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Erstellt: 20. März 2026

Nächtliches Einnässen

Naturheilkunde 4 Minuten

FALLSTUDIE AUS DER NATURHEILKUNDLICHEN PRAXIS

Paul (5 Jahre) kommt mit seiner Mutter in die Praxis. Hauptbeschwerde ist seit 6 Monaten bestehendes nächtliches Einnässen, das etwa dreimal pro Woche vorkommt. Die Mutter war mit ihrem Sohn bereits beim Kinderarzt, der organische Erkrankungen ausgeschlossen hat. Mittlerweile belastet dieses Thema die ganze Familie. 

BEHANDLUNGSANSATZ

Ursachen von nächtlichem Einnässen (sekundäre Enuresis nocturna) bei körperlich gesunden 5-Jährigen können u. a. sein: zu kleine Blasenkapazität, fehlende Wahrnehmung des Blasenreizes im Tiefschlaf (meist als Folge einer verminderten neuronalen Reifung), hormonelle Dysbalance (antidiuretisches Hormon), familiäre Veranlagung, Trinkgewohnheiten und psychosoziale Stressfaktoren. 

Die Klassische Homöopathie verfügt über einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, der die Symptome des Bettnässens, die kindliche Entwicklung, Vorerkrankungen, Gemüts- und Verhaltenssymptome einschließt. 

ANAMNESE

Paul hat spät laufen gelernt (18 Monate). Bis zum Alter von 2 Jahren war er ungeschickt beim Gehen und stolperte regelmäßig. Schon früh litt er oft an Husten und Bronchitis. Da die mehrmals im Jahr auftretenden Erkältungen immer über längere Zeit anhielten, wurde er mit Antibiotika behandelt. Alle Impfungen wurden durchgeführt und gut vertragen. Im Kleinkindalter zeigten sich enorme Schlafprobleme: Der Junge wollte nicht allein ins Bett gehen und schlief bis zum Alter von 4 Jahren jede Nacht im elterlichen Bett. Seit dem 3. Lebensjahr ist er tagsüber trocken, nachts nur ab und zu – deshalb trug er bis zum 4. Lebensjahr nachts eine Windel. Paul schläft tief und ist schwer zu wecken, selbst wenn er einnässt. Die Blasenentleerung findet unwillkürlich im Tiefschlaf statt. Tagsüber ist er trocken und das Toilettenverhalten normal. Pauls Appetit ist gut. Auffällig ist seine Abneigung gegen Süßigkeiten, wohingegen er Geräuchertes gerne mag. Der Stuhl ist hart und kann nur durch Pressen entleert werden. 

Das Rektum ist oft wund und brennt. Seit 1 Jahr treten leicht blutende Warzen an den Fingerspitzen auf. Der Junge schämt sich für sein Bettnässen und wird tagsüber von der Angst gequält, dass er nachts einnässen könnte. Er ist oft zornig und schreit, streitet mit seinen Geschwistern und akzeptiert kein „Nein“ der Eltern. Dennoch ist er auch sehr mitfühlend und weint schnell. Seine oft scheinbar grundlosen Stimmungsänderungen erschweren die familiäre Situation. Paul geht gerne in den Kindergarten und hat viele Freunde. Die bevorstehende Einschulung bereitet ihm und seiner Familie jedoch große Sorgen. 

BEHANDLUNGSABLAUF

Es erfolgt eine Repertorisation folgender Rubriken: 

  • Allgemeines – Entwicklung – langsame Entwicklung 

  • Allgemeines – Erkältung – Erkältungsneigung bei Kindern 

  • Allgemeines – Speisen und Getränke – Schokolade – Abneigung 

  • Blase – urinieren – unwillkürlich – nachts – Kindern, bei 

  • Blase – urinieren – unwillkürlich – nachts – Wecken des Kindes ist schwierig 

  • Blase – urinieren – unwillkürlich – nachts – ersten Schlaf, im 

  • Gemüt – Furcht – Urin – unwillkürlichem Abgang Furcht vor 

  • Gemüt – Furcht – Bettnässen, vor dem 

  • Gemüt – Furcht – Versagen, Misserfolg, vor dem – Kindern, bei 

  • Gemüt – Zorn – Kindern, bei 

  • Gemüt – Mitgefühl, Mitleid 

  • Haut – Warzen – gezackt 

Entsprechend der Fallanalyse, aufgrund seiner Wirkgebiete (u. a. Versagensängste bei äußerst mitfühlenden Kindern, Kummer, plötzliche Gemütsbewegungen) und seiner funktiotropen Beeinflussung von Nervensystem, Atemwegen, ableitenden Harnwegen, Geschlechtsorganen und Haut verschreibe ich Causticum C200 als Einmalgabe von 5 Globuli. 

Ich empfehle den Eltern, darauf zu schauen, dass Paul über den Tag verteilt ausreichend trinkt, aber 2 Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr. Vor allem zuckerhaltige Softdrinks sollen abends gemieden werden, da sie die Blase reizen können. Der Junge soll vor dem Zubettgehen nochmals zur Toilette gehen. Die Benutzung eines Klingelgeräts wird bislang abgelehnt. 

VERLAUF

Nach Einnahme von Causticum C200 verbessern sich schnell die Gemütssymptome: Paul ist ausgeglichener, weniger zornig und ängstlich. Die Warzen beginnen abzuheilen, der Stuhlgang normalisiert sich. 

In Behandlungsabständen von 3-4 Wochen erhält Paul jeweils 2x5 Globuli Causticum M, später in der Potenz XM (Einmalgabe 5 Globuli). Das Einnässen passiert nun seltener, nicht zuletzt aufgrund einer besseren Wahrnehmung des Weckreizes durch die volle Blase. Nach einem halben Jahr überwiegen die trockenen Nächte. 

Es entwickelt sich nochmals ein bakterieller Infekt mit Husten und Schnupfen, woraufhin ich die Nosode Medorrhinum C200 (Einmalgabe 5 Globuli) verordne, da sie bei chronischen Entzündungen und Eiterungen, außerdem durch ihre funktiotrope Wirkung auf Nervensystem, Atemwege, ableitende Harnwege, Stütz- und Bewegungsapparat sowie die Haut angewandt werden kann. Der Infekt heilt innerhalb 1 Woche aus, die Nächte sind seither trocken. 

FAZIT

Die homöopathische Behandlung hat den Reife- und Entwicklungsprozess bei Paul angestoßen. Das Bettnässen hat aufgehört, er ist gesundheitlich stabil und nicht mehr sehr anfällig für Infekte. Er hat sich zu einem fröhlichen Jungen entwickelt, der sich auf die Schule freut. Insgesamt hat die Behandlung auch der Familie den Leidensdruck genommen und das familiäre Zusammenspiel positiv verändert. 

MARGIT KRATZER-RÖHRIG

Heilpraktikerin mit Schwerpunkten Klassische Homöopathie, Frauengesundheit, Kinderheilkunde und Psychologische Beratung, Dozentin der Paracelsus Gesundheitsakademien

hp-kratzer.roehrig@t-online.de

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