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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 01/2024

Darmsanierung Re´set

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FUNDIERTES PROGRAMM FÜR DEN THERAPEUTISCHEN ALLTAG

In der therapeutischen Praxis gibt es viele sinnvolle, wissenschaftlich fundierte und erfahrungsbasierte Ansätze, die alle ihre Berechtigung haben. Egal, ob traditionelle Heilkunst oder evidenzbasierte Medizin, der Verdauungstrakt – der Darm und das Mikrobiom mit Billionen von Bakterien, Viren und Pilzen – ist oft der wichtigste Ansatzpunkt in der Therapie. Der Darm, auch „unser zweites Gehirn” genannt, spielt eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit. Er übernimmt nicht nur die Nährstoffaufnahme, sondern ist auch ein zentrales Organ unseres Immunsystems. Ein gesunder Darm ist grundlegend für ein stabiles Immunsystem und unser allgemeines Wohlbefinden.

Aufgaben des Darms

Der Verdauungstrakt erstreckt sich vom Mund bis zum Anus, und jeder Abschnitt erfüllt spezifische Funktionen: Primär geht es um die Verdauung von Nahrungsmitteln und die Aufnahme von Nährstoffen. Doch der Darm reguliert auch den Wasserhaushalt, produziert lebenswichtige Vitamine und verteidigt gegen Krankheitserreger. Mit einer Länge von 7-9 m ist das nach innen gestülpte Verdauungsrohr beeindruckend lang. Besonders der Dünndarm und Dickdarm, die für die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen ausreichend Resorptionsfläche benötigen, erzeugen mit Faltungen, Mikrovilli und Zotten eine Oberflächenvergrößerung um das 60- bis 120-fache – so groß wie ein halber Badmintonplatz (1). Im Vergleich zu Haut, Lunge, Genital- und Harnwegen bietet der Darm die größte Kontaktfläche zur Außenwelt, was sowohl Kontaktund Interaktionsfläche als auch ein erhöhtes Störungspotenzial durch äußere und innere Faktoren wie Nahrungsstörungen, Umweltgifte und chronischen Stress darstellt.

Um Schadstoffe und Erreger abzuwehren und selektiv Nährstoffe aufzunehmen, hat sich eine bemerkenswerte Barriere entwickelt, die in drei Hauptbereiche eingeteilt werden kann:

1

Die erste Schutzebene ist der Mukus oder Darmschleim, bestehend aus Darmbakterien, Viren und Pilzen (Mikrobiom), sowie körpereigenen Sekreten und Schutzstoffen wie Immunglobuline, Lysozym und Lactoferrin.

2

Die zweite Schutzebene ist die Darmschleimhaut, die aus körpereigenen Darmzellen besteht. Sie nimmt über diverse Rezeptoren und Transporter Nährstoffe auf, lässt gleichzeitig schädliche Substanzen und Pathogene nicht eindringen und steuert die Produktion von Mukus und Gewebshormonen, die in das Darmlumen abgegeben werden.

3

Die dritte Schutzebene ist das Darm-assoziierte Immunsystem. Hier siedeln sich Immunzellen direkt hinter der Barriere in lymphatischen Geweben an, um aufgenommene Stoffe zu überprüfen oder direkte Abwehrreaktionen einzuleiten. Im physiologischen Zustand befinden sich hier 70-80% aller Immunzellen (2).

Dieses ausgeklügelte System ist für die gesamte Funktionsweise des menschlichen Organismus wichtig, aber auch anfällig für Störungen von innen und außen.

Konnektivität: Mikrobiom-DarmGehirn-Achse

Das komplexe System endet nicht lokal im Darm. Immer mehr zeigt die Forschung die Verbindung zwischen den Mikroorganismen des Mikrobioms, Darmgewebe und enterischem Nervensystem, dem Immunsystem und der Verbindung über Botenstoffe und Nervenfasern zum Zentralen Nervensystem. Die Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse zeigt, dass eine gesunde Darmflora nicht nur den Magen-Darm-Trakt beeinflusst, sondern auch Auswirkungen auf die mentale Gesundheit hat. Ein Ungleichgewicht im Darm kann zu Stimmungsproblemen, Angstzuständen oder Depressionen führen (3).

Beschwerden im Verdauungstrakt und deren Verbreitung in Deutschland

Funktionelle Verdauungsbeschwerden betreffen einen von fünf Menschen (4). Nach Meinungsforschungs-Instituten sogar etwa 70% der Bevölkerung in Deutschland, die gelegentlich bis regelmäßig Verdauungsbeschwerden haben. Statistiken zeigen, dass Millionen von Menschen (ca. 11% der Weltbevölkerung) unter Problemen wie Reizdarmsyndrom, Blähungen, Durchfall, Schmerzen oder Verstopfung leiden, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann (5). Die Ursachen sind vielfältig und die Beschwerden enden dabei oft nicht im Magen-Darm-Trakt, sondern können auch mit anderen Krankheitsbildern wie allergischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht werden, wobei die Ursache oder zumindest die Assoziation oft im Darm, Mikrobiom oder Immunsystem zu finden ist (6).

Störung der Darmbarriere, Darmassoziiertes Immunsystem und Mikrobiom

Fehlbesiedelungen der Darmflora, auch als Dysbiose bezeichnet, verminderte Produktion und Sekretion von Verdauungssäften und Enzymen, eine übermäßige Durchlässigkeit oder Hyperpermeabilität der Darmbarriere (Leaky Gut), eine chronische Aktivierung des Immunsystems sowie chronische Entzündungen bilden die Ursachen vieler Verdauungsbeschwerden und möglicher Folgeerkrankungen (6). Darunter fallen auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien sowie die Grundlage für die Entstehung anderer nichtübertragbarer chronischer Krankheitsbilder in anderen Körpersystemen (7).

Auslösende Faktoren, Probleme im Lebensstil

Verändertes Mikrobiom, gestörte und durchlässige Darmwand sowie ein chronisch aktives Immunsystem können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden: Fehlernährung, hochkalorische und ungesunde Ernährung, Mangel an Ballaststoffen, fehlende Verdauungssekrete, chronischer Stress (physisch und psychisch), Umweltgifte, bestimmte Nahrungsbestandteile (Barrierestörer) sowie diverse Medikamente (8, 9).

Darmsanierung als Regeneration des gesamten Systems

Es wird deutlich, dass die Regeneration und die Regulation des Darm-Systems im Mittelpunkt vieler Therapien stehen, aber auch präventiv sinnvoll ist. Die Grundlage einer jeden Darmsanierung sollte darin bestehen, die Auslöser zu identifizieren und zu eliminieren sowie die Ursachen zu verstehen und dort anzusetzen.

Dafür hat z.B. art’gerecht das RE’SET-Darmsanierungsprogramm entwickelt. Es handelt sich um ein eigenständig durchführbares Ernährungs- und Lebensstilprogramm mit begleitenden Empfehlungen, Mikronährstoffen und Supplements, das gezielt auf den verschiedenen Ebenen des Darms Effekte erzielen soll.

Die Darmsanierung sollte dabei in vier Phasen erfolgen:

1

Ernährungsumstellung Der Fokus liegt auf einer artgerechter Ernährung mit angepasster Mahlzeitenfrequenz, intermittierendem Fasten, vielfältiger, ballaststoffreicher Nahrung ohne Zusatzstoffe und ohne hohen Grad der Verarbeitung, dabei auch Fisch und Meeresfrüchte, sowie weitere tierische Quellen. Reduktion von Getreide und Lebensmitteln mit vielen Antinährstoffen, darunter bestimmte Saponine und Lektine, sowie Verzicht auf raffinierten Zucker.

2

Richtig verdauen Hier steht die Förderung der Verdauung im Mittelpunkt, um eine optimale Aufspaltung, Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen zu gewährleisten. Enzyme für Verdauung und Stoffwechsel (10) sowie das Immunprotein Lactoferrin (11) können hilfreich sein und sind neben der Nahrungsaufnahme entscheidend.

3

Regeneration der Darmbarriere Die Schleimhautschicht benötigt wichtige Bestandteile aus der Nahrung, um die Durchlässigkeit zu verringern. Hier helfen die Reduktion der Stoffe, die in einer artgerechten Ernährung verringert werden, sowie die Aminosäure L-Glutamin. Letztere, eine häufige Aminosäure im menschlichen Körper, dient der Regeneration des Darmepithels durch Bildung neuer Zell-Zell-Verbindungen, Zellneubildung und Reduzierung der Apoptoserate (12). Empfohlen ist eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen als Präbiotikum in der Nahrung auch in den Präparaten, um die benötigte Menge (ca. 30-40 g pro Tag) zu erreichen.

4

Aufbau der gesunden Darmflora/Mikrobiom Die Verwendung eines Probiotikums ist erst nach den Schritten 1-3 angezeigt. Hier sollte ein breites Spektrum unterschiedlicher „menschlicher“ Stämme verwendet werden für die potenziellen Synergieeffekte zwischen den Bakterien, um mit einem Präparat auch verschiedene individuelle Bedürfnisse und Bedarfe abzudecken und nicht zuletzt die Diversität der Darmflora zu verbessern (13). Die zusätzliche Verwendung probiotischer, fermentierter Lebensmittel, die Teil einer artgerechten Ernährung sind, ist ebenfalls sinnvoll.

Fazit

Das RE’SET-Programm bietet über 30 Tage eine strukturierte Begleitung für Menschen, die präventiv ihre Darmsituation optimieren möchten, aber auch für Patienten und Therapeuten, die den Prozess strukturiert begleiten wollen. Es kann gut in andere Therapieansätze integriert, verlängert oder anhand bestehender Befunde angepasst werden und dient der ganzheitlichen Regeneration des Darmsystems.

Matthias Baum
Heilpraktiker mit Schwerpunkten klinische Psychoneuroimmunologie, funktionelle Labordiagnostik, Mikronährstofftherapie, Ernährungsberatung, Darmgesundheit und Physiotherapie, Gesundheitswissenschaftler, Dozent und Speaker
baum@gesundheitspraxis-altona.de

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