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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 2/2011

(Ein)Blick in die Sterne

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Psychologische Astrologie

© Photosani - Fotolia.comNach einer repräsentativen Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie lesen etwa 77 % der Bevölkerung Zeitungshoroskope. Dabei spielen Alter, Beruf, Schulbildung oder politische Orientierung keine Rolle.

Mal ehrlich, lesen Sie nicht auch ab und zu einmal Ihr Horoskop in der Zeitung? Ist doch super, der „Schütze“ hat diese Woche echtes Glück, denn in der Liebe und mit dem Geld klappt es gerade wunderbar, und das mit der Arbeit, na was soll’s, bald ist eh‘ Urlaub.

Oder gehören Sie gar zu denen, die sich ihr Tageshoroskop per SMS oder E-Mail täglich zusenden lassen? Eine astrologische Monatszeitschrift haben Sie aber bestimmt schon mal in der Hand gehabt – schwindeln Sie jetzt nicht.

Aber Spaß beiseite – Umfragen ergeben immer wieder, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gelegentlich oder regelmäßig Zeitungs- oder andere „Medienhoroskope“ liest. Das heißt jedoch nicht, dass all diese Menschen auch an Astrologie glauben, vielmehr geschieht dies aus einem Unterhaltungsbedürfnis heraus: es macht einfach Spaß, hin und wieder nachzuschauen, was die Sterne sagen.

Lassen Sie sich die Freude nicht verderben. Diese Art von „Horoskopen“ und „Astrologie“ dient wirklich nur der Unterhaltung und hat keine haltbare fachliche Relevanz. Es handelt sich schlichtweg um Fun und Entertainment, und in unseren nicht immer einfachen Zeiten sollten diese nicht zu kurz kommen. Mit Leichtigkeit und Unverbindlichkeit die Sonnenseiten des Lebens zu genießen hat nichts Verwerfliches, sondern tut einfach nur gut.

Im Hinterkopf sollte dabei gleichzeitig bewusst bleiben, dass bei einer Weltbevölkerung von rund 6,8 Milliarden Menschen rein rechnerisch knapp 570 Millionen dasselbe Sternzeichen haben. Dass es dann Zeitgenossen gibt, die es für Humbug halten, eine derart große Menge von Menschen mit den immer gleichen banalen Inhalten zu belegen, ist auch verständlich, oder?

Wie geht das zusammen? Nun, es gibt Unterhaltung und Entertainment in Form von Tages-, Wochen- oder Jahreshoroskopen für die 12 Sternzeichen, Astroshows im Fernsehen und vieles mehr in dieser Richtung. Und es gibt die ernsthafte Astrologie.

Astrologie jenseits von Unterhaltung versteht sich als älteste Symbolsprache der Welt. Sie ist kein Fast-Food-Programm der 12 Tierkreiszeichen, um Menschen mit banalem Inhalt zu füllen, sondern eine hoch differenzierte Persönlichkeitslehre und eine moderne Form der Lebenshilfe.

Schon vor Urzeiten beobachteten die Menschen den Himmel und die Gestirne und zogen daraus Rückschlüsse auf Geschehnisse hier auf der Erde. Zunächst ging es dabei wohl um Wanderrouten von Tierherden. Später entstand der Tierkreis, der zunächst ein Kalender z.B. für Aussaat und Ernte war.

Obwohl die Astrologie mindestens 5.000 Jahre alt ist, wurden erste Individualhoroskope (also Horoskope für einzelne Personen) erst etwa 400 v.Chr. in Griechenland bekannt. Sicher nicht zufällig fällt dies in die Lebenszeit des großen griechischen Philosophen Platon. Er sah in den Himmelskörpern die Manifestation göttlicher Seelen, die den Auftrag haben, sich um die Menschen zu kümmern und sie nach dem Tode wieder aufzunehmen. Er vertrat weiter den Gedanken der Wiedergeburt und glaubte, dass jeder Mensch sein Schicksal vor der Geburt selbst wählt.

Die Geschichte der Astrologie war von Anfang an sehr wechselhaft. Zeiten der Blüte wechselten sich mit Zeiten der Banalisierung und Verfolgung ab. Im vorliegenden Magazin, das den Namen des Paracelsus trägt, darf dieser natürlich nicht unerwähnt bleiben. Von ihm stammt eine Vielzahl astrologischer Zuordnungen von Pflanzen, Metallen usw. und er lieferte wichtige Impulse für die Astromedizin. Paracelsus sagte auch:

„Nur derjenige kann ein guter Arzt sein, der die Astrologie beherrscht.“

Leider ging 1817 der letzte Lehrstuhl für Astrologie an einer deutschen Universität verloren. Nichtsdestotrotz existieren in der Gegenwart abseits des Medienrummels viele gut ausgebildete Astrologinnen und Astrologen, die täglich eine wertvolle und hilfreiche Arbeit verrichten.

Psychologische Astrologie oder astrologische Psychologie? Diese beiden so ähnlichen Begriffe werden in der Fachwelt zwar durchaus differenziert, aber gemeinsam ist ihnen, dass sie die Nähe und Verwandtschaft der Astrologie zur Psychologie aufzeigen. Häufig hört man auch die Definition, „die Astrologie sei die Psychologie der Antike gewesen“. Doch die Astrologie hat sich ständig weiterentwickelt und ist heute eine moderne Form ganzheitlicher Lebensberatung.

Wussten Sie, dass Carl Gustav Jung, der „Vater der Psychoanalyse“, mit Astrologie gearbeitet hat? Kennen Sie Fritz Riemann – Sie wissen schon, die „Grundformen der Angst“, ein Standardwerk für alle psychosozialen Berufe? Dann sollten Sie sich vielleicht auch ein anderes Standardwerk von Riemann anschaffen. In „Lebenshilfe Astrologie“ gibt Riemann, basierend auf langjähriger eigener Erfahrung, eine brilliante Einführung in den Astrologie- Themenkreis. Dabei beleuchtet er ihre überaus weitgehenden Möglichkeiten genauso wie ihre Grenzen:

„Das Horoskop zeigt einen, allerdings einen ungemein wichtigen und auf andere Weise nicht zu findenden Persönlichkeitsaspekt, den Kosmotypus, wie Thomas Ring ihn bezeichnet, der zusätzlich zum Genotypus und Phänotypus hinzukommt.“

Methoden der Astrologie und der Psychologie bzw. der psychologischen Beratung ergänzen sich heute und befruchten einander gegenseitig. Wir finden aus dem Psychodrama abgeleitet das „Astrodrama“, der „Farbdialog“ zeigt Übereinstimmungen mit Teilen der Kunsttherapie, astrologisches Familienstellen ist genauso gebräuchlich wie Astro-Coaching.

Es gibt jedoch auch Unterschiede. In der Psychotherapie und der Psychologie werden „kranke“ Menschen behandelt. In der Astrologie werden „gesunde“ Menschen astropsychologisch beraten. Obwohl astrologische Methoden grundsätzlich durchaus auch für pathologische Fälle geeignet sind, sind Astrologen in den meisten Fällen für eine therapeutische Intervention nicht ausgebildet oder zugelassen.

Ähnliches gilt für die Astromedizin. Es existiert eine große Zahl gut erforschter Analogien zwischen Astrologie und Medizin. Dazu gehören z.B. Behandlungen mit Homöopathie, Schüßlersalzen und Bachblüten, um nur einige zu nennen. Die Diagnose und Behandlung von Krankheiten auf ganzheitlicher Basis kann unter Zuhilfenahme des Horoskops enorm dazugewinnen. Diese Vorgehensweise ist jedoch nur Astrologen vorbehalten, die gleichzeitig Ärzte oder Heilpraktiker sind.

Der „reine“ astro-psychologische Lebensberater hat ebenfalls ein äußerst vielfältiges und interessantes Tätigkeitsfeld. Hierzu gehört – neben der klassischen Charakteranalyse mit den persönlichen Stärken und Schwächen – oftmals die Begleitung durch schwierige Lebensphasen. Sinnkrisen oder Verlust der gewohnten Lebenssituation sind häufig Gründe, weshalb professionelle astrologische Berater konsultiert werden.

Klassische Bereiche sind zudem die Erziehungsund Partnerschaftsberatung sowie die Berufseignungsanalyse.

Hierzu stehen eine ganze Reihe von Grundtechniken zur Verfügung, die durch vielfältige Spezialgebiete, z.B. die Astrokarthografie (Orte der Kraft) ergänzt werden können.

Skeptiker mögen nun vielleicht fragen: Und wie funktioniert das? Astrologie geht zunächst von einer Grundannahme aus, dem Analogiegesetz: wie oben (am Himmel), so auch unten (auf der Erde) bzw. der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos.

Astrologen schließen demnach von den Gestirnsständen am Himmel auf Seinsformen auf der Erde. Das Horoskop des Geburtsmoments ist eine Seelenlandkarte, die in symbolischer Form den Grundlebensbauplan eines Menschen wiedergibt. Welche Fähigkeiten und Talente sind angelegt, wie und in welchem Lebensbereich können sich diese äußern, welche Schwierigkeiten und Aufgaben trägt der individuelle Mensch in sich, welche Möglichkeiten zur Aufgabenbewältigung ergeben sich für ihn ganz persönlich?

Dazu stehen im Horoskop eine ganze Reihe von Faktoren zur Verfügung. Die Himmelsgestirne stehen für die verschiedenen Wesenskräfte des Menschen. Vereinfacht ausgedrückt symbolisiert z.B. der Mond die innere Institution „Gefühl“, Merkur die „Kommunikation“.

Diese Wesenskräfte sind in jedem Menschen individuell vorhanden. Die Stellung der Gestirne in den Tierkreiszeichen zeigt die innere Anlage. Am Beispiel des Mondes wäre ein „Krebsmond“ z.B. eine sehr emotionale, mütterlich-schützende Gefühlsnatur, und ein „Widdermond“ eine mutig-temperamentvolle Gefühlsnatur. Das Zeichen, in dem sich die Sonne (der Lebenskern) befindet, wird im Volksmund übrigens als „Sternzeichen“ bezeichnet.

Die Gestirne stehen unabhängig davon auch noch in jeweils einem der 12 astrologischen Häuser oder Felder. Diese symbolisieren alle Lebensbereiche wie z.B. Partnerschaft, Gelderwerb, Herkunftsfamilie, soziales Engagement, Beruf und Öffentlichkeit. Würde ein Mensch mit einer mütterlich umsorgenden Gefühlsnatur („Krebsmond“) ausgestattet sein, der gleichzeitig im 10. Haus (Beruf und Berufung) des Horoskops steht, könnte man (vereinfacht) z.B. den Beruf der Hebamme empfehlen.

Hinzu kommen die sogenannten „astrologischen Aspekte“, die anzeigen, wie die einzelnen Wesenskräfte eines Menschen in ihm miteinander kommunizieren. Kann der Kopf mit dem Bauch oder stehen genügend Energie und Durchsetzungskraft zur Verfügung, um die eigenen Wertesysteme zu verwirklichen?

Wir beobachten in einem Horoskop also die 12 Tierkreiszeichen, mindestens 10 Gestirne, 5 oder mehr Aspektarten und 12 Häuser. Diese verändern ihre Position zueinander in kurzen Zeitabständen. Bedenken wir dann noch, dass der Himmel über Berlin zum gleichen Zeitpunkt anders aussieht als der über Madrid, wird deutlich, dass kein Horoskop einem anderen zu 100% gleichen kann. Und so entspricht ein Geburtshoroskop auch der menschlichen Natur: es ist einzigartig!

Die Deutung astrologischer Symbole basiert auf empirischen Erhebungen. Seit Urzeiten haben die Menschen den Himmel beobachtet und daraus ihre Schlüsse gezogen. Im Lauf der Jahrtausende ist ein fein differenziertes System entstanden, das einen hohen Nutzen für die Menschheit und die individuelle Lebensbewältigung des Einzelnen hat.

Die Astrologie reduziert sich nicht nur auf die eigentliche Charakteranalyse – diese ist lediglich Grundlage für alle weiteren Untersuchungen und die praktische Arbeit, die sich daraus ergibt. Aus dem Vergleich der Horoskope zweier Personen lassen sich Rückschlüsse auf Harmoniepotenziale und Differenzen erarbeiten. Dies ist ungemein hilfreich bei der Erziehungs- und Partnerschaftsberatung, auch bei der Streitschlichtung unter Nachbarn und Arbeitskollegen.

Mithilfe zeitdynamischer Methoden lässt sich ausgezeichnet eine astrologische Lebenslaufanalyse erstellen. Dieselben Methoden helfen dabei zu erkennen, welche Lebensbereiche aktuell im Leben gefordert sind. Konkrete Zukunftsprognosen sind zwar nicht mit ausreichender Signifikanz zu erreichen, wohl aber eine Trendbestimmung.

Nicht umsonst ist die moderne, psychologische Astrologie auf dem Vormarsch. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen immer mehr Menschen sich die Sinnfrage stellen, wird ein Instrument umfassender Selbsterkenntnis mehr denn je benötigt. An den Paracelsus Schulen wird deshalb selbstverständlich auch Astrologie gelehrt – der historische Paracelsus „lässt grüßen“. Dies geschieht im Sinne einer ganzheitlichen Heilbehandlung des Menschen als Ergänzung zur Heilpraktikerausbildung oder als eigenständige Disziplin zur nachhaltigen und lebensbejahenden Lebensberatung. Astrologie entspringt dem Urgrund der Menschheit und hilft mit, unsere Gegenwart und Zukunft sinnvoll und erfüllt zu gestalten.

Uwe Sonnenschein
Uwe Sonnenschein
Astro-psychologischer Lebensberater in eigener Praxis, Dozent für Astrologie an den Paracelsus Schulen
uwe@sonnenschein-astro.de

 

Literaturempfehlungen:

  • „Die Botschaft der Mondknoten“
  • „Ratgeber Astrologie“
  • „Komm’ näher – geh’ weg“

www.paracelsus-bookshop.de

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