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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 03/2024

Unsere Heilpflanze » Gewöhnliches Seifenkraut . Saponaria officinalis «

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Auch bekannt als: Echtes Seifenkraut, Seifenwurz, Waschkraut, B. saponaria, Lychnis officinalis, Silene saponaria, Hustenwurzel, Waschlaugenkraut, Speichelwurz, Hundsnelke, Knackblume, Lichtrosenwurzel Seifenkraut gehört in der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) zur Gattung der Seifenkräuter (Saponaria). Diese sind in den gemäßigten Zonen in Europa, Westasien (Sibirien), im Kaukasusraum und auf Madeira häufig anzutreffen. Bislang sind 43 Arten der Gattung bekannt, die folgenden Ausführungen beziehen sich auf das Gewöhnliche Seifenkraut.

Meist ist die Pflanze in Unkrautfluren, v.a. in Auen-Landschaften (Stromtalpflanze), an Flussufern, Dämmen, Kiesbänken, auch an Wegen und auf Schuttplätzen verbreitet. In Mitteleuropa wächst es meist bis in Höhenlagen von 800 m. Wenn es im Garten angepflanzt werden soll, ist in der Nähe von fischbesetzten Teichen Vorsicht geboten, denn es ist für manche Tiere (Fische, Frösche) giftig.

Gesammelt oder gepflanzt wird Seifenkraut vermutlich seit der Jungsteinzeit. Heute wird es zum Zweck der Anwendung in der Naturmedizin vorwiegend in China, im Iran und in der Türkei angepflanzt.

Der Name Saponaria für Seifenkraut (von sapo = Seife) deutet darauf hin, dass man die Pflanze oder daraus hergestellte Lösungen zum Waschen verwenden kann.

Woran erkennt man Gewöhnliches Seifenkraut?

Beim Gewöhnlichen Seifenkraut handelt es sich um eine ausdauernde und krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 30-80 cm. Sie besitzt stark verzweigte, unterirdische Ausläufer, aus denen fingerdicke Rhizome gebildet werden. Die Primärwurzel zeigt eine rübenartige Verdickung. Die Stängel wachsen aufrecht, sind meist unverzweigt, weisen eine weiche Behaarung auf und sind dicht belaubt. Die Laubblätter sind 3- bis 5-nervig und haben eine eilanzettliche bis lanzettliche Form mit Länge von 5-10 cm. Blütezeit der Pflanze ist Juni bis Oktober, die Fruchtreife (Kapselfrüchte) erstreckt sich von September bis Oktober. Die Früchte sind meist schwarzbraun und haben eine Länge von etwa 1,5 mm.

Wie wirkt Gewöhnliches Seifenkraut?

Seifenkraut kann als Saponindroge die Aufnahme von Stoffen aus der Nahrung in den Körper verbessern (Einschleuserpflanze). In der Tumorbehandlung wurde das aus dem Seifenkraut gewonnene Proteintoxin Saporin in Tests angewendet. Die Pflanze schmeckt

herb und bitter. Die Kommission E stuft sie als expektorierend aufgrund einer Reizung der Magenschleimhaut ein, allerdings mit dem Hinweis, dass sie in hoher Dosierung zelltoxisch ist.

Achtung: Seifenkraut kann in höheren Dosen Erbrechen auslösen und ist demnach schwach giftig. Man sollte die Anwendung keinesfalls überdosieren, da es aufgrund des hohen Saponingehalts zu Reizungen der Verdauungsorgane und des Harnapparats kommen kann.

Das hauptsächliche Einsatzgebiet ist gegenwärtig die Homöopathie. Nach HAB 34 werden die getrockneten, unterirdischen Pflanzenteile bei Kopf- und Augenschmerzen verwendet.

Eigenschaften

• abführend
• antiarthritisch
• antirheumatisch
• auswurffördernd
• blutreinigend
• entschlackend
• entwässernd
• fungizid
• harntreibend
• schleimlösend
• schweißtreibend
• stoffwechselanregend
• tonisierend
• verdauungsanregend

Anwendungsgebiete

• Arthritis
• Asthma
• Bronchialleiden

• Ekzeme
• Fußpilz
• Heiserkeit
• Husten
• Katarrh
• Neurodermitis
• Pfortaderstauung
• Pilzerkrankungen im Zungenbereich
• Rheuma
• Schuppenflechte
• Trockene Nase
• Unreine Haut (Akne)

Welche Wirkstoffe sind im Gewöhnlichen Seifenkraut enthalten?

Vorwiegend kommen Triterpensaponine (in der Wurzel 3-8%) mit dem Aglykon Quillajasäure als Hauptwirkstoff vor. Daneben finden sich Saponarioside (z.B. Gypsogenin), Oligosaccharide, Stärke, Gerbstoffe, Harze und ätherische Öle. Von Bedeutung ist der Stoff Saporin. Dabei handelt es sich um ein Proteintoxin, von dem bekannt ist, dass es die Ribosomen inaktiviert.

Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?

Für die Droge Saponariae rubrae radix (syn. Radix Saponariae rubrae) bzw. Rote Seifenwurzel (syn. Seifenkrautwurzel, Waschwurzel) werden die getrockneten Rhizome und Wurzeln verwendet. Seltener werden die krautigen Pflanzen genutzt.

Anwendung

Die Teebereitung ist heute wenig gebräuchlich. Für die Herstellung benutzt man 4 EL getrocknete Seifenkrautwurzel (oder die doppelte Menge frischer Wurzeln) und setzt sie mit 1 Liter kaltem Wasser an. Diesen Ansatz lässt man 5 Stunden ziehen, bringt ihn anschließend zum Sieden, kocht ihn 10 Minuten lang und gießt dann durch ein Sieb ab. Bei Husten können davon 2 Tassen täglich getrunken werden. Den Tee kann man auch für Waschungen und Umschläge verwenden.

Wissenswertes

Die Pflanze wurde früher als Waschmittel genutzt. Seifenkrautlösung wird auch von manchen Restauratoren zur Reinigung historischer Textilien und Möbelstücke verwendet.

Im Lebensmittelbereich findet Seifenkraut (die wässrige Lösung) als Aufschlagmittel bei der Herstellung von Halva Anwendung, einer Süßwarenspezialität, die besonders aus dem indischen Subkontinent, dem Iran, Aserbaidschan und Zentralasien bekannt ist und in Deutschland in türkischen oder Asia-Läden erworben werden kann.

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Lebensmittelchemiker, Dozent an den Paracelsus Gesundheitsakademien
fh@herfurth.org

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