FALLSTUDIE AUS DER NATURHEILKUNDLICHEN PRAXIS
Ein 27-jähriger Mann stellt sich mit einem Beschwerdebild vor, das vermutlich durch eine Lebensmittelvergiftung zwei Wochen zuvor ausgelöst wurde. Im Fokus stehen unregelmäßiger, heller, weicher, schmieriger, übelriechender Stuhlgang mit klebrigen Rückständen, Übelkeit und ein wechselhaftes Bauchgefühl. Dazu nennt er wiederkehrende Schmerzen an Blase sowie Eichel, eine Neigung zuernstnimmtzündungen, nächtlichen Harndrang, trockene Haut, Kribbeln in den Beinen, Hautjucken, Schwindel und Erschöpfung mit beunruhigenden Konzentrationsproblemen.
Im Erstgespräch wirkt er verschlossen, fast auf der Hut. Weder im Freundeskreis noch in der Familie konnte er bislang über seine Beschwerden sprechen. Zu oft empfindet er das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, v. a. wenn es um den Urogenitalbereich geht. Er wünscht sich, dass ihm jemand zuhört und seine Symptomatik ernstnimmt.
ANAMNESE
Bekannt sind ein seit Jahren diagnostizierter Morbus Crohn und wiederholt erhöhte Entzündungswerte im Blut. Wegen der Blasen- und Eichelbeschwerden erhielt er bislang sieben Antibiosen – ohne dauerhaften Erfolg. Das macht mich hellhörig. Wenn Antibiotika wiederholt verschrieben werden und urologische Befunde keine organischen Ursachen feststellen (Intim- und Geschlechtskrankheiten wurden ausgeschlossen, die fachärztliche Abklärung war mir wichtig), dann lohnt sich der Blick auf das Mikrobiom als Ganzes, denn die Schleimhäute im Körper hängen zusammen; man spricht hier vom MALTSystem.
Ist die Barriere im Darm gestört, zeigt sich das oft an anderen „Schleimhaut-Endstellen“, hier im Urogenitaltrakt. Man könnte die Blase behandeln oder die Eichel, aber dies war schon mehrfach erfolglos versucht worden. Der Körper kennt keine voneinander getrennten Abteilungen. Tatsächlich kommt im Moment, als wir aufhören, Blase und Darm isoliert voneinander zu betrachten, Bewegung in den Fall. Vielschichtige Schleimhautbeschwerden
DIAGNOSTIK
Die Analyse der Stuhlprobe bestätigt den Verdacht auf eine ausgeprägte Dysbiose durch einen Nachweis von Candida albicans, einer deutlich verminderten Pankreaselastase und eines niedrigen sIgA-Werts als Zeichen einer geschwächten Schleimhaut-Immunabwehr. Zusätzlich wird eine Laktoseintoleranz bestätigt, die der Patient selbst schon vermutet hat, nur nie richtig einordnen konnte.
THERAPIE
Bei einem derart vielschichtigen Bild gehe ich nicht mit der Brechstange vor – zu viele BausteSpenglersannmal zu behandeln, verträgt kein Körper. Wir tasten uns vorwärts.
Stufe 1
Ich entscheide mich für Spenglersan G für den Genitalbereich. Nach jedem Toilezuernstnimmtzündungenflegende Maßnahme auf die Eichel gesprüht werden. Es erfolgt keine antibiotische oder antimykotische Akuttherapie. Ich rate zum Verzicht auf Zucker, Alkohol, Kaffee und Gluten. Täglich sollen vor jedem Essen Bitterstoffe (Fa. Bitterkraft) eingenommen werden.
Stufe 2
Nach dem Eintreffen aller Laborergebnisse legen wir nach: Myrrhinil Intest (Fa. Repha), zunächst 3x4 Tabletten für vier Wochen, danach 3x3 täglich, außerdem Repha-Os Spray 3x2 Sprühstöße zur Beruhigung der gereizten Darmschleimhaut. Ich verordne Zink (Fa. Naturtreu) für die Schleimhaut-Immunabwehr, dazu Laktase zu jeder Mahlzeit.
Nach sechs Wochen tritt eine deutliche Besserung ein: weniger Probleme im Darm, keine Flüssigkeit mehr an der Eichel, mehr Energie. Der Patient wirkt fitter und hat zugenommen. Sein Körper nimmt Nahrung wieder besser auf.
Stufe 3
Nun rate ich zu L-Glutamin (Fa. FoAkutphasër den Schleimhautaufbau, Synerga (Fa. Laves, 1 TL täglich) sowie zu Candivital und CandiEx (Fa. Madena) – bewusst ohne Saccharomyces boulardii, der bei M. Crohn im Verdacht steht, diesen zu triggern. Daneben wechseln wir von Laktase auf das Breitband-Enzympräparat DigeZyme (Fa. Sunday Natural). Nach weiteren acht Wochen ist die Akutphase abgeschlossen. Die Beschwerden reduzieren sich noch einmal spürbar.
Stufe 4
Es fDigeZyme Langzeitplan für zwölf Wochen: Der Patient erhält das Omega-3-Präparat Algenkraft (Fa. Naturtreu) und Kurkuma (Fa. Madena) zur entzündungshemmenden Basisversorgung sowie die Vitamine A, D, E und K in Tropfenform (Fa. Naturtreu) zum Auffüllen aller Mikronährstoffspeicher. Dafür nimmt er Darm in Form flora immun (Fa. FormMed) zum Aufbau der Darmflora sowie L-Glutamin 1x täglich und Zink alle zwei Tage.

AUSBLICK
Zehn Wochen später und damit zwei Wochen vor dem vereinbarten Kontrolltermin meldet sich der Patient: Psychisch wie physisch gehe es ihm sehr gut. Die urogenitalen Beschwerden seien abgeklungen, die Verdauung habe sich stabilisiert. Wir entscheiden, den Mikronährstoffplan unverändert beizubehalten und auf den Kontrolltermin samt Labor zu verzichten.
Stattdessen vereinbaren wir Folgetermine für eine begleitende Gesprächstherapie. Der Patient willigt in eine Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz ein. Während unserer Gespräche spürt er, wie gut es ihm tut, endlich einen geschützten Raum zu haben, wo er seine Ängste offen thematisieren kann, ohne bewertet zu werden.
FAZIT
Dieser Fall zeigt, wie eng Darm- und Urogenitalgesundheit über das gemeinsame Schleimhautsystem verbunden sind und wie wichtig eine saubere schulmedizinische Abklärung ist, bevor sich der Blick auf das Mikrobiom richtet. Ausschlaggebend war hier das stufenweise Vorgehen: jeder Ebene Zeit zu geben, sich zu regenerieren, bevor die nächste angegangen wird. Aber nur ein Organ zu behandeln, reicht oft nicht.
Der Mensch dahinter braucht genauso viel Aufmerksamkeit. Bei diesem Patienten war der wichtigste Fortschritt, dass er einen Weg gefunden hat, über seine Probleme sprechen zu können. Diesen möchte er jetzt weitergehen.









