnostizieren Sie punktgenau! Dies dauert in der Regel zwar etwas länger – ist aber beste Basis für eine Erfolg versprechende Therapie. Last but not least: Bilden Sie sich weiter! Die Paracelsus Schulen bieten deutschlandweit jede Menge Seminare und Fortbildungen für Tierheilpraktiker an!

Jens Kohnert
Tierheilpraktiker und Hufpfleger
Praxis für Ganzheitliche Tiermedizin Schulstraße 37 b, 22889 Tangstedt
Jens.Kohnert@Pet-Health.de
www.pet-health.de

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