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Erstellt: 17. März 2026

Artgerechte Katzenernährung

Tierheilkunde 7 Minuten
© OlegKovalevich I adobetock.com

WARUM IHR STOFFWECHSEL EINZIGARTIG IST

Wenn wir an Hauskatzen denken, sehen wir elegante Jäger, die mit geschmeidigen Bewegungen durch die Wohnung oder den Garten streifen. Doch was viele Halter nicht wissen: Auch im Inneren sind Katzen hochspezialisierte Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel unterscheidet sich fundamental von dem anderer Haustiere (z. B. Hunde) und Menschen. Diese Spezialisierung ist das Ergebnis einer evolutionären Entwicklung, welche die Katze zum perfekten Beutegreifer gemacht hat – nicht nur äußerlich, sondern auch biochemisch. 

EINORDNUNG

Der Begriff „Stoffwechsel“ umfasst sämtliche Prozesse im Körper, die der Aufnahme, Verarbeitung und Nutzung von Substanzen sowie deren Ausscheidung dienen. Man unterscheidet zwei Hauptbereiche: 

Anabolismus: Es geht um aufbauende, regenerative Prozesse und den Erhalt von Körpersubstanz. Unter Energieverbrauch werden z. B. Aminosäuren zu Proteinen zusammengesetzt, Fette eingelagert oder Zellstrukturen erneuert. 

Katabolismus: Dies ist der Bereich von Abbau und Aufspaltung von Stoffen, sodass Energie für lebenswichtige Funktionen bereitgestellt werden kann. 

Beide „Stoffwechsel-Abteilungen“ agieren gleichzeitig und sind für das Überleben unverzichtbar. Energie selbst ist kein Nährstoff, sondern steckt in den chemischen Bindungen von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Sie wird in Form von z. B. ATP (Adenosintriphosphat) gespeichert und bei Bedarf freigesetzt. ATP ist dabei die universelle Energiewährung aller Lebewesen: Jede Bewegung und jede Zellteilung hängen von dessen Verfügbarkeit ab. 

DIE KATZE ALS OBLIGATER CARNIVOR

Studien zur Ernährungsphysiologie zeigen: Katzen sind obligate Carnivoren – sie benötigen zwingend tierisches Eiweiß und Fett. Während Hunde und Menschen Energie auch aus Kohlenhydraten gewinnen können, ist die Katze auf die Herstellung von Glukose aus Aminosäuren angewiesen. Dieser Prozess heißt Glukoneogenese. Bei Hunden und Menschen wird die Glukoneogenese nur dann aktiviert, wenn die Kohlenhydratzufuhr gering ist (z. B. beim Fasten). Bei Katzen hingegen sind die dafür notwendigen Enzyme dauerhaft aktiv, sodass Proteine kontinuierlich abgebaut und für die Glukoneogenese bereitgestellt werden. 

Das erklärt den hohen Proteinbedarf: Katzen benötigen doppelt so viel Eiweiß wie Hunde, um gesund zu bleiben. Diese Besonderheit macht deutlich: Katzen sind keine „kleinen Hunde“ – weder im Wesen noch bei der Fütterung. Ihre Ernährung muss konsequent auf ihre physiologischen Bedürfnisse abgestimmt sein. Dies sollte von Besitzern und allen, die mit Katzen arbeiten, hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden berücksichtigt werden. 

PROTEINE SIND LEBENSWICHTIG

Die Katze ist ein Paradebeispiel für evolutionäre Spezialisierung. Untersuchungen zeigen: 

  • Erwachsene Katzen benötigen in ihrer Nahrung einen Proteinanteil von etwa 19%, ein doppelt so hoher Wert wie bei Hunden. 

  • Katzenwelpen im Wachstum haben einen noch höheren Proteinbedarf – rund 29% der Nahrung sollte aus Eiweiß bestehen. 

Verantwortlich sind dauerhaft aktive Enzyme (z. B. Transaminasen und Desaminasen), die Aminosäuren abbauen, damit Stoffwechselenergie zur Verfügung gestellt werden kann.  

Stickstoffabbau und Arginin-Abhängigkeit

Damit der Körper Proteine aufbauen kann, müssen deren Bausteine (Aminosäuren) dauerhaft verfügbar sein. Ein kritischer Punkt ist dabei der Abbau von Stickstoff. Dabei entsteht Ammoniak, ein hochgiftiges Nebenprodukt. Über den Harnstoffzyklus wird er in der Leber zu Harnstoff umgewandelt und über den Urin ausgeschieden. 

Hier zeigt sich eine kätzische Besonderheit: Katzen sind abhängig von der Aminosäure Arginin. Schon ein kurzfristiger Mangel kann bei ihnen zu einer lebensgefährlichen Hyperammonämie (Ammoniakvergiftung) führen – ein einzigartiges Merkmal im Vergleich zu anderen Tierarten. 

Taurin als essenzielle Aminosäure

Auch Taurin, eine schwefelhaltige Aminosäure, ist für Katzen essenziell. Während Hunde und Menschen Taurin aus anderen Aminosäuren synthetisieren können, fehlt Katzen die dafür notwendige Enzymaktivität. Taurinmangel führt bei Katzen zu gravierenden Problemen: Netzhautschäden bis hin zur Erblindung, Herzerkrankungen (z. B. dilatative Kardiomyopathie), Störungen der Fortpflanzung und des Immunsystems. Daher muss Taurin über die Nahrung zugeführt werden – ein Grund, warum rein pflanzliche Katzendiäten gefährlich sind. 

FETTE UND VITAMINE

Fette sind für Katzen nicht nur Energieträger, sondern auch Lieferanten lebenswichtiger Substanzen: 

  • Essenzielle Fettsäuren (z. B. Arachidonsäure) können Katzen nicht selbst bilden und müssen über tierische Fette aufgenommen werden. 

  • Fette ermöglichen die Aufnahme von wichtigen fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K).  

Mit einer Fettverdaulichkeit von bis zu 95% sind Katzen wahre „Fettverwerter“. Die Leber entscheidet, ob Fette als direkte Energie genutzt oder im Fettgewebe gespeichert werden. Besonders wichtig ist Vitamin A: Katzen können es nicht (wie Menschen und Hunde) aus pflanzlichem Beta-Carotin synthetisieren. Sie benötigen die aktive Form von Vitamin A aus tierischen Quellen (z. B. Leber). Ein Mangel führt zu Wachstumsstörungen, ein Überschuss zu Vergiftungen. 

KOHLENHYDRATE

Im Gegensatz zu Hunden und Menschen besitzen Katzen keine Speichel-Amylase. Die eigentliche Verdauung von Stärke beginnt erst im Dünndarm, wo jedoch nur geringe Mengen der Enzyme Amylase, Saccharase und Laktase produziert werden. Das bedeutet, dass Katzen Kohlenhydrate nur sehr eingeschränkt verwerten können. Ihre Leber zeigt zudem eine geringe Aktivität der Glukokinase, eines Enzyms, das für die Verarbeitung von Glukose entscheidend ist. Evolutionär ist dies eine Anpassung an die kohlenhydratarme Beute ihrer Vorfahren. In der freien Wildbahn nehmen Katzen nur 1-4% Kohlenhydrate über den Mageninhalt ihrer Beute auf. 

Ein Übermaß an Kohlenhydraten in der Katzennahrung kann zu Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes mellitus führen – Erkrankungen, die bei wildlebenden Katzen praktisch nicht vorkommen. 

BALLASTSTOFFE

Ballaststoffe, z. B. Zellulose oder Pektin, werden nicht direkt verdaut, sondern von Darmbakterien fermentiert, wodurch sie das Mikrobiom der Katze unterstützen. Außerdem fördern sie die Besiedelung mit „guten“ Bakterien, stabilisieren die Verdauung und beugen Verstopfung vor. Ein kleiner Anteil an Ballaststoffen in der Katzennahrung ist sinnvoll, auch wenn Katzen keine Kohlenhydrate benötigen. Besonders bei Wohnungskatzen können Ballaststoffe helfen, Haarballen zu regulieren und die Darmgesundheit zu fördern. 

ARTGERECHTE KATZENERNÄHRUNG

Eine artgerechte Ernährung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen der Katze und ahmt die Zusammensetzung ihrer Beute möglichst genau nach. In freier Wildbahn besteht die Nahrung aus kleinen Säugetieren, Vögeln oder Insekten – also aus Fleisch, Innereien und Knochen. Daraus ergibt sich folgender Leitfaden für die Fütterung gesunder Hauskatzen:  

Hoher Proteinanteil: Katzen benötigen mindestens 25-30% hochwertiges tierisches Eiweiß in der Nahrung. Geeignet sind Muskelfleisch, Herz, Leber und andere Innereien. Pflanzliche Eiweißquellen sind unzureichend, da ihnen wichtige Aminosäuren fehlen. 

Ausreichend tierisches Fett: Fette liefern Energie und essenzielle Fettsäuren. Sie sind für Haut, Fell und Hormonproduktion unverzichtbar. Ein Fettanteil von 15-25% ist optimal. Sehr geringe Kohlenhydratmenge: Da Katzen Kohlenhydrate nur eingeschränkt verwerten können, sollten sie höchstens einen kleinen Anteil der Nahrung ausmachen. Getreide oder Zucker sind überflüssig und können langfristig zu Übergewicht und Diabetes führen. 

Essenzielle Mikronährstoffe: Vitamin A, Vitamin D und bestimmte B-Vitamine müssen über tierische Quellen aufgenommen werden. Ergänzungen sind nur angesagt, wenn die Nahrung nicht ausgewogen ist. 

Ballaststoffe in kleinen Mengen: Geeignet sind v. a. Flohsamenschalen oder spezielle Faserzusätze. 

Frisches Wasser: Katzen trinken oft wenig, da sie ursprünglich Wüstentiere sind. Nassfutter mit hohem Feuchtigkeitsgehalt ist besser geeignet als Trockenfutter. 

Artgerechte Katzenernährung bedeutet nicht, Trends zu folgen. Wer die Katze als Begleiter in sein Leben aufgenommen hat, trägt Verantwortung, ihre Stoffwechselwege zu berücksichtigen und ihr Futter entsprechend auszuwählen. 

WAS BESONDERS ZU BEACHTEN IST

Für Fachleute, die Katzen ernährungsmedizinisch begleiten, bedeutet das Wissen rund um den Stoffwechsel der Katzen v. a. Präzision. Da Katzen auf bestimmte Nährstoffe zwingend angewiesen sind und Abweichungen ungute gesundheitliche Folgen haben können, steht die Qualität der Futterkomponenten immer an erster Stelle. 

Ernährungsberater und Tierheilpraktiker sollten nicht nur den Proteingehalt, sondern auch das Aminosäurenprofil prüfen, v. a. die ausreichende Versorgung mit Taurin sowie Arginin. Auch wichtig ist die Bewertung der Fettquellen, da nur tierische Fette die für Katzen essenzielle Arachidonsäure liefern. Kohlenhydrate müssen hinterfragt werden, da selbst moderate Mengen bei empfindlichen Tieren zu Übergewicht oder Stoffwechselstörungen beitragen können. 

Wer Katzen professionell ernährungsphysiologisch betreut, muss ihre einzigartige Biochemie nicht nur kennen, sondern diese auch in jede Empfehlung einfließen lassen. 

FAZIT

Der Stoffwechsel der Katze ist ein Spiegel ihrer evolutionären Geschichte: Sie ist und bleibt ein reiner Fleischfresser. Während Hunde und Menschen flexibel zwischen verschiedenen Energiequellen wechseln können, ist die Katze auf eine kontinuierliche Versorgung mit tierischem Eiweiß und Fett angewiesen. Diese Spezialisierung macht sie zu einem faszinierenden Beispiel für Anpassung, aber auch besonders empfindlich gegenüber Fehlern in der Ernährung. Wer Katzen mit zu vielen Kohlenhydraten oder minderwertigen Eiweißquellen ernährt, riskiert langfristig gesundheitliche Probleme, u. a. Übergewicht, Diabetes mellitus oder Lebererkrankungen. Studien zeigen, dass gerade die ständige Aktivität der Glukoneogenese-Enzyme und die Abhängigkeit von essenziellen Aminosäuren (Arginin, Taurin) die Katze anfällig für Mangelzustände machen. 

Gleichzeitig bringt dieses Wissen Chancen: Wer diese Stoffwechselwege versteht, der kann die Ernährung seiner Katze optimieren. Hochwertige Proteinquellen, ein ausgewogenes Verhältnis von Fetten und ein kleiner Anteil an Ballaststoffen für die Darmflora tragen dazu bei, dass Katzen vital bleiben und ein langes Leben führen können. 

Vanessa Rössler

Abschluss in Biochemie/Molekularbiologie, seit 25 Jahren Tätigkeit in der Krebsforschung, Ernährungsberatung für Hunde und Katzen mit Schwerpunkten Phyto- und Mykotherapie, Autorin

info@barf-beratung.at

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