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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 6/2010

Kommunikation – eine Fremdsprache?

Cover

Die Transformative Mediation als Dolmetscher

© endostock - Fotolia.comWir betrachten die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei gibt es, wenn es um persönliche Vorstellungen und Überzeugungen geht, keine objektive Wahrheit oder Wirklichkeit, sondern nur das subjektive Erleben. So entstehen Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen und gravierendere Konflikte, die uns krankmachen können. Jeder Konflikt trägt einen tieferen Sinn in sich. Anstatt uns in Diskussionen aufzureiben, können wir Konflikte zur Kraft- und Erkenntnisquelle werden lassen und in auch scheinbar aussichtslosen Situationen gemeinsam Lösungen finden. Unsere persönliche und berufliche Kompetenz zeigt sich darin, wie wir in Konfliktsituationen effizient, rasch und zukunftsorientiert agieren.

Ein Weg ist die Mediation (Vermittlung). Menschheitsgeschichtlich in verschiedenen Kulturen nachweisbar, erfährt sie derzeit eine Renaissance.

Auch Medien, die „Spürnasen“ einer gesellschaftlichen Entwicklung, berichten immer häufiger von dieser

  • zeit-, kosten- und nervensparenden,
  • vertraulichen,
  • beziehungsschonenden und
  • persönlichkeitsfördernden

Vermittlung in Konflikten mit hoher Erfolgsquote.

Mediation bietet ausnahmslos jedem Menschen, dem an seiner seelischen Gesundheit sowie am Umgang miteinander gelegen ist, insbesondere 2 verschiedene Ansätze:

Das Harvard-Konzept – ein prinzipiengeleitetes, interessenorientiertes Verhandeln mit Fokus auf Problemlösung.

Die Transformative Mediation – diese stellt den Menschen und sein von Natur aus auf Beziehung angelegtes Potenzial tiefgreifender in den Mittelpunkt. Zielgrößen sind:

  • Empowerment = Befähigung zur Selbsterkenntnis, Stärkung des Selbstwertes und Selbstsausdrucks
  • Recognition = Wechselseitiges Verstehen und Geltenlassen der Sichtweise und Situation des Anderen

Diese Verhaltensweisen fördern eine Transformation des gesamten Konfliktverhaltens und des Konfliktes selbst. Was zerbrochen ist, kann wieder ganz werden. Im Erfahren eigener Klarheit, Stärke und im wechselseitigen Erkennen und Geltenlassen des Anderen liegt eine verwandelnde Kraft. Individuelles ethisches Wachstum und soziales Lernen können geschehen.

Die Transformative Mediation hat das Potenzial in sich, eine beziehungsfördernde und -stabilisierende Vision unseres gesamten Lebens zu formulieren und zu verwirklichen. Zusammen mit dem auf ihr beruhenden Mediativen Handeln öffnen sich Gestaltungsräume für eine humanere Gesellschaft.

Mediativ handelt, wer empathisch, authentisch, wertschätzend ist und die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen in seine Entscheidungen und Handlungen mit einbezieht.

In der Transformativen Mediation und im mediativen Handeln kann sich ereignen, was Mahatma Gandhi forderte:

„Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“

2010-06-Kommunikation1Mediation läuft in 6 Phasen ab. Im Mittelpunkt der Phase 1 steht die Einführung durch den Mediator. Er organisiert in den folgenden Phasen eine Kommunikation zwischen den Konfliktparteien in einer Weise, dass sie eigenverantwortlich den Konflikt lösen können. Er steuert das Verfahren, ohne zu entscheiden. In Phase 2 sammeln die Mediationsteilnehmer Informationen und Themen. In Phase 3 werden die hinter den Themen liegenden Interessen, Anliegen, Wünsche und vor allem in der Transformativen Mediation die Gefühle/ Bedürfnisse deutlich. In Phase 4 geht es auf Grundlage der Bedürfnisse um eine kreative Ideensuche und um Bildung von Lösungsoptionen. In Phase 5, in der es erstmals einen Konsens der Teilnehmer braucht, werden die Optionen bewertet und ausgewählt. In Phase 6 schließen die teilnehmenden Personen eine Mediationsvereinbarung.

Inhaltliche Unterschiede zwischen dem Harvard-Konzept und der Transformativen Mediation zeigt folgende Grafik.

Die blau unterlegte Fläche zeigt das Harvard- Konzept, die oval-senkrechte Fläche auf hellgrünem Grund den ergänzenden Transformationsansatz. Die dunkelgrünen Kreise gelten sowohl für das Harvard-Konzept als auch für die Transformative Mediation.

Die Früchte der Transformativen Mediation sind aber nicht allein für diejenigen da, die an ihr teilnehmen. Wir können sie ebenso in unseren alltäglichen Begegnungen, also auch ohne Durchführung einer Mediation, erfahren.

Der norwegische Friedensforscher und Träger des alternativen Nobelpreises Johan Galtung fordert, dass Mediation, und damit auch mediatives Handeln, zur Alltagskompetenz aller Menschen werden muss.

Transformative Mediation und daraus resultierendes mediatives Handeln entsprechen ethisch intaktem Handeln. Ihre Unterschiede trennen nicht, sie ergänzen sich und zeigen, dass wir das Menschenbild der Transformativen Mediation auch im Getriebe des Alltags leben können.

Dr. Dr. Gattus Hösl
Dr. Dr. Gattus Hösl
Mediator

info@hoesl-mediation.de

Mediation Mediatives Handeln
Ein bewusst gewähltes Konfliktlösungsverfahren mit klarer Struktur und klarem Ablauf nach Maßgabe der 6 Phasen des Mediationsverfahrens Ein situatives Handeln in spezieller Konfliktsituation ohne Einhaltung der Reihenfolge der 6 Phasen, also keine „Phasentreue“
Der Mediator ist ein externer Dritter Der mediativ Handelnde ist involvierte, in Konflikte, Schwierigkeiten, Probleme verwickelte Person
Der Mediator ist neutral/allparteilich Der mediativ Handelnde ist direkt oder indirekt mit eigenen Interessen, Anliegen, Wünschen, Bedürfnissen/Gefühlen beteiligt
Ein fall- und problemspezifischer, eventuell schon verfahrener Konflikt Ein konflikt-präventives Handeln im Alltag
Die Vermittlung in einem Verhandeln zwischen anderen Ein vermittelndes Mit-Verhandeln
Der Mediator empowert die Beteiligten und ermöglicht ihnen Recognition Der mediativ Handelnde empowert auch sich selbst und ermöglicht sich Recognition
Der Mediator hat keinerlei Entscheidungsbefugnis in der Frage der inhaltlichen Konfliktlösung Der mediativ Handelnde kann eine Inhaltsentscheidung treffen
Wer transformativ mediativ handelt, bildet zugleich seine Persönlichkeit und ist humaner präsent.

  

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