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Die soften Streitvermittler | |
![]() Mediationsfilme: Ein Blick auf die Mitbewerber |
Mediation heißt Vermittlung in Konflikten. Dieser Beruf scheint eine Zukunft zu haben, denn Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht vermeiden. So und ähnlich denken die elf Kursteilnehmer. Am ersten Freitag vor dem ersten langen Mediations-Wochenende schnattern sie aufgeregt durcheinander. Auf was haben sie sich da eingelassen? Wird sich die Ausbildung lohnen? Haben wir als Mediatoren eine Chance? |
Mit seinem schweren silbernen Moderatorenkoffer, zwei Rollen Flipcharts und einer Kiste voll Bücher und Skripten turnt endlich der Nürnberger Mediator Robert Sturm in das Klassenzimmer. Seine Unternehmensberatung hat Zweigstellen in Florida, Spanien, Brasilien und der Schweiz. Privatpersonen, Institutionen, Unternehmen, Stadträte und Bürgerinitiativen holen den unkonventionellen Dozenten, der am liebsten Jeans und Turnschuhe trägt, zur Konfliktvermittlung. | |
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"Mediation ist konstruktive Konfliktbearbeitung. Am Ende soll eine verbindliche, einvernehmliche und tragfähige Lösung stehen, die alle Beteiligten zu Gewinnern macht" sagt Robert Sturm im Unterricht. Allerdings verrät der Coach, Diplom-Mediator, und Diplom-Supervisor mit MBA, der auch Heilpädagogik, Gerontologie und Sozialpädagogik studiert hat, diese Definition nicht gleich. Erst einmal lässt er seine zukünftigen Mediatoren-Kollegen mit Flipcharts und in Kleingruppen persönliche Versionen finden. |
![]() Ein Streithahn - natürlich nur gespielt |
Siemens, Motorola, die Maritim-Hotels sowie viele andere Firmen arbeiten mit Mediatoren zusammen. Denn die Mediation spart im Vergleich zu Gerichtsverfahren Zeit und Kosten. Außerdem hilft sie Beziehungen zu bewahren, schont die Nerven der Beteiligten und stärkt die Betroffenen sogar. Das Besondere: Die Streitparteien nehmen die Lösung ihres Problems selbst in die Hand. Dazu müssen sie allerdings bereit sein, daher funktioniert Mediation nicht bei jeder Auseinandersetzung. "Das Ganze klingt fantastisch", finden die zukünftigen Mediatoren. Nach dem ersten Wochenende stürzen sie sich eifrig auf ihre Unterlagen, schmökern in den empfohlenen Büchern und reden super-einfühlsam mit ihren Ehemännern, Partnern und Kindern. Das Buch "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg begeistert sie. | |
![]() Teamwork: Reines Zuhören geht dem Dozenten gegen den Strich |
Lesen ist jedoch nicht alles. Gleich beim ersten Treffen teilt Robert Sturm Rollenbeschreibungen für simulierte Mediationsverfahren aus. Jeder darf mal Mediator sein, der Rest spielt Streitpartei oder Beobachter. Die Fälle stammen alle aus der Realität: Nachbarn, die sich über den Grill am Balkon aufregen, eine Chefin, die mit einem demotivierten Mitarbeiter nicht mehr zurechtkommt, ein Altenheim, das von der Gesundheitsbehörde zurechtgewiesen wurde. |
Robert Sturm zeigt ihnen, Gespräche mit Betroffenen so zu lenken und balancieren, dass sich jeder gehört und verstanden fühlt. "Ich hätte nie gedacht, dass aktives Zuhören so schwer ist. Man neigt doch dazu, vorschnell seine Schlüsse zu ziehen." sagt Renate. Aktives Zuhören, eine der Haupttechniken im Mediationsprozess bedeutet, sich ganz in die Welt des Gegenübers einzufühlen und die Inhalte und die mitschwingenden Gefühle richtig wiederzugeben. Diese Technik dient dem gegenseitigen Verständnis und der Selbstklärung der Konfliktgegner. So werden in einer bestimmten Phase der Mediation die Interessen und Bedürfnisse der Streithähne beleuchtet. | |
Auf diese Weise erkennen sie, was den anderen bewegt und zum Handeln treibt. Wer behauptet, "Du redest nie mit mir", wünscht sich in Wirklichkeit mehr Interesse. Genauso geht es auch demjenigen, der klagt "Du hörst mir nie zu." Die zwei "Wahrheiten" stehen jetzt deutlich vor Augen der Betroffenen. Auf der Basis dieses Wissens erarbeiten sie in einem nächsten Schritt kreative Lösungsoptionen, die beiden gerecht werden. |
![]() So sieht ein Mediatorenkoffer aus |
Da ist ein durchdachtes Konzept und zielgerichtetes Ansprechen von möglichen Kunden und Multiplikatoren wie Verbänden und Vereinen gefragt. Rainer tüftelt gerade an einem Vorschlag, den er Schulen vorstellen will. Isolina bietet die Mediation zusätzlich zur Lebensberatung an. Reinhilde hat sich auf Streitigkeiten in Familien und zwischen Generationen spezialisiert und arbeitet schon mit den ersten Konfliktparteien. Mitten in der Coburger Innenstadt liegt ihr nagelneues Mediationsbüro, liebevoll eingerichtet, sie fühlt sich mächtig wohl darin. Auch diejenigen, die beruflich noch nicht in die Mediation einsteigen, haben von dem Kurs profitiert: "Es ist jetzt viel leichter, mit Auseinandersetzungen umzugehen", sagt Claudia. | |
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