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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 4/2022

Unsere Heilpflanze: Frauenmantel – Alchemilla sp.

Auch bekannt als: Echter Sinau, Tauschüsselchen, Alchemistenkraut, Mutterkraut, Frauentrost, Allerfrauenheil, Marienmantel, Hasenmantel, Taukraut, Löwenfuß, Frauenrock, Wundwurz

Der Frauenmantel gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Es gibt weltweit über 1000 Arten, wovon ca. 300 in Europa heimisch sind. Eine Unterscheidung ist oft nur schwer möglich. Verbreitet ist er in Europa, Asien und Ostafrika, vorwiegend in Gebirgen. Auf gedüngten Wiesen kommt der Frauenmantel häufig in großen Mengen vor. Es handelt sich um krautige bis strauchförmige Pflanzen, die viel Licht benötigen. Eine ausreichende Wasserversorgung ist wichtig. In kälteren Monaten (außer in milden Wintern) ist ein Frostschutz notwendig.

Der deutsche Name Frauenmantel rührt von der Ähnlichkeit der gefältelten Blätter mit dem dargestellten Mantel auf mittelalterlichen Marienbildnissen. Dahingegen leitet sich der lateinische Name Alchemilla von „Alchemie“ ab und bedeutet „kleine Alchemistin“. Alchemisten sammelten einst in der Morgendämmerung die Tautropfen von den Blättern der Pflanze ein, da diese Wunderkräfte besitzen sollten. Selbst an Tagen, an denen auf anderen Pflanzen kein Tau zu sehen war, fanden sie sich auf dem Frauenmantel.

Den Tau verwendeten Alchemisten bei ihren Versuchen zur Goldherstellung. Der Grund für das angesprochene Phänomen ist die Guttation. Dabei wird bei hoher Luftfeuchtigkeit und eingeschränkter Verdunstung Wasser in Tropfenform ausgeschieden, das aus winzigen Wasserspalten an den Zähnchen der Blattränder austritt.

Woran erkennt man den Frauenmantel?

Es handelt sich um sommergrüne Zwerg- oder Halbsträucher, die 20-50 cm hoch werden. Die je nach Art unterschiedliche Behaarung steht an den Stängeln und Blattstielen größtenteils senkrecht ab. Die Blätter selbst sind grundständig. Die Blüten sind klein und unscheinbar, sie besitzen keine Kronblätter. Im Gegensatz zu den Blattstielen sind ihre Stiele unbehaart und kahl. Die Pflanze blüht zwischen Mai und Juli.

Wie wirkt der Frauenmantel?

Frauenmantel wird bei leichten Durchfallerkrankungen und Magen-Darm-Störungen eingesetzt. Weiter kommt er als Gurgelwasser und – wegen der enthaltenen Gerbstoffe – als Wundheilmittel zum Einsatz. Eine Reihe von Beschwerden und Erkrankungen der Haut wird mit Frauenmantel behandelt, u.a. Geschwüre, Ekzeme und Akne in der Pubertät.

Es wurde herausgefunden, dass Frauenmantel die Zellmutationsrate herabsetzt und daher einen hohen Stellenwert in der Krebsvorbeugung besitzt. In Tierversuchsstudien zeigte sich eine vollständige Unterdrückung von Brustkrebstumoren, was wahrscheinlich auf den zytotoxischen Inhaltsstoff Agrimoniin zurückzuführen ist. Frauenmantel verbessert die Nährstoffversorgung des Uterus und hilft so bei der Verhinderung von Aborten.

In der Volksmedizin verwendet man den Frauenmantel bei „Frauenleiden“ (auch daher vielleicht der Name), z.B. bei Regelschmerzen oder im Klimakterium. Zur Verbesserung von Pigmentflecken wird eine Salbe aus Malve, Pfefferminze, Schlüsselblume, Frauenmantel, Ehrenpreis, Melisse und Schafgarbe angewandt. Die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) hat als Anwendungsgebiete auch gastrointestinale Beschwerden und Menstruationsschmerzen anerkannt.

Eigenschaften

  • adstringierend
  • beruhigend
  • blutbildend
  • blutreinigend
  • blutstillend
  • harntreibend
  • krampflösend
  • laktationsfördernd
  • tonisierend

Anwendungsgebiete

  • Appetitlosigkeit
  • Arteriosklerose
  • Asthma
  • Ausfluss
  • Bindehautentzündung
  • Diabetes
  • Durchfall
  • Erkältung
  • Fieber
  • Furunkel und Geschwüre
  • Gebärmutterstärkung während der Schwangerschaft
  • Gefäßleiden
  • Halsschmerzen
  • Hautunreinheiten und Ekzeme
  • Herzschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Lidrandentzündung
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden
  • Nachtschweiß
  • Nierenschwäche
  • Ödeme
  • Schlafstörungen
  • Verletzungen und Wunden
  • Zahnfleischentzündungen

Welche Wirkstoffe sind im Frauenmantel enthalten?

Frauenmantel enthält Gerbstoffe (6-8%), darunter überwiegend Ellagitannine wie Agrimoniin als Hauptkomponente (3,5%), Pedunculagin (1,2%) und Laevigatin F, daneben Gallotannine und Flavonoide (etwa 2%), v.a. mit Quercetinglykosiden und Leukocyanidin. Bei Agrimoniin handelt es sich um ein „Antitumor-Tannin“, das man aus der Agrimonia pilosa (Chin. Odermennig) kennt und das Interleukin-1 induziert.

Welche Teile des Frauenmantels werden medizinisch verwendet?

Als Arznei kommt Alchemillae herba (Herba Alchemillae), das Frauenmantelkraut, zum Einsatz. Es handelt sich um zur Blütezeit gesammelte, ganze oder geschnittene und getrocknete oberirdische Teile der Pflanze. In der Droge ist ein Mindestgehalt an Gerbstoffen vorgeschrieben.

Anwendung

Frauenmantel wird am besten in Form eines Tees gereicht, wozu man 3-4 TL des Krautes mit 150 ml heißem Wasser übergießt, das Ganze 10 Minuten stehen lässt und es dann durch ein Teesieb gibt. Von diesem Tee (frisch zubereitet) trinkt man täglich bis zu drei Tassen warm zwischen den Mahlzeiten.

Eine weitere Anwendung ist das Frauenmantelbad, das u.a. bei Scheidenentzündungen sehr hilfreich ist. Dazu mischt man zu gleichen Teilen Brombeerblätter, Frauenmantelkraut, Salbeiblätter und Taubnesselblüten. 4-5 EL davon gibt man in 1 Liter kochendes Wasser und lässt dies 10-15 Minuten ziehen. Dann abseihen und den Aufguss ins Badewasser geben. Idealerweise verwendet man eine Sitzbadewanne. Nach 10 Minuten sollte man die Anwendung beenden.

Wissenswertes

Bei den alten Germanen war der Frauenmantel der Göttin Frigga gewidmet. Sie war für das Heim und den Kindersegen zuständig.

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Lebensmittelchemiker, Dozent an den Paracelsus Schulen
fh@herfurth.org

Fotos: © irottlaender / adobe.stock.com, © ekim / adobe.stock.com

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