
ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN IN THERAPIE- UND BEAUTY-KONZEPTEN
Die Anwendung elektromagnetischer Strahlung mit rotem und infrarotem Licht wird mit vielfältigsten gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Besonderer wissenschaftlicher Fokus liegt auf der Hautgesundheit. Rot- sowie Infrarotlicht werden sowohl als Beauty- Anwendung für den häuslichen Gebrauch genutzt als auch begleitend in der Therapie verschiedener Hauterkrankungen eingesetzt.
GRUNDPRINZIPIEN
Rotlicht beinhaltet sichtbares Licht im Wellenlängenbereich von 610-760 Nanometern (nm), während der Infrarotbereich zwischen 760 und 1400 nm liegt. Beide Spektren zählen zur nicht-ionisierenden Strahlung.
Auf zellulärer Ebene kommt es zu einer photobiologischen Interaktion, die sich v. a. auf die Mitochondrien auswirkt. Der übergeordnete Begriff für diese Form der Lichtanwendung ist „Photobiomodulation“. Sie umfasst auch weitere Wellenlängenbereiche, z. B. blaues, grünes und gelbes Licht. Für die Wirkung sind dabei nicht nur die Wellenlänge selbst, sondern auch Anwendungsparameter, z. B. Bestrahlungsdauer, -intensität und Energiedosis, von Bedeutung.
WIRKMECHANISMEN AUF ZELLULÄRER EBENE
Die Effekte von Rot- und Infrarotlicht auf die Haut beruhen auf mehreren, sich ergänzenden Mechanismen, die v. a. die mitochondriale Funktion und zelluläre Signalwege betreffen.
Anregung der Cytochrom-c-Oxidase
Die Cytochrom-c-Oxidase ist ein „Schlüsselenzym“ der mitochondrialen Atmungskette und enthält Metallzentren aus Kupfer und Eisen, die als lichtabsorbierende Chromophore fungieren. Trifft rotes oder infrarotes Licht auf diese Strukturen, verändert sich der Redoxzustand des Enzyms. Dadurch wird der Elektronentransport der Atmungskette beschleunigt und die Bildung von Adenosintriphosphat (ATP) nimmt deutlich zu. Rot- und Infrarotlicht steigern die Energieproduktion in der Zelle, was den Zellstoffwechsel verbessert.
Modulation von oxidativem Stress
Photobiomodulation führt in der Regel zu einem kurzzeitigen, milden Anstieg reaktiver Sauerstoffspezies. In gesunden Zellen wirkt dieser als hormetischer Reiz, der adaptive Schutzmechanismen aktiviert und die Expression von Genen fördert, die an Zellreparatur und Stressresistenz beteiligt sind. In bereits oxidativ belasteten oder dysfunktionalen Zellen kann Photobiomodulation hingegen zu einer Reduktion von oxidativem Stress beitragen, indem sie die Effizienz der mitochondrialen Prozesse steigert.
Viskositätsänderung von grenzflächennahem Wasser
Neuere Forschungsansätze deuten darauf hin, dass Rot- und Infrarotlicht alle physikalischen Eigenschaften der Wassermoleküle an Grenzflächen in den Mitochondrien verändern. Eine Verringerung der Viskosität dieser Grenzflächen-Wasserschichten reduziert die Reibung innerhalb des rotierenden Enzymkomplexes. Da dieses Wasser eine Art Schmierfunktion für den „Rotationsmotor“ der ATP-Synthase übernimmt, kann die verringerte Reibung eine schnellere Rotation ermöglichen und so die ATP-Produktion zusätzlich erhöhen.
Aktivierung lichtsensitiver Ionenkanäle
Bestimmte Wellenlängen im roten sowie infraroten Bereich können lichtempfindliche Ionenkanäle in der Zellmembran aktivieren. Dies führt u. a. zu einem vermehrten Einstrom von Calcium-Ionen in die Zelle. Der Anstieg der intrazellulären Calcium-Konzentration setzt nun sekundäre Botenstoffe (z. B. cAMP) frei sowie eine Kaskade intrazellulärer Signalprozesse in Gang, die an Zellregeneration, Differenzierung und Überlebensmechanismen beteiligt sind.
Steigerung des mitochondrialen Membranpotenzials
Durch die verbesserte Effizienz der Atmungskette erhöht sich das elektrische Potenzial über der inneren Mitochondrienmembran. Dieses gesteigerte Membranpotenzial optimiert nicht nur die ATP-Synthese, sondern fungiert auch als zelluläres Signal für eine verbesserte Zellfunktion. Auf Gewebeebene kann dies zu einer gesteigerten Regenerationsfähigkeit und funktionellen Stabilität beitragen.
Ablösung von Stickstoffmonoxid
Ein weiterer relevanter Mechanismus betrifft Stickstoffmonoxid (NO). Dieses Molekül kann die mitochondriale Atmung hemmen – ist aber gleichzeitig ein wichtiger Botenstoff für die Gefäßregulation. Licht im roten sowie infraroten Bereich kann die Bindung von NO an mitochondriale Enzyme lösen, wodurch sowohl die Energieproduktion als auch die Mikrozirkulation verbessert werden können.
EINDRINGTIEFE IN DIE HAUT
Rotes und infrarotes Licht erreichen unterschiedliche Schichten der Haut:
Rotes Licht dringt 1-5 mm in das Gewebe ein und erreicht v. a. die Epidermis und die obere Dermis. Damit eignet es sich besonders für die Behandlung oberflächlicher Hautprozesse (etwa Falten, Wundheilung, Akne). Bei dunkleren Hauttypen (Fitzpatrick V-VI) wird ein erheblicher Teil aller Lichtenergie in der Epidermis durch Melanin absorbiert, wodurch sich die Eindringtiefe auf 0,5-1 mm reduziert.
Infrarotlicht dringt tiefer ins Gewebe ein und erreicht den unteren Dermisbereich sowie angrenzende Weichteilstrukturen. Unter günstigen Bedingungen kann die biologisch relevante Eindringtiefe bis in den Zentimeterbereich gelangen. Da infrarotes Licht deutlich weniger von Melanin absorbiert wird, bleibt seine Eindringtiefe auch bei dunkleren Hauttypen weitgehend erhalten.

GERÄTEARTEN UND -TYPEN
Die Umsetzung der Photobiomodulation in der Praxis erfolgt über unterschiedliche Gerätetypen, die sich hinsichtlich Intensität, Anwendungsfläche und Steuerbarkeit unterscheiden:
LED-Panels bestehen aus flächigen Lichtmodulen, die größere Hautareale gleichmäßig bestrahlen können. Sie werden sowohl in therapeutischen Einrichtungen als auch zunehmend im häuslichen Umfeld eingesetzt. Sie kombinieren rotes und infrarotes Licht und ermöglichen über Abstand und Bestrahlungszeit eine gut reproduzierbare Dosierung.
LED-Gesichtsmasken sind für die Anwendung im Gesichtsbereich konzipiert. Sie arbeiten mit rotem Licht und teilweise zusätzlichem Infrarot. Ihr Vorteil liegt in der einfachen, standardisierten Anwendung mit festgelegten Sitzungszeiten.
Infrarotlampen erzeugen Wärme durch langwellige Infrarotstrahlung und werden seit Jahrzehnten in der Physiotherapie eingesetzt. Ihr Effekt beruht auf Wärmeeinwirkung und Durchblutungsförderung und ist nicht gleichzusetzen mit der gezielten photobiomodulatorischen Wirkung moderner LED-Systeme. Abstand und Dauer der Anwendung spielen eine entscheidende Rolle, um Überhitzung zu vermeiden.
Profi-Systeme kommen in medizinischen und ästhetischen Praxen zum Einsatz und umfassen Laser- oder Low-Level-Light-Therapie-Systeme (LLLT). LLLT bezeichnet niedrig dosierte Lichtanwendungen mit definierter Wellenlänge und Leistung, die eine Steuerung der Lichtparameter ermöglichen.
DERMATOLOGISCHE ANWENDUNGEN
Die photobiomodulatorische Wirkung von rotem und infrarotem Licht eröffnet ein sehr breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten in der Dermatologie.
Ästhetik
Das bekannteste Anwendungsgebiet ist die Hautverjüngung. In Studien mit menschlichen Probanden konnten unter Anwendung von Rot- und Infrarotlicht u. a. folgende Behandlungsergebnisse erzielt werden:
Reduktion der Faltentiefe
Verbesserung der Hautstruktur
Gleichmäßigerer Hautton
Verbessertes Erscheinungsbild der Poren
Reduktion von Pigmentflecken
Die Anwendungsdauer betrug in Studien mind. 28 Tage. War sie länger, z. B. über 3 Monate, verbesserten sich die Ergebnisse weiter. Die Effekte blieben mehrere Wochen nach Beendigung der Therapie bestehen.
Durch Rot- und Infrarotlicht kommt es zu einer Verbesserung der Funktion der Hautzellen. Ein zentraler Wirkmechanismus ist dabei die Stimulierung der Kollagensynthese durch Fibroblasten in der Dermis.
Wundheilung und Narben
Für Rot- sowie Infrarotlicht im Bereich der Wundheilung liegen zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen vor. Diese belegen, dass photobiomodulatorische Verfahren die Zellproliferation fördern, die Mikrozirkulation verbessern und entzündliche Prozesse in der frühen Phase der Wundheilung modulieren können. So können Geschwindigkeit und Qualität der Heilung positiv beeinflusst werden.
Besonders relevant ist dies für postoperative Wunden, chronische Läsionen und die Narbenbildung. In diesem Zusammenhang wird häufig eine Kombination aus rotem und blauem Licht diskutiert, da blaues Licht zusätzlich antibakterielle Effekte entfalten kann.
Hauterkrankungen
Für verschiedene Hauterkrankungen (z. B. Akne, Ekzeme, Rosazea und Psoriasis) wurden günstige Effekte der Rot- und Infrarotlichttherapie beschrieben. Die Datenlage ist bislang jedoch begrenzt, da nur wenige aussagekräftige Studien mit menschlichen Probanden vorliegen.
Als Beispiel kann eine klinische Studie mit 9 Patienten mit Plaque-Psoriasis genannt werden. Hier führte eine sequenzielle Behandlung mit 830 nm (Infrarot) und 633 nm (rotes Licht) über einen Zeitraum von 4-5 Wochen zu Abheilungsraten von 60-100%, ohne dass relevante Nebenwirkungen beobachtet wurden. Eine Kombination mit UV-Therapien, für welche die Evidenz klar größer ist, wird diskutiert.
RISIKEN UND KONTRAINDIKATIONEN
Bei sachgerechter Anwendung weist die Rot- und Infrarotlichttherapie insgesamt eine gute Sicherheitsbilanz mit geringem Nebenwirkungspotenzial auf. Unerwünschte Effekte treten überwiegend bei falscher Dosierung oder unsachgemäßer Anwendung auf.
Zu den häufigsten Risiken zählen lokale Hautreizungen infolge von zu hoher Energiedosen. Dies betrifft v. a. die Anwendung von LED-Gesichtsmasken bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut. Bei klassischen Infrarot-Wärmelampen können Überhitzung, Verbrennungen oder in Einzelfällen Hyperpigmentierungen auftreten, v. a. bei zu geringem Abstand zur Lichtquelle oder übermäßig langen Sitzungen.
In den folgenden Fällen sollte die Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache durchgeführt oder vermieden werden:
Aktive Tumorerkrankungen oder Hautkrebs in der Vorgeschichte
Einnahme photosensibilisierender Medikamente
Lichtempfindliche Autoimmunerkrankungen
ANWENDUNGS-TIPPS
In der Praxis haben sich Behandlungszeiten von 10-20 Minuten pro Sitzung etabliert, abhängig von Gerätetyp, Intensität und Behandlungsareal. Üblich sind mehrere Anwendungen pro Woche über einen Zeitraum von einigen Wochen oder Monaten.
Merke: Der Abstand zur Lichtquelle beeinflusst die Energiedosis, die auf die Haut trifft, maßgeblich und sollte entsprechend den jeweiligen Geräteempfehlungen gewählt werden. Entscheidend für den Erfolg ist weniger eine hohe Einzeldosis als vielmehr die regelmäßige, nachhaltige Anwendung über einen längeren Zeitraum. Vor jeder Behandlung sollte die Haut gereinigt und frei von stark reflektierenden oder lichtblockierenden Substanzen sein.
FAZIT
Die Photobiomodulation mit rotem sowie infrarotem Licht stellt ein vielversprechendes, nicht-invasives Verfahren zur Unterstützung der Hautregeneration und ästhetischen Hautverbesserung dar. Sie verbindet gut nachvollziehbare biologische Wirkmechanismen mit einer vergleichsweise einfachen praktischen Anwendung.
LITERATUR
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Mineroff J et al.: Male facial rejuvenation using a combination 633, 830 and 1072 nm LED face mask. Arch Dermatol Res. 2023;315(9):2605-2611.
Yadav A et al.: Noninvasive red and near-infrared wavelength-induced photobiomodulation – promoting impaired cutaneous wound healing. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2017;33(1):4-13.
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