

Niemals zuvor wurden Kinder mit mehr für den Körper unbekannten oder unbekömmlichen Substanzen konfrontiert als heute. Diese werden dem noch jungen Organismus einerseits freiwillig (im Übermaß) zugeführt, z.B. zu viel Zucker. Andererseits gelangen sie unfreiwillig über tausende Chemikalien in den Körper (Schadstoffe in Luft, Wasser, Kleidung, Medikamenten sowie Lebensmitteln), entstammen dem eigenen Körperstoffwechsel oder einem gestörten Mikrobiom. Selbst wenn all diese Stoffe nur in kleinen Mengen vorliegen – sie können sich aufsummieren und gegenseitig verstärken, sodass sie eine schädliche Wirkung entfalten.
Als Kinderheilpraktikerin beobachte ich mit großer Besorgnis, wie die Zahl an umweltbedingten Überlastungen schon bei Kindern stetig zunimmt. Die gute Nachricht ist: Die meisten kleinen Patienten sind nicht krank im klassischen Sinne. Ihr Körper besitzt – wie der aller Menschen – wirkungsvolle natürliche Entgiftungsmechanismen. Doch unter den heutigen Lebensbedingungen geraten diese Systeme an ihre Grenzen. Hier können wir mit spezifischen kindgerechten Maßnahmen professionell unterstützen.
Einblick in die Biochemie
Die Fähigkeit, gefährliche Stoffe unschädlich zu machen und auszuscheiden, ist uns von Geburt gegeben und eine Grundvoraussetzung für gesundes Leben. Täglich nehmen wir die unterschiedlichsten Substanzen auf (notwendige, aber auch unnötige oder schädliche), verstoffwechseln sie und werden Unbrauchbares los. Selbst bei einer Verarbeitung zunächst ungiftiger, auch körpereigener Substanzen können toxische Stoffwechselprodukte entstehen. Der Trick ist, Schadstoffe in harmlosere Substanzen umzuwandeln (auf Zellebene und in der Leber, Stichwort: Biotransformation), die dann über Nieren, Darm, Haut und Lunge aus dem Körper ausgeleitet werden.
Wie gut diese Entgiftungs- und Ausleitungsvorgänge bei jedem Einzelnen funktionieren, ist zum gewissen Teil genetisch determiniert und wird von einigen Faktoren beeinflusst (z.B. Lebensumfeld/-führung, Ernährung, Darmflora).
Von welchen „Giften“ sprechen wir? • körpereigene (endogene) Stoffe • Stoffwechselprodukte von Fäulnisbakterien und Pilzen im Darm • Abbauprodukte im Rahmen von Entzündungsprozessen • Resterregertoxine nach Infektionen • Belastungen durch Mundkeime bei mangelnder Mundhygiene, Zahn- und Kieferherde • umweltbedingte (exogene) Belastungen • Agrarchemikalien (z.B. Pflanzenschutzmittel, Dünger) • Schadstoffe im Wohnraum (Ausgasungen aus Möbeln, Teppichen, Farben, Lacken, Textilien) • Rückstände aus der Lebensmittelverarbeitung • Schwermetalle • zahnärztliche Werkstoffe (Zahnfüllungen, Versiegelungen) • Luftverschmutzung und Feinstaub • Mikroplastik • Elektrosmog • potenziell schädliche mentale „Gifte“ • anhaltende Überforderung (Schule, Sport, Familie) • übermäßiger Medienkonsum • gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus • belastende „toxische“ Beziehungen (Familie, Freundschaften) • Mobbing
Kommen mehrere dieser belastenden Faktoren zusammen – z.B. psychosozialer Stress, unausgewogene Ernährung und Umweltveränderungen – können die Entgiftungs- und Entlastungskapazitäten überfordert werden. Wenn mehr „ankommt“, als verarbeitet werden kann, entsteht ein Ungleichgewicht. Das System kippt früher oder später.
Signale des kindlichen Körpers
Es lässt sich nicht oft genug sagen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Organismus befindet sich in der Entwicklung. Sie reagieren sensibler – und ihre Systeme sind noch nicht vollständig ausgereift.
Nicht jedes Symptom hat mit einer Schadstoffbelastung zu tun, aber der Kinderkörper sendet Hinweise darauf. Folgende Erscheinungen können dazu zählen: • anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Energiemangel • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme • Unruhe und Stimmungsschwankungen • kürzlich auftretende Verhaltensauffälligkeiten • Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit • Infektanfälligkeit • Verdauungsprobleme (übelriechender Stuhl oder Blähungen) • unangenehmer Schweißgeruch • fettige Haare, die nach „altem Käse“ riechen • dunkle Augenringe und Schwellungen • häufige Kopf- und Bauchschmerzen • Ängste und Panik
Achtung: Diese Signale erfordern genaues Hinsehen, sie sind nicht zur vorschnellen Diagnose geeignet. Kinder zeigen Symptome, aber die Ursache liegt häufig nicht „im Kind“, sondern an einem Zuviel äußerer Einflüsse.
Grundprinzipien der Ausleitung bei Kindern
Im Gegensatz zu intensiven „Detox-Kuren“ für Erwachsene geht es bei Kindern hauptsächlich um Unterstützung durch Entlastung und Prävention. Im Vordergrund stehen die Förderung der natürlichen Eigenregulation sowie sanfte Hilfestellungen für die Ausleitungswege, sodass aufgenommene Schadstoffe gar nicht erst dauerhaft eingelagert werden und die natürlichen Ausscheidungsprozesse unterstützt werden.
Ernährung
Chlorophyllreiche und schwefelhaltige Pflanzen (Rucola, Spinat, Grünkohl, Pflücksalat) können die körpereigenen Entgiftungs- sowie Ausleitungsprozesse unterstützen. Da grünes Gemüse oft von Kindern nicht gemocht wird, greift man zu einem Trick und versteckt das „Grünzeug“ zusammen mit etwas süßem Obst in einem Smoothie.
Ballaststoffreiche Quellstoffe (Chia- und Leinsamen, Kürbiskerne, Flohsamen, Sesam) können Wasser und ausleitungs-pflichtige Substanzen binden, die mit dem Stuhl (über den Darm) ausgeschieden werden.
Schüßler-Therapie
Schüßler-Salze eignen sich für Kinder enorm gut, da sie wie ein „Impulsgeber“ wirken und dazu beitragen können, dass unausgewogene Prozesse ins Gleichgewicht kommen. Folgenden schwefelhaltigen Mineralsalzen wird eine stärkende Wirkung auf Ausleitungsfunktionen zugeschrieben: Nr. 6 Kalium sulfuricum D6 = morgens Nr. 10 Natrium sulfuricum D6 = mittags Nr. 12 Calcium sulfuricum D12 = abends
Dosierung: 1-6 Jahre: je 2 Globuli, 3x täglich 7-10 Jahre: je 4 Globuli oder 1 Tablette, 3x täglich 11-14 Jahre: je 6 Globuli oder 2 Tabletten, 3x täglich Ab 15 Jahren: je 8 Globuli oder 3 Tabletten, 3x täglich
Zeolith
Das pulverisierte Vulkangestein wirkt mit seiner feinporösen Struktur im Verdauungstrakt. Dort adsorbiert es körpereigene Abbauprodukte (z.B. Ammonium), Umweltschadstoffe (z.B. Schwermetalle) sowie überschüssiges Histamin und transportiert sie sicher über den Darm ab.
Dosierung: Morgens und abends 1 größere Messerspitze des Pulvers in Flüssigkeit einrühren und trinken. Danach sollte ausreichend getrunken werden!
Bach-Blüten
Die Bach-Blüten eignen sich zur mental-emotionalen Stabilisierung und Begleitung. Einige Beispiele, die häufig zum Tragen kommen: • Elm: Wenn während der Ausleitung zu viele Emotionen auf einmal hochkommen und der Verzicht (z.B. auf Zucker oder Handy) schwerfällt, sollte an die Ulme gedacht werden. • Crap Apple: Der Holzapfel ist das zentrale Mittel für Reinigungsprozesse und kann für Kinder hilfreich sein, sich von körperlichen und seelischen Belastungen befreit zu fühlen. • Chicory und Clematis: Kombiniert helfen Wegwarte und Waldrebe, Vitalität und Energie zu steigern. Sie können die Motivation stärken, die Zeit des Verzichts und der Ausleitung gut durchzuhalten.


Herstellung: 1 Braunglasflasche (20 ml) mit Wasser befüllen und jeweils 1-2 Tropfen der Bach-Blüten hinzugeben.
Dosierung und Anwendung: Kinder nehmen 1-3x täglich 4 Tropfen; Flasche vor der Einnahme gut schütteln, Tropfen in etwas Wasser/Saft oder direkt auf die Zunge geben.
Rechtsdrehende Milchsäure
Rechtsdrehende Milchsäure (L(+)-Milchsäure) spielt im Zusammenhang mit einem gesunden Darmmilieu eine wichtige Rolle. Sie stärkt die Darmschleimhaut, hemmt unerwünschte Keime und unterstützt die Entgiftung. Natürlicherweise kommt diese in Kimchi, Miso, milchsauer eingelegtem Gemüse, fermentierten Hafer- und Pflanzenprodukten vor.
Bäder, Öle, Wickel und Massagen
Diese sind für alle Ausleitungsschritte wertvoll, weil sie Körper und Seele erreichen. Über die Förderung der Durchblutung wird die Ausscheidung über die Haut angeregt und der Leberstoffwechsel unterstützt. Wärme und Berührung vermitteln den Kindern Geborgenheit.
Homöopathie
Homöopathische Einzel- und Komplexmittel haben das Ziel, Selbstregulation und Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Vor allem nach längeren oder häufigen Infekten, Impfungen, Medikamentengaben oder OPs kann sie die Ausscheidung möglicher Restschadstoffe fördern.
Konzepte mit Schwerpunkten
Nach häufigen Infekten
Eine wertvolle Unterstützung zur Regeneration nach häufigen Erkrankungen bietet das PHÖNIX-Aufbaukonzept mit seinen drei homöopathischen Komplexmitteln: • Mercurius solubilis Phcp: Kann durch die Unterstützung der Ausscheidungs- und Entgiftungsfunktion der Leber für ein gut funktionierendes Stoffwechselsystem sorgen. • Dulcamara S Phcp: Kann helfen, die Schadstoffausscheidung über die Nieren anzuregen. Es unterstützt den kindlichen Organismus, zu unterscheiden, was ihn stärkt und was ausgeschieden werden muss. • Acidum nitricum S Phcp: Unterstützt die „Wächterfunktion“ (Barriere) der Darmschleimhaut und die Ausscheidung schädlicher Stoffe über den Darm.
Dosierung: Die Globuli werden im 3-tägigen Wechsel 3x täglich eingenommen. Abhängig vom Lebensalter gilt folgende Dosierung für 3-4 Wochen: 1 Jahr: 3x täglich 1 Globuli 2 Jahre: 3x täglich 2 Globuli 3 Jahre: 3x täglich 3 Globuli Je weiterem Lebensjahr wird die Dosis um 1 Globuli erhöht. Jugendliche: 3x täglich bis zu 15 Globuli
Nach Impfungen
Häufig wird mir die Frage gestellt, ob es die Möglichkeit gibt oder Notwendigkeit besteht, Impfungen bei Kindern auszuleiten. Eine Ausleitung im klassischen Sinne ist aus vielerlei Gründen für Kinder nicht zu empfehlen. Auch der Impfwirkstoff soll per se nicht ausgeleitet werden. Eltern sorgen sich
Buch-Tipp
Ursel Carls: Sanfte Ausleitungstage – Wie Prävention und gezielte Entgiftung von Schadstoffen die Gesundheit und Widerstandskraft von Kindern fördern können. Ursel Carls Natur Verlag
meist um Impfbegleitstoffe und potenzielle Reaktionen der Kinder darauf. Deshalb geht es bei einer „Impfausleitung bei Kindern“ in erster Linie um Stärkung und Unterstützung aller Ausleitungswege. Hierzu eignet sich das Entoxin-Set Globuli (Fa. Spenglersan), welches aus aufeinander abgestimmten homöopathischen Komplexmitteln besteht – Matrix-, Fellaund Uresin-Entoxin – die gemeinsam verabreicht werden.
Dosierung: Bis 4 Jahre: je 1 Globuli, 3x täglich 5-7 Jahre: je 3 Globuli, 3x täglich 8-11 Jahre: je 4 Globuli, 3x täglich ab 12 Jahren: je 5 Globuli, 3x täglich
Nach operativen Eingriffen
Eine homöopathische Begleitung nach Narkose zielt darauf ab, dem Körper dabei zu helfen, Nachwirkungen (z.B. Übelkeit) zu verringern, die Ausleitung des Narkosemittels zu unterstützen und das Nervensystem zu beruhigen.
Achtung: Um eine Wechselwirkung mit schulmedizinischen Medikamenten auszuschließen, ist vor der Anwendung der Anästhesist zu informieren.
Folgende homöopathische Mittel können empfohlen werden: • Nux vomica D30, um die Ausleitung des Narkosemittels zu beschleunigen (Dosierung: 3x täglich 5 Globuli) • Nux vomica D12 bei anhaltender Übelkeit (Dosierung: alle halbe Stunde bis Stunde 5 Globuli, bei Kindern <1 Jahr 3 Globuli, bis Besserung eintritt)
Wurden mehrere starke schulmedizinische Medikamente benötigt, so sind mögliche Nebenwirkungen bedeutsamer, und eine zusätzliche Unterstützung kann nötig werden. Hierfür eignet sich z.B.: • Okoubaka D3 zum Abbau von Narkosemittel und Medikamentenresten (Dosierung: über 3 Tage 3x täglich 3 Globuli, bei Säuglingen 3x täglich 2 Globuli).
Allgemeine Entlastung und Prävention
Nach belastenden Zeiten, welche dem Kind Höchstleistungen abverlangt haben, können alle Ausleitungsorgane kräftig unterstützt werden, um Regeneration anzubahnen. Hierfür kann das Komplexmittel Derivatio Tabletten (Fa. Pflüger) verwendet werden. Es ist gut verträglich und schon für Säuglinge zugelassen. Es gibt jedoch auch Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Anangallis arvensis, Silybum marianum und andere Korbblütler.
Dosierung: <1 Jahr:
1-6 Jahre: 1 Tablette täglich (auflösen, lutschen, kauen),
Ab 7 Jahre: 2 Tabletten täglich, bis zu 2 Wochen
Sicherheit und Grenzen
Die hier aufgeführten pflanzlichen, mineralischen und homöopathischen Mittel sind grundsätzlich für Kinder geeignet und i.d.R. gut verträglich. Ernste Unverträglichkeiten treten bei korrekter Dosierung nur sehr selten auf. Bitte beachten Sie folgende Hinweise oder geben Sie diese den Eltern mit auf den Weg: • Bei chronischen Vorerkrankungen nur in Rücksprache mit dem Kinderarzt oder dem Heilpraktiker anwenden. • Die altersgerechte Dosierung beachten.
1 Tablette in 6 TL Wasser auflösen, davon über 1 Woche 1 TL täglich
bis zu 2 Wochen • Für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen. • Sofortige Unterbrechung bei Anzeichen einer allergischen Reaktion. • Vermeiden von Wirkstoffen, die Kinder schon in der Vergangenheit nicht vertragen haben. • Beenden der Ausleitung bei akuten Erkrankungen.
Fazit
In Sachen Unterstützung natürlicher Entgiftungsprozesse im Kinderkörper ist ein sehr behutsames Vorgehen unabdingbar. Vor allem die Homöopathie und die Biochemie nach Dr. Schüßler stellen Mittel, die schonende Regulationsimpulse setzen und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Kinder benötigen für gesundes Wachstum und Entwicklung ausreichend Energie, Nährstoffe und Stabilität – deshalb wären die üblichen „Detox-Kuren“ völlig ungeeignet für sie. Eine sanfte Zeit der Ausleitung hingegen fördert die kindliche Regeneration. Ein solches Konzept unterstützt und stärkt gesundes Heranwachsen auch angesichts der vielfältigen Herausforderungen des täglichen Lebens in unserer modernen Zeit.











