Hilfe durch die Naturheilkunde
Nicole Gorzynski
Spondylose ist eine degenerative Veränderung der Wirbelkörper und der Intervertebralräume mit zunehmender Verknöcherung, ähnlich dem Morbus Bechterew beim Menschen, was im Verlauf Bewegungsstörungen und Schmerzen verursacht.

Wie bei jeder Behandlung steht am Anfang wie immer zuerst die Diagnose. Eine Spondylose kann sich mit vielen verschiedenen Symptomen bemerkbar machen – eine gezielte Differentialdiagnose ist oftmals von Nöten, außerdem kann es auch zu Mischerkrankungen als Folge oder im Zusammenhang mit der Spondylose kommen, hier wäre zum Beispiel Arthrose zu nennen. Auch die Ursachen können mannigfaltig sein, sowohl angeborene Schwächen sind möglich als auch ein Verschleiß entweder durch Haltungsschäden, Überfütterung oder auch wirkliche Abnutzung der Zwischenwirbelgelenke durch jahrelange harte Arbeit. Die Erkrankung verläuft meist in mehreren Schüben – überwiegend wird sie erst erkannt, wenn das Tier durch Nervenschmerzen anfängt zu lahmen, Schwierigkeiten beim Aufstehen bekommt, Rüden plötzlich ihr Bein nicht mehr heben können oder es zu Kotabsatzschwierigkeiten kommt; auch Wetterfühligkeit kann unter Umständen beobachtet werden.
Grundsätzlich kommt es langsam zu einer Versteifung eines oder mehrerer Zwischenwirbelgelenke, röntgenologisch sind dann bereits meistens Erhebungen an den Wirbelkörpern sichtbar. Spondylose ist nicht heilbar, durch gezielte Therapien sind jedoch dem Patienten die Symptome je nach Stärkegrad erträglich zu machen, und so kann die Lebensqualität oft noch gut und lange erhalten werden.
Klassische Homöopathie
In der Folge möchte ich einige klassische homöopathische Mittel aufzählen, welche sich bewährt haben, diverse Beschwerden zu lindern und die in der Lage sind, die Lebensqualität auf einem bestimmten Niveau wieder herstellen und halten zu können. Ich werde die zu diesem Thema passenden Haupt-, und Leitsymptome aufzählen. Es ist natürlich evident, dass diese Mittel auch andere Wirkungsrichtungen haben. Auf Angaben zu Potenzen oder Dauer der Gabe habe ich verzichtet – wie immer muss hier der Behandler selbst individuell am Patienten entscheiden, die Angaben sollen lediglich als Hilfestellung in der Mittelfindung dienen. Ich habe sowohl ein paar größere als auch einige kleinere Mittel herausgesucht, welche sich in der Praxis bei der Behandlung als zuverlässig erwiesen haben.
Trotz der vielen guten Mittel mit entsprechenden passenden Symptomenbildern sei natürlich die regelmäßige Gabe des Konstitutionsmittels nicht zu vergessen und dieses sollte nicht nur bei bereits erkrankten Tieren immer in die Behandlung mit eingeschlossen werden.
Harpagophytum (Teufelskralle)

Tiere laufen sich ein, Beschwerden werden dann aber wieder schlimmer
Arthrosen der großen Gelenke
günstige Wirkung auf Spondylose im Brust- und Lenden wirbelbereich
Besitzt eine gute Kombinationsmöglichkeit mit dem Mittel Olibanum (Weihrauch), vor allem bei arthritischen Erkrankungsbildern.
Lachnanthes (Rotwurzel)
krampfartiges Zusammenziehen der Muskulatur als Folge von Schäden an der Wirbelsäule
stark verspannte und verhärtete Muskulatur durch Innervationsstörungen
rezidivierende Beschwerden auch im bereits chronischen Zustand, vor allem HWS-Problematiken
Schmerzen strahlen in die Gliedmaßen aus
Nux vomica (Brechnuss)
besonders gut passendes Mittel, wenn es zugleich das Konstitutionsmittel des Hundes ist
im Krankheitsfall bösartiges, wütendes Tier mit Krämpfen und großem Schmerz (cave: Tier kann den Behandler beißen)
Bandscheibenvorfall möglich
Krämpfe wechseln in den Magen-Darmtrakt über, daher sind hier öfters Probleme bei der Miktion und beim Kotabsatz als Symptome zu beobachten
Lähmungserscheinungen
Hinterpfoten mal steif, mal schlaff
wirkt beeinflussend auf die Reizleitung im letzten Teil des Rückenmarks und hat somit dann auch wieder indirekt eine Wirkung auf die Blasen-, und Darmfunktion
Conium (gefleckter Schierling)
Lähmungserscheinungen vor allem in der Hinterhand
Hinterhand oftmals kälter als die Vorderpfoten (gut messbar!)
Patient ist entgegen seiner gewohnten Verfassung plötzlich aggressiv oder auch völlig matt und lustlos – er zeigt ein sehr schwankendes Gemüt und möchte teilweise allein gelassen werden, ist schnell müde oder aber plötzlich und unerwartet auch aggressiv
Hinterhand gefühllos (gut mit leichtem Kitzeln zu testen)
Koordinationsstörungen und Ataxien beim Laufen
Gelenke knacken auffällig bei der Bewegung
leichte Bewegung bessert – Verschlimmerung in der Frühe und bei Kälte
Symptome gehen oftmals mit zunehmender Schwerhörigkeit einher
Plumbum matallicum (Blei)
zur Lahmheit kommen immer auch noch Kotabsatzschwierigkeiten dazu
die Schädigungen am Rückenmark sind bereits durch deutliche Symptome und auf dem Röntgenbild sichtbar
Ameisenlaufen / Kribbeln in den Gliedmaßen
Einknicken und Zusammenbrechen beim Laufen
sichtbare oder fühlbare Muskelatrophien vor allem als Folge einer Störung der Nervenversorgung
Arsenicum Album (weißer Arsenik)

sehr großer Schmerz bei jeder Bewegung in allen Muskelpartien
große Schwäche und Kälte; zehrt sich auf vor Schmerz und leidet still vor sich hin
extreme Ruhelosigkeit, muss eigentlich vor Schwäche liegen, will dies aber nicht; Patient möchte nicht allein sein
Trinken von viel Wasser, aber in kleinen Mengen
Symptome gehen oft einher mit stinkenden Durchfällen
sieht plötzlich viel älter aus als er ist, da auch die Gesichtsmuskulatur atrophiert
Schmerzen beginnen im Nacken und strahlen nach hinten aus
Verschlimmerung bei Kälte (Patient selbst ist ja schon kalt)
Conchiolinum / Mater perlarum (Perle, reines Perlmutt)
ideal bei bereits vorliegenden massiven Knorpeldefekten
Knorpel defekt oder geschrumpft
kann der allgemeinen Stärkung des Skelettes, vor allem aber des Knorpels dienen
oftmals Hunde mit einem “Knickohr” Hekla Lava (Lava vom Vulkan Hekla, Island)
zeigt keine Hinterhandschwäche
auf röntgenologischem Befund bereits deutliche Knochenwucherungen / Exostosen sichtbar
Calcium fluoratum (Calciumfluorid)
bereits degenerative Veränderungen am Knochen und den Gelenkkapseln sichtbar; röntgenologische Befunde ergeben ein zerfressenes Bild der Knochenstruktur
starker Senkrücken, sichtbare Durchtrittigkeit der Gelenke
gesamte Elastizität geht verloren; staksiger Gang
Strontium Carbonicum (Strontiumcarbonat)
degenerative Knochenprozesse
sehr plötzlich auftretende, schießende Schmerzen
Zittern der Gliedmaßen; Kribbeln in den Pfoten
Verschlimmerung nachts, bei Berührung und bei Bewegung
Wärme bessert, warmes Wetter
Lathyrus sativus (Saat-Platterbse)
spastische Lähmungen der Hinterhand; Stolpern, Schwanken
läuft wie auf Zehenspitzen
Atrophie der Muskulatur
sich schnell verschlimmernde Koordinationsstörungen
Strychninum nitricum (Strychninnitrat)
sehr steife Muskulatur mit großer Berührungsempfindlichkeit
Auswirkungen auf die Harnblase (unwillkürlicher Urinabgang)
hohe Empfindlichkeit auf äußere Sinnesreize wie Berührung, Licht oder Geräusche
Lycopodium (Bärlapp)
Kraftlosigkeit und Schwäche in den Gliedmaßen
unwillkürliches Schütteln und Strecken der Gliedmaßen
Hund will nicht allein sein und sucht Nähe
Steifheit der Gliedmaßen; Taubheitsgefühl; Ameisenlaufen / Kribbeln in den Gliedmaßen
Gliedmaßen auf einer Seite kälter als auf der Anderen (gutfühl- und auch messbar); Ursache hierfür ist die Erschlaffung des venösen Systems durch Leberstauung
hoher Berührungsschmerz in der Lendenwirbel- und Sakralgegend; in Oberschenkel ausstrahlend
oft als zusätzliches Symptom Neigung zu Obstipation und / oder Leber-, bzw. Nierenstörungen
Verschlimmerung nachts in Ruhe
leichte Bewegung bessert
Natrium chloratum (Kochsalz)
Schmerzen in den Gliedmaßen auch nach der kleinsten Anstrengung
liegt gern auf hartem Untergrund, auch wenn es nicht wirklich bekommt
starke und offensichtliche Verschlimmerung durch Nässe und Kälte
Knacken in den Gliedern
ist immer in Bewegung, großer Bewegungsdrang
dünne Tiere mit stumpfem, glanzlosem Fell
möchte seinem Besitzer immer alles Recht machen, auch wenn ihm das schlecht bekommt, und er sich unter Umständen dabei selbst überfordert
war in seinem früheren Leben oft ein Leistungstier, welches dann in “Rente” geschickt wird – das “Rentner-Dasein” bekommt ihm aber nicht
älteres Leistungstier mit altersbedingten Verschleißerscheinungen.
Natürlich gibt es neben den Einzelmitteln für die klassische Behandlung auch eine Reihe von Komplexmitteln der sicher allen Therapeuten bekannten Firmen. Auch diese haben sich in der Behandlung bewährt und auch fest etabliert.
Weitere Therapieoptionen
Neben der reinen homöopathischen Behandlung handelt es sich beim Krankheitskomplex der Spondylose mit all ihren einzelnen Stufen und Symptomen natürlich um eine Krankheit, bei der neben der Homöopathie auch hervorragend weitere naturheilkundliche Maßnahmen greifen und vom Behandler in Kombination anzuwenden sind. Wie immer ist hier der Einzelfall zu betrachten und die Maßnahmen dann passend auszuwählen.
Grundsätzlich ist es erforderlich, so sanft wie möglich und für den Patienten auch auf erträgliche Weise einen Durchfl uss im Gewebe zu erzielen, damit die innerliche Versorgung optimiert werden kann.
Auch wenn bereits entstandene Knochenveränderungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können, so ist es möglich, zum Beispiel durch gezielten Muskelaufbau eine Linderung der Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu erzielen. Vermieden werden sollten in allen Behandlungssparten ruckartige Bewegungen und Wendungen sowie Überbelastungen. Vorzugsweise sollten mehrmals am Tag kleine Übungen vorgenommen werden, anstatt ab und zu sporadisch irgendwelche größeren “Hau-Ruck-Aktionen” zu unternehmen.
Mögliche weitere naturheilkundliche Behandlungsmaßnahmen können sein:
• Bewegungstherapie
• Muskelaufbautraining
• Schwimmen
• Physiotherapie
• leichte Massagen
• Farblichttherapie
• Magnetfeldtherapie
Literaturhinweise
Nicole Gorzynski eigene Patientenunterlagen und Aufzeichnungen
Andreas Striezel (Hrsg.): Geriatrie der naturheilkundlichen Tiermedizin (Gesundheit für ältere Haustiere), Sonntag Verlag, 2004
A. H. Westerhuis: Homöopathie Hunde; Droemer-Knaur-Verlag; Taschenbuchausgabe 2000










