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Dissoziale Persönlichkeitsstörung – Was trieb den Joker aus dem Film “The Dark Knight” ins Chaos?

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Bereits wenige Jahre nach der Veröffentlichung der Comics erschienen auch die ersten Filme rund um die Batman-Saga. Der bekannteste Gegner des Protagonisten ist wohl der Joker, der in den ersten Filmen einen typischen Bösewicht darstellt, bis auf sein kurioses Aussehen, aber nichts Absurdes mit sich bringt. Optisch gleicht er einem Clown mit weißer Haut, dunkel geschminkten Augen, grünen Haaren und einem breiten, fiesen blutroten Mund. Gespielt wurde der Joker schon von Schauspielgrößen wie beispielsweise Jack Nicholson.

Doch die letzte Adaption des Jokers, dargestellt von dem verstorbenen Schauspieler Heath Ledger, in „The Dark Knight“ hat den Charakter des Filmschurken auf eine ganz neue Ebene gesetzt. In Christopher Nolans Filmfassung handelt es sich weniger um einen klassischen Gegner der Hauptfigur, als vielmehr um einen krankhaft Wahnsinnigen, dem nichts an Geld oder Macht liegt, sondern an die Verbreitung von Chaos. Im Film versucht der Joker ohne Skrupel zu beweisen, dass Menschen ohne Gesetze und gesellschaftliche Richtlinien zu den schlimmsten Untaten fähig sind. Heath Ledger hat die verquere und zum Teil verstörende Rolle so brillant inszeniert, dass er dafür 2009 den Oscar erhielt. Allerdings lebte der Schauspieler zu dieser Zeit bereits nicht mehr. Verstörend ist vor allem die Skrupellosigkeit des Clowns im Umgang mit seinem Umfeld: So missachtet er sämtliche sozialen Normen, wirkt gefühllos, ist für jede kriminelle Handlung bereit, ordnet sich keinerlei Gemeinschaft ein und ist schier besessen von der Figur des Batman, die im Film von Christian Bale verkörpert wird. Dabei will er nicht den Tod des Protagonisten, er will das „Katz und Maus – Spiel“ zwischen beiden und scheint süchtig danach.

Gibt es solche Menschen wie den Joker wirklich? Zumindest gibt es das Krankheitsbild der dissozialen Persönlichkeitsstörung, welches ähnliche Züge aufweist. Doch litt der Joker an der Krankheit? Im Folgenden soll die begrenzt erforschte Form der Persönlichkeitsstörung dahingehend erläutert werden.

  • Litt der Joker unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung?

Um eine Aussage darüber treffen zu können, ob der Joker aus „The Dark Knight“ an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung litt, muss zunächst die Krankheit näher betrachtet werden. Was bedeutet dissoziale Persönlichkeitsstörung überhaupt und welche Symptome weist die Krankheit auf?

    • Definition der Krankheit

Allgemein wird von einer Persönlichkeitsstörung gesprochen, wenn Personen veränderte Verhaltensmuster aufzeigen. Diese Menschen grenzen sich durch andere Denkweisen und Wahrnehmungen von der Masse der Bevölkerung ab. Als eine Form der Persönlichkeitsstörung zeichnet sich die dissoziale Prägung durch antisoziales bzw. verantwortungsloses Verhalten aus. Der Verein Pro Psychotherapie beschreibt die Störung wie folgt:

Die antisoziale (oder dissoziale) Persönlichkeitsstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass jemand ständig soziale Normen missachtet und seine eigenen Ziele rücksichtslos durchsetzt. […] Im Erwachsenenalter neigen viele zu kriminellem und gewalttätigem Verhalten, übertreten Gesetze und haben eine hohe Risikobereitschaft. […] Charakteristisch ist auch, dass Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung ein mangelndes Einfühlungsvermögen haben und deshalb keine Schuldgefühle oder Verantwortungsbewusstsein empfinden, wenn sie anderen Schaden zufügen. […]
(Zitat: https://www.therapie.de/psyche/info/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/kompendium-ps/antisoziale-persoenlichkeitsstoerung/)

Aus definitorischer Sicht deutet entsprechend einiges darauf hin, dass der Joker über eine antisoziale Form der Persönlichkeitsstörung verfügt.

    • Antisoziale Verhaltensformen

Die Krankheit kann sich sehr unterschiedlich äußern, da es sehr wohl auch Beispiele von Betroffenen gibt, die sich in ein soziales Gesellschaftsgefüge einordnen können. Dennoch kann solch ein von der Norm abweichendes Verhalten bereits in der Kindheit auftreten. So sind Aggressivität und Aufsässigkeit typisch. Betroffene Erwachsene wirken nicht selten herzlos und gefühlskalt sowie aggressiv und explosiv. Da es sich eben um verhaltensspezifische Symptome handelt, ist eine Diagnose entsprechend schwer zu treffen, weil nicht zuletzt unterschieden werden muss, inwieweit die Einflüsse aus dem sozialen Umfeld und genetische Veranlagungen in Zusammenhang stehen.

    • Abgrenzungen bei der Diagnose

Im Allgemeinen scheint das Thema Persönlichkeitsstörung sehr kontrovers behandelt zu werden. So gibt es Ärzte, die bei einer dissozialen Persönlichkeitsstörung nicht einmal von einer Krankheit sprechen wollen. Andere sagen, bei Kindern könne aufgrund des Wachstums noch nicht über eine ausgeprägte Störung gesprochen werden. Wiederum andere Ärzte sehen keine Altersgrenze, da auch biologische Aspekte eine Rolle spielen würden. Weil die Krankheit schwer messbar und auch fassbar ist, haben verschiedene Institutionen versucht, Kriterien zu entwickeln, die bei Erfüllung auf die Krankheit hinweisen. Viele Ärzte berufen sich aus diesem Grund auf die ICD-10 (International Code of Deseases) der Welt Gesundheitsorganisation (WHO). Sobald drei der verschiedenen definierten Kriterien (Siehe Grafik) auf eine Person zutreffen, könne eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden. Allein die zahlreichen unterschiedlichen Meinungen zeigen aber, wie schwierig solch eine Diagnose ist.

 

  • Welche möglichen Ursachen für die Krankheit könnten auf den Joker zutreffen?

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass sowohl Umwelteinflüsse als auch genetische Faktoren eine Rolle für die Entstehung und die Ausprägung der Krankheit spielen. Beim Joker können in diesem Zusammenhang lediglich Vermutungen angestellt werden, schließlich werden im Film die Herkunft und die gesundheitlichen Umstände der Figur nur angedeutet und das von ihr selbst. Danach habe sein alkoholkranker Vater die Mutter mit einem Messer getötet. Weil dieser das leidige Gesicht des damals jungen Kindes nicht ertragen konnte, schnitt er dem Kind ein „Lächeln“ ins Gesicht. So erklärt der Joker seine Narben an den Mundwinkeln. Werden allerdings Symptome der betrachteten Persönlichkeitsstörung wie die Bereitschaft zum ständigen Lügen bedacht, könnten die Andeutungen genauso gut auch nur erdacht worden sein, um das eigene Bild des Chaosbringenden zu komplettieren. Zumindest schafft Regisseur Nolan einen interessanten Spannungsbogen.

    • Kombination aus genetischen und sozialen Faktoren

Zahlreiche Forscher gehen davon aus, dass Persönlichkeitsstörungen viele verschiedene Ursachen mit sich bringen. So wird auch vermutet, dass allein das Erlebte in der Kindheit und das soziale Umfeld nicht für eine massive Persönlichkeitsstörung allein verantwortlich sein können. Auch genetische Veranlagungen seien wichtig zu betrachten. Beide Faktoren wirken aber auch zusammen. So seien Meinungen zufolge frühkindliche Erlebnisse auch entscheidend dafür, wie sich das Gehirn entwickelt. Wird ein Kind beispielsweise unter Gewalteinwirkungen und anderen familiären Problemen groß, kann das Gehirn Dysfunktionen und Fehlfunktionen bilden, die schließlich eine entsprechende Störung verursachen.

    • Biologische Einflüsse

Die genetischen Einflüsse sind sehr vielseitig zu betrachten. Es existieren mittlerweile zahlreiche Studien, die die Zusammenhänge von bestimmten Erbmaterialien und der Bildung von Persönlichkeitsstörungen betrachten. Aber auch die angesprochene Bildung von Dysfunktionen spielt eine maßgebende Rolle.

      • Zwillingsstudien

Dass genetische Faktoren ebenfalls für die Bildung von antisozialen Persönlichkeitsstörungen verantwortlich sind, konnten unterschiedliche Zwillingsstudien belegen. Hierbei konnte bestätigt werden, dass bei eineiigen Zwillingspaaren häufiger Persönlichkeitsstörungen in Form von antisozialem Verhalten vorkommen als bei zweieiigen Zwillingen. Dabei würden Gene nicht nur direkt antisoziales Verhalten beeinflussen, sondern auch dazu beitragen, dass manche Menschen besonders empfindlich auf bestimmte Umwelteinflüsse reagieren.

      • Neurobiologische Disposition

Wie bereits angedeutet, meint neurobiologische Disposition hier die Bildung von Dysfunktionen, die durch frühe Lernerfahrungen verursacht werden. Es existieren Forschungsgruppen, die Hinweise auf frontale Dysfunktionen unter anderem bei dissozialen Persönlichkeitsstörungen gefunden haben wollen. Die frontale Dysfunktion meint wiederum eine hirnorganische Fehlfunktion im vorderen Frontallappen. Diese kann durch unterschiedliche Einflüsse entstanden sein, wie Stürze, Gewalteinwirkungen, kann aber auch genetische Ursachen haben. Hintergrund ist jener, dass im Frontallappen des Großhirns zahlreiche emotionale, kognitive oder auch motorische Verarbeitungsprozesse stattfinden. Liegen hier Fehlfunktionen vor, werden Informationen entsprechend auch „fehlerhaft“ übertragen. Es entstehen Persönlichkeitsstörungen.

      • Persönlichkeitsstruktur

Die Persönlichkeitsstruktur umfasst im Grunde individuelle Merkmale eines jeden Menschen nach theoretischen Konzepten. Diese Merkmale zeichnen sich hingegen wieder dadurch aus, dass sie im Grunde anhaltende Verhaltensweisen darstellen. Es handelt sich hierbei um ein theoretisches Konstrukt, das fünf Grunddimensionen umfasst:

Persönlichkeitsstörungen treten danach dann auf, wenn starke Eigenschaftsveränderungen oder Instabilitäten in der Struktur entstehen.

    • Umwelteinflüsse

Das soziale Umfeld beeinflusst entscheidend die Entwicklung des Menschen. Hier werden gesellschaftliche Normen gelernt, lebenswichtige Erfahrungen gemacht und hier festigt sich das Bild über die Welt und über sich selbst. Dabei spielen vor allem frühkindliche Erfahrungen eine entscheidende Rolle darüber, wie sich die einzelnen Persönlichkeitseigenschaften letztlich entwickeln. Denn in dieser Zeit bildet sich das Gehirn und die Art und Weise der Verarbeitungsprozesse entscheidend aus.

      • Familiäres Umfeld

Die jeweilige Familiensituation hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob sich eine antisoziale Persönlichkeitsstörung entwickelt oder nicht. So ist nachweislich eine erhöhte Gefahr bei Kindern zu beobachten, die zu wenig Zuwendung erhalten oder unter häuslicher Gewalt gelitten haben. Dies gilt auch dann, wenn beispielsweise ein Elternteil selbst antisoziales Verhalten aufweist und soziales Benehmen nie belohnt wurde. Das Kind erlernt dementsprechend antisoziale Verhaltensmuster, diese manifestieren sich ins Gehirn, ein sozialer Umgang miteinander hat entsprechend keine Rolle gespielt. Allerdings heißt dies nicht, dass ausschließlich Kinder aus „schlechtem Hause“ zu Persönlichkeitsstörungen neigen. Das familiäre Umfeld muss nicht Auslöser, kann aber ein Teilaspekt sein.

 

      • Suchtverhalten am Beispiel Spielsucht

Einige Wissenschaftler gehen von einem starken Zusammenhang zwischen Suchtproblemen und Persönlichkeitsstörungen aus. Bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen sei beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, alkoholsüchtig zu werden dreimal höher im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung. Hierbei gibt es unterschiedliche Modelle, die entweder die Persönlichkeitsstörung, die Sucht oder beide Einflüsse zusammen als Ursache sehen.

Bei einer Glücksspielsucht handelt es sich laut Welt Gesundheitsorganisation und der Diagnoserichtlinie ICD-10 um eine Impulskontrollstörung, berichtet das Deutsche Ärzteblatt in einem Artikel über das pathologische Glücksspielen. Hierbei soll eine labile Persönlichkeitsstruktur zum einen eine Spielsucht begünstigen. Zum anderen kann die Bildung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung auch dann gefördert werden, wenn der Betroffene in einem „spielsüchtigen“ Umfeld aufgewachsen ist. Schließlich kann das Glücksspiel auch ein Symptom für eine antisoziale Störung sein. Aus den verschiedenen Herangehensweisen ist ersichtlich, wie vielschichtig eine Ursachenforschung letztlich ist.

 

 

 

 

 

      • Abkehr von sozialen Anforderungen

Ein weiterer Aspekt ist der Einfluss von anderen sozialen Komponenten. So können neben der familiären Situation auch Umwelteinwirkungen eine wichtige Rolle bei der Herausbildung von

dissozialen Persönlichkeitsstörungen spielen. Ein früher Kontakt beispielsweise mit Gewalt und Kriminalität in sozialen Brennpunkten kann ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung des Krankheitsbildes erhöhen. Damit sind also auch die Herkunft und ihre Umstände zu betrachten.

  • Verhaltensweisen, die auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hinweisen

Insgesamt existieren unterschiedlichste Ursachen für die Entstehung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, wobei aufgrund der Komplexität der Krankheit nicht immer eindeutig erkennbar ist, ob einige Symptome bzw. spezielle Verhaltensweisen Quelle oder Folge der Störung sind. Einige Verhaltensauffälligkeiten und ihre typischen Symptome sollen im Folgenden näher erläutert werden:

    • soziale Gefühlslosigkeit
    • Missachtung sozialer Normen
    • Bereitschaft zu kriminellem Verhalten
    • Fehlendes Schuldbewusstsein
    • Spielsucht
    • Alkoholsucht
    • Anderes Suchtverhalten

 

Dabei ist anzumerken, dass jede einzelne vorgestellte „Verhaltensweise“ für sich eine eigenständige Krankheit darstellt und nicht mit einer Persönlichkeitsstörung in Zusammenhang stehen muss. Allerdings können diese Hinweise liefern.

    • Soziale Gefühlslosigkeit

Eine typische Verhaltensweise, die der antisozialen Persönlichkeitsstörung zugeschrieben wird, ist ein gefühlloses Verhalten gegenüber anderen Mitmenschen. Dies kann sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern, sei es durch ein hohes Maß an Aggressivität oder aber Herzlosigkeit. Dieses Verhaltensmuster lässt sich zumeist bereits schon im Kindesalter feststellen. Hier reagieren die Kinder oft aufsässig gegenüber ihren Eltern. Wird der Joker und sein Verhalten betrachtet, trifft soziale Gefühlslosigkeit in jedem Fall auf die Filmfigur zu.

    • Missachtung sozialer Normen

Ein weiteres Anzeichen kann in der Missachtung sozialer Normen gesehen werden. Dies kann sich durch ein wiederkehrendes Lügen bis hin zu einem gesetzeswidrigen Verhalten äußern. Betroffene versagen nicht selten bei dem Versuch, sich an gesellschaftliche Normen zu halten. Oftmals reagieren diese Menschen sehr impulsiv und reizbar, verspüren auch keine Angst, wenn es um die eigene und schon gar nicht um die Sicherheit anderer geht. Sie haben zudem Probleme, Beziehungen aufzubauen oder Verantwortung zu zeigen. Auch dieser Aspekt kann dem Joker zugesprochen werden. Von Normen hält er im Allgemeinen nicht viel. Im Gegenteil: Er missachtet sie bewusst, um an sein Ziel, die Verbreitung von Chaos, zu gelangen. Auch scheint für ihn Angst ein Fremdwort für sein, bringt er sich und vor allem seine Mitmenschen doch ständig in Gefahr.

    • Bereitschaft zu kriminellem Verhalten

Antisoziale Menschen hegen eine erhöhte Bereitschaft zu kriminellen Handlungen. Dies kann sich ebenfalls vom kleinen Betrug bis hin zu schwerwiegenden Straftaten äußern. So kann sich bereits im Jugendalter ein manipulatives Verhalten ohne Gewissensbisse zeigen.
In einer Diplomarbeit (Universität Osnabrück) aus dem Jahr 2009 wurde der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstörungen und dem Hang zur Kriminalität untersucht. Hier konnte festgestellt werden, dass „gut 2/3 der Straftäter die Kriterien für mindestens eine Persönlichkeitsstörung erfüllten.“ (Seite 121). In dieser Arbeit wird aber auch deutlich, dass eine klare Diagnose einer Persönlichkeitsstörung aufgrund der subjektiven Selbstwahrnehmung der Betroffenen nicht einfach ist. Dass der Joker einen Hang zur Kriminalität aufweist, steht außer Frage und ist schließlich aus dramaturgischen Gründen Hauptcharakteristika der Figur.

 

    • Fehlendes Schuldbewusstsein

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung werden mit einem fehlenden Schuldbewusstsein in Verbindung gebracht. Tatsächlich weisen viele der Betroffenen ein starkes Selbstbewusstsein auf, leben im Hier und Jetzt und interessieren sich nicht für das Wohl oder Befinden der anderen. Egoismus ist damit ein zentraler Aspekt, wobei allein dieser Faktor wohl kaum eine eindeutige Diagnose ermöglichen kann. Wird allerdings der Joker betrachtet, lassen sich Übereinstimmungen feststellen. Was mit seinen Mitmenschen passiert, interessiert ihn wenig. Um sein Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Trotzdem, so scheint es im Film, wirkt sein Handeln weniger geplant, als vielmehr impulsiv und improvisiert.

    • Spielsucht

Teile der Wissenschaft wollen herausgefunden haben, dass Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung eher zu einem Suchtverhalten tendieren als „normale Bürger“. Ein Beispiel kann die Spielsucht sein. Da diesen Menschen der Zugang zu sozialen Normen fehlt, fehlt ihnen auch das Verständnis darüber, wann ein Spielverhalten als süchtig oder aus gesellschaftlicher Sicht als krankhaft gesehen wird. Spielsucht zu erkennen, ist allerdings nicht leicht. Es gibt aber verschiedene Verhaltensweisen, die darauf hindeuten können. In einem Selbsteinschätzungstest unter jumbolotto.de werden 18 Fragen aufgeführt, bei denen eine ausschließliche Beantwortung der Fragen mit „Ja“ Hinweise auf ein problematisches Spielen geben soll. Zu den Fragen gehören beispielsweise:

„Haben Sie schon einmal solange gespielt, dass Sie kein Geld mehr hatten?“

  • Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind sich der Konsequenzen ihres Handelns oftmals nicht bewusst bzw. es ist ihnen egal.

„Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf illegalem Weg Geld zum Spielen zu beschaffen?“

  • Wie erörtert, neigen Betroffene nicht selten zu kriminellem Verhalten.

„Sind Sie unruhig und aggressiv, wenn Sie keine Möglichkeit zum Spielen haben?“

  • Kennzeichnend für Betroffene ist ein oft aggressives und unruhiges Verhalten.

Insgesamt ist Spielsucht also eine mögliche Verhaltensauffälligkeit von Betroffenen. Kann dies auf den Joker zutreffen? Schwer zu sagen, da im Film keinerlei Szene dahingehend Aufschluss gibt. Allerdings könnte Spielsucht im übertragenen Sinne vorhanden sein, wird das ständige „Katz und Maus -Spiel“ mit Batman bedacht. In einer Szene erklärt der Joker dem Protagonisten immerhin, dass er nicht vorhat, ihn zu töten, viel zu aufregend sei die gegenseitige Jagd.

    • Alkoholsucht

Auch der Konsum von Alkohol scheint in direktem Zusammenhang mit antisozialer Persönlichkeitsstörung zu stehen und dies meist schon im Kindesalter. Hier spielt vor allem eine Rolle, wie innerhalb der Familie mit Alkohol umgegangen wird oder wurde. Kommen die Kinder schnell mit der legalen Droge in Berührung, ist die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass selbst konsumiert wird. Hier sind demnach Umweltfaktoren entscheidend. Einige Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass eine Persönlichkeitsstörung keine Ursache von übermäßigem Alkoholkonsum ist. Zu klein sei der Anteil an Alkoholabhängigen, die laut einem Beitrag auf neuro24.de eine dissoziale Persönlichkeit aufweisen. Demnach ist sich die Forschung hier uneinig. Auch wenn kein direkter Zusammenhang zwischen beiden Einheiten besteht, kann es zumindest ein Hinweis auf entsprechende Umwelteinflüsse zeigen. Auch der Joker weist im Film keinerlei Anzeichen von Alkoholismus auf, nimmt in einer Szene zwar einen Schluck vom Champagner, schüttet den Rest aber dann weg.

    • Anderes Suchtverhalten

Ähnlich wie beim Thema Alkohol kann beispielsweise auch ein frühzeitiger Drogenkonsum je nach sozialem Umfeld mit der Krankheit in Verbindung stehen. Allerdings muss auch hier nicht die Krankheit selbst Auslöser für eine Drogensucht sein. Interessanterweise kann aber Drogenmissbrauch mit einem geschrumpften Präfrontalcortex (befindet sich im vorderen Bereich des Frontallappens) einhergehen. Dieser führt zu einer Störung der Informationsverarbeitung und das kann wiederum, wie bereits erläutert, ein Auslöser für antisoziales Verhalten sein. Der Tagesspiegel berichtete im Jahr 2001 bereits über den amerikanischen Forscher Adrian Raine, der herausfand, dass eine Vielzahl an Schwerverbrechern einen kleineren Präfrontalcortex aufwies als andere Probanden, was auf eine antisoziale Persönlichkeit hindeuten sollte. Dieser Befund galt in weiten Teilen der Wissenschaft als Meilenstein, um die biologischen Hintergründe zu beweisen. Dieser Aspekt lässt sich beim Joker nicht überprüfen, regt allerdings zu Vermutungen an.

  • Chaos als Ausdruck antisozialen Verhaltens?

Insgesamt handelt es sich bei einer dissozialen Persönlichkeitsstörung um ein komplexes und noch weitgehend unerforschtes Krankheitsbild. Dass der Joker an solch einer Krankheit leiden könnte, lässt sich in Bezug auf die möglichen Ursachen, Symptome und Verhaltensweisen vermuten, denn…

  • er verfügt über eine ausgeprägte Aggressivität, Impulsivität und wahnsinnige Vorstellungen
  • ist gefühlskalt, verantwortungslos seinen Mitmenschen gegenüber
  • mögliche Konsequenzen sind ihm egal
  • hält sich nicht an Gesetze oder gesellschaftliche Normen
  • ist kriminell und gewalttätig
  • ist sich keiner Schuld bewusst
  • betrügt und manipuliert
  • nimmt eine unnatürliche Gestalt an (Clown bzw. Joker)
  • Geld und Macht sind ihm nicht wichtig

 

Ein Aspekt könnte allerdings gegen eine antisoziale Persönlichkeitsstörung beim Joker sprechen: Laut Forschung würde der Hang zur Kriminalität mit dem Alter abnehmen. Zwar gibt der Film nicht Aufschluss darüber, wie alt der Joker ist, er wird jedoch nicht als Anfang 20-Jähriger dargestellt.

Das Mysterium rund um den Joker hat schließlich auch die Realität eingeholt. Zumindest wenn jenen Glauben geschenkt wird, die davon ausgehen, dass Heath Ledgers Tod im direkten Zusammenhang mit der Rolle des manischen Bösewichts steht. Danach hätte sich Ledger zu intensiv mit der Rolle auseinandergesetzt, hätte sich sogar in einem Hotelzimmer für Wochen isoliert. Offizielle Ursache ist eine versehentliche Überdosis an Schlaftabletten, woran Ledger 2008 schließlich verstarb. Ob es letztlich einen Zusammenhang gab, ist natürlich nicht bekannt. Doch die Rolle und das Mysterium drum herum machten den Schauspieler unsterblich.

 

 

 

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