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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 01/2024

Aktuelles aus dem VFP

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Psychisch bedingte Krankheitstage erneut gestiegen

Laut Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit lag die Zahl der Fehltage wegen psychischer Krankheiten im Jahr 2022 rund 5% über dem Wert von 2021. Zusammengerechnet gingen 2022 für 132 Millionen Tage Krankmeldungen wegen psychischer Probleme ein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel (spiegel.de/panorama, 27.12.2023). Die größte Belastung spüren demnach Menschen in der Verwaltung, dem Gesundheitssektor, in Schulen und Kitas. Von dort kommen deutlich mehr Krankmeldungen als aus anderen Berufen. Am wenigsten Krankmeldungen wegen psychischer Belastung kamen aus der Landwirtschaft und der Baubranche. Der Trend zu immer mehr psychisch bedingten Beeinträchtigungen und daraus folgenden Krankheitstagen setzt sich damit fort. Die volkswirtschaftlichen Kosten für diese Ausfälle betrugen 2022 über 17,2 Milliarden Euro.

ChatGPT und Depressionen

Die Forscher Inbar Levkovich und Zohar Elyoseph haben untersucht, welche Therapieempfehlungen ChatGPT für leichte bis mittelschwere Depressionen geben würde (Dt. Ärzteblatt, 20.10.2023). Dafür verglichen sie jene des KI-Chatbots mit denen von 1249 französischen Allgemeinmedizinern. Es zeigte sich, dass ChatGPT präziser darin war, die Behandlung in Einklang mit den klinischen Leitlinien zu bringen. In leichten Fällen empfahlen 4,3% der französischen Hausärzte in Übereinstimmung mit der Leitlinie lediglich eine Überweisung zur Psychotherapie. Chat-GPT-3.5 dagegen wählte diese Optionen in 95% der Fälle aus, ChatGPT-4 in 97,5%. Die meisten Ärzte schlugen entweder eine alleinige medikamentöse Behandlung vor (48%) oder eine Psychotherapie in Kombination mit Medikamenten (32,5%). Auch bei der Behandlung schwerer Depressionen entsprachen die Empfehlungen des KI-Chatbots deutlich eher den Leitlinien, als die Entscheidungen der Ärzte.

Levkovich und Elyoseph kommen zu dem Ergebnis, dass ChatGPT das Potenzial habe, die Entscheidungsfindung in der Primärversorgung zu verbessern. Dennoch könne das Programm bei Diagnose oder Behandlung einer Depression niemals ein Ersatz für die Beurteilung durch einen Menschen sein. Zu bedenken seien auch Datenschutz und -sicherheit, die angesichts der sensiblen Natur von Daten zur psychischen Gesundheit als von größter Bedeutung eingestuft werden müssen.

Weitere Belege für die Folgen der zahlreichen Krisen

Laut Ärztezeitung bestätigt eine Studie der Pronova BKK, dass die Vielzahl an Krisen die Menschen in Deutschland psychisch stark belastet. Im Rahmen der Studie waren 150 Psychiater und Psychotherapeuten befragt worden. 87% sagten aus, dass Ukraine-Krieg, Inflation, Corona-Folgen und Klimakrise einen „besonders negativen“ Einfluss auf die Psyche ihrer Patienten hätten, v.a. Zukunftsängste und finanzielle Sorgen lösten psychische Beschwerden aus. Am häufigsten diagnostiziert wurden Angststörungen. Diese Entwicklung sei seit Beginn der Corona-Pandemie zu beobachten. Angesichts des hohen Bedarfs an psychotherapeutischer Unterstützung würden zwar 60% der Befragten digitale Gesundheitsangebote als zumindest eingeschränkte Hilfe einschätzen. Wichtiger seien aber mehr und schneller verfügbare Therapieplätze.

Dr. paed. Werner Weishaupt
Heilpraktiker für Psychotherapie, Dozent für Kinesiologie und Psychotherapie, Präsident des VFP e.V., Autor
dr.weishaupt@vfp.de

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