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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 6/2023

Mehr Brennstoff für die Zellen

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Sauerstoffbehandlung nach Regelsberger bei Mitochondriopathien

Intakte Mitochondrien sind eine wesentliche Voraussetzung für unsere Gesundheit. Die Zentrale des Energiestoffwechsels in ihrer Funktion zu unterstützen, erscheint daher sinnvoll und angebracht. Mithilfe der Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger, einer wissenschaftlich untersuchten Methode, bei der Sauerstoff langsam und exakt dosiert venös zugeführt wird, kann der zelluläre Energiestoffwechsel adressiert werden. Durch die Bereitstellung zusätzlichen Sauerstoffs besteht die Möglichkeit, direkt Einfluss auf unsere Gesundheit zu nehmen.

Ganzheitlicher Ansatz

Will man nach einem ganzheitlichen Konzept behandeln, so sind alle Bereiche des menschlichen Seins zu berücksichtigen: Körper samt Stoffwechsel, Gedanken und Emotionen sowie der individuelle, persönliche Sinn (Vision). Aufbauend auf einer ausführlichen Anamnese und gezielten Diagnostik kann eine daraufhin angepasste Therapie zahlreichen Erkrankungen präventiv vorgebeugt oder nachhaltig entgegengewirkt werden. Hier hat jeder ganzheitlich arbeitende Therapeut sein eigenes Erfolgsrezept. In meiner Arbeit lege ich besonderen Wert auf folgende Bereiche:

  • Aufbau Energiestoffwechsel und Aktivität der Mitochondrien
  • Ableitung Entgiftungsfähigkeit des Körpers
  • Vegetatives System Emotionale Transformation biografischer Konflikte

Im vorliegenden Artikel konzentrieren wir uns auf den ersten Punkt: den Energiestoffwechsel und die Rolle der Mitochondrien.

Zentraler Baustein der Gesundheit

Mitochondrien sind für die zelluläre Energieversorgung und die Funktionsfähigkeit sämtlicher Organsysteme verantwortlich. Hier wird unter Verbrauch von Sauerstoff eine große Menge an Adenosintriphosphat (ATP) gebildet. Tagein, tagaus wird so Energie für jede Zelle bereitgestellt. Ist die Sauerstoffversorgung schlecht oder sind innere und äußere Belastungen zu hoch, schwächt dies den gesamten Körper, speziell die Mitochondrien, was systemische Folgen nach sich zieht.

Weitere Aufgaben der Mitochondrien

Neben der Bildung von ATP sind unsere Mitochondrien in zahlreiche andere wichtige Prozesse im Körper involviert:

  • Abbau von Pyruvat zur Bildung von Acetyl-CoA, das in den Citratzyklus eingeht
  • Beteiligung am Harnstoffzyklus
  • Sicherstellung von Glukose über den Ketonstoffwechsel
  • Bildung von Steroidhormonen (z.B. Cortisol)
  • Speicherort für Calcium
  • Beteiligung am programmierten Zelltod

Belastende Einflüsse

Eine eingeschränkte oder abnehmende Mitochondrienaktivität kann im Zusammenhang mit verschiedenen Belastungen beobachtet werden:

  • Rauchen
  • Umweltgifte (Schwermetalle, Pestizide, Insektizide, Wohngifte, Putzmittel, Kosmetika, Nanopartikel)
  • Darmschädigungen (Leaky Gut, Dysbiosen, Entzündungen)
  • Chronische Entzündungen (Zahnfleisch, Zähne, Kiefer, Darmschleimhaut)
  • Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilze und andere Parasiten
  • Instabilität der Halswirbelsäule (Die dauernde Irritation der Hirnnerven kann eine Kaskade biochemischer Abläufe in Gang setzen, die die Energieproduktion massiv stören können)
  • Falsche Ernährung (einseitig/entzündungsfördernd, Gewichtszunahme)
  • Chronischer Stress
  • Geistige und körperliche Überlastung
  • Medikamenteneinnahme (Antibiotika, Betablocker, Schmerzmittel)

Mitochondriopathien

Es gibt zwei Arten von Mitochondriopathien: die angeborene und die erworbene. Die erste hat eine Multisystemerkrankung zur Folge, wobei es zu Enzephalopathien und Myopathien kommen kann. Bei der erworbenen Mitochondriopathie, um die es in diesem Beitrag geht, wird die Aktivität der Mitochondrien durch äußere Einflüsse gestört. Die Funktionsstörungen können verschiedene Beschwerden zur Folge haben. Da der reibungslose Ablauf durch mangelnde Versorgung oder Schadstoffe von außen beeinträchtigt wird, kann es zur Verlangsamung sämtlicher Vorgänge im menschlichen Organismus kommen. Dies kann zu Fehlfunktionen der betroffenen Zellen sowie einem erheblichen Energieverlust führen. Erste Beschwerden sind körperliche und geistige Schwäche, Müdigkeit und Erschöpfung. Für eine gewisse Zeit kann der Körper dies ausgleichen – dauert der belastende Zustand jedoch an, wird der Zellstoffwechsel massiv gestört. Dies kann sich bei jedem Menschen unterschiedlich auswirken und individuelle Krankheitssymptome hervorrufen.

Krankheit ist ein Prozess, an dem mehrere Faktoren beteiligt sind, die einander bedingen. So kann es zum Teufelskreis kommen, in dem Stress auf bereits bestehende Mangelzustände trifft, was zu Entzündungen und einem erhöhten Verbrauch an Nährstoffen führt, und dies erzeugt erneut körperlichen Stress. So gerät der Körper in eine Schieflage, die zu chronischen Erkrankungen führen kann. Ein Zusammenhang mit Mitochondriopathien wird bei Krankheiten wie Demenz, Epilepsie, Depression, Chronischem Erschöpfungssyndrom (CFS), ADHS und Diabetes mellitus diskutiert. Die Frage, welche Symptome zuerst da waren, kann oft nicht beantwortet werden. Diesen Kreislauf gilt es aber zu unterbrechen.

Funktionsstörungen im Detail

Wenn mithilfe von Sauerstoff ATP gebildet wird, entstehen reaktive Sauerstoffverbindungen (Radikale). Diese werden durch anwesende Antioxidantien neutralisiert. Geschieht dies aus verschiedenen Gründen aber nicht, können Radikale die Zelle schädigen (inkl. Mitochondrien und DNA). Dies wird als oxidativer Stress bezeichnet.

Sollte der Körper zusätzlich durch Infektionen, Stress, Medikamente, Schadstoffe etc. belastet werden, entwickelt sich ein Ausnahmezustand, der als nitrosativer Stress bezeichnet wird. Normalerweise dient Stickstoffmonoxid als Botenstoff, zur Gefäßerweiterung oder als Teil des Immunsystems. Bei großer Belastung finden jedoch eine unkontrollierte Produktion und Radikalbildung statt, was in einen sich selbst verstärkenden Prozess mündet. Dieser führt über kurz oder lang zur Zellschädigung inkl. Mitochondriopathie.

Die Rolle des Sauerstoffs

Alle höher entwickelten Lebewesen basieren auf einem komplexen Stoffwechselsystem, das die kontinuierliche Versorgung aller Gewebe mit Sauerstoff gewährleistet. Jede Zelle benötigt Sauerstoff, um ihre Funktion zu erfüllen. Ohne Sauerstoff tragen Organe und Gehirn nach wenigen Minuten irreparable Schäden davon. Sauerstoff ist insofern essenziell für unser Überleben.

In den Zellen wird Sauerstoff im Rahmen der Oxidation „verbrannt”, es findet eine Reaktion zwischen Kohlenstoffketten (aus der Nahrung) und Sauerstoff statt. Die Versorgung des Gewebes ist nicht nur abhängig von Atmung und Blutzirkulation, sondern auch von komplexen biochemischen Vorgängen. Dies macht den Energiestoffwechsel auf verschiedenste Weise störanfällig.

Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger

Bei der Oxyvenierung werden dem Körper über eine Vene geringe Mengen an Sauerstoff zugeführt, langsam und exakt dosiert. Dies bewirkt im venösen Blut einen Reiz, der sich nach ca. 20 Minuten verflüchtigt. Durch die Oxyvenierung wird das Angebot an physikalisch gelöstem Sauerstoff im Blut erhöht. Der Sauerstoffpartialdruck steigt, somit auch die Sauerstoffsättigung. Es kommt zu einer Linksverschiebung der Sauerstoffbindungskurve. Dies bedeutet nach Dr. Regelsberger nicht nur „eine Wiederherstellung von Normzuständen bei gelegentlichen funktionellen Entgleisungen, sondern auch eine Art Verjüngung im Alter.” (Regelsberger, 1980)

Ebenfalls bedeutsam ist, dass das „Mehr” an Sauerstoff ins venöse, also sauerstoffarme Blutsystem gelangt. So kommt in der Therapie venöses Blut, das mit Sauerstoff angereichert ist, im Lungenkreislauf an. Ein Umstand, der vielfältige gesundheitsfördernde Reaktionen auslöst:

  • Vermehrte Bildung von Prostacyclin (Gewebshormon), das gefäßerweiternd wirkt und die Verklumpung von Thrombozyten hemmt
  • Erleichterte Abgabe von Sauerstoff ins Gewebe und Erhöhung des Sauerstoffangebots an die Zelle
  • Zunahme der eosinophilen Granulozyten, was zur Verbesserung chronisch-entzündlicher Erkrankungen führen kann (Eosinophile Granulozyten wirken regulierend auf Immun- und Entzündungsreaktionen)
  • Normalisierung bestimmter Laborparameter durch anregende Wirkung auf viele Stoffwechselvorgänge (Harnsäure, Harnstoff, Lipoproteine, Cholesterin, Cortisol)
  • Normalisierung des Blut-pH-Werts, da die Sauerstoffanreicherung eine Linksverschiebung der Sauerstoff-Dissoziationskurve bewirkt, was gleichbedeutend mit einer Alkalisierung des Blutes ist
  • Beschleunigte Ausscheidung von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme)

Viele der beobachteten Wirkungen konnten wissenschaftlich erklärt werden – ein in sich geschlossenes und vollständiges Erklärungsmodell gibt es jedoch nicht.

Therapieablauf

Pro Sitzung werden dem Patienten mit einem Präzisionsgerät 1-2 ml medizinischen Sauerstoffs pro Minute direkt in die Vene verabreicht. Beginnend mit 5-15 ml wird die Gesamtmenge pro Behandlung stufenweise auf 40-60 ml gesteigert. Die Sauerstoffzufuhr dauert 10-20, manchmal auch 30 Minuten. Anschließend muss eine Liegezeit von 20 Minuten eingehalten werden.

Um anhaltende Erfolge zu erreichen, werden 20-25 Oxyvenierungen im Verlauf von 4-5 Wochen empfohlen, gefolgt von gelegentlichen Nachbehandlungen von 2-4 Wochen Dauer.

Achtung: Starkes Rauchen vermindert die Wirkung der Oxyvenierung, ebenso die Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel (z.B. Diclofenac).

Für wen ist die Behandlung geeignet?

Neben allgemein positiven Auswirkungen auf sämtliche Zellen, Organsysteme und die Aktivität der Mitochondrien sehe ich auch Effekte bei folgenden Beschwerden:

Atemwege
Heuschnupfen und Asthma bronchiale

Haut
Neurodermitis, chronische Ekzeme, Psoriasis

Blut- und Lymphsystem
Arterielle Durchblutungsstörungen, Störungen des Lymphflusses, Venenerkrankungen, Hautgeschwüre, „offene Beine“, Nachbehandlung von Schlaganfall oder Herzinfarkt, Hyper- und Hypotonie

Immunsystem
Akute Infekte, akute und chronische Nebenhöhlenentzündungen

Kopf und Sinnesorgane
Vasomotorische Kopfschmerzen, Migräne, Trockene Makuladegeneration, Retinitis pigmentosa, Schwindel, Tinnitus, Hörsturz, Morbus Menière

Psychosomatik
Unerfüllter Kinderwunsch, Erschöpfungszustände, Schlafstörungen

Stoffwechsel
Lebererkrankungen/Fettleber, Colitis ulcerosa, Diabetes mellitus, Metabolisches Syndrom

Nerven und Bewegungsapparat
Polyneuropathien, Neuralgien inkl. Trigeminus, Arthrose, Arthritis, wirbelsäulenbedingte Schmerzen, rheumatische Erkrankungen, Onkologie, begleitend in der biologischen Tumortherapie.

Da die Oxyvenierung die kleinsten Gefäße (Kapillaren) „öffnet”, setzen wir sie auch gerne vor eine Infusion mit Mikronährstoffen und Vitaminen, sodass die wertvollen Substanzen besser in den Zwischenzellraum und die Zelle transportiert werden und so den Effekt der Infusion steigern können.

Gut kombiniert

Um die Energieversorgung der Zellen und Organe nachhaltig zu verbessern, ist neben der Sauerstofftherapie der Einsatz weiterer naturheilkundlicher Verfahren empfehlenswert. So halte ich v.a. die folgenden Schwerpunkte für zentral:

  • Substitution von Vitaminen und Nährstoffen
  • Infusionstherapie mit verschiedenen Vitalstoffen
  • Darmsanierung, Colon-Hydro-Therapie
  • Ernährungsberatung
  • Schwermetallausleitung durch Chelat-Infusionen
  • Bioresonanztherapie
  • Zahnsanierung

Grundsätzlich gilt der präventive Ansatz: Eine ausgewogene, biologische Ernährung mit großem Anteil an frischem Gemüse und
Obst, möglichst täglicher Bewegung an der frischen Luft und ein ausgeglichener Lebensstil mit ausreichend Schlaf und Erholungsphasen sind die Voraussetzung für die Gesunderhaltung, aber auch für eine erfolgreiche Therapie der Mitochondrien.

Nachweis erworbener Mitochondriopathie

Vor jeder erfolgreichen Therapie steht immer die richtige Diagnose. Für die Diagnostik einer erworbenen mitochondrialen Dysfunktion kommt eine spezifische, funktionelle Laboranalytik zum Einsatz. Hiermit können nicht nur Zustand und Funktion der Mitochondrien erfasst, sondern auch Störungen lokalisiert und Ursachen zugeordnet werden. So werden u.a. der Bioenergetische Gesundheitsindex (BHI), die Mitochondriale Aktivität, die LDH (Laktatdehydrogenase) und LDH-Isoenzyme beurteilt. Als ergänzende Untersuchung empfiehlt es sich, auf nitrosativen und oxidativen Stress zu testen.

Fazit

Mitochondrien sind an existenziellen Stoffwechselprozessen im Organismus beteiligt und unersetzlich für die Energieversorgung der Zellen. Die Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger bietet eine hervorragende Möglichkeit – präventiv oder im Krankheitsfall – die Mitochondrienkapazität und -funktionalität zu erhöhen. Sie ist somit ein Schlüssel zur Linderung von Beschwerden und zur Erhöhung der Lebensqualität.

Yesha Karmeli
Heilpraktiker und Coach in eigener Praxis in Berlin; Schwerpunkte: Mitochondriopathien, Darmgesundheit, Entgiftung und Gesprächstherapie
praxis@natura-heilpraxis.de

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