Auf einen Blick
- Giftig: Alle Teile des Roten Fingerhuts sind giftig, besonders Blätter und Samen. Sie enthalten herzwirksame Glykoside wie Digitoxin.
- Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Sehstörungen mit verändertem Farbsehen und gefährliche Herzrhythmusstörungen – oft erst nach Stunden.
- Im Notfall: Pflanzenreste aus dem Mund entfernen, Wasser oder Tee geben, kein Erbrechen auslösen und ein Giftinformationszentrum anrufen (z. B. Berlin 030 19240). Bei Bewusstlosigkeit oder Atemnot: 112.
- Verwechslung: Die Blattrosette im ersten Jahr ähnelt Beinwell, Borretsch und Königskerze. Wildkräuter nur sammeln, wenn Sie sie sicher erkennen.
- Medizin: Aus Fingerhut-Arten stammen Digitoxin und Digoxin, verschreibungspflichtige Herzmedikamente. Eine große Studie von 2025 liefert Hinweise auf einen Nutzen von Digitoxin bei Herzschwäche.
- Nie selbst anwenden: Tee oder Auszüge aus der Pflanze sind lebensgefährlich, weil der Wirkstoffgehalt schwankt und wirksame und giftige Dosis nah beieinander liegen.
Inhalt
Steckbrief

Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae), früher den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) zugeordnet
Volksnamen
Fingerkraut, Fuchskraut, Schwulstkraut, Unserer lieben Frauen Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle
Wuchs
Zweijährig: im ersten Jahr eine Blattrosette, im zweiten Jahr ein meist unverzweigter Stängel von 30 bis 200 cm Höhe
Blüte
Juni bis August; 4 bis 5 cm lange, purpurrote, selten weiße Glocken, innen dunkel gefleckt mit hellem Rand; einseitig an einer langen Traube
Vorkommen
West- und Mitteleuropa; Waldlichtungen, Kahlschläge und Waldwege auf kalkarmen, sauren Böden; beliebte Gartenpflanze
Giftig
Alle Pflanzenteile, besonders Blätter und Samen
Wie giftig ist der Fingerhut?
Der Rote Fingerhut gehört zu den giftigsten Pflanzen in heimischen Gärten und Wäldern. Alle Pflanzenteile enthalten ein Gemisch herzwirksamer Glykoside, darunter Digitoxin [2]. Sie greifen direkt in die Arbeit des Herzmuskels ein: In kleinen Mengen stärken sie den Herzschlag und verlangsamen ihn, in größeren Mengen lösen sie lebensgefährliche Rhythmusstörungen aus.
Schon kleine Mengen können gefährlich werden: Bereits wenige Blätter gelten für Erwachsene als potenziell tödlich. Wie stark eine Vergiftung ausfällt, hängt von Menge, Pflanzenteil, Wirkstoffgehalt und Körpergewicht ab – Kinder sind entsprechend stärker gefährdet.
Ein gewisser Schutz ist der bittere Geschmack: Er verhindert meist, dass größere Mengen gegessen werden [2]. Von Pflanzenvergiftungen sind am häufigsten Kleinkinder betroffen [4].
Symptome einer Vergiftung
Die Beschwerden setzen oft erst nach einigen Stunden ein:
Magen und Darm: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
Nervensystem: Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit
Augen: Sehstörungen mit veränderter Farbwahrnehmung [2], typisch ist Gelb- oder Grünsehen
Herz: verlangsamter oder unregelmäßiger Puls bis hin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen [2]
Im Krankenhaus wird das Herz überwacht. Bei schweren Vergiftungen steht ein Gegenmittel zur Verfügung, das die Glykoside im Blut bindet.
Erste Hilfe bei Verdacht auf Vergiftung
Auch wenn noch keine Beschwerden auftreten: Lassen Sie jeden Verdacht abklären [2]. Die Giftinformationszentren sind rund um die Uhr erreichbar, meist unter der Vorwahl ihres Standorts und der Nummer 19240 – für Berlin und Brandenburg zum Beispiel unter 030 19240.

Was Sie nicht tun sollten
WichtigKein Erbrechen auslösen – das kann mehr schaden als nützen [3].
Keine Milch und kein Salzwasser geben [3].
Nicht abwarten, bis Beschwerden auftreten – die Symptome kommen oft verzögert.
Bei Haustieren gilt dasselbe: Rufen Sie sofort die Tierarztpraxis oder eine Tierklinik an.
Verwechslungsgefahr: Fingerhut, Beinwell und Co.
Gefährlich wird der Fingerhut vor allem für Kräutersammler: Im ersten Jahr bildet er nur eine Blattrosette, die essbaren oder heilkundlich genutzten Pflanzen ähnelt. Bekannt ist etwa ein Fall aus Großbritannien: Eine Frau bereitete vermeintliche Beinwell-Blätter als Tee zu und musste mit einer Fingerhut-Vergiftung im Krankenhaus behandelt werden.
Pflanze | Blätter | Unterschied zum Fingerhut |
|---|---|---|
| Pflanze Roter Fingerhut | Blätter weich, oberseits leicht behaart, unterseits graufilzig, Rand fein gekerbt | Unterschied zum Fingerhut – |
| Pflanze Beinwell | Blätter rau und borstig behaart, Blattgrund läuft am Stängel herab | Unterschied zum Fingerhut fühlt sich kratzig an |
| Pflanze Borretsch | Blätter stark borstig behaart, Duft nach Gurke | Unterschied zum Fingerhut Geruch beim Zerreiben |
| Pflanze Königskerze | Blätter beidseitig dicht weiß-wollig | Unterschied zum Fingerhut deutlich dicker, filziger Belag |
Grundregel: Sammeln Sie Wildkräuter nur, wenn Sie sie zweifelsfrei bestimmen können – am sichersten zur Blütezeit.
Fingerhut im Garten
Mit seinen hohen Blütenkerzen ist der Fingerhut eine beliebte Zierpflanze und eine wichtige Nahrungsquelle für Hummeln. Mit ein paar Regeln lässt er sich sicher halten:
Kinder aufklären und kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt in der Nähe spielen lassen.
Handschuhe tragen beim Schneiden und Umpflanzen, danach die Hände waschen.
Samenstände abschneiden, bevor sie reifen – so sät sich die Pflanze nicht unkontrolliert aus.
Haustiere und Weidetiere schützen: Fingerhut nicht in Ausläufen, auf Weiden oder im Heu.
Nicht in Kräuterbeete setzen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.
Fingerhut in der Medizin
1785 beschrieb der englische Arzt William Withering, wie Fingerhut-Blätter Wassereinlagerungen bei Herzschwäche lindern. Damit begann die Geschichte eines der ältesten Herzmedikamente.
Heute wird die Pflanze selbst nicht mehr verwendet. Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und die therapeutische Breite ist gering: Die wirksame Dosis liegt nahe an der giftigen. Eingesetzt werden stattdessen die Reinsubstanzen Digitoxin und Digoxin in Fertigarzneimitteln. Sie sind verschreibungspflichtig, werden ärztlich dosiert und regelmäßig über Blutwerte kontrolliert. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker dürfen sie nicht verordnen.
Anwendungsgebiete sind vor allem die Herzschwäche und bestimmte Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. 2025 untersuchte die große Studie DIGIT-HF mit 1.240 Teilnehmenden Digitoxin bei Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion: Zusätzlich zur Standardtherapie trat der kombinierte Endpunkt aus Tod oder Klinikaufnahme wegen Herzschwäche seltener auf als unter Placebo (39,5 gegenüber 44,1 Prozent). Für Sterblichkeit und Klinikaufnahmen allein war der Unterschied nicht eindeutig, schwere Nebenwirkungen traten unter Digitoxin etwas häufiger auf [1].

Was belegt ist – und was nicht
Seit Jahrzehnten bekannte Wirkung, Grundlage der ärztlichen Anwendung.
Große randomisierte Studie DIGIT-HF (2025): weniger Ereignisse im kombinierten Endpunkt aus Tod und Klinikaufnahme, die Einzelendpunkte allein nicht signifikant [1]. Nur als verschreibungspflichtiges Medikament unter ärztlicher Kontrolle.
Lebensgefährlich. Der Wirkstoffgehalt schwankt, wirksame und giftige Dosis liegen nah beieinander.
Keine belastbaren Studien. Nicht zur Selbstbehandlung von Herzbeschwerden geeignet.
Mehr über den Roten Fingerhut
Geschichte, Volksnamen und Botanik der Pflanze ausführlich im Paracelsus Magazin: Unsere Heilpflanze: Roter Fingerhut.
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Häufige Fragen
Sehr giftig. Alle Pflanzenteile enthalten herzwirksame Glykoside wie Digitoxin, besonders viel stecken in Blättern und Samen. Schon wenige Blätter gelten für Erwachsene als potenziell tödlich.
Ja. Kleinkinder sind bei Pflanzenvergiftungen am häufigsten betroffen. Der bittere Geschmack verhindert meist, dass größere Mengen gegessen werden [2]. Trotzdem gilt: Bei jedem Verdacht den Giftnotruf anrufen und ärztlich abklären lassen.
Ja, die Herzglykoside wirken auch bei Tieren. Besonders gefährdet sind Pferde und andere Weidetiere, wenn Fingerhut ins Heu oder auf die Weide gelangt. Bei Verdacht sofort die Tierarztpraxis kontaktieren.
Das bloße Berühren gilt als unbedenklich. Waschen Sie sich nach der Gartenarbeit trotzdem die Hände und tragen Sie beim Schneiden Handschuhe, damit kein Pflanzensaft an Mund oder Augen gelangt.
Ja, er ist eine beliebte Zier- und Insektenpflanze. Wo kleine Kinder oder Haustiere unbeaufsichtigt spielen, sollten Sie aber besser darauf verzichten oder Blütenstände vor der Samenreife abschneiden.
Aus Fingerhut-Arten stammen die Herzglykoside Digitoxin und Digoxin. Sie werden als Reinsubstanz in verschreibungspflichtigen Fertigarzneimitteln eingesetzt, etwa bei Herzschwäche und Vorhofflimmern. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker dürfen sie nicht verordnen.
Von Juni bis August, und zwar erst im zweiten Jahr. Im ersten Jahr bildet die Pflanze nur eine Blattrosette – in diesem Stadium ist die Verwechslungsgefahr mit Kräutern wie Beinwell am größten.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung wenden Sie sich sofort an ein Giftinformationszentrum oder wählen Sie den Notruf 112. Wie wir arbeiten, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.








