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Erstellt: 26. Januar 2026

Fallstudie aus der tierheilkundlichen Praxis

Tierheilkunde 4 Minuten

Mir wird eine 6-jährige Katzendame vorgestellt, die 13 Monate zuvor angefahren wurde und dabei einen mehrfachen Oberschenkelbruch sowie innere Verletzungen erlitten hat. Gefunden wurde sie erst 2 Tage danach, erhielt aber direkt gute medizinische Versorgung mit Operation (Verschraubung) und Klinikaufenthalt. Aktuell leidet das Tier unter Schmerzen sowie dem Unfallschock. Die Kätzin sei noch nie eine gute Esserin gewesen, nun habe sie kaum noch Appetit, erscheine apathisch und nehme nur wenig Kontakt auf, berichtet die Besitzerin. Sie wünscht sich zusätzlich zur konventionellen Therapie ayurvedisch-tierheilkundliche Unterstützung. 

ANAMNESE

Die Kätzin wurde einige Jahre zuvor von ihrer Besitzerin aufgenommen. Sie war verschmust, verspielt und gesund. Nur zeigte sie sich von Beginn an wählerisch, was die Futterauswahl betraf. Es bestand schon immer eine Neigung zu Magenempfindlichkeit. Trotz qualitativ hochwertigem Feucht- und Trockenfutter (je nachdem, was gerade am besten gefressen wurde) blieb das Tier immer dünn. 

Der unfallbedingte Oberschenkelbruch heilte nach der OP nur schlecht, und die vom Tierarzt verordneten Schmerzmittel und Entzündungshemmer vertrug die Patientin leider nicht gut. Mehrmals tägliches Erbrechen und Durchfall haben zu weiterer Gewichtsabnahme und Dehydrierung geführt. Wegen der Verletzungen wird die Katze aktuell in der Wohnung gehalten. Diese Umstellung fällt dem Tier schwer. Erhöhte Nervosität und Reizsensibilität sind an der Tagesordnung. 

AYURVEDISCHER BEFUND UND THERAPIEZIEL

Zu Beginn der ayurvedischen Erstkonsultation führe ich eine Analyse durch: Die Katzendame wird dem Pitta-Vata-Typ zugeordnet (Feuer-, Luft- und Raum-Element überwiegen in der Grundkonstitution). Die Eigenschaften trocken, rau, heiß und sauer sind erhöht, was einer Störung der Doshas Vata (Luft, Raum) und Pitta (Feuer) entspricht. Ziel ist es, die geschwächten Dhatus (Gewebe) Rakta, Mamsa, Medas und Asthi (Blut, Muskel, Fett, Knochen) zur Unterstützung der Heilung und des Rehabilitationsprozesses in Qualität und Quantität zu verbessern. 

THERAPIEVERLAUF

4 Monate nach dem Unfall Zur Balancierung des Ur-Gleichgewichtes der Doshas und Verbesserung der Dhatus wird die Ernährung umgestellt. Ich empfehle, der Katzendame 4x täglich frisches Ziegenfleisch (in 1 MS Ghee angebraten) mit 1/2 TL Kartoffel-Zucchini-Brei anzubieten. Ziegenfleisch wird in der ayurvedischen Heilkunde als entsäuerndes, kühlendes und aufbauendes Nahrungsmittel angesehen. Es gleicht die Dosha-Störung sanft aus, reinigt die Dhatus und unterstützt den Gewebeaufbau im Bewegungsapparat. 

Dazu wird eine Kräutermischung als Futterergänzung erstellt, die 2x täglich über eine Maulspritze mit Joghurt verabreicht werden soll. Inhalte: Shatavari (Asparagus racemosus), Ashwagandha (Withania somnifera), Guduchi (Tinospora cordifolia), Süßholz und Kurkuma. Sie kann den Aufbau von Knochengewebe unterstützen und gleicht die Dosha-Störung sowie Nervosität durch Haltungsumstellung aus. Eine kleine Menge frischer Kräuter, u. a. Zitronenmelisse, wird gehackt (1/4 TL) und mit dem Futter vermengt, um Übelkeit, Magenbeschwerden und Nervosität zu lindern. 

6 Monate nach dem Unfall

Das Fressverhalten bessert sich bereits nach der ersten Woche, Erbrechen wird seltener. Die Umstellung auf das angebratene Ziegenfleisch verläuft gut. Zunächst wird nur das Fleisch angenommen, der Gemüsebrei nur schleichend. Nach 2 Wochen wird dieser ebenso akzeptiert. 

Die Kätzin ist vitaler und scheint sich vom Schock des Unfalls zu erholen. Ihre Psyche wird stabiler, und sie gewöhnt sich langsam an das Leben als Wohnungskatze. Die inneren Verletzungen verheilen. Allerdings zeigt das Röntgenbild des Oberschenkels im Vergleich zum Bild von vor 2 Monaten noch keine merkliche Veränderung an der Bruchstelle. Alle 2 Tage ölt die Besitzerin die geschorene Stelle am Bein samt Narbe mit Murivenna ein, einem ayurvedischen Heilöl für Entzündungen und Knochenverletzungen. Das Öl soll 15 Minuten unter einer Rotlichtlampe einziehen, bevor es mit Watte abgetupft und die Haut getrocknet wird. 9 Monate nach dem Unfall Die Kätzin hat zugenommen, frisst nun wieder motiviert, hat eine gesunde Verdauung und eine ausgeglichene Psyche. Sie wirkt in sich gefasst und entspannt, sucht den Kontakt zum Schmusen und lässt sich verwöhnen. Das letzte Röntgenbild bestätigt eine deutlich verbesserte Knochenheilung. Die schulmedizinische Medikation kann abgesetzt und die Katze mobilisiert werden. Es wird entschieden, die Verschraubung zunächst zu belassen und abzuwarten, wie sich der Knochen weiter stabilisiert. Bis zum nächsten Arzttermin in 2 Monaten soll sie als Hauskatze gehalten werden, um zu starke Belastungen zu vermeiden. Die Öl-Anwendung am Bein wird auf 2x wöchentlich reduziert. 

AUSBLICK

Das Röntgenbild 11 Monate nach dem Unfall zeigt eine vollständige Ausheilung, sodass die Kätzin wieder nach draußen darf. Da sie mit dem Ziegenfleisch gute Vitalität erreicht und kein Erbrechen hat, wird diese Ernährung als Grundlage beibehalten. 2x wöchentlich werden Hühnerfleisch (mit Herz) und Karottenbrei hinzugenommen. Die Futterergänzungsmischung wird 1 Monat später ausgeschlichen. 

FAZIT

Dieser Fall zeigt, wie ayurvedische Tierheilkunde in einem integrativen Therapiekonzept sowohl das allgemeine Wohlbefinden als auch die Abheilung von Gewebe nach einem Unfall unterstützen kann. 

Theresa Rosenberg

Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Ayurveda, Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen, Autorin über ganzheitliche Tiergesundheit

theresa@rosenbergs.eu

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