Therapie bei Hyperthyreose Morbus Basedow

Therapie bei Hyperthyreose Morbus Basedow

Bei der Hyperthyreose handelt es sich um eine Überfunktion der Schilddrüse mit gesteigerter Produktion und Sekretion der Schilddrüsenhormone. Sie führt zu einem pathologisch gesteigertem Stoffwechsel im gesamten Organismus (Hypermetabolismus).
Formen (nach Empfehlung der “Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie”):

  1. Hyperthyreose bei Immunthyroitiden (insbes. Basedow-Krankheit)
  2. Hyperthyreose bei anderen Entzündungen der Schilddrüse (z. B. subakute Thyroiditis de Quervain, Strahlenthyroiditis)
  3. Hyperthyreose infolge funktioneller Autonomie (disseminiert, uni- od. multifokal)
  4. Hyperthyreose bei Neoplasien (autonomes Adenom der Schilddrüse, bestimmte Formen des Schilddrüsenkarzinoms)
  5. durch TSH (hypophysaer) bzw. durch Substanzen mit TSH-ähnlicher Aktivität (paraneoplastisch) verursachte Hyperthyreose
  6. iodinduzierte Hyperthyreose
  7. Hyperthyreose infolge exogener Schilddrüsenhormonzufuhr (Hyperthyreosis factitia).

Häufigste Ursachen sind Basedow-Krankheit, autonomes Adenom oder disseminierte Autonomie der Schilddrüse.

Klinische Zeichen sind:
Struma
Augensymptome (Exophthalmus, sog. Glanzauge, Dalrymple-, Graefe-, Stellwag-, Jellinek-, Moebius-Zeichen)
Tachykardie
(systolischer) Hypertonus
motorisch-psychische Unruhe mit feinschlägigem Tremor
Affektlabilität
warm-feuchte Haut
Hyperhidrose
Schweißausbrüche
Bevorzugung kalter Umgebungstemperaturen
Durchfälle
Gewichtsabnahme trotz Heisshungers
Haarausfall
Muskelschwäche (thyreotoxische Myopathie)
Dekompensation einer Herzinsuffizienz
bei langer Dauer Herzmuskelschädigung und Osteoporose
oft gleichzeitig Funktionsstörung anderer endokriner Drüsen und des Stoffwechsels (erhöhter Insulinbedarf bei Patienten mit Diabetes mellitus).
Die typischen Symptome zeigen meist jugendliche Patienten. Bei alten Menschen sind oligo- bzw. monosymptomatische Verläufe häufig (sog. Altershyperthyreose);
bei Dekompensation einer schweren Hyperthyreose kann es zur thyreotoxischen Krise kommen (insbesondere bei Patienten im mittleren u. hohen Lebensalter).

Diagnose:
Erhöhung der Konzentration von Gesamt-Thyroxin (T4) u./o. Gesamt-Triiodthyronin (T3) im Serum mit relativer (T3/T4-Index) oder absoluter (FT4) Erhöhung der freien, biologisch aktiven Hormone im Blut (bei ca. 5 % der Patienten findet sich bei gleicher Klinik eine isolierte Erhöhung von Triiodthyronin, sog. T3-Hyperthyreose); TSH-Konzentration im Blut erniedrigt als Ausdruck der gehemmten TSH-Sekretion des Hypophysenvorderlappens; Abklärung der Grundkrankheit mittels Ultraschalldiagnostik und Szintigraphie, ggf. Zytodiagnostik (Punktionszytologie); Radioiodtest (nur vor Einleitung einer Radioiodtherapie).

Die schulmedizinischen Therapien:

Je nach Ätiologie, medikamentös mit Thyreostatika, ggf. operativ mit thyreostatischer Prämedikation (Strumektomie bei Euthyreose) oder Radioiodtherapie.

Wie immer, weise ich darauf hin: Keine Therapie ohne genaue Diagnose!

Es muss eine genau Untersuchung – inkl. einer Augendiagnose – erfolgen, um die Ätiologie (Herkunft, Faktoren, Ursachenbündel) der Erkrankung herauszufinden.

In vielen Fällen habe ich die Hyperthyreose wie folgt behandelt:
Nach neuraltherapeutischen Gesichtspunkten habe ich die Schilddrüse und deren Pole mit Procainhydroclorid angespritzt. Ich nahm reines Procain, um die Coffeinkomponente (kein Impletol), wie sie in vielen Neuraltherapeutika vorhanden ist, auszuschliessen.
Danach behandelte ich im Sinne der Homotoxikologie (nachzulesen auf unserer Hauptseite, über den Link “Naturheilverfahren”) mit folgenden Remedia, die ich mit Eigenblut mischte:

  • Coenzyme compositum Amp.
  • Galium-Heel Amp.
  • Placenta compositum Amp.
  • Solidago compositum S Amp.
  • Ubichinon compositum Amp.
Homöopathisch – es kommt hier jedoch auf die Repetorisierung an – können folgende Homöopathika zusätzlich oder alleine eingesetzt werden:

  • Aurum
  • Chininum arsenicosum
  • Kalium jodatum
  • Lycopus virginicus
  • Thyroideum.

Samuel Hahnemann sagte immer: “Machts nach, aber machts genau nach!

Therapie bei Husten

Therapie bei Husten

Die Gründe, weshalb Husten entsteht sind mannigfaltig, z.B. Rauchen, Umweltschadstoffe, Infektionen oder Unterkühlung. Weit verbreitet ist der sog. “Raucherhusten”, der zu einer chronischen Bronchitis führen kann, aber auch der Erkältungshusten, der sich fast jährlich einstellt.

Es mag zunächst paradox klingen, doch ohne Husten gibt es keine Heilung, da der Husten in der Regel eine Abwehrreaktion des Körpers ist. Der Körper befreit sich dadurch von schädlichen Krankheitserregern im Bronchialbereich. Der produktive Reinigungsmechanismus “Husten” kann jedoch durch eine Erkältung so sehr gestört sein, dass die Bronchialflimmerhärchen, die für den normalen Abtransport störenden Schleims konzipiert sind, überfordert und lahmgelegt werden. Das kann dazu führen, dass sich die schädlichen Krankheitserreger in den Atemwegen stark vermehren. Somit kann sich aus einer Bagatellerkrankung eine fortschreitende Entzündung der Atemwege (z.B. eine akute oder chronische Bronchitis) ergeben, die dann einer Behandlung durch einen Arzt oder einen Heilpraktiker bedarf.

Um den Selbstreinigungsmechanismus zu unterstützen, haben sich folgende phytotherapeutische Rezepturen bewehrt:

Rp.
Flores Rhoeados Rhoeados 30,0
Herba Chelidonii 10,0
Fructus Anisi 20,0
M.f. Spec.

1 Esslöffel der Pflanzenmischung wird mit einer Tasse heissem, nicht sprudelndem Wasser übergossen und 10 Minuten abgedeckt ziehengelassen. Der Tee kann mit Honig gesüsst werden. Stündlich wird ein Esslöffel des Tees eingenommen. Es müssen täglich von den genannten Portionen 2 Tassen getrunken werden.

Wenn der Husten nicht mehr in der spastischen Phase ist, kann auf folgende Zusammensetzung übergegangen werden:

Rp.
Flores Verbasci 20,0
Folium Farfarae 20,0
Flores Tiliae 30,0
Folium Plantaginis 30.0
M.f. Spec.

2 Esslöffel der Pflanzenmischung werden mit einer Tasse heissem, nicht sprudelndem Wasser übergossen und 10 Minuten abgedeckt ziehengelassen. Der Tee sollte mit Honig gesüsst werden. Pro Tag müssen 2 – 3 Tassen getrunken werden.

Ein sehr gutes Expectorans, das besonders bei einer trockenen Bronchitis zum Einsatz kommt, ist eine Mischung von Pflanzen, in zwei verschiedenen Zubereitungsformen. In der Regel werden Wurzeln als Decoct (Abkochung) und Blätter und Blüten als Infus (Aufguss) aufbereitet. Wenn beide Pflanzenteile für ein Medikament benötigt werden, müssen die verschiedenen Formen für sich hergestellt und erst nach Fertigstellung, gemischt werden.

Rp.
Decoct von Radix Primulae 6 g/180 ml Wasser
Decoct von Radix Liquiritiae 5 g/120 ml Wasser
Infus Fructus Anisi 5 g/100 ml Wasser

Nach dem Filtern der einzelnen Komponenten werden 300 g Honig zugesetzt. Dieser Sirup muss im Kühlschrank aufbewahrt werden, weil er keinerlei Konservantien enthält. Von dem Sirup nehmen Erwachsene alle 2 Stunden 2 Esslöffel, Kinder zwischen 2 – 5 Jahren 3 mal pro Tag einen Teelöffel, Kinder über 6 Jahre 3 mal pro Tag 1 Esslöffel.

Mit diesen Rezepturen sollte man gut durch die “Hustensaison” kommen

Therapie bei Hörsturz

Therapie bei Hörsturz

Der Hörsturz ist eine plötzlich auftretende, meist einseitige Schallempfin-dungsschwerhörigkeit oder Taubheit, die mit Ohrgeräuschen verbunden ist, bzw. sein kann. Als Ursache können Mikrozirkulationsstörungen des Innenohrs angenommen werden. In der Regel sind äußere Belastungsfaktoren der Auslöser.

Die Diagnose erfolgt durch eine Hörprüfungen und Audiometrie (AEP). Eine Computertomographie oder Kernspintomographie zum Ausschluß eines Akustikusneurinoms (Neurinom am Nervus vestibulocochlearis im Kleinhirnbrückenwinkel, meist ausgehend von der Pars vestibularis. Die Symptome sind dem Hörsturz ähnlich, allerdings tritt auch Schwindel auf, der beim Hörsturz nicht zu beobachten ist).

Beim Auftreten handelt es sich um ein ganz akutes Ereignis. Plötzlich hört man auf einem Ohr schlechter. Meist ist dies nur einseitig, ganz selten doppelseitig. Oft tritt als Begleitsymptom Ohrensausen unterschiedlicher Intensität auf. Ein Gefühl, als ob Watte im Ohr wäre ist typisch und wird von vielen Betroffenen angegeben. In jedem Fall handelt es sich hier um eine medizinische Notfallsituation, die man als Betroffener richtig einschätzen sollte. Es sollte schnellstens eine Heilpraktikerin oder einen Heilpraktiker aufgesucht werden.

Der Hörsturz scheint sich zu einer Zivilisationskrankheit zu entwickeln und erfaßt zunehmend auch jüngere Menschen. Gefährdet sind insbesondere zwei Gruppen:

Alle Menschen, die Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt haben, also Übergewicht, zu hohen Blutdruck, eine Zuckerkrankheit oder eine Fettstoffwechselstörung (Stichwort Cholesterin!). Zu erwähnen sind hier natürlich auch die Raucher
Alle Menschen, die vermehrt Stress ausgesetzt sind, die sich selbst zuviel zumuten oder von anderen überfordert werden und sich nicht dagegen wehren. Anfällige Menschen haben eine Persönlichkeitsstruktur, die durch Pflichtbewußtsein, Zuverlässigkeit, starke Genauigkeit, Ehrgeiz und eventuell fehlendes Selbstvertrauen gekennzeichnet ist. Durch diese Eigenschaften können leicht Überforderungssituationen entstehen, wenn der Selbstschutz fehlt, sich gegen Überlastung des Körpers und der Seele zu wehren und die eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen. Hieraus entwickeln sich Behandlungsstrategien, die auf Entspannung und eine Verhaltensänderung abzielen.
Zusätzliche Auslöser können sein:

Virusinfekte
Gefäßveränderungen im Innenohr (z.B. im Rahmen der allgemeinen Arteriosklerose, bei Diabetes mellitus, der ja besonders ganz kleinen Gefäße verändert, bei seltenen Entzündungen der Gefäßwände auf dem Boden einer Autoimmunerkrankung usw.) Hier kommt es dann zum plötzlichen Gefäßverschluß mit Bildung von Blutgerinnseln, so dass die Durchblutung des Innenohres gestoppt wird.
Stress: Hier werden vermehrt Katecholamine (Adrenalin) ausgeschüttet, die zu Gefäßkrämpfen führen und die Durchblutung des Innenohres drosseln oder ganz unterbinden. Von Dauer und Ausmaß dieser Krämpfe hängt es ab, ob die Symptome anhalten und ob eventuell Schäden zurückbleiben.
Einblutungen und Verletzungen
Zu niedriger oder zu hoher Blutdruck
Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule mit Durchblutungsminderung der Innenohrregion usw.

Die Therapie:

In der Akutphase sind durchblutungsfördernde Infusions-Maßnahmen (z.B. mit Tebonin) die Standardtherapie. Sie müssen möglichst schnell eingeleitet werden. Eine Ruhigstellung des Betroffenen ist ebenfalls sehr wichtig. Weitere ergänzende Verfahren der Naturheilkunde wie auch die hyperbare Sauerstofftherapie (Es handelt sich um ein sehr altes Verfahren, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Man simuliert in einem Schein-U-Boot einen Tauchgang von 15m Tiefe, bei dem die Patienten über Masken 100%-igen Sauerstoff einatmen. Der Gehalt an im Blut gelöstem Sauerstoff soll maximal gesteigert, die Sauerstoffversorgung im Innenohr verbessert und die Regeneration der Sinneszellen angeregt werden. werden diskutiert und unterschiedlich gut bewertet. Wichtig ist, daß in den ersten Stunden überhaupt reagiert und eine Untersuchung und Behandlung eingeleitet wird. Die Therapieerfolge in den ersten Stunden werden in der Literatur mit bis zu 90% angegeben und auch in den ersten drei Tagen noch als sehr günstig beurteilt) können angewandt werden.

Therapie bei Herpes Zoster

Therapie bei Herpes Zoster

Der Herpes Zoster, auch Gürtelrose genannt, ist eine neurotrope Viruskrankheit, die durch die Reaktivierung des in den Gliazellen der Spinalganglien persistierenden Varicella-Zoster-Virus bei Resistenzminderung des Organismus entsteht. ( Im Latenzstadium “verstecken” sind die Viren im Körper.

Typisch für die Viren der Herpesfamilie ist, dass sie nach einer überstandenen Infektion nicht vollständig aus dem Körper verschwinden. Sie gehen in ein Latenzstadium über und können so unbehelligt im menschlichen Körper überleben. Wenn sie dann “geweckt” bzw. reaktiviert werden, kommt es zu einer weiteren Erkrankung.

Auslöser können sein: örtliche Provokation (Zoster traumaticus), Röntgen- und UV-Strahlung, toxische Substanzen (Kohlenoxid, Arsen u. a.), ebenso wie Infektionen oder Abwehrschwäche (z. B. HIV-Erkrankung, immunsuppressive Therapie). Der Altersgipfel liegt zwischen dem 60. u. 70. Lebensjahr.

Das Klinische Bild:

Nach einem Prodromalstadium mit Abgeschlagenheit und leichtem Fieber akutes Auftreten eines in der Regel halbseitig, selten bilateral lokalisierten, bandförmigen, zunächst makulo-papulösen, später vesikulär-pustulösen Exanthems im Innervationsgebiet eines (Zoster segmentalis) oder mehrerer (Zoster multiplex unilateralis bzw. Zoster multiplex bilateralis) sensorischer Spinalganglien bzw. deren Homologen im Kopfbereich (Zoster oticus, Zoster ophthalmicus).

Die zum Teil sehr heftigen, brennenden Schmerzen können dem Exanthem vorausgehen, es begleiten oder längere Zeit überdauern (postzosterische Neuralgie). Die regionalen Lymphknoten sind regelmäßig beteiligt. In ca. der Hälfte der Fälle sind thorakale Segmente betroffen (Zoster intercostalis). Treten keine Hämorrhagien, Ulzerationen od. Nekrosen auf, heilt der Zoster innerhalb 2-3 Wochen ab. In der Regel entsteht eine lebenslange Immunität. Rezidive kommen jedoch vor.

Diagnose:

Klinisch, Virusnachweis (Tzanck-Test, Elektronenmikroskopie); Nachweis viraler Antigene und Nukleinsäure; serologischer Antikörpernachweis.

Komplikationen: Hyperästhesien, Neuralgien u. Lähmungserscheinungen bei Beteiligung des Nervus oculomotorius und des Nervus facialis; Eruptionen im Bereich der Mundschleimhaut beim Zoster des 2. und 3. Trigeminusastes; Organschädigung bei Zoster ophthalmicus und Zoster oticus; Meningitis (Zoster meningealis); Zosterenzephalitis; Zoster generalisatus.

Differentialdiagnose: Erysipel, Herpes simplex, Impetigo, epidemische Pleurodynie, Otalgie.

Familie der Herpesviren und ihre Besonderheiten:

Vier Herpesviren – Typen können sehr verschiedene Erkrankungen hervorrufen.

Die Familie der Herpesviren enthält über 90 verschiedene Virentypen. Die meisten davon sind allerdings nur bei Tieren wirksam und sind für den Menschen nicht gefährlich. Lediglich vier Herpesviren-Typen werden beim Menschen aktiv und führen dort zu unterschiedlichen Erkrankungen.

Diese Viren sind:

Herpes simplex mit Typ 1 (HSV 1) im Kopfbereich und Typ 2 (HSV 2) im Genitalbereich. Dieses Virus führt entweder zum bekannten Lippen-Herpes oder zum Herpes genitalis.
Varizella-Zoster-Virus (VZV). Es führt zu Windpocken und bei Reaktivierung zur Gürtelrose.
Epstein-Barr-Virus (EBV). Dieses Virus führt zu einer Erkrankung, die sich Mononucleosis infectiosa nennt. Bekannter sind die Bezeichnungen Pfeiffersches Drüsenfieber oder “kissing disease”.
Zytomegalie-Virus (ZMV)

Zoster oticus ist eine Sonderform des Herpes Zoster. Der Zoster oticus breitet sich im Gebiet der Hirnnerven (= Kopfnerven, nicht dem Rückenmark entstammend) VII und VIII (evtl. auch V, IX u. X) aus mit typischen juckenden und quälenden Schmerzen sowie Bläschenbildung im Ohr- und angrenzenden Gesichtsbereich, evtl. auf Gaumen, Zunge übergreifend. Häufig verbunden mit Hör-, Vestibularis- (=Gleichgewichts-) und Geschmacksstörung sowie Fazialisparese (=Lähmung der Gesichtsmuskulatur) und Trigeminusausfällen (=Gefühlsstörungen im Gesichtsbereich).
Manchmal wird der Zoster oticus mit dem Zoster ophthalmicus verwechselt.

Zoster ophthalmicus ist der Zoster im Bereich des 1. Trigeminusastes; bei Augenbeteiligung Konjunktivitis, Keratitis mit Ulkusbildung, Iritis, Sekundärglaukom, selten Augenmuskellähmung.

Zoster oticus kommt vor im Versorgungsgebiet des Nervus facialis und insbesondere des Nervus vestibulocochlearis mit Beteiligung der Ohrmuschel, des äusseren Gehörgangs und möglichem Innenohrbefall.

Symptomatik:

Ohrenschmerzen, Rötung u. Bläschenbildung, Schwerhörigkeit bis Ertaubung sowie Schwindel, Labyrinthausfall mit Nystagmus zur Gegenseite in 40 % der Fälle, Fazialislähmung (oft mit inkompletter Rückbildung) in 60-90 %; evtl. Beteiligung des Nervus trigeminus und des Nervus glossopharyngeus mit meist starken neuralgiformen Schmerzen, Schluckbeschwerden u. Bläschen im Rachen.

Die schwerste Form des Zosters jedoch, ist der Zoster generalisatus. Es imponieren Bläschen unterschiedlicher Ausprägung und Größe am ganzen Körper. Es zeigt sich ein varizellenähnliches Bild.

Vorkommen:

Besonders bei Immunsuppression und Immundefizienz (z. B. bei Immundefekten, HIV-Erkrankung), Schwangeren u. Neugeborenen. Diese Form kann lebensbedrohlich sein!

Die Behandlung

In der Regel bekommt die Heilpraktikerin oder der Heilpraktiker keine akuten Fälle von Zoster in der Praxis zu sehen. Die meisten Patienten gehen zunächst zum Schulmediziner und erinnern sich erst an die Naturheilkunde, wenn die chronische Form mit neuralgischen Schmerzen eingetreten ist.

Grundsätzlich kombiniere ich drei Therapieformen:

Homöosiniatrie
Neuraltherapie
Homotoxikologie
Die Erfolge geben mir Recht.

Im Rahmen der Homöosiniatrie injiziere ich – als Mischspritze – von der Firma Loges die Präparate Neuro-L 90 und Dysto-L 90, in folgende Akupunkturpunkte:

Di 4
Le 5
LG 3
LG 13
Bl 60
Bl. 62
Nach den neuraltherapeutischen Gesichtspunkten injiziere ich Procain-hydrochlorid als Quaddeln, entlang des befallenen Nervenstranges.
Zusätzlich wird Dodecatol (Fa. Heyl) tief an den Nerv injiziert.
Cave(!) bei Injektionen an der Wirbelsäule muss die Nadelführung stets caudal sein!
Zusätzlich injiziere ich – zur Umstimmung – folgende Medikamente als Mischspritze mit Eigenblut:

Apis-Homaccord Amp.
Coenzyme compositum Amp.
Cutis compositum Amp.
Echinacea compositum (forte) S Amp.
Engystol N Amp.
Ubichinon compositum Amp.
Lymphomyosot Amp.
Durch die Kombination dieser Therapieformen, konnte ich überdurchschnittlich Behandlungserfolge erzielen.

Die Konservative Behandlung von Harnkonkrementen

Die Konservative Behandlung von Harnkonkrementen

In einer Praxis, die im Sinne einer Ganzheitsuntersuchung und -behandlung geführt wird, sieht man fast durchweg Kranke, die schon mehrfach ihren Behandler gewechselt haben. Patienten, die sicherlich seit langem von starken Beschwerden geplagt werden und bei denen vorher weder eine klare Diagnose feststand, noch eine zum Erfolg führende Therapie angewandt wurde.

Bei einer großen Zahl dieser Patienten findet sich im Harnsediment ein pathologischer Befund, der auch anamnestisch infolge früher durchgemachter Koliken oder zeitweiligen Auftretens von Uretersymptome auf Konkrementbildung im uropoetischen System hinweist.

Eine daraufhin angefertigte Röntgenaufnahme beweist dann auch häufig diese Vermutung. Interessant ist dabei, dass die Patienten vorher meist wegen Gastritis, Leber- oder Eierstockentzündungen, oder Gallenfunktionsstörungen, Blinddarm- oder Darmspasmen u.a. in Behandlung standen.

Der Organtest nach Abderhalden fällt bei solchen Patienten fast immer stark positiv gegen Leber aus, während die Niere im Verhältnis dazu weniger positive Ausfälle aufweist. Dies kommt wohl daher, dass der Nierenschaden schon älter ist und daher weniger Abwehrproteinasen im Urin nachweisbar sind, oder dass noch kein stärkerer Nierenschaden besteht, da die Konkrementbildung keine größere Stauung verursacht bzw. kein größeres Abflusshindernis darstellt.

Die Leberfunktionsstörung jedoch zeigt sich schon bei jeder Konkrementbildung mit geringsten Abflusshinderungen im Abderhalden Test, so dass hier oft ein primärer Leberschaden diagnostiziert wird, der in Wirklichkeit aber nur sekundär als Folge einer gestörten Diurese eintritt. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Patienten vor dem Erkennen der eigentlichen Causa bzw. vor Auffinden der Konkrementbildung im uropoetischen System (als Fokus) mit Magenbeschwerden, Dyspepsie, Schmerzen unter dem rechten Rip
penbogen, Rückenschmerzen, Gewichtsabnahme, manchmal allerdings auch jedoch seltener Gewichtszunahme (Hydroadipositas) unter falscher Diagnose (Sekundärerkrankung) behandelt wurden.

Es stehen eben die Störungen der Leberfunktion mit ihren Symptomen im Vordergrund, bis dann endlich einmal eine Kolik, vom Rücken über das Abdomen nach links oder rechts in die Inguinalgegend ausstrahlend, auftritt und dadurch der Verdacht auf Nierensteine entsteht. Meist wird dann bei rechtsseitigen Koliken eher noch an Gallenblasenaffektionen, an Blinddarm oder Adnexbeschwerden gedacht, und bei linksseitigen Schmerzen werden noch häufiger Darmspasmen in Erwägung gezogen, statt an Krampfzustände im Bereich des uropoetischen Systems mit Konkrementbildung zu denken.

Bei abdominellen Spasmen sollte immer die ganz spezielle Frage gestellt werden: “Strahlt der Schmerz direkt bis zum linken oder rechten Hoden oder in die linke oder rechte Labie?” Wird die Frage vom Patienten bejaht, dann kann man mit größter Wahrscheinlichkeit auf ein Ureter-Konkrement schliessen und im Sediment lassen sich dann auch reichlich Ery nachweisen. Fragt man nun den Patienten weiter, ob er häufig unter Mandelentzündungen gelitten hat und welche Mandel (re. oder li.) am häufigsten befallen war, dann kann man feststellen, dass die Steinbildung sich meistens auf jener Seite des Körpers vorfindet, auf der sich die rezidivierende Tonsillitis abspielte. Eine Fokalsanierung im Sinne der Tonsillektomie ist zwecklos. Ich habe sogar den Eindruck, dass tonsillektomierte Nierensteinträger besonders nierenanfällig sind. Aus diesem Grunde ziehe ich die Behandlung mit Autovaccine nach Dr. Harth vor oder ich empfehle, die Tonsillen mehrfach leicht zu schlitzen und abzusaugen (Rödlern).

Zur Therapie der Kranken mit Harnkonkrementbildung:

An Hand einer größeren Zahl von Patienten mit Steinbildung, zum Teil von hoffnungslosen Fällen der urologischen Abteilung des Krankenhauses, die nach ihrer Entlassung zu mir in Behandlung kamen, habe ich feststellen können, dass von allen bisher angepriesenen Medikamenten sich das Kalkurenal als bestes einschlägiges Phytotherapeutikum bewährte. Im akuten Anfall empfehle ich die Neuraltherapie nach Huneke oder die Nervenpunktmassage. Hierdurch konnte ich mehrmals spontanen Abgang von Konkrementen erzielen. Medikamentös gebe ich in allen Fällen 3mal tgl. 20Tropfen Kalkurenal in lauwarmem Wasser oder in einer Tasse “Nierentee Müller Göppingen”. Bezeichnend für die Wirkungsweise des Präparates Kalkurenal waren die beiden folgenden Ergebnisse:

Zwei Patientinnen mit schwerster Nephrolithiasis (hoffnungsloser Röntgenbefund, nahezu Unmöglichkeit einer 2. Operation, da jede dieser Patientinnen nur eine Niere, noch dazu mit verringerter Funktionstüchtigkeit aufwies), berichteten mir, dass sie während mehrerer Tage kleine Steinchen abgehen hörten und sahen und dass sie nun keinerlei Druckbeschwerden in der Nierengegend und im Abdomen mehr verspürten. Gleichzeitig wiesen sie selbst auf das Kalkurenal hin, weil sie überzeugt waren, dass dieses Präparat die Verbesserung bzw. Beseitigung ihrer hoffnungslosen Lage geschaffen habe.

Trotz der offensichtlichen Wirkung von Kalkurenal bei schwersten Niernsteinleiden mit Hydronephrose und chron. Pyelitis (wie bei den 2 angeführten Patientinnen) halte ich natürlich eine Kombinationsbehandlung mit durchgeführten Nervenpunkt oder Reflexzonen Massagen, falls nötig auch mit Antibioticis (für Heilpraktiker nicht erlaubt, daher Zusammenarbeit mit einem Urologen anstreben), für notwendig, um damit einen potenzierten Effekt zu erzielen. Weiterhin empfehle ich bei infausten Nierenerkrankungen die von mir seit längerem durchgeführte Desensibilisierungsbehandlung mit aktiviertem Eigen Serum (Serum Activator nach Dr. Theurer). Durch kombinierte Anwendung dieser Methoden lassen sich auch prognostisch sehr ungünstige Fälle, wie sie gerade heutzutage bei verhältnismäßig jungen Menschen schon vorzufinden ist, noch hervorragend beeinflussen.

Kennen gelernt habe ich diese Vorgehensweise durch einen Artikel von Dr. med. Hans Frisch und kann sie aufgrund der positiven Ergebnisse, nur weiterempfehlen.

Therapie bei Hämorrhoiden

Therapie bei Hämorrhoiden

Folgende Homöopathika haben sich bei diesem weit verbreiteten Leiden immer wieder bewährt:

Acidum nitricum

Der Patient dieses Typs ist ein Neurastheniker, der mit seiner Reizbarkeit und Aggressivität die Muskelschwäche verdecken will; denn Acidum nitricum wirkt wie alle mineralischen Säuren auf die Proteine der Muskelfaser ein. Zugleich übt es eine kaustische Wirkung auf Haut und Schleimhaut aus, besonders an den Übergangsstellen (Mund, After usw.), wo sich Geschwüre und Risse bilden, die wundmachende Sekrete absondern, leicht bluten und äußerst berührungsempfindlich sind. Die Schmerzen sind akut, plötzlich auftretend und verschwindend, wie von einem Splitter. Der Körper reagiert mit der Bildung von Proliferationsgewebe, das aber nicht die Kraft hat, die Wunden zur Vernarbung zu bringen. Der Urin hat stark ammoniakalischen Geruch Versuch zur Wiederherstellung des gestörten Säure Basen Gleichgewichts.

Entzündungen und Geschwüre im Darm, besonders im Rectum, Analfissuren, stinkender Durchfall, heftige stechende Schmerzen stundenlang nach dem Stuhl. Sphinkterspasmen, Angst vor dem Stuhlgang mit dem Ergebnis einer gewollten Verstopfung. Folge des toxischen Allgemeinzustandes, der Darmentzündung und der Verstopfung sind die Hämorrhoiden die besonders nach der Defäkation stark und lange schmerzen und das Sitzen unmöglich machen. Sie bluten leicht und scheiden eine stinkende Flüssigkeit ab.

Paeonia

Elektive Wirkung auf Analgegend und Nervensystem. Verdauungsstörungen, Schwere in den Beinen, Zittern, schmerzende und druckempfindliche Krampfadern. Das Gesicht ist rot, die Conjunktiven injiziert.
Kopfdruck, Leibschmerzen, breiiger Stuhl mit Frösteln, Brennen im After, geschwürige Prozesse mit langdauernden Schmerzen während und nach dem Stuhlgang.
Die Hämorrhoiden sind entzündet, geschwürig, nässend. Die Schmerzen zwingen beim Stuhl, die Gesäßbacken auseinander zuziehen. Örtlich als Salbe (10%ig DHU).

Podophyllum

Der Arzneiversuch an Gesunden wies die elektive Wirkung auf Leber und Verdauungsapparat nach. Der Patient zeigt subikterische Hautfarbe, hat Völlegefühl nach wenig Speise, saures Aufstoßen, bitteren Geschmack im Mund, häufige Übelkeit ohne Erbrechen, belegte Zunge mit Zahneindrücken. Die Leber ist geschwollen und schmerzhaft, besser bei leichter Massage oder Bauchlage. Frühmorgens (2-4 Uhr) Durchfälle, oft auch nach Essen oder Trinken. Stühle sind massig, übelriechend, gelblich, wässerig, nach vorhergehendem Rumoren und Schmerzen, die durch Zusammenkrümmen oder Bauchlage gebessert werden. Folgt ein Gefühl der Leere, Schwäche, Rectumprolaps. Die Pfortaderstauung bewirkt Hämorrhoiden, die schmerzhaft und von Durchfällen und Analprolaps begleitet sind.

Ratanhia

Ein Mittel mit ebenfalls elektiver Wirkung auf Rectum und After.
Chronische Afterschmerzen mit Brennen, Trockenheit und jucken, als ob ein Stück Glas im After stecke. Bei Verstopfung sind die Stühle hart und nur unter starken Schmerzen herauszubringen.
Die durchfälligen Stühle sind von lang anhaltendem Brennen im After begleitet.
Die Hämorrhoiden sind sehr schmerzhaft, brennend, hervordrängend nach dem Stuhl. Heiße Anwendungen lindern.

Sepia

Der Biotyp weist Hypersurrenalismus auf, Vagotonie, Insuffizienz der Leber, Ovarien und Nieren.
Diese endokrine Unterfunktion erklärt alle die bekannten psychischen und physischen Symptome der Patienten.
Leberinsuffizienz und Pfortaderstauung bewirken die Hautpigmentierungen und Eruptionen der Schleimhaut, sowie die Kongestion, besonders linksseitigen Kopfschmerz. Sie bewirken auch die Bildung von Varicen und Hämorrhoiden. Diese bluten leicht, sind begleitet von Schweregefühl im Rectum und Kreuzschmerzen.

Sulfur

Der Biotyp ist bekannt. Wegen des veränderten Schwefelstoffwechsels und der Unterfunktion der Leber scheidet er die Toxine nicht aus und vergiftet sich fortschreitend. Das Entgiftungsbestreben geht zunächst über die Haut: Abschuppung, entzündliche Prozesse. Die Schleimhäute reagieren ähnlich. Örtliche Behandlung bedeutet die Blockierung der Ausscheidung, Verschlimmerung der Krankheitserscheinungen: er wird zu einem carbo nitrogenen Typ, arthritisch, mager, dyspeptisch (Völle, Magenbrennen, faulige Flatulenz, drängende Durchfälle morgens gegen 5 Uhr), Schwäche in den Beinen, so dass er sich setzen oder stützen muss. Nachlässigkeit in Haltung und Körperpflege, schlecht riechende Ausdünstungen, Egoismus, Großmannssucht, Stolz, Reizbarkeit, Gedächtnisschwäche. Die Arterien verlieren ihre Elastizität, Neigung zur Sklerose. Kreislaufstörungen, passive Kongestionen besonders im Pfortadersystem; aktive Kongestionen als Reaktion auf die venöse Stauung: lokalisierte Rötung, Brenngefühl, Verschlimmerung durch Wärme, Hitzewallungen, Hochdruckkrisen. Hämorrhoiden als direkte Folge der portalen Stauung; sie brennen, bluten; Schweregefühl im Kreuz.

Acidum sulfuricum

Schwere Asthenie, Hämorrhagien und Dyspepsien zeichnen das Bild der Schwefelsäure. Muskelatonie wegen der direkten zerstörenden Wirkung auf die Muskelproteine und wegen Ausfällung der für die Muskelkontraktion notwendigen Calciumsalze. Äußerste Gliederschwäche in Rücken, Wirbelsäule; Gefühl der Magensenkung, unwillkürliches Muskelfibrillieren, Krämpfe als “inneres Zittern”. Werden die Beine ergriffen, kann der Patient leicht fallen, die Glieder zittern beim Gehen oder Stehen. Die Hämorrhagien finden ihre Begründung in der dehydrierenden Wirkung der Schwefelsäure auf die Gefäßwände und der Präzipitation der für die Blutgerinnung erforderlichen Kalksalze. Die Dyspepsien entstehen durch Dehydrierung der Schleimhäute mit folgender Entzündung, Geschwüren und Blutungen: durch Inaktivierung des Pepsins, da die Salzsäure durch die Schwefelsäure ersetzt wird; durch Neutralisierung der Bauchspeichel und Darmdrüsensäfte in hyperacider Umgebung. Daher die Abneigung gegen Fleisch und das Verlangen nach zucker und zellulosereicher Nahrung, welche die Schwefelsäure direkt abbaut. Die Stühle sind durchfällig und fürchterlich stinkend. Die Hämorrhoiden schmerzen, jucken und bluten leicht. Zustand bei Alkoholikern, Trägern von Tumoren und einigen schweren Infektionskrankheiten.

Quelle: Rassegna di Medicina Omeopatica 1955; Allgemeine homöopathische Zeitung, Karl F. Haug Verlag.

Therapie bei Gicht und rheumatischen Erkrankungen

Therapie bei Gicht und rheumatischen Erkrankungen

In einer Studie über Colchicum und das Colchicin las ich, dass das Colchicin ein Spindelgift im Rahmen des Zelteilungsvorganges darstellt und dem Hormon ACTH sehr ähnlich wirkt.
Der Verfasser ist der Auffassung, dass Colchicum kein echt homöopathisches Mittel darstellt und seine Wirkung vielmehr weitgehend allopathisch erklärt werden müsse. Er stützt sich da auf STAUFFER, der bereits in seiner Arzneimittellehre die Wirkung des Colchicum, das bekanntlich am Magen Darmkanal, den großen Gelenken und am Herzen angreift und allgemein große Schwäche hat, als nicht sehr tiefgreifend, auf keinen Fall aber konstitutionell auffasste. Vom homöopathischen Standpunkt erscheint daher Colchicum keinesfalls als ein Mittel der Wahl bei Gicht, wohingegen es allopathisch angewendet oft und eingreifend die Symptome des gichtischen Anfalls beseitigt. Bemerkenswert ist, dass die subakuten Erscheinungen der Arsenvergiftung in vielen Punkten denen des Colchicins ähnlich, in manchen Symptomen aber abweichend sind.

Auffällig ist, dass auch hier ein vollkommener Haarausfall eintreten kann, und das scheint für beide Substanzen pathognomonisch wichtig zu sein. LEESER berichtet, GAUTIER habe 1903 nachgewiesen, dass Arsen vor allem im Gehirn, in der Thymus und Thyreoidea gefunden wird. “Es soll beim Manne mit den Haaren, bei der Frau mit dem Menstrualblut und der Milch den Körper verlassen.” Damit wird aber auch einiges Licht gebracht in die Wirkungsweise des Colchicins beim Gichtanfall. Colchicin senkt wahrscheinlich dadurch den Harnsäurespiegel im Blut, indem es kapillarangreifend wirkt und so zu erhöhter Ausscheidung auf den Schleimhäuten führt. Es handelt sich somit um eine Art “generalisierter Menstruation”. Auffällig ist auch, dass Frauen im geschlechtsfähigen Alter weit seltener an Gicht erkranken als Männer, dagegen häufiger in der Menopause.

So interessant die Studie auch sein mag, ganz kann ich mich ihr jedoch nicht anschließen.

1.) Für Heilpraktiker verbietet sich die allopathische Anwendung natürlich, da Colchicum bis einschließlich der D3 verschreibungspflichtig ist.
2.) Die besten Erfolge hatte ich mit Colchicum in Hochpotenzen, besonders in Kombination mit Ledum.

Das Colchicin in allopathischen Dosen habe ich nie vermisst. Beide Mittel zeichnen sich besonders dann aus, wenn die chronisch-rheumatische Erkrankung oder die chronische Gicht durch feuchte Kälte entstanden ist, wobei diese nicht merkbar zu sein braucht. Bei der Repertorisation wird man oft feststellen, dass die Erkrankungen gehäuft bei Bewohnern von Neubauten aber auch von klammen Altbauten sowie bei Campern auftreten. Bei der Landbevölkerung dagegen, sind sie zurückgegangen seit bei der Kartoffel- und Rübenernte Maschinen eingesetzt werden und somit der Kontakt mit der kühlen und feuchten Erde weitgehend vermieden wird (knien beim Ernten).

Je nach Lage des Falles setze ich Ledum und Colchicum in Kombination bis zu einer C2000 – die ich mit Eigenblut injiziere – ein. Der Patient muss unbedingt darauf aufmerksam gemacht werden, dass es zu einer kurzfristigen (ca. 3 Tage andauernden) außerordentlich heftigen Erstverschlimmerung kommen kann, es kommt zu einer Akutisierung der Erkrankung und es muss auf eine Erhaltungsdosis in der vierten oder sechsten Dezimalpotenz zurückgegangen werden. Auf eine Mischung mit Eigenblut habe ich in keinem Fall verzichtet.

Therapie bei Gerstenkorn (Hordeolum)

Therapie bei Gerstenkorn
(Hordeolum)

Die Bezeichnung Gerstenkorn stammt von dem lateinischen Wort Hordeum (Gerste) ab. Es entsteht, wenn Bakterien – meistens Staphylokokken – die normalerweise auf der Haut oder am Lidrand liegen, in die kleinen Schweiss- und Talgdrüsen wandern. Wenn es die lokalen Abwehrkräfte es nicht mehr schaffen, die Keime zu beherrschen, vermehren sie sich und es kommt zu einer entzündeten Lidranddrüse. Das Gerstenkorn gehört zu den häufigsten entzündlichen Liderkrankungen.

Zahlreiche Faktoren können die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen: Dazu gehören Zugluft, mangelnde Hygiene wie das Reiben der Augen mit unsauberen Fingern, Hauterkrankungen wie zum Beispiel Akne, Hormonschwankungen und eine unzureichende Korrektur der Sehschärfe bei Fehlsichtigkeit mit der Folge, dass die Augen ständig überreizt sind und anfällig werden. Gefährdet sind insbesondere auch Patienten mit Diabetes und einer Immunschwäche, aber auch Kontaktlinsenträger.

Die Symptome sind:
– schnell auftretende Entzündung,
– schmerzhafte Schwellung mit lokaler Rötung.

Klinik:

Durch den sich ansammelnden Eiter ist die betroffene Drüse geschwollen. Es bildet sich ein entzündlicher, schmerzhafter Knoten am Augenlid. Es kann zu einer Sehverschlechterung und zu einer Schwellung der Lymphdrüsen – z.B. am Ohr kommen. Meistens ist auch die Bindehaut des Auges mitbetroffen. Sie ist dann geschwollen und gerötet.

Es kann auch zu tiefliegenden Infektionen kommen, die sich dann nicht am Lidrand, sondern unter dem Lid (Hordeolum internum ) befinden. Dabei wölbt sich dann der Lidrand vor.

Eine seltene Komplikation ist ein Lidabszess (Orbitaphlegmone). In diesem Fall dehnt sich die Entzündung auf das gesamte Auge aus.

Eine weitere Komplikation ist, dass aus einem Gerstenkorn ein Hagelkorn (Chalazion) entwickeln kann. Es entsteht, wenn der Körper auf die Erreger mit einer Abkapselung des entzündlichen Gewebes reagiert. Es ist ein derber schmerzloser Knoten, der nicht von selbst aufbricht, da er eingekapselt ist.

In der Regel sind ein Gerstenkorn und auch das Hagelkorn harmlos. Beides ist auf dem ersten Blick diagnostizierbar (rötlich geschwollenes Knötchen mit zentralem Eiterpunkt). Wenn das Gerstenkorn an der Innenseite des Lides liegt wird es durch Aufklappen des Lides (Ektopionieren) sichtbar. Beim Abtasten ist das Lid druckempfindlich.

In den meisten Fällen heilt ein Gerstenkorn von selbst wieder ab. Es bricht auf und der Eiter kann nach aussen abfliessen.

Sollte das nicht der Fall sein, werden mit folgenden homöopathischen Salben Salbenverbände angelegt, die 3 Tage getragen werden müssen:
Kalium sulfuricum Salbe D6,
Natrium chloratum Salbe D6.
Welche der Salben einzeln oder gemischt verwendet werden müssen, kann nur eine genaue Diagnose ergeben.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit (besonders bei hartnäckigen Fällen) bietet die Homotoxikologie.

Basistherapie:

Orale Therapie:
Oculoheel Tabletten
Traumeel Tropfen, Tabletten

Parenterale Therapie:
Echinacea compositum S Amp.
Traumeel S Amp.

Beide Therapien können durch trockene Wärme z. B. Rotlicht unterstützt werden.
Kontraindiziert ist feuchte Wärme, denn dadurch können die Erreger verschleppt werden.

Bricht das Gerstenkorn trotz der genannten therapeutischen Maßnahmen nicht von alleine auf, muss es – unter streng aseptischen Kautelen – mit einer feinen Nadel oder einer Skalpellspitze aufgestochen werden. Eine lokale Betäubung ist nicht notwendig, da der kleine Stich in der Regel völlig schmerzlos ist.

Das Hagelkorn dagegen lässt sich nur operativ entfernen.

Therapeutische Empfehlungen für die Jahre der Frühschäden und des Leistungsabfalls

Therapeutische Empfehlungen für die Jahre der Frühschäden und des Leistungsabfalls

Wenn es heute verfeinerter Diagnostik und klinisch experimenteller Forschung gelingt, prämorbide Funktionsanomalien zu registrieren, welche einen Einblick in das Zusammenspiel von Kreislaufimpulsen mit vegetativ hormonellen Regulationen ermöglichen, dann kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass die naturheilkundliche Krankheitslehre im Sinne Brauchles oder die Ganzheitstherapie im Sinne Hahnemanns mit konstitutionsaffinen Richtarzneien fruchtbare Wegbereiter der modernen synthetischen Linie in der Medizin waren. Aus der Harmonie der Gegensätze. aber auch unter dem Druck der vom Menschen des 21. Jahrhunderts geforderten Leistungen, entwickelt sich eine bessere Heilkunde, in welcher die diagnostischen und therapeutischen Sondermethoden ihren Platz einnehmen werden.

Wenn der Facharzt für innere Medizin das Elektro-Kardiogramm innerhalb der klinisch diagnostischen Symptomatik im Sinne klinischer Ganzheitsschau und als Rückendeckung für die Diagnostik des klinischen Blickes mit verwendet, dann wird auch er zum Deuter eines symptomatischen Bildes wie der Homöopath bei der diagnostisch therapeutischen Suche nach dem Simile, wie der Akupunkteur beim Setzen der Nadeln und wie der Augendiagnostiker, der im Auge den Brennpunkt der Begegnungen aller Partialfunktionen mit der konstitutionsgeformten Persönlichkeit sieht.

Wenn man experimentell das Herzschlagvolumen, das Minutenvolumen, den peripheren Widerstand und die übrigen daraus errechenbaren Kreislaufgrößen bestimmt, so kann man wohl die Kranken auf Grund der Befunde bei neurozirkulatorischen Störungen in die Gruppen der “hypertonen” und “hypotonen” Regulationsstörungen einordnen. Damit ist ein Beitrag zur Erforschung der Frühschäden am Herzkreislaufsystem geleistet. Überraschend schnell hat aufgrund der experimentellen Bestätigung der Crataeguswirkungen durch Schimert dieses von den Anhängern der Erfahrungsheilkunde immer verwendete Herzkreislaufmittel Einzug in den klinischen Heilschatz gehalten, gerade für die Behandlung von Frühschäden. Wenn Schimert nach Crataegusgaben eine Durchblutungssteigerung der Coronarien um 80 % nachweisen konnte, dann bedeutet dies zugleich eine bessere Durchblutung des Herzmuskels und infolge der vermehrten Blutzufuhr zu den Zellen eine Intensivierung des Stoffwechsels des Herzmuskels, worauf besonders Ullsperger hingewiesen hat.

Andererseits weist nunmehr die Klinik unter Würdigung von Detailgrößen der Herzstromkurve und auf Grund empirischer Erfahrungen auf jene Fälle hin, denen Digitalis eine Verschlimmerung der meist vegetativ dystonen, coronaroiden Herzkreislaufbeschwerden brachte. Damit ist der naturheilerisch homöopathische Grundsatz bezüglich der Verwendung von Digitalis ebenfalls gerechtfertigt.
Schließlich bewies der Leiter des Institutes für Konstitutionsforschung in Heidelberg, H. Bober, in einer Arbeit “Über die Häufigkeit des Vorkommens von Herzbeschwerden und über die Möglichkeit einer prophylaktischen Kreislauftherapie”, dass es möglich und notwendig ist, vorbeugende Kreislauftherapie zu betreiben.

Die gefäßerweiternde Wirkung, die nach Haferkamp laktonartigen Substanzen gleicht, wird sich funktionsverbessernd auch beim leistungsschwachen Menschen mit subjektiven Beschwerden und ohne klinischen Befund aus. Freilich steht die Lebensreform im Heilplan der Frühschäden und bei Leistungsabfall an erster Stelle. Auf die Hilfestellung eines konstitutionsaffinen Medikaments sollte jedoch bei keiner Überholungskur verzichtet werden.
Bei der Überbeanspruchung der nervalen Substanz des modernen Menschen im Dienste der Reizleitung und Reizbeantwortung, sollte der Ernährung und Funktion des nervösen Gesamtapparates größte Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Schimert hat einen für die Behandlung von Frühschäden bedeutsamen Beitrag bezüglich der cerebralen Durchblutungsstörungen geleistet, wenn er schreibt: “Noch ein in der Homöopathie viel gebrauchtes Medikament verdient Beachtung, das Bariumchlorid (BaCl2 . 2H2O). Es ist mehr bei Dauerzuständen indiziert und wirkt oft günstig bei den Durchblutungsstörungen der Sklerotiker. Im Versuch verursacht es in größeren Dosen von 0,5 mg aufwärts eine deutliche Verminderung der Zerebraldurchblutung, es eignet sich, wie schon erwähnt, vorzüglich zur Erzeugung eines zerebralen Angiospasmus. In kleinen Dosen, 0,1 bis 0,01 mg tritt in mehreren Fällen bei vorher gedrosselten Arterien eine deutliche Steigerung der Durchblutung ein, also auch hier ein Beweis für die therapeutische Verwendbarkeit.”

Wenn man mit der Augendiagnostik die Vorstadien der cerebralen Mangeldurchblutung und Sklerosierung registrieren kann, dann sollte man nicht zuwarten, sondern von der experimentell untermauerten Bariumwirkung in den Jahren der Frühschäden, die bekanntlich schon vor dem Klimakterium liegen können, Gebrauch machen. Wer die gesichteten Arzneimittelbilder von Barium studiert, wird nicht zögern, dem Bariumsalz in einer Zeit gehäufter Apoplexien in jungen Jahren als Ausdruck restlosen Versagens zentralnervöser Funktionen einen therapeutischen Wert bei der Behandlung von Frühschäden und Leistungsabfall zu bestätigen. Crataegus und Barium werden über ihre aufgezeigten Potenzen dasselbe therapeutische Ziel anstreben wie die Inhalation von vernebelten Cersalzen.

Soll man warten, bis aus dem leistungshemmenden Kopfdruck infolge ungenügender coronarer und cerebraler Blutzufuhr der Coronar oder Cerebralsklerotiker geworden ist? Soll man auf die seniophile Wirkung der Jodsalze verzichten, weil der Großteil der “Angeschlagenen” nicht zur Badekur nach Wiessee oder Tölz kommen kann? Wenn uns die Erfahrungsheilkunde durch Jahrhunderte auf die Spuren prophylaktischer Arzneien geführt hat, dann wollen wir der Erfahrung auch für die Zukunft ihre Beweiskraft nicht absprechen.

Dass ich der medikamentösen Therapie alle Möglichkeiten naturheilerischer Allgemeintherapie voraus- und parallelgehen lasse, soll nicht unerwähnt bleiben. Die “Überholung der Wirbelsäule” ist oberstes Gebot bei Behandlung von Frühschäden und Leistungsminderung. Zunehmende Bandscheibenschäden und dentale Foci sind degenerativer Art und verlangen vom Arzt und Heilpraktiker allen Einsatz für bessere Ernährung zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes zwischen animalischen und vegetarischen Kostanteilen zugunsten der letzteren. Die Augendiagnose (vor allem die Erkenntnisse Angerers) ist uns Richtschnur für unser chiropraktisches Diagnostizieren und Handeln.

Die Dystonie wird meist über Umweltreize in den Organismus hineingetragen. Der Begriff der Dystonie ist unteilbar, er gilt also für Ernährung, Tagesrhythmus, sexuelles Geschehen, Schlaf und Arbeit. Jede dystone Funktion führt zum Frühschaden und zur Einengung der Leistungsbreite. Die Therapie der Dystonie, die ohne Kneippsche Anwendungen unvollständig ist, verdient besonders in den Jahren des Leistungsknickes den Vorrang vor organgerichteten Verordnungen.

In einer Arbeit die ich in einem alten Heft für Naturheilkunde fand: “Ein Beitrag für die Behandlung der vegetativ dystonen Persönlichkeit”, wurde aufgezeigt, dass Gelsemium auf Grund der tierexperimentellen Resultate Schimerts und unter Würdigung erprobten Erfahrungsgutes nicht nur ein Mittel für neurovegetative Störungen der Schule, sondern auch ein Ganzheitstherapeutikum für die vegetativ dystone Persönlichkeit ist.

Wie die vegetative Dystonie sehr häufig eine Folge ungenügender Rekonvaleszenz ist, so kann die universale Anamnese nach homöopathischen Grundsätzen die Wurzel für den Frühschaden nicht selten in mangelhafter Rekonvaleszenz finden. Man sollte im Zeitalter der Funktions und Neuralpathologie die funktionellen Störungen der Leistungsgeschwächten nicht nur funktionell sehen. Viele neuraltherapeutische Maßnahmen versagen, weil die nervöse Substanz funktionsmüde, erschöpft, dystroph ist. Man sollte dabei in den Jahren der Frühschäden jede Rekonvaleszenz nicht nur funktionell mit Wasseranwendungen, Massagen, Gymnastik, sondern den Rekonvaleszenten dystoner Prägung auch neuronutritiv behandeln. Die Nervenheilnahrung Sensinerv Roborans hat sich bei Frühschäden und Leistungsabfall, bei Asthenikern und Neurasthenikern als Grundheilmittel bestens bewährt als Wegbereiter für neuraltherapeutische Impulse.

Stehen Frühschäden und Leistungsschwäche im Schatten einer anamnestisch offenbaren konstitutionellen Anfälligkeit des Herzkreislaufapparates, die meist familiär bekannt ist, dann ist Chronocard die geeignete Ergänzung der Mittelgruppe.

Bei allem therapeutischen Bemühen muss jedoch bei Menschen mit abfallender Leistungskurve die psychisch roborierende suggestive Kraft des Behandlers eine besondere Rolle spielen.

Quelle: Dr. Max Josef Zilch

Therapie von psychischen Erregungszuständen und motorischen Reizzuständen

Therapie von psychischen Erregungszuständen und motorischen Reizzuständen

Regenerierender Schlaf ist von besonderer Bedeutung beim Abbau von Erregungszuständen, was leider von Ärzten und Heilpraktikern oftmals übersehen wird.

Es ist bekannt, dass durch Tag und Nacht andauernde Erregungszustände der notwendige Schlaf gestört ist. Dadurch findet ein vermehrter Verbrauch von Energie statt.
Damit sind aber auch gleichzeitig diejenigen Kräfte reduziert, die erforderlich sind um die Gesamtheit der Zellfunktionen aufrechtzuerhalten. Es kommt zu Gleichgewichtsschwankungen im vegetativen System und es fehlt an Energie, die regulierenden Funktionen wieder auszugleichen.
Wird dem Körper nun, auf welche Weise auch immer, der Schlaf geraubt, so wird irgendwann ein Punkt erreicht, an dem es zu unerwünschten, vielleicht sogar toxischen Nebenwirkungen durch Ansammlung von Ermüdungsgiften kommt. Eines der ersten Symptome ist dabei Müdigkeit, oftmals münden die Beschwerden aber auch im so genannten “Burn-Out-Syndrom”.

Erregungszustände finden wir nicht nur bei funktionellen, sondern auch bei organischen Erkrankungen des Gehirns, beispielsweise bei Schizophrenie, Epilepsie, manisch-depressiven Patienten und Vergiftungen des Gehirns, im Rauschzustand, bei Hysterie und Psychopathie.
Eine übermäßige Inanspruchnahme des Systems, die schließlich zu neurasthenischen Störungen führt, kann nicht nur durch körperliche Erschöpfung, sondern auch durch psychische Überforderungen herbeigeführt werden. Die Symptome Erregungszustand und motorische Reizbarkeit bedürfen unter allen Umständen einer beruhigenden Behandlung, u.U. einer Schlafbehandlung. Eine der wichtigsten Aufgaben in der Behandlung derartiger Erkrankungen ist es also, dem Körper den zu seiner Gesundung unentbehrlichen Schlaf zu geben. Vielen Erkrankten sagt man ja schon im Volksmund: “Schlaf Dich erst mal so richtig aus”. Wenn der Schlaf durch Schmerzen verhindert wird, ist es manchmal hilfreich, durch Unterdrücken oder Ausschalten mit Hilfe von Analgetika das Einschlafen herbeizuführen.

Wenn innere Spannungen des Patienten ein Einschlafen verhindern, dann müssen zusätzliche Maßnahmen wie nasse Einpackungen, zeitlich etwas ausgedehntere Bäder oder andere hydrotherapeutische Maßnahmen, manchmal in Verbindung mit schwächeren beruhigenden Mitteln (Baldrianpräparaten, kleinen Bromidmengen, Orangenblütentee) eingesetzt werden. Deren narkotische Wirkung ist oft schon in ausreichendem Maße in der Lage, den Schlaf herbeizuführen. Es sollte aber jedem Arzt und Heilpraktiker bekannt sein, welche Gefahren diese Mittel insbesondere für labile Patienten beim chronischen Gebrauch besitzen. Es muss daher eindringlich an die Verantwortung jedes Therapeuten appelliert werden, um bei der Verordnung von Schlafmitteln das rechte Maß zu finden.

In der Vergangenheit gab es Sedativa und Schlafmittel, die in der Hauptsache aus pflanzlichen Bestandteilen zusammengesetzt waren. Leider sind im Zuge der Arzneimittelreform viele bewährte Fertigpräparate aus dem Verkehr genommen worden.

Die im Folgenden genannten Inhaltstoffe können aber, z.T. in homöopathischer Form, nach wie vor als Einzelstoffe bezogen werden und zu einem wirksamen Mittel individuell kombiniert werden.

Passiflora incarnata (Fleischfarbene Passionsblume)

findet Anwendung insbesondere bei leichten Symptomen nervöser Unruhezustände, als Einschlafhilfe oder auch als angst- und krampflösendes Mittel.
Die frischen oberirdischen Teile von Passiflora incarnata kommen auch in der Homöopathie gegen Schlaflosigkeit, Krampfleiden und Unruhezustände zur Verwendung.
Verunsicherung bringen manchmal falsche Abbildungen auf den Verpackungen, beispielsweise von Passiflora caerulea (Blaue Passionsblume) stammen.

Avena Sativa (Saathafer)

Der beruhigende Effekt des Hafers beruht möglicherweise auf dem im Hafer enthaltenen Gramin (Donaxin).
Es handelt sich hierbei um ein Alkaloid, das auch in vielen anderen Pflanzen enthalten ist (so z.B. in anderen Getreidearten, in Blumenkohl, Pappeln und verschiedenen Gräsern).
Häufig setzt man homöopathische Potenzen für die beruhigende Wirkung ein (z.B. Urtinktur oder D12).
Avena sativa ist kein Schlafmittel, sondern mindert die seelische Anspannung und verhilft dadurch zu besserem Einschlafen.

Valeriana officinalis (Echter Baldrian)

Baldrian wird allein oder in Kombination mit anderen pflanzlichen Extrakten (z.B. Hopfen oder Melisse) als mildes Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt. In Deutschland gibt es zahlreiche baldrianhaltige Präparate im Handel. Die Wirksamkeit von Baldrianpräparaten bei der Behandlung der Schlaflosigkeit ist erwiesen. Im Vergleich mit synthetischen Benzodiazepinen sind das günstige Nebenwirkungsprofil und das zu vernachlässigende Abhängigkeitspotential hervorzuheben.
Bei allen Zuständen von Nervosität, Schlaflosigkeit und vielen psychosomatisch bedingten Krankheiten kann Baldrian als Tee, Tinktur oder Pulver eingesetzt werden.

Melissa officinalis (Zitronenmelisse oder Echte Melisse)

Die Bezeichnung officinalis bedeutet offizinell, als Arznei verwendet.
Die traditionelle Verwendung ist die Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung.
Extrakte aus der Melisse haben eine beruhigende und krampflösende Wirkung und werden daher bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt.

Damiana (Turnera diffusa)

Bekannt ist die Art vor allem wegen der ihr zugeschriebenen Wirkung als natürliches Aphrodisiakum, aus diesem Grund wird sie mitunter als Rauschmittel verwendet.
Vor allem in Mexiko ist Damiana ein beliebtes Heilkraut.
Es wird berichtet, dass die Pflanze eine entspannende Wirkung bei Menstruationsschmerzen und -krämpfen hätte.

Anamirta Cocculus (Indische Scheinmyrte, Kokkelskraut)

In der Homöopathie wird Cocculus eingesetzt bei Nervosität und Verstimmungszuständen, Schwindelgefühle unterschiedlicher Ursache und Übelkeit auf Reisen. Auch gegen Schlafstörungen findet es Anwendung.
*) Abbildung aus dem Klosterfrau-Heilpflanzenlexikon

Ambra

Ambra ist eine Substanz aus Pottwalen, die in der Vergangenheit überwiegend in der Parfümerie verwendet wurde.
Die Wirkung ist leicht aphrosidierend.


Coffea (Kaffee)

Coffea ist eine Pflanze von der man weiß, dass sie eine anregende Wirkung hat.
Nach den Prinzipien der Homöopathie (“Ähnliches wird mit Ähnlichem kuriert”) wird sie demzufolge als Beruhigungsmittel eingesetzt.

Humulus Lupulus (Hopfen)

Hopfen ist von alters her als beruhigendes Mittel bekannt. Er wird in der Phytotherapie als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt, meist in Verbindung mit Baldrian, manchmal auch mit Melisse.

Der Echte Hopfen ist die Arzneipflanze des Jahres 2007.
Sofern nicht angegeben, stammen die Bilder aus der Freien Enzyklopädie Wikipedia

© Dr. Frank Herfurth Mai 2009