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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 03/2024

Wenn die gemeinsame Reise zu Ende geht – Tiere in ihren 5 Sterbephasen liebevoll begleiten

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Das Abschiednehmen gehört zu unserem Leben dazu, auch wenn es sehr schwerfällt. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung machen dürfen, dass es Sicherheit geben kann, sich auf das Sterben und Loslassen vorzubereiten. Wenn wir uns selbst und dem natürlichen Prozess vertrauen, können wir unseren geliebten Tierfreunden während der Sterbephasen mit einfachen Dingen Erleichterung ermöglichen, sie begleiten und zum gegebenen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen treffen.

Der Sterbeprozess

Der Sterbeprozess ist bei jedem Tier unterschiedlich. Er kann sehr schnell vonstattengehen, aber sich auch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Zudem hängt es davon ab, ob ein Tier krank oder alt ist. Realistischerweise möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass nicht jedes Tier die gleichen Möglichkeiten hat, einen Sterbeprozess zu durchleben. Ein Unfall oder eine schlimme Krankheit erfordern unter Umständen eine schnelle Entscheidung. Nur selten fallen Tiere krankheitsbedingt scheinbar ohne Grund und Vorwarnung tot um.

Für den Fall, dass der Entschluss gefällt wird, das Tier mit Hilfe eines Tierarztes gehen zu lassen, möchte ich dazu ermutigen, es bis zuletzt zu begleiten. Dem Tier das Hinübergleiten zu Hause im gewohnten Umfeld zu ermöglichen, den Sterbeprozess gemeinsam zu durchleben, mit all seinen Facetten, kann sehr kostbar sein. Möglicherweise ist dies nicht für jeden Tierbesitzer eine Option, aber es kann je nach Lebenssituation und Tier eine unbezahlbare Art des Abschieds bedeuten. Insofern möchte ich Sie darin bestärken: Gehen Sie den Weg so weit, wie es für Sie und Ihr Tier möglich ist. Machen Sie sich keinen Druck, hören Sie auf ihr Bauchgefühl – egal, in welche Richtung die Entscheidung am Ende ausfällt.

Die 5 Sterbephasen

Werfen wir nun einen Blick auf die Sterbephasen. Bitte beachten Sie, dass es im Einzelfall Ausnahmen gibt, die nach einem anderen Muster ablaufen. Gerade, was den zeitlichen Aspekt betrifft, kann es Unterschiede geben. In der Regel kann man sich aber an folgendem Ablauf orientieren:

Phase 1: Entscheidung

Das Tier nimmt noch am Leben teil, frisst und zeigt nach wie vor Lebensfreude. Alles geht jedoch etwas langsamer, das Tier arrangiert sich mit der Situation und schläft viel. Die Richtung ist schon leicht erkennbar. Die Befindlichkeiten schwanken von Tag zu Tag – eine Prognose kann noch nicht gestellt werden.

Phase 2: Abbau

Das Tier verweigert nun die Nahrungsaufnahme und sucht sich ein ruhiges, meist kühles Plätzchen. Der Körper greift zu diesem Zeitpunkt auf seine Reserven zurück, der Metabolismus wird immer weiter reduziert, sodass der Organismus zunehmend von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen überschwemmt wird. Es entsteht ein wahrnehmbarer Aceton-Geruch. Das Tier wirkt apathisch und schläft komatös. Es kann mitunter zu Lautäußerungen kommen, die jedoch nicht als Schmerz zu interpretieren sind. In den meisten Fällen verläuft diese Phase allerdings ruhig und friedlich. Wichtig sind jetzt Ruhe und Klarheit seitens des Tierbesitzers. Phase 2 kann wenige Stunden bis zu 2 Tagen dauern.

Phase 3: Rückwärts-Geburt

Das Tier blüht plötzlich wieder auf, als ob es überprüft, ob die Zeit zu gehen wirklich gekommen ist. Die letzten Energiereserven werden aktiviert, sodass das Tier beinahe gesund wirkt. Sind die Reserven aufgebraucht, fällt alles in sich zusammen. Das Schmerzempfinden steigt, was zu starken Lautäußerungen, Zittern oder Krämpfen führen kann. Dies ist für Tierbesitzer meist schwer zu ertragen. Hier hilft nur, Ruhe zu bewahren und Vertrauen in den Prozess zu fassen.

Diese Phase wirkt wie eine rückwärts ablaufende Geburt mit wellenartig aufkommenden „Wehen“. Der nun stattfindende Ablöseprozess ist wichtig, um in Einklang zu kommen und den Körper friedlich zurückzulassen. Es kann zu diesem Zeitpunkt zu Absonderungen aus Nase, Ohren, Augen und Mund kommen. Auch Erbrechen und Durchfall treten oftmals auf. Das kann als letzte Entgiftungsreaktion gewertet werden. Diese Phase kann Minuten bis hin zu Stunden andauern.

Phase 4: Ruhe nach dem Sturm

Alles kommt zur Ruhe und ist friedlich. Leben andere Tiere im Haushalt, gesellen sich diese nun oft hinzu. Die Körpertemperatur des sterbenden Tieres sinkt deutlich spürbar ab. Die restlichen Körperfunktionen sind auf ein Minimum reduziert. Die Atmung ist langsam, mit Schwerpunkt auf Ausatmen. Es wird keine unnötige Energie mehr verbraucht. Der Blick ist bereits ins Jenseits gerichtet. Ein neurologischer Reflex kann eine Schnappatmung auslösen, die nichts mit Ersticken zu tun hat. Tierhalter können ihren Liebling jetzt noch einmal in den Arm nehmen und ein letztes Mal die kostbare Nähe genießen.

Phase 5: Auflösung

Lange Pausen entstehen vor dem nächsten Einatmen, bis es zum erwarteten Atem- und Herzstillstand kommt. Sobald das Herz aufgehört hat zu schlagen, ist die Wandlung von der physischen zur feinstofflichen Existenz vollzogen. Auf körperlicher Ebene kann es sein, dass noch einige Zeit später Luft aus der Lunge entweicht oder Blut und Körperflüssigkeiten aus Körperöffnungen fließen. Auch Zuckungen sind nachträglich möglich.

Manche Menschen öffnen ein Fenster, wenn der Tod eingetreten ist, sodass das Tier auch auf seelischer Ebene verabschiedet werden kann. Eine Kerze anzuzünden kann ein passendes und stimmungsvolles Ritual sein. Nun ist es für Tierhalter wichtig, sich Zeit für ihre Trauer zu nehmen.

Meine Werkzeuge

Im Laufe der Zeit habe ich meine bevorzugten Verfahren mit Bezug zur Sterbebegleitung zusammengetragen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit geworden und stellen für mich neben der naturheilkundlichmedizinischen Ebene eine wertvolle und aus meiner Praxis nicht mehr wegzudenkende Komponente dar.

Tierkommunikation

Es ist ausgesprochen vorteilhaft, auch für den Tierbesitzer, in jeder Phase des Sterbeprozesses im engen Kontakt mit dem Tier zu bleiben. Was ist in diesem Moment gerade wichtig, was kann man Gutes tun, wie kann man helfen, was möchte das Tier gerne fressen oder trinken, was möchte es noch mitteilen? Wünscht es die Unterstützung eines Tierarztes zum Hinübergleiten? All das kann in einer Tierkommunikation erfragt werden. Es können auch Fragen des Tierbesitzers einfließen, die ihm wichtig sind. Oft jedoch möchte dieser das Tier nur von seiner Liebe zu ihm wissen lassen.

Farbtherapie

Die Therapie mit Farben kennt man seit Jahrtausenden, es handelt sich um eine der ältesten Behandlungsformen. Sonnenlicht und farbiges Licht haben tiefgreifende Wirkungen auf Körper und Psyche, wie wir heute wissen. Auch Tiere reagieren sehr gut auf Farben, welche man individuell abgestimmt und gezielt einsetzen kann. Dabei kann man punktuell Impulse setzen oder den ganzen Körper bestrahlen.

Gerade in der Sterbebegleitung ist diese sanfte Therapiemethode eine Anwendung erster Wahl, da sie auch von Ungeübten leicht einzusetzen ist. So kann man z.B. einfach eine Taschenlampe mit einer Farbfolie verwenden. Auch kann eine Decke, ein Handtuch oder ein Kleidungsstück mit der entsprechenden Farbe in die Nähe des Tieres gelegt werden, um es in seinen Sterbephasen zu unterstützen.

Arbeit mit Chakren

Auch Tiere verfügen über verschiedene Energiekörper und -zentren, wo unverarbeitete Ereignisse, Störfelder und Blockaden anhaften können. Die Arbeit mit Aura und Chakren kann helfen, Themen aufzuspüren, die noch vor dem Abschied bearbeitet werden möchten. Eine große Rolle spielen hier im Allgemeinen wieder die Farben. Den 7 Hauptchakren sind z.B. jeweils eine Farbe und verschiedene Themen zugeordnet, welche aufschlussreiche Hinweise geben können. Die Farben passen sich dem Sterbeprozess an, sollten aber ihren passenden Platz einnehmen können.

Jin Shin Jyutsu

Bei Jin Shin Jyutsu (Heilströmen) handelt es sich um eine alte japanische Kunst, die hervorragend in den Sterbeprozess integriert werden kann. Die Methode arbeitet mit 26 Sicherheitsenergieschlössern (SES) auf der linken und rechten Körperseite, welche über Energieströme (Organströme), ähnlich den Meridianen der TCM, miteinander verbunden sind. Besteht ein Ungleichgewicht oder eine Blockade in einem der SES, so kann es zu einem körperlichen Symptom kommen. Durch spezielle, gezielt gesetzte Handpositionen kann dem Tier allgemein oder symptombezogen Erleichterung verschafft werden. Sehr wertvoll sind Kurzgriffe, mit denen z.B. ein komplexer Organstrom zusammengefasst wird. Diese sind einfach anzuwenden und nicht zeitintensiv, sodass der Tierbesitzer, wenn gewünscht, auch aktiv mit einbezogen werden kann.

Tipps zur Unterstützung

Sterbephase 1
SES 12 liegt auf Höhe des 4. Halswirbels neben der HWS (ungefähr Halsmitte). Es stärkt das Vertrauen und kann helfen, emotionale Spannungen und Nervenschmerzen zu lösen.

SES 23 befindet sich am Rücken an der Wirbelsäule auf Höhe der letzten Rippe. Es kann bei Ängsten unterstützen, Vertrauen bringen, Stress abbauen und Muskeln entspannen.

Beide gemeinsam ergeben den Kurzgriff „Blasenstrom“. Wenn möglich, sollten rechte und linke Seite bearbeitet werden.

Farbtherapeutisch kann in dieser Phase Gelb im Wechsel mit Orange guttun (2x täglich für 30 Minuten). Gelb schafft Ausgleich, Orange wirkt anregend. Ich empfehle eine Ganzkörperbestrahlung.

Sterbephase 2
SES 4 befindet sich im Nacken an der Schädelbasis, links und rechts neben dem 1. Halswirbel. Es kann das Urvertrauen stärken, bei Unruhe helfen und alte Traumata lösen.

SES 13 liegt am Brustkorb, etwas unterhalb der 3. Rippe. Es kann bei Ausscheidungen helfen, beruhigen und Spannungen lösen.

Ich empfehle, die Punkte stets beidseits zu bearbeiten.

Blau kann in dieser Phase beruhigend wirken (je nach Bedarf für 30 Minuten als Ganzkörperbestrahlung).

Sterbephase 3
SES 5 befindet sich an der Innenseite des Hinterbeins am Sprunggelenk. Es kann Schmerzen lindern, zudem bei Ängsten und Unsicherheit angewendet werden.

SES 16 ist an der Außenseite des Sprunggelenks zu finden und kann angstmindernd, krampflösend und muskellockernd wirken. Es unterstützt außerdem die Wandlung.

Es sollten beide Seiten geströmt werden.

Zusätzlich kann Grün im Wechsel mit Blau eingesetzt werden (30 Minuten Ganzkörperbestrahlung). Grün kann reinigend wirken und bringt ins Gleichgewicht.

Sterbephase 4 SES 12 (Beschreibung siehe Phase 1) kann bei emotionalen Spannungen und Nervenschmerzen helfen.

SES 14 ist auf der Bauchseite unterhalb des letzten Rippenbogens und wirkt ausgleichend sowie krampflösend.

Möglicherweise kann das Tier nur noch auf einer Seite geströmt werden. Das ist jetzt vollkommen ausreichend.

Farbtherapeutisch kann Violett wohltuend sein (Dauerbestrahlung des gesamten Körpers). Durch eine Abdunklung des Zimmers kann die transformierende Kraft der Farbe verstärkt werden.

Sterbephase 5 SES 11 liegt neben dem 1. Brustwirbel. Es kann den Atem unterstützen und Angst mindern. Hier geht es um Loslassen auf allen Ebenen.

SES 19 befindet sich in der Ellenbeuge, man kann es auch von außen halten. Es steht für inneres und äußeres Gleichgewicht, Vollkommenheit und Ablösung.

Wie in Phase 4 beschrieben, ist es in Ordnung, wenn das Tier nur noch auf einer Seite geströmt werden kann.

Violett kann auch in dieser letzten Sterbephase hilfreich sein.

Fallstudie: Abschied

Ich erhalte einen Anruf einer älteren Dame, die mich um einen Termin für ihren Kater Elvis (Abb. 6) bittet, ihr „Ein und Alles“. Zu diesem Zeitpunkt ist dieser bereits 17 Jahre alt. Er hat Herzprobleme, Arthrose in den Gelenken und beginnende Demenz. Die Besitzerin ist sehr besorgt, weil sein Befinden täglich schwankt. Medikamentös ist Elvis von seinem Tierarzt sehr gut eingestellt worden. Naturheilkundlich stimme ich eine Vorgehensweise auf die Gesamtsituation des Katers ab.

Verlauf

Es ist erkennbar, dass sich Elvis derzeit in Sterbephase 1 befindet, woraufhin seine Besitzerin eine zusätzliche energetische Begleitung meinerseits wünscht. Ab diesem Zeitpunkt besuche ich die beiden wöchentlich. Der Schwerpunkt liegt auf der Anwendung von Farben sowie einer Aura- und Chakrenbehandlung (Abb. 7). Äußerlich nutze ich eine Farblampe. Auf energetischer Ebene überprüfe ich, ob Störfelder vorhanden sind und ob jedes Chakra „seine“ Farbe hat. Elvis genießt die Behandlungen, er ist jedes Mal danach tiefenentspannt und schläft meistens ein (Abb. 8).

Mit der Besitzerin tausche ich mich engmaschig aus und bereite sie auf alle Eventualitäten vor. Ich zeige ihr, welche kleinen Hilfsmittel sie zu welchem Zeitpunkt nutzen kann (z.B. Farben), da ihr Kater immer öfter wegen Atemproblemen zum Tierarzt muss.

Abschied

Ich begleite Elvis über fast 2 Jahre. Es ist lange nicht deutlich, ob er in die nächste Sterbephase wechseln wird. Dann geht alles merklich schnell: Ganz friedlich durchläuft er in kürzester Zeit alle Sterbephasen und entschläft im Beisein seiner Besitzerin.

Fazit

Der Abschied von einem geliebten Tier kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit geschehen. Es ist daher Gold wert, sich als Behandler und auch als Besitzer mit den Sterbephasen eines Tieres und verschiedenen Methoden, mit denen man den Prozess begleiten kann, zu befassen. Wie eingangs erwähnt, gibt dies Sicherheit und nimmt die Angst vor dem Ungewissen. So kann man lernen, auf den natürlichen Prozess zu vertrauen und zu gegebener Zeit eine Entscheidung treffen.

Melanie Kessler
Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin für Hunde und Katzen (ATN), Schwerpunkte: Tierkommunikation, Jin Shin Jyutsu, systemische Beratung info@melanie-kessler.de

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