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Paracelsus Magazin Ausgabe 06/2026

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Tierheilkunde

Erstellt: 27. Oktober 20269 Minuten

Bandscheibenvorfall beim Hund

Eine Übersicht integrativ-medizinischer Behandlungsoptionen

Im Alltag hören wir oft, dass jemand von einem Bandscheibenvorfall betroffen ist. Tatsächlich zählt dieser zu den häufigsten Rückenerkrankungen. Auch bei Hunden kann er regelmäßig vorkommen, mit gravierenden Folgen. Abhängig vom Schweregrad ist ein Diskusprolaps jedoch gut behandelbar. In diesem Artikel gebe ich einen Überblick zum Krankheitsbild und stelle das therapeutische Potenzial einiger integrativ-medizinischer Behandlungsverfahren vor. 

Grundlagen

Die Bandscheibe (Diskus intervertebralis) besteht aus einem knorpeligen Faserring (Anulus fibrosus), der einen elastischen Gallertkern (Nucleus pulposus) umgibt. Sie liegt jeweils zwischen zwei Wirbelkörpern und hat zum einen jene Aufgabe, Druck und Stöße auf die Wirbelsäule abzupuffern, und zum anderen eine geschmeidige Bewegung derselben als Ganzes zu gewährleisten. Ohne Bandscheiben würden sich die Wirbelkörper bei jeder Bewegung blockieren. Nicht zuletzt wird so das Rückenmark geschützt. 

Pathophysiologie

Der Bandscheibenvorfall ist eine mögliche Ausprägung einer Diskopathie. Diese beschreibt eine pathologische Veränderung eines Diskus (hier: Bandscheibe) z.B. infolge von Alterung und daraus resultierendem Funktionsverlust. Es handelt sich um eine degenerative Erkrankung. Durch Entwässerung und Verhärtung des Gallertkerns kann von außen einwirkender Druck nicht mehr gleichmäßig auf den Faserring verteilt werden. Er gerät in Überbelastung, wölbt sich vor (Protrusion), kann im weiteren Verlauf mürbe werden und reißen. Dann dringt Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal ein (Prolaps) und setzt Druck auf die umliegenden Nerven und teils das Rückenmark ab. Dies kann Schmerzen sowie neurologische Symptome hervorrufen, muss aber nicht. Im schlechtesten Fall kann das Rückenmark beschädigt werden. 

Auch akute mechanische Überbelastungen (z.B. Unfalltrauma) können den Faserring der Bandscheibe schädigen und einen Vorfall mit den beschriebenen Folgen auslösen. 

Ursachen

Entgegen der Annahme, dass nur ältere Tiere betroffen sind, kann ein Prolaps bei Hunden jeden Alters vorkommen. Die häufigsten Ursachen sind: 

Rassebedingte Veranlagung

Hunde mit langem Rücken und kurzen Beinen bringen oft eine Prädisposition für einen Bandscheibenvorfall mit. Sie zählen zu den chondrodystrophen Rassen, bei welchen eine Neigung zu vorzeitiger Alterung der Bandscheiben und frühzeitigem Verschleiß des Skeletts besteht. Dazu gehören Dackel, Französische Bulldogge und Corgi. Es verwundert nicht, dass in der Tierheilkunde umgangssprachlich von „Dackellähme“ gesprochen wird. Grundsätzlich können Bandscheibenvorfälle auch bei großen Hunderassen auftreten. 

Bewegungsmangel

Wenig Bewegung schadet den Bandscheiben. Wird die Wirbelsäule nicht genügend bewegt, werden die Bandscheiben nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, was dazu führt, dass sie degenerieren und ihr Gallertkern austrocknet. 

Überlastung oder einseitige Belastung

Leistungsmäßiger Sport und viel Treppensteigen können die Bandscheiben trotz ausreichender Bewegung mechanisch einseitig oder zu intensiv belasten. 

© Bhavesh I adobestock.com I KI-generiert

Übergewicht

Hat der Hund „zu viel auf den Rippen“, bedeutet das neben resultierenden Stoffwechselveränderungen mit Auswirkungen auf die Bandscheibengesundheit auch eine höhere Last für Bewegungsapparat und Bandscheiben. 

Altersbedingter Verschleiß

Sind Hunde im fortgeschrittenen Alter, ist davon auszugehen, dass der Gallertkern der Bandscheiben im Laufe des Lebens nach und nach Flüssigkeit und somit Elastizität verloren hat – was einen degenerativ bedingten Bandscheibenvorfall absolut begünstigen kann. 

Trauma

Durch Verletzungen sowie Unfälle können Wirbelsäule und Bandscheiben geschädigt werden. 

Symptom-Schweregrade

Ein Bandscheibenvorfall muss nicht immer mit Schmerzen oder Ausfallsymptomen einhergehen. Manche Vorfälle laufen symptomlos ab. Sind jedoch Beschwerden vorhanden, erfolgt eine Einteilung in verschiedene Schweregrade. Dabei können die Symptome deutlich variieren, je nachdem, welche Region wie schwer beeinträchtigt ist. 

Grad 1

Der Hund hat leichtere Schmerzen und zeigt diese, wenn er an Rücken oder Nacken berührt wird. Sein Gangbild wirkt etwas steif. Das Tier ist unruhig, und es fällt ihm schwer, eine angenehme Liege- oder Sitzposition zu finden. 

Grad 2

Der Hund hat Schmerzen und reagiert deutlich auf Berührungen im Rücken- und Nackenbereich. Bestimmte Bewegungen oder Positionen werden vermieden. Unsicherheit beim Gehen oder Schwäche in den Beinen kann vorkommen. 

Grad 3

Der Hund hat starke Schmerzen und möchte nicht berührt werden. Jaulen, Knurren oder Fiepen können als Schmerzausdruck interpretiert werden. Es zeigen sich Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen sowie erste Anzeichen von Schwäche oder Lähmung auf einem oder mehreren Beinen. Auch Reflexe (z.B. Stellreflex) können beeinträchtigt sein. 

Grad 4

Der Hund hat sehr starke Schmerzen, die er durch dauerndes Jaulen, Knurren oder Fiepen anzeigt. Es treten deutliche Lähmungserscheinungen auf. Das Tier kann kaum noch stehen 

© The Stock Creamery I adobestock.com I KI-generiert

oder gehen bzw. ist sehr wackelig auf den Beinen. Womöglich kann es den Kot- und Urinabsatz nicht mehr kontrollieren. 

Grad 5

Der Hund befindet sich in einem lebensbedrohlichen Zustand und zeigt ggf. Schocksymptome (flache Atmung und rascher Herzschlag). Er kann sich nicht mehr bewegen, und es sind keine Reflexe mehr vorhanden. Es ist möglich, dass das Tier nicht mehr auf äußere Reize reagiert. 

Grad 6

Der Hund ist vollständig gelähmt – er erleidet jedoch keine Schmerzen. 

Wichtig: Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall sollte unbedingt schnell reagiert werden. Je früher eine fachkundige Behandlung erfolgt, desto höher sind die Chancen auf eine vollständige Genesung. 

Diagnostik

Der Tierarzt führt beim Verdacht zunächst eine allgemeine klinische Untersuchung durch. Der Rücken wird abgetastet und die Schmerzreaktion des Hundes beobachtet, um den möglicherweise betroffenen Bereich einzugrenzen. Es werden neurologische Tests durchgeführt, um alle Reflexe des Hundes zu überprüfen. Dazu gehören u.a. der Stellreflex, der Kniesehnenreflex und der Flexorreflex. Hiermit kann man den Schweregrad grob einschätzen. 

Für eine genauere Diagnose werden bildgebende Verfahren eingesetzt. Ein Röntgenbild macht Veränderungen der Wirbelsäule sichtbar und kann helfen, den Bandscheibenvorfall zu lokalisieren. Die endgültige Diagnose und die Schwere der Beeinträchtigung lassen sich nur mit einem CT (Computertomographie) oder einem MRT (Magnetresonanztomographie) feststellen. Hierüber lassen sich auch andere Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik haben (u.a. FCE, SRMA, Spondylitis, Tumore), ausschließen. 

Konservative Behandlung

Einen leichteren Bandscheibenvorfall kann man häufig konservativ therapieren. Hierbei kommen Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Muskelrelaxantien, Ruhighaltung sowie Physiotherapie zum Einsatz. 

Wichtig für die Ausheilung ist, dass der Hund Ruhe bekommt und je nach Einzelfall für 2-6 Wochen in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Ist er in der Lage, zu laufen, sollten nur kürzere Spaziergänge an der Leine erfolgen. Auf Spielen, Springen und Treppensteigen ist zu verzichten. Im Anschluss sollte der Hund für weitere 4-12 Wochen geschont werden, je nach Schweregrad auch länger, um eine Verschlechterung oder einen Rückfall zu vermeiden. Die gerade beschriebenen Belastungen sind weiterhin tabu. 

Meist kann schon kurz nach der Diagnose mit Physiotherapie begonnen werden. Sie dient dem Erhalt der Gelenkbeweglichkeit und beugt dem Abbau von Muskulatur vor. 

Bei einem schweren Bandscheibenvorfall kann oft nur noch eine Operation helfen. Bei der Wahl geeigneter OP-Techniken kann ein erfahrener Tierarzt beraten. 

Osteopathie

Osteopathie will die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiveren. Dieser wird als Einheit angesehen, in der alles zueinander in Verbindung ist. Eine Restriktion an einer Stelle kann anderswo Einschränkungen verursachen. 

Bei einem akuten Bandscheibenvorfall sollte der Hund zunächst tierärztlich versorgt werden. Einige Tage danach kann eine osteopathische Therapie erfolgen. Sie zielt darauf ab, mit den Händen Restriktionen zu ertasten, Muskelverspannungen zu lockern, Gelenke zu mobilisieren und Blockaden, die durch Schonhaltung entstanden sind, sanft zu lösen. Manipulative Techniken kommen nicht in Frage. 

Gut zu wissen: Selbst wenn ein Bandscheibenvorfall schon länger zurückliegt, können regelmäßige osteopathische Behandlungen sinnvoll sein. 

Fallstudie

Hennes ist ein Dackelmischling. Ihm fehlt das linke Hinterbein. Von Anfang an war sein Rücken mehr gekrümmt als gerade, aber er war immer sehr agil, und das fehlende Bein hat ihn in seiner Bewegung nicht eingeschränkt. Eines Abends reagiert er auf einmal sehr empfindlich auf Berührungen am Rücken und an der Flanke. Durch lautes Schreien und Fiepen äußert er seine intensiven Schmerzen. 

Diagnostik

Im Rahmen der klinischen Untersuchung werden die Gelenke vorsichtig durchbewegt und verschiedene Reflexe getestet. Diese sind vorhanden, jedoch zeigt das Tier Schmerzen beim Beugen sowie Strecken der Halswirbelsäule und im Bereich der unteren Brustwirbelsäule. Laufen ist problemlos möglich. Es wird von einer Muskelverhärtung oder -zerrung ausgegangen und mit Wärmeapplikation therapiert. 

Bereits am nächsten Morgen stellt sich jedoch heraus, dass der Hinterkörper des Hundes inzwischen komplett gelähmt ist und am verbleibenden Bein keine Reflexe mehr vorhanden sind. Kot und Urin können noch abgesetzt werden. Der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall bestätigt sich in der Tierklinik. 

Therapie

Es soll zunächst konservativ mit Schmerzmitteln und Cortison therapiert werden. Bereits 2 Tage später erhält Hennes bei einer Kollegin zusätzlich eine Zytoenergese®-Behandlung. Es handelt sich um eine gerätegestützte Methode, welche die körpereigenen Selbstregulationskräfte anregt und zur Zellregeneration, Entzündungshemmung und Muskelentspannung beiträgt. Diese Anwendungen finden fortan regelmäßig statt, da sie dem Hund gut zu tun scheinen. 

In meiner Praxis betreue ich Hennes osteopathisch. Da ich bei einem Bandscheibenvorfall keine Manipulationen durchführe, sorge ich mit sanften Mobilisationstechniken und Massagen dafür, dass die Gelenke beweglich gehalten werden und die Muskulatur gelockert wird. Hierbei ist das höchste Ziel, dem Tier keine weiteren Schmerzen zuzumuten. 

Zusätzlich arbeite ich mit dem Cell-Re-Active-Traning (CRT), einer Methode, die ebenso auf der Zellebene ansetzt und die körpereigenen Interaktionsprozesse im Sinne einer Reaktivierung unterstützen soll. 

Auch sorge ich mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln für eine optimale Unterstützung der Regeneration: • Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen das Nervensystem • B-Vitamine (B1, B6, B12) unterstützen den Stoffwechsel der Nervenzellen • Kollagen und Grünlippmuschelextrakt sind wichtig für Sehnen, Bänder, Faszien und den Bandscheibenknorpel 

Ausblick

Hennes wird 8 Wochen mit den o.g. Therapieansätzen behandelt und erholt sich zusehends. Schließlich läuft er wieder und hat am Hinterbein keine neurologischen Ausfälle mehr. Zwar ist er langsamer unterwegs als früher, aber wenn man das Ausgangsstadium und die kurze Therapiedauer bedenkt, ist es erstaunlich, wie gut sich der Gesundheitszustand des Hundes entwickelt hat. 

Fazit

Nach einem Bandscheibenvorfall haben viele Hunde gute Chancen auf deutliche bis vollständige Erholung. Wie positiv die Prognose ist, hängt immer auch davon ab, wie stark die Nerven betroffen sind und wie schnell eine Behandlung eingeleitet wird. 

Neben gezielter Schmerztherapie und ausreichender Ruhe spielt die anschließende Rehabilitation eine wichtige Rolle. Im Verbund mit integrativ-medizinischer Begleitung kann der Hund durch einen kontrollierten Aufbau von Beweglichkeit und Kraft Schritt für Schritt Stabilität und Sicherheit in seinen Bewegungsabläufen zurückgewinnen. 

Auch langfristig lässt sich einiges tun: Ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige und angepasste Bewegung sowie gute Rumpf- und Rückenmuskulatur können die Wirbelsäule entlasten und das Risiko weiterer Probleme reduzieren. Ein Bandscheibenvorfall muss nicht das Ende eines aktiven Hundelebens bedeuten. Mit frühzeitiger Behandlung, konsequenter Nachsorge und Aufbautraining können viele Hunde wieder eine sehr gute Lebensqualität erreichen. 

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Tierosteopathin mit mobiler Praxis, Cell-Re-Active-Trainerin, Aromaberaterin für Mensch und Tier, Dozentin an den Paracelsus Gesundheitsakademien

f.arndt@tierosteopathie-arndt.deAlle Beiträge von Friederike Arndt

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