Vitalstoffe bei koronarer Herzkrankheit mit Hypertonie
Im Folgenden wird ein Patient vorgestellt, bei dem die Effektivität von Vitalstoffen gut dokumentiert ist. Der Mann ist in seinen 70ern, als er uns zum ersten Mal aufsucht. Er will trotz diverser relevanter Erkrankungen seine Leitlinientherapie nicht fortsetzen und die ihm verordneten Medikamente absetzen. Er kämpfe mit erheblichen Nebenwirkungen und wolle die Präparate nicht mehr nehmen. Sein Anliegen sei eine Behandlung ausschließlich mit Vitalstoffen.
Derartige Vorhaben sehen wir sehr kritisch und unterstützen diese im Grundsatz nicht. Jedoch macht der Mann deutlich, dass er seine Absicht auf jeden Fall in die Tat umsetzen werde, selbst wenn wir seinem Wunsch nicht entsprechen. Nach einer ausführlichen Aufklärung des Patienten über die möglichen negativen Folgen seines Plans sowie dessen fortgesetztem Festhalten daran sind wir bereit, eine orthomolekularmedizinische Behandlung zu beginnen.
ANAMNESE
Der Patient gibt an, seit ungefähr 10 Jahren an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) mit arterieller Hypertonie, v. a. unter Belastung, zu leiden. Im Herzkatheter wurde eine Stenose der linken Koronararterie (LCA) von 90% festgestellt. Dies korreliert mit einer nachgewiesenen belastungsinduzierten Ischämie bei bekannt pathologischem Belastungs-EKG. Die LV-Pumpfunktion des Herzens ist normal. Im Labor zeigen sich durch „roten Reis“ plus das Statin Atorvastatin erhöhte CK-Werte. Atheromatöse Plaques in den Carotiden sind ebenfalls bekannt. Vitamin-D-Mangel wurde über die Jahre erfolgreich substituiert. Nebenbefund ist eine Fettleber. Wegen der LCA-Stenose ist ein Stent gesetzt worden.
DIAGNOSTIK
Bei der Erstvorstellung zeigt sich ein normales Ruhe-EKG mit Sinusrhythmus (Rechtslagetyp) und einer Ruhefrequenz von 70 Schlägen pro Minute. Im Belastungs-EKG kann bis auf 150 Watt belastet werden. Dabei steigt die Herzfrequenz auf 140 Schäge pro Minute. Wegen muskulärer Erschöpfung und weil der Blutdruck von initial 130/88 auf 237/90 ansteigt, wird die Untersuchung abgebrochen. Es kommt weder zu Angina pectoris (AP) noch zur ST-Streckensenkung im EKG. Im Labor sind die kardialen Parameter unauffällig, ebenso Nierenfunktion und Lebertransaminasen. Im Farbdoppler der linken A. carotis communis (ACC) dokumentieren wir dafür eine signifikante Plaque.
WEITERES VORGEHEN
Wir setzen die verordneten Medikamente (Statine, Betablocker, Ivabradin, Eliquis, Pantozol) nach nochmaliger Rücksprache ab und beobachten den Verlauf genau. Tatsächlich verträgt der Patient die Umstellung erstaunlich gut. Allerdings gibt er auf Nachfragen zu, ohnehin schon länger eine insgesamt schlechte Compliance bezüglich der Medikamenteneinnahme gehabt zu haben.
Unser Patient wird auf diverse Vitalstoffe eingestellt (bis auf wenige Ausnahmen Präparate der Fa. Pharma Nord). Das Diagramm verdeutlicht den Sinn dieser Therapiestrategie. Die Dosierungen im vorliegenden Fall sind:
Oxidiertes Coenzym Q10 200 mg – 1x tgl.
Magnesium 200 mg – 2x tgl.
Vitamin D 3000 IE – 1x tgl.
Arginin & Citrullin (Komplex) 2000-4000 mg – 1x tgl.
Vitamin-B-Komplex
Organisches Selen 100 μg – 2x tgl.
Omega-3-Fettsäuren 2000 mg – 1x tgl.
Multivitamin als Basisversorgung
VERLAUF UND AUSBLICK
Der Patient ist hochmotiviert und bestätigt im Verlauf immer wieder eine sehr gute Compliance, obwohl er auch unter der Vitalstofftherapie täglich viele Präparate einnehmen muss. Es treten keinerlei Nebenwirkungen auf. Der Blutdruck stabilisiert sich bei einem MAD von 90. Nach 12 Monaten sind im Belastungs-EKG keine ST-Negativierungen auffällig, und nach 18 Monaten ist die Plaque in der linken ACC nicht mehr nachweisbar. Der Patient wird nach wie vor überwacht, die Vitalstofftherapie wird angepasst fortgesetzt.

FAZIT
Der ungewöhnliche Fall zeigt, dass eine orthomolekulare Therapie hochwirksam sein kann. Dem Patienten geht es heute, 8 Jahre nach Erstvorstellung, immer noch gut. Größere kardiale Interventionen waren nicht nötig. Es muss dennoch eindringlich darauf hingewiesen werden, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt. Üblicherweise sollte eine Therapie mit Vitalstoffen nur komplementär zur Leitlinientherapie eingesetzt werden.
