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Erstellt: 6. Mai 2026

Wenn der Akku leerläuft …

Naturheilkunde 8 Minuten
© leszekglasner I adobestock.com

MIKRONÄHRSTOFF UBIQUINOL ZUR UNTERSTÜTZUNG DER ZELLULÄREN ENERGIEVERSORGUNG BEI FRAUEN

Frauen jonglieren heute mehr Aufgaben denn je: Job, Familie, „Mental Load“, soziale Verantwortung – und nebenbei soll der Körper leistungsfähig, ausgeglichen und problemlos durch Zyklusphasen, Stressspitzen und hormonelle Umbrüche kommen. In der Praxis zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild: Viele Patientinnen schlafen zu wenig, stehen dauerhaft unter Strom, sind erschöpft, reagieren empfindlicher auf Infekte oder kämpfen mit Migräne, obwohl „eigentlich alles bestens“ ist. Hinter solchen Beschwerden steckt oft ein gemeinsamer Nenner – ein System, das energetisch auf Reserve läuft. 

Hier beginnt ein moderner Blick auf die Frauengesundheit: weniger symptomorientiert, mehr ressourcenorientiert. Was braucht der Körper in der jeweiligen Lebensphase, um Belastungen besser zu puffern? Neben Lebensstilfaktoren rücken Mikronährstoffe in den Fokus, die an zentralen Schaltstellen wirken. Einer davon ist Ubiquinol – die physiologisch aktive Form von Coenzym Q10. Als Schlüssel zur mitochondrialen Energieproduktion und zugleich als antioxidativer Schutzfaktor verbindet Ubiquinol zwei Themen, die für viele Frauen entscheidend sind: Energie und Resilienz. 

GESUNDHEIT BEGINNT IN DEN ZELLEN

Wenn Frauen sagen „Ich bin einfach ständig müde“, ist dies in der Praxis selten ein banales Alltagsproblem. Müdigkeit ist oft nur das sichtbare Signal. Dahinter kann sich ein Konglomerat aus verringerter Belastbarkeit, schlechterer Regeneration, Konzentrationsabfall plus erhöhter Infektanfälligkeit verbergen. An dieser Stelle lohnt sich der Blick auf die zelluläre Energieversorgung: 

Ubiquinol steht im Zentrum der mitochondrialen ATP-Produktion – genau dort, wo der Körper den größten Teil seiner nutzbaren Energie herstellt. Gleichzeitig schützt es als Antioxidans Zellmembranen und Mitochondrien vor oxidativem Stress. Fehlt jener Mikronährstoff, hat das nicht nur Auswirkungen auf das subjektive Energiegefühl, sondern potenziell auf viele Systeme, die einen hohen Energiebedarf haben oder besonders empfindlich auf oxidativen Stress reagieren: Nerven- und Herz-Kreislauf-System, Muskulatur, Hormonstoffwechsel und Immunabwehr. Ein Mangel an Ubiquinol ist somit weit mehr als ein „Müdigkeitsthema“. Er kann sich je nach Lebensphase, Ernährung und individueller Konstitution in unterschiedlichen Beschwerden äußern und verschiedene Ursachen haben. 

LEBENSQUALITÄT IM ALTER

Einer der wichtigsten Faktoren für einen niedrigen Ubiquinol-Spiegel ist das Alter. Denn mit den Jahren nimmt die körpereigene Produktion des Mikronährstoffs ab. Bereits ab etwa 40 Jahren lässt sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen in verschiedenen Geweben ein deutlicher Rückgang nachweisen. 

In der Menopause kommen hormonelle Umstellungen hinzu: Der Stoffwechsel nimmt ab, oxidative Prozesse nehmen zu, und reaktive Sauerstoffverbindungen können Zellen und Mitochondrien stärker belasten. Eine klinische Studie untersuchte bei postmenopausalen Frauen, ob eine Ubiquinol-Supplementierung die Lebensqualität und weitere Parameter beeinflussen kann.1) Über 3 Monate nahmen alle Teilnehmerinnen entweder 100 mg Ubiquinol täglich oder ein Placebo. In der Ubiquinol-Gruppe berichteten die Frauen über spürbare Verbesserungen, u. a. bei Lebensqualität, allgemeiner Gesundheit, Stimmung sowie Hautbild, wohingegen die Placebo-Gruppe keine vergleichbaren Veränderungen feststellte. Als plausibler Wirkmechanismus werden v. a. die antioxidativen Eigenschaften und die Unterstützung des Energiestoffwechsels diskutiert. 

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„GESUND“ IST NICHT IMMER „GUT VERSORGT“

Neben dem Alter spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für den Ubiquinol-Status. Eine japanische Studie ging der Frage nach, ob es ernährungsbedingte Unterschiede im Ubiquinol-Blutplasmaspiegel gibt.2) Die Forscher fanden heraus, dass die Werte bei Vegetariern und Veganern deutlich niedriger waren als bei Menschen, die Fleisch essen. 

Obwohl eine pflanzlich betonte Ernährungsweise ökologisch vorteilhaft ist, mangelt es Vegetariern und Veganern oft an essenziellen Mikronährstoffen, was zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen kann. Da mehr Frauen als Männer vegetarisch oder vegan leben, ist das Thema gerade bei ihnen relevant. So ist z. B. Veganismus bei Frauen mit einem deutlich höheren Risiko für Hüftfrakturen verbunden. Eine gezielte Supplementierung von Ubiquinol plus ggf. weitere häufig limitierende Nährstoffe aus tierischen Quellen kann helfen, Defizite auszugleichen und das subjektive Energielevel zu stabilisieren. 

UNTERSTÜTZUNG BEI MIGRÄNE

Mikronährstoffdefizite werden auch als ein möglicher Auslöser in der Migräne-Entstehung diskutiert – ebenso wie Störungen der mitochondrialen Energiebereitstellung. Migräne betrifft statistisch häufiger Frauen, und hormonelle Faktoren können Attacken zusätzlich beeinflussen. 

In einer randomisierten Doppelblindstudie untersuchte ein Forscherteam bei 45 Frauen nicht nur Migränesymptome, sondern auch Entzündungs- und Signalmarker, die an Migräneprozessen beteiligt sind, z. B. TNF-α und CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide).3) Alle Teilnehmerinnen erhielten 3 Monate täglich 400 mg Coenzym Q10 oder ein Placebo. In der Q10-Gruppe sank die durchschnittliche Zahl der Attacken pro Monat deutlich (von 8 auf 3), und die Laborwerte zeigten eine signifikante Abnahme von CGRP und TNF-α. 

In der Praxis ist Ubiquinol als „Nahrungsergänzung“ besser geeignet als herkömmliches Coenzym Q10, da es nicht erst umgewandelt werden muss. Als physiologisch aktive Form kann es der Körper direkt aufnehmen, sodass effektive Werte leichter erreicht werden.4,5) 

ENERGIEBEDARF DES IMMUNSYSTEMS

Neben Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Gehirn sind immunologisch aktive Gewebe stark energieabhängig und indirekt auf eine stabile mitochondriale Funktion angewiesen. 6) Auch hierzu haben Studien gezeigt, dass prall gefüllte Ubiquinol-Speicher hilfreich sind. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass Influenza-Patienten deutlich niedrigere Ubiquinol-Spiegel aufweisen als gesunde Personen; diese Beobachtung wurde über mehrere Grippesaisons bestätigt.7) 

Darüber hinaus ist bekannt, dass schwere Influenzaverläufe mit überschießenden Entzündungsreaktionen (Zytokinsturm) einhergehen können. Da Ubiquinol Entzündungsmarker und entzündungsfördernde Signale beeinflussen kann, wird es auch im Kontext von Immunbalance diskutiert. 

Die unterstützende Wirkung von Ubiquinol auf die Zellfunktionen kann dazu beitragen, die körperlichen und mentalen Energielevel aufrechtzuerhalten, was gerade in den dunkleren und kalten Monaten von Vorteil ist: Wer sich energiegeladen fühlt, bewegt sich öfter an der frischen Luft, geht mehr nachdraußen, ist aktiver und hiermit weniger anfällig für den gefürchteten „Winterblues”. 

WENN DER ALLTAG CHRONISCH ZU VIEL IST

Abwehrkraft ist nicht nur eine Frage von Antikörpern, sondern auch von Regeneration. Vor allem in Infektzeiten zeigt sich häufig: Wer unter Dauerstress steht und schlecht schläft, wird schneller krank und braucht länger, um wieder auf die Beine zu kommen. Damit rückt neben der Immunbalance auch jene Frage in den Fokus, wie stabil die zelluläre Energiebereitstellung im Alltag ist. Dauerbelastung, Schlafdefizite und mentale Anspannung erhöhen allen Energiebedarf und können die Regeneration ausbremsen. Genau hier kann ein Ubiquinol-Mangel zum Teufelskreis werden: Wenn in den Mitochondrien weniger „Zündstoff“ für die Energieproduktion zur Verfügung steht, sinkt die ATP-Ausbeute – der Körper muss für dieselbe Leistung mehr kompensieren. So beschleunigt sich die Spirale: 

Weniger Zellenergie führt zu schnellerer Erschöpfung, erhöhter Stressreaktion sowie schlechterem Schlaf. Dies beeinträchtigt die Regeneration, was den Energiebedarf weiter erhöht. Gleichzeitig nimmt bei anhaltender Belastung häufig die Bereitschaft für gesunde Routinen ab (Bewegung, frische und selbst zubereitete Mahlzeiten etc.). Dies kann die Mikronährstoffversorgung zusätzlich verschlechtern. So kann sich anfängliche Müdigkeit zu einem Zustand entwickeln, in dem Stimmung, Konzentration, Infektanfälligkeit und körperliche Leistungsfähigkeit mitbetroffen sind. 

Ubiquinol kann hier als „Zündfunke“ der Zellkraftwerke stressbedingte Müdigkeit und Erschöpfung abfedern und die energetische Basis stabilisieren – als Teil eines Gesamtkonzepts aus Schlafhygiene, Entspannungstechniken und Nährstoffversorgung. Eine Marktforschungsstudie mit französischen Pflegekräften während der Corona-Pandemie (Probanden-Gruppe mit außergewöhnlich hoher Belastung) liefert dazu praxisnahe Hinweise.8) Nach 2 Monaten täglicher Einnahme von 100 mg Ubiquinol berichtete mehr als die Hälfte über weniger Müdigkeit, zwei Drittel über weniger Stress und ein Großteil über verbessertes Wohlbefinden. Auch wenn solche Erhebungen klinische Studien nicht ersetzen, passen die Ergebnisse zum biologischen Grundprinzip: Wenn die zelluläre Energiebereitstellung stabiler wird, profitieren häufig Belastbarkeit, Regeneration und subjektive Vitalität. 

FAZIT

Wer die zentrale Funktion von Ubiquinol in der mitochondrialen Energiegewinnung und im antioxidativen Schutz versteht, erkennt schnell, warum die Substanz in unterschiedlichsten Bereichen eine Rolle spielen kann. Viele der angesprochenen Beschwerden – von Erschöpfung über Migräne bis hin zu Infektanfälligkeit – haben einen gemeinsamen Nenner: Sie verstärken sich, wenn der Körper energetisch dauerhaft auf Reserve arbeitet. Ubiquinol setzt an dieser Schaltstelle an. Der Mikronährstoff gilt als gut verträglich; in der Praxis werden zur Prävention meist 50-100 mg täglich zur Nahrungsergänzung empfohlen – teils bereits ab dem frühen Erwachsenenalter von etwa 30 Jahren. 

Gerade in belastenden Lebensphasen, bei rein pflanzlicher Ernährung oder mit zunehmendem Alter kann Ubiquinol für Frauen ein sinnvoller Baustein in einem ganzheitlichen Konzept aus Ernährung, Bewegung sowie Stressregulation sein. Denn wenn der Akku leerläuft, hilft selten noch mehr Disziplin, sondern oft eine bessere Versorgung auf Zellebene, damit Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wieder spürbar werden. 

 

LITERATUR 

1) Palacios S et al.: Clinical Trial to know the effectiveness of Coenzyme Q-10 (ubiquinol) on the quality of life in postmenopausal women Toko-ginecología práctica, ISSN 0040-8867, Nº. 762, 2019, 19-23. 

2) Kaneka Corp.: Comparison of plasma coenzyme Q10 (CoQ10) levels in healthy omnivore subjects and vegetarian/ vegan subjects. Unternehmenseigene Daten, April 2021 

3) Dahri M et al.: Oral coenzyme Q10 supplementation in patients with migraine – Effects on clinical features and inflammatory markers. Nutritional Neuroscience; 2018, 1-9. 

4) Hosoe K et al.: Study on safety and bioavailability of ubiquinol after single and 4-week multiple oral administration to healthy volunteers. Regul Toxicol Pharmacol; 2007 Feb; 47(1):19-28. 

5) Ikematsu H et al.: Safety assessment of coenzyme Q10 in healthy subjects – a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Regul Toxicol Pharmacol; 2006 Apr;44(3):212-218. 

6) Rajiv S: Coenzyme Q10 – The essential nutrient. J Pharm Bioallied Sci;. 2011 Jul-Sep; 3(3): 466-467. 

7) Chase M et al.: Coenzyme Q10 in acute influenza. Influenza Other Respir Viruses; 2019 Jan; 13(1): 64-70. 

8) Expansion Consulteam & Kaneka: Ubiquinol-Supplementation und Befragung von 85 Krankenpfleger/innen. Frankreich, Januar bis März 2021 

DR. MED. ANDREA LEDERER

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Praxis in Salzburg, Schwerpunkte: Ganzheitliche Frauenheilkunde, bioidente Hormontherapie und Ayurvedamedizin

ordination@dr-lederer.com

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