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Erstellt: 21. Oktober 2026Aktualisiert: 10/20264 Minuten

Oligotherapie: Spurenelemente in kleinsten Mengen

Was hinter der Oligotherapie nach Jacques Ménétrier steckt, wie die fünf Reaktionstypen eingeteilt werden, wie die Anwendung abläuft – und was die Studienlage tatsächlich hergibt.

Auf einen Blick

  • Prinzip: Die Oligotherapie setzt Spurenelemente wie Mangan, Kupfer oder Zink in sehr kleinen Mengen ein. Sie sollen die Selbstregulation anregen, nicht einen Mangel auffüllen.
  • Herkunft: Entwickelt in den 1930er- und 1940er-Jahren von dem französischen Arzt Jacques Ménétrier.
  • Reaktionstypen: Ménétrier ordnete Menschen fünf „Diathesen“ zu, denen jeweils bestimmte Spurenelemente zugeordnet sind.
  • Anwendung: Meist als Lösung, die unter der Zunge behalten wird, über mehrere Wochen.
  • Studienlage: Für die Oligotherapie gibt es keine kontrollierten Studien. Sie beruht auf therapeutischer Erfahrung.
  • Wichtig: Ein echter Mangel an Spurenelementen gehört per Labor abgeklärt und gezielt behandelt. Oligotherapie ersetzt keine notwendige Behandlung.

Was ist Oligotherapie?

Der Name kommt vom griechischen oligos für „wenig“: Die Oligotherapie ist eine Therapie mit kleinsten Mengen von Spurenelementen. Das sind chemische Elemente wie Mangan, Kupfer, Zink oder Kobalt, die der Körper nur in Spuren braucht – die aber für viele Enzyme und Stoffwechselvorgänge unverzichtbar sind. 

Entwickelt hat das Verfahren der französische Arzt Jacques Ménétrier in den 1930er- und 1940er-Jahren. Seine Grundidee: Spurenelemente wirken im Körper wie Katalysatoren. Schon kleine Mengen sollen deshalb gestörte Regulationsvorgänge wieder in Gang bringen können. 

Darin liegt der Unterschied zur Ernährungsmedizin: Die Oligotherapie will nicht einen Mangel auffüllen, sondern einen Impuls zur Selbstregulation geben. Ausgewählt werden die Elemente nicht nach Laborwerten, sondern nach dem Reaktionstyp eines Menschen. 

Die fünf Reaktionstypen nach Ménétrier

Ménétrier beobachtete, dass sich Beschwerden bei verschiedenen Menschen zu typischen Mustern gruppieren. Er beschrieb fünf sogenannte Diathesen – Reaktionslagen zwischen Gesundheit und Krankheit – und ordnete jeder ein oder mehrere Spurenelemente zu. Die Diathesen gelten als nicht starr: Sie können sich überlagern und im Lauf des Lebens wechseln. 

Übersicht der fünf Diathesen nach Ménétrier: I allergisch mit Mangan, II hyposthenisch mit Mangan-Kupfer, III dystonisch mit Mangan-Kobalt, IV anergisch mit Kupfer-Gold-Silber, V Desadaptation mit Zink-Kupfer
Abbildung 1: Die fünf Diathesen und die zugeordneten Spurenelemente. Das Modell ist ein Erklärungsansatz der Oligotherapie und wissenschaftlich nicht belegt.

So läuft die Anwendung ab

  1. Ausführliches Gespräch. Die Therapeutin oder der Therapeut erfasst Beschwerden, Konstitution und Krankengeschichte. 

  2. Zuordnung. Anhand der Beschwerden wird eine Diathese bestimmt und das passende Spurenelement ausgewählt. 

  3. Einnahme. Die Lösung wird meist morgens vor dem Frühstück eingenommen und einige Zeit unter der Zunge behalten, bevor sie geschluckt wird. 

  4. Dauer. In der Regel über mehrere Wochen, mit Verlaufskontrolle und gegebenenfalls Anpassung. 

Traditionell wird die Oligotherapie etwa bei Infektanfälligkeit, Erschöpfung, Allergieneigung, vegetativen Beschwerden oder Gelenkbeschwerden eingesetzt – begleitend und nach ärztlicher Abklärung. 

Was belegt ist – und was nicht

AussageSpurenelemente sind lebensnotwendig, ein Mangel muss ausgeglichen werden
Gesichert
Anmerkung

Grundwissen der Ernährungsmedizin. Ein Mangel wird per Laborwert festgestellt und in angemessener Dosis behandelt. 

AussageKleinste Mengen regen die Selbstregulation an, ausgewählt nach Diathese
Nicht belegt
Anmerkung

Keine kontrollierten Studien zur Oligotherapie, das Diathesen-Modell ist wissenschaftlich nicht überprüft. 

AussageZink verkürzt Erkältungen
Hinweise
Anmerkung

Cochrane-Übersicht 2024: möglicherweise kürzere Dauer, geringe Aussagekraft [1]. Untersucht wurden deutlich höhere Mengen als in der Oligotherapie. 

AussageOligotherapie bei Infektanfälligkeit, Erschöpfung oder Gelenkbeschwerden
Erfahrung
Anmerkung

Anwendung beruht auf therapeutischer Erfahrung. 

AussageOligotherapie verstärkt Antibiotika- oder Krebstherapien
Nicht belegt
Anmerkung

Dafür gibt es keine Belege. Begleitende Mittel immer mit dem behandelnden ärztlichen Team absprechen. 

Grenzen und Sicherheit

Wichtig
  • Kein Ersatz: Chronische Infekte, anhaltende Erschöpfung oder Gelenkschmerzen gehören ärztlich abgeklärt. Bei Krebs, schweren Infektionen oder anderen ernsten Erkrankungen ist die Oligotherapie allenfalls eine Begleitung. 

  • Allergien: Unverträglichkeiten gegen Bestandteile wie Nickel oder Kobalt sind möglich. 

  • Kupfer: Bei Morbus Wilson, einer Kupferspeicherkrankheit, darf kein zusätzliches Kupfer eingenommen werden. 

  • Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder: nur nach Rücksprache. 

  • Nicht zusätzlich hochdosieren: Wer daneben Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte die Höchstmengen beachten – Zink und Kupfer werden leicht überdosiert [2]. 

Mangel erkennen: Labor statt Vermutung

Müdigkeit, Haarausfall oder häufige Infekte können viele Ursachen haben. Ob tatsächlich ein Mangel an Zink, Selen, Eisen oder Jod vorliegt, zeigt eine Blutuntersuchung. Ein nachgewiesener Mangel wird gezielt und in ausreichender Dosis behandelt – das ist etwas anderes als die Oligotherapie. Wie Spurenelemente dosiert werden, lesen Sie unter Dosierung der Spurenelemente. 

Abgrenzung zu anderen Verfahren

Verfahren

Oligotherapie 

Menge

sehr kleine Mengen 

Ziel

Impuls zur Selbstregulation, Auswahl nach Diathese 

Studienlage

keine kontrollierten Studien 

Verfahren

Mangelausgleich 

Menge

Menge nach Laborbefund 

Ziel

nachgewiesenen Mangel beheben 

Studienlage

gesichert bei echtem Mangel 

Verfahren

Orthomolekulare Medizin 

Menge

oft hohe Mengen 

Ziel

Nährstoffversorgung optimieren 

Studienlage

je nach Stoff unterschiedlich 

Verfahren

Schüßler-Salze 

Menge

homöopathisch verdünnte Mineralsalze 

Ziel

Regulation des Mineralhaushalts 

Studienlage

keine belastbaren Studien 

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Ein ausführlicher Beitrag aus dem Paracelsus Magazin: Die Oligotherapie nach Dr. Ménétrier. 

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Häufige Fragen

Nahrungsergänzungsmittel sollen die Versorgung mit Nährstoffen sichern oder einen Mangel ausgleichen. Die Oligotherapie verwendet deutlich kleinere Mengen und versteht sie als Impuls für die Selbstregulation des Körpers – ausgewählt nach einem Reaktionstyp, nicht nach einem Laborwert. 

Üblicherweise als Tröpfchen oder Trinkampulle, die einige Zeit unter der Zunge behalten und dann geschluckt wird – meist morgens vor dem Frühstück. Dauer und Häufigkeit legt die Therapeutin oder der Therapeut fest. 

Nein. Für die Oligotherapie und das Diathesen-Modell gibt es keine kontrollierten Studien. Die Anwendung beruht auf therapeutischer Erfahrung. Belegt ist dagegen, dass Spurenelemente lebensnotwendig sind und ein nachgewiesener Mangel ausgeglichen werden muss. 

Wegen der kleinen Mengen gilt sie als gut verträglich. Ausgeschlossen sind Nebenwirkungen aber nicht: Allergien gegen Bestandteile wie Nickel oder Kobalt sind möglich, und bei bestimmten Erkrankungen wie Morbus Wilson darf kein zusätzliches Kupfer gegeben werden. Das größte Risiko ist, eine notwendige Behandlung zu verzögern. 

Als Begleitung ist das meist möglich. Sprechen Sie es aber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab, besonders wenn Sie Medikamente einnehmen, schwanger sind oder eine ernste Erkrankung behandelt wird. Die Oligotherapie ersetzt keine notwendige Therapie. 

Möglicherweise ein wenig: Eine Cochrane-Übersicht von 2024 fand Hinweise, dass Zink die Erkältungsdauer verkürzen könnte, die Aussagekraft der Studien ist aber gering [1]. In diesen Studien wurden zudem deutlich höhere Mengen eingesetzt als in der Oligotherapie. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wie wir arbeiten, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen. 

Quellen und Änderungshistorie

  1. Nault D et al.: Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, CD014914.

    Systematische Übersichtsarbeit · 34 Studien · 8.526 Teilnehmende

  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln.

    Presseinformation zu Höchstmengenvorschlägen

Änderungshistorie

  • 10/2026Vollständig überarbeitet: Diathesen-Modell erklärt, Studienlage und Sicherheitshinweise ergänzt, nicht belegte Wirkversprechen entfernt, Quellen aufgenommen

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