Auf einen Blick
- Was es ist: Herzbeschwerden, die von Magen oder Darm ausgelöst werden – meist nach dem Essen und oft zusammen mit Blähungen. Beschrieben hat sie 1912 der Internist Ludwig Roemheld.
- Typische Beschwerden: Druck oder Enge in der Brust, Herzstolpern, Herzrasen, Atemnot oder Schwindel, dazu Völlegefühl, Aufstoßen und Blähungen.
- Wichtig zuerst: Brustschmerzen gehören immer ärztlich abgeklärt. Das Roemheld-Syndrom ist eine Ausschlussdiagnose – erst wenn das Herz untersucht und unauffällig ist.
- Studienlage: Der Begriff ist umstritten, einheitliche Diagnosekriterien gibt es nicht. Die Belege stammen vor allem aus Fallberichten.
- Was hilft: Ursachen wie Reflux oder einen Zwerchfellbruch behandeln und Blähungen vorbeugen: kleinere Mahlzeiten, langsam essen, wenig Kohlensäure, Bewegung nach dem Essen.
- Naturheilkunde: Kümmel, Fenchel und Anis haben eine lange Tradition gegen Blähungen. Für eine Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl gibt es Hinweise aus Studien bei funktionellen Magenbeschwerden.
Inhalt
Was ist das Roemheld-Syndrom?
Der Internist Ludwig Roemheld (1871–1938) beschrieb 1912 Patientinnen und Patienten, deren Herzbeschwerden nicht vom Herzen selbst ausgingen, sondern von Magen oder Darm. Er nannte das Bild „gastrokardialer Symptomenkomplex“. Heute spricht man vom Roemheld-Syndrom oder gastrokardialen Syndrom.
Die Erklärung: Sammelt sich viel Luft im Magen oder im oberen Dickdarm, kann sie das Zwerchfell – vor allem auf der linken Seite – nach oben drücken. Direkt darüber liegt das Herz. Zusätzlich verbindet der Vagusnerv Magen, Darm und Herz: Wird der Magen stark gedehnt, kann das über diesen Nerv Herzschlag und Herzrhythmus beeinflussen.
Wie diese Mechanismen genau zusammenwirken, ist nicht abschließend geklärt [1]. Der Begriff wird in der Medizin uneinheitlich verwendet und ist in den gängigen Leitlinien keine eigene Diagnose.

Brustschmerzen immer zuerst ärztlich abklären
Notruf 112Wählen Sie sofort den Notruf 112 bei:
starkem oder länger als wenige Minuten anhaltendem Druck oder Schmerz in der Brust
Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
Atemnot, kaltem Schweiß, Blässe oder Übelkeit
Ohnmacht oder anhaltendem Herzrasen
Auch ein Herzinfarkt kann sich mit Oberbauchbeschwerden und Übelkeit zeigen – besonders bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes. Dass Beschwerden nach dem Essen auftreten, schließt eine Herzerkrankung nicht aus [4].
Typische Beschwerden
Die Beschwerden betreffen zwei Bereiche gleichzeitig:
Herz und Brustkorb
Druck- oder Engegefühl in der Brust
Herzstolpern (Extraschläge), Herzrasen oder ein verlangsamter Puls
Atemnot, Beklemmung, Schwindel
Unruhe und Angst
Magen und Darm
Völlegefühl und geblähter Oberbauch
Aufstoßen, Sodbrennen
Blähungen, Darmwinde
Typisch ist der zeitliche Zusammenhang: Die Beschwerden treten nach größeren Mahlzeiten auf, im Liegen oder bei engem Hosenbund – und bessern sich, sobald Luft entweicht.
Ursachen und Auslöser
Große, fettreiche Mahlzeiten, besonders spät am Abend
Kohlensäurehaltige Getränke
Luftschlucken durch hastiges Essen, viel Sprechen beim Essen oder Kaugummi
Blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl oder Zwiebeln – je nach Empfindlichkeit
Zwerchfellbruch (Hiatushernie) und Reflux – in Fallberichten besserten sich die Herzbeschwerden nach deren Behandlung [1]
Reizdarmsyndrom und Verstopfung
Nahrungsmittelunverträglichkeiten, etwa gegen Milchzucker (Laktose) oder Fruchtzucker (Fruktose)
Enge Kleidung und Hinlegen direkt nach dem Essen
So wird abgeklärt
Das Roemheld-Syndrom ist eine Ausschlussdiagnose: Erst wenn eine Herzerkrankung ausgeschlossen ist, werden die Beschwerden dem Magen-Darm-Trakt zugeordnet. Die Reihenfolge ist dabei entscheidend.

Herz: EKG und Blutwerte, je nach Befund Langzeit- oder Belastungs-EKG und ein Ultraschall des Herzens [4].
Magen und Darm: Ultraschall des Bauchs, bei Bedarf eine Magenspiegelung (etwa bei Verdacht auf Reflux oder Zwerchfellbruch) und Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Beschwerdetagebuch: Notieren Sie über zwei Wochen, was Sie gegessen haben und wann Beschwerden auftraten. Das hilft der Ärztin oder dem Arzt und Ihnen selbst, Auslöser zu erkennen.
Was belegt ist – und was nicht
Beschrieben in Fallberichten und Übersichten, Mechanismus über Zwerchfell und Vagusnerv plausibel, aber nicht abschließend geklärt [1].
Keine einheitlichen Diagnosekriterien, in den gängigen Leitlinien nicht als eigene Diagnose geführt.
In Fallberichten gezeigt, keine kontrollierten Studien [1].
Metaanalyse mit drei Studien bei funktioneller Dyspepsie [2]; Pfefferminzöl wird in der Leitlinie zum Reizdarmsyndrom genannt [3]. Für das Roemheld-Syndrom selbst nicht untersucht.
Naheliegend und risikoarm, aber nicht in Studien zum Roemheld-Syndrom geprüft.
Keine Studien, Anwendung beruht auf therapeutischer Erfahrung.
Was Sie selbst tun können
Kleinere Mahlzeiten. Lieber fünf kleine als drei große – die letzte zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen.
Langsam essen. Gründlich kauen, nicht nebenbei und nicht im Gehen essen.
Kohlensäure meiden. Besser stilles Wasser oder Kräutertee.
Auslöser finden. Ein Ess- und Beschwerdetagebuch zeigt, welche Lebensmittel Sie schlecht vertragen.
Nach dem Essen bewegen. Ein kurzer Spaziergang statt Hinlegen hilft, Luft abzutransportieren.
Lockere Kleidung. Kein enger Gürtel oder Hosenbund.
Wärme und sanfte Bauchmassage. Eine Wärmflasche und kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn können Blähungen lösen.
Naturheilkundliche Begleitung
Pflanzen gegen Blähungen
Hinweise aus StudienKümmel, Fenchel und Anis werden traditionell gegen Blähungen und Völlegefühl eingesetzt, zum Beispiel als Tee nach dem Essen.
Für eine Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl zeigt eine Metaanalyse eine Linderung funktioneller Magenbeschwerden [2]. Die Studien wurden vom Hersteller unterstützt. Die Leitlinie zum Reizdarmsyndrom nennt Pfefferminzöl als Behandlungsmöglichkeit [3].
Vorsicht: Pfefferminzöl kann Sodbrennen verstärken. Wer zu Reflux neigt, sollte es nur nach Rücksprache einnehmen.
Homöosiniatrie und Akupunktur
ErfahrungsmedizinIn der Naturheilpraxis wird das Roemheld-Syndrom teils mit Homöosiniatrie begleitet: Dabei werden homöopathische Komplexmittel in Akupunkturpunkte injiziert, etwa in Punkte am Oberbauch und in den Punkt Pe6 am Unterarm, der traditionell bei Übelkeit genutzt wird.
Für diese Behandlung gibt es keine Studien, sie beruht auf therapeutischer Erfahrung. Injektionen gehören ausschließlich in die Hände von Ärztinnen, Ärzten, Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern mit entsprechender Ausbildung – und erst, nachdem das Herz ärztlich abgeklärt ist.
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Häufige Fragen
Die Beschwerden selbst gelten als harmlos, sind aber oft sehr beunruhigend. Gefährlich ist vor allem, eine echte Herzerkrankung zu übersehen. Deshalb muss das Herz immer zuerst ärztlich untersucht werden, bevor die Beschwerden dem Magen-Darm-Trakt zugeordnet werden.
Selbst gar nicht sicher. Auch ein Herzinfarkt kann sich mit Oberbauchbeschwerden und Übelkeit zeigen. Bei starkem oder anhaltendem Brustschmerz, Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, Atemnot, kaltem Schweiß oder Ohnmacht wählen Sie sofort den Notruf 112.
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Sie veranlasst je nach Befund eine kardiologische Untersuchung des Herzens und eine gastroenterologische Abklärung von Magen und Darm.
In Fallberichten werden Herzstolpern, Herzrasen und auch ein verlangsamter Puls nach dem Essen beschrieben. Ob eine Rhythmusstörung vorliegt, lässt sich nur mit EKG oder Langzeit-EKG klären.
Aufrecht hinsetzen oder aufstehen, enge Kleidung am Bauch lockern, ein paar Schritte gehen und in Ruhe weiteratmen. Viele empfinden einen warmen Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee als wohltuend. Bessern sich die Beschwerden nicht rasch oder treten Warnzeichen auf, wählen Sie den Notruf 112.
Indirekt ja: Unter Stress essen viele Menschen hastiger und schlucken mehr Luft. Außerdem hängen Verdauung und Herzschlag über das vegetative Nervensystem eng zusammen. Entspannung und regelmäßige Mahlzeiten in Ruhe können deshalb helfen, Beschwerden vorzubeugen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder anderen akuten Beschwerden wählen Sie den Notruf 112.










