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Der Feuerkopf
"Früher waren Hufschmiede automatisch Tierheilpraktiker", sagt Christopher Kleine. Der Respekt einflößende Menschenkoloss in Lederschürze ist Schlosser, Kunst- und Hufbeschlagsschmied. Seit kurzem verfolgt der Unternehmer am Wochenende in der Paracelsus-Schule Münster gebannt die Tierheilpraktiker-Ausbildung. Seine Fachrichtung: Pferde. Seine Motivation: die Wünsche seiner Kunden. "Wenn ich ausgelernt habe, richte ich mir eine kleine Natur-Apotheke ein. Ich will den Bauern, Reitstall- und Pferdebesitzern aus dem Münsterland mehr bieten als nur Hufeisen."
Der traditionsbewusste Kirchgänger ist stolz auf sein Handwerk. Seit hundert Jahren arbeitet seine Familie in Metallberufen. "Schmiede waren früher automatisch Tierheilpraktiker. Im Kaiserreich behandelten sie Pferde von Kopf bis Huf und operierten sie zum Teil sogar." Das ist das Vorbild des pfiffigen Schmieds aus dem ehemaligen Zechenstädtchen Hamm im Ruhrgebiet. Lange Zeit hat er in der Zeche Radbod untertage als Schlosser gearbeitet. Als die Zeche geschlossen wurde, lernte er den Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung. Danach arbeitete er weiter bis zur Meisterprüfung und besuchte schließlich noch zwei Jahre lang die Hufbeschlagsschule.
Vor zehn Jahren hat der Vater von vier Söhnen zusammen mit seinem Vater die Kunstschmiede und Hufbeschlagsfirma "Feuer und Eisen" gegründet. Der Senior Ralph-Georg arbeitet heute noch täglich in der Schmiede, dort ist ohnehin die ganze Familie eingebunden. Die Kinder natürlich nur spielerisch, sie sind noch klein - acht, vier, zwei und ein Jahr alt, das fünfte ist unterwegs. Ab und zu packt Christoph sie alle mitsamt Frau und Dogge für den Sonntagsausflug ein. Dann tuckern die Ruhrgebietler fröhlich mit ihrem Motorboot im Rhein herum, im Wohnwagen gibt's Picknick und in der Hafenbar in Xanten ein Eis.
Normalerweise steht Christoph, der willensstarke Bär von Mann, aber zwischen 50 und 100 Stunden pro Woche am Feuer. "Ich bin ein Enthusiast. Die Arbeit beseelt mich." Und sie ernährt die ganze Familie. Nämlich die vier Generationen, die in der Paderborner Straße unter einem Dach leben. Der Betriebsinhaber weiß eben, was die Leute mögen. Er selbst beschlägt am liebsten Pferdehufe. Aber für seine Kunden fertigt er auch originelle schmiedeeiserne Möbel, Gartentore und anmutige Skulpturen.
An einer verkehrsreichen Straße in Hamm erheben sich zum Beispiel zwei riesige eiserne Hände, die ein Kind schützen. "Die Schöpfung" hat Christoph dieses Kunstwerk genannt. Mindestens einmal im Jahr schwärmen Romantiker und Naturliebhaber in seine Schmiede. Dann nämlich, wenn er bei Vollmond mitten in der Nacht Damastklingen schmiedet. Dazu flackern jede Menge Fackeln, seine Frau Nina backt Brot, und die Kinder singen. Um von solchen Spektakeln abzuschalten, verzieht sich der Feuerkopf gerne alleine hinter Hammer und Amboss. Dort singt er schallend Lieder von Abbé Pierre und Hans Albers und kommt auf neue Ideen.
Tiere findet der vielbewunderte Kunsthandwerker manchmal einfacher zu "handhaben" als Menschen. Es macht ihn froh, wenn ein Pferd wieder unbeschwert laufen kann. Wenn ein Tier am Hufhorn leidet, an einer Sehnenentzündung oder Sommer-Ekzemen kann Christoph jetzt schon weiterhelfen. Gezielt hat er seine Dozenten zu den Problemen seiner Kunden befragt. Außerdem setzt er seinen Verstand ein und weiß, wie Fohlen, Stuten und Hengste reagieren. "Die Pferde mögen mich" strahlt der ehemalige "Bergbaujunge", der keinen Fernseher zuhause, aber viele Bilder im Kopf hat.
Christopher Kleine
Paderborner Str. 2+4
59075 Hamm
Geb. 1966 in Hamm
Tel: 02381-978128, Fax: 02381-75906
www.feuer-und-eisen.de
Paracelsus-Ausbildung:
- Tierheilpraktiker (Pferde)
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