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aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 01/2024

Unsere Heilpflanze

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» Sonnenhüte . Echinacea «

Auch bekannt als: Purpurroter Sonnenhut, (Prärie-)Igelkopf, Kegelblume, Rudbeckie, Sonnenhutkraut, Echinacea intermedia, Brauneria purpurea Sonnenhüte zählen zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Der botanische Name stammt wegen der auffälligen Spreublätter vom griechischen Wort ἐχῖνος (echínos = Seeigel) ab. Es gibt neun Arten, von denen aber nur drei medizinisch genutzt werden:

• Purpurfarbener Sonnenhut (E. purpurea)
• Blassfarbener Sonnenhut (E. pallida)
• Schmalblättriger Sonnenhut (E. angustifolia)

Alle Arten sind im östlichen und zentralen Nordamerika heimisch und wurden bereits von den dortigen Ureinwohnern innerlich und äußerlich genutzt. Die Heilwirkung hat man sich von Elchen und anderen Tieren abgeschaut, die die Pflanze bei Erkrankungen oder Verletzungen gefressen haben.

Woran erkennt man Sonnenhüte?

E. purpurea wird bis zu 1 m hoch und besitzt aufrechte, verzweigte Stängel mit breiten, borstigen Blättern. Der blattlose Stängelteil ist wesentlich kürzer als der beblätterte Teil. Das kann als Unterscheidungsmerkmal zu E. pallida und E. angustifolia dienen, bei denen es andersherum ist. E. angustifolia erreicht Höhen zwischen 40 und 70 cm.

Wie wirken Sonnenhüte?

Die indigenen Völker Nordamerikas kauten die Wurzel bei Hals-, Magen- und Zahnschmerzen. Die Pflanze wurde auch bei Wunden, Kopfschmerzen, Verbrennungen, Lymphdrüsenschwellungen, Insektenstichen, Schlangenbissen, Mumps, Masern und Gonorrhö eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete waren das Chronische Müdigkeitssyndrom, Rheuma, Migräne, Verdauungsstörungen und Schwindel. Dabei ist anzunehmen, dass die Ureinwohner nicht zwischen den einzelnen, untereinander sehr ähnlichen Echinacea-Arten unterschieden haben.

Mehrere Labor- und Tierstudien zeigten, dass der Sonnenhut aktive Substanzen enthält, die das Immunsystem stärken, Schmerzen lindern, Entzündungen verringern sowie hormonelle, antivirale und antioxidative Eigenschaften haben. Die Heilpflanze gilt auch als Mittel bei vaginalen Hefepilzerkrankungen (Candida), Mittelohrentzündungen, Fußpilz, Nebenhöhlenentzündungen und Heuschnupfen.

In Präparaten gegen Muskel- und Gelenkschmerzen sowie zur Behandlung von Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwegen werden Sonnenhüte häufig mit Bärentraube, Goldrute, Hauhechel, Beinwell, Johanniskraut, Ringelblume und Pfefferminze kombiniert.

In einer klinischen Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich die Krankheitsdauer bei grippalen Infekten nach Verabreichung einer alkoholisch-wässrigen Tinktur verkürzt: beim Vorliegen einer bakteriellen Infektion von 13 auf 9,8 Tage, bei viralen Infektionen von 12,9 auf 9,1 Tage. Es wurde ebenfalls eine Besserung der Symptome registriert. Eine weitere Studie zeigte, dass Echinacea-Extrakte eine antivirale Wirkung bei Herpeserkrankungen (Herpes-simplex-Virus) haben. Weitere Anwendungsgebiete sind Mandelentzündungen, Streptokokken-Infektionen, Syphilis, Typhus, Malaria und Diphtherie.

2020 veröffentlichte die Fachzeitschrift „Virology Journal“ eine Studie des Labors Spiez, nach der ein spezielles pflanzliches Präparat gegen Coronaviren wirksam sei. Die Ergebnisse konnten bisher allerdings nur in vitro, also in Petrischalen, gezeigt werden. Die Wirksamkeit in vivo, also beim Menschen, erfordert weitere Untersuchungen und kann nicht vereinheitlicht werden.

Trotz dieser Ergebnisse ist die medizinische Wirksamkeit bis heute nicht vollständig geklärt und der Einsatz nicht durchgängig unterstützt.

Eigenschaften

• antibakteriell
• antibiotisch
• antiviral
• auswurffördernd
• entzündungshemmend
• immunstimulierend
• leberstärkend
• schmerzstillend

Anwendungsgebiete

• Abszesse
• Brandwunden
• Bronchitis
• Eiterbildung
• Entzündungen der Lunge
• Entzündungen der Unterleibsorgane
• Erkältungen und grippale Infekte
• Erysipel
• Furunkel
• Gelenkentzündungen
• Geschwüre
• Halsentzündungen
• Harnleiterentzündungen
• Hauterkrankungen
• Herpes
• Husten
• Immunabwehr
• Infektanfälligkeit
• Insektenstiche
• Karbunkel
• Keuchhusten
• Leichte Verbrennungen
• Nagelbettentzündungen
• Nasennebenhöhlenentzündungen
• Prostatabeschwerden
• Rachenbeschwerden
• Schlecht heilende Wunden
• Schnupfen
• Schuppenflechte
• Unterschenkelgeschwüre
• Wundheilung

Welche Wirkstoffe enthalten Sonnenhüte?

Für die Herstellung von Arzneidrogen wird vorrangig die Wurzel von E. angustifolia verwendet. Deren hauptsächlichen Inhaltstoffe sind Polysaccharide, Alkylamide (v.a. Isobutylamide wie Echinacein) und Polyacetylene. Außerdem enthalten sind Kaffeesäurederivate, z.B. ca. 1% Echinacosid, Caffeoylweinsäure, Cichoriensäure und Cynarin.

Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?

Als Arzneidroge werden das Sonnenhutkraut (E. herba) und die Sonnenhutwurzel (E. radix) genutzt. Für Extrakte wird v.a. Ethanol verwendet. Auch der Presssaft (Succus) aus dem frischen Kraut kommt zum Einsatz. Bei E. purpurea werden feste und flüssige Frischpflanzenzubereitungen aus den oberirdischen Pflanzenteilen (E. purpureae herba) eingesetzt. Bei E. pallidae sind es die getrockneten, im Herbst gesammelten Wurzeln.

Kontraindikationen und Beachtenswertes

• In seltenen Fällen kann es zum Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen, z.B. Juckreiz, Hautausschlag, Gesichtsschwellung, Schwindel, Blutdruckabfall und Atemnot, kommen.
• Präparate mit Blassem Sonnenhut sollten bei fortschreitenden Systemerkrankungen, z.B. Leukämie, Tuberkulose, Multiple Sklerose, HIV-Infektionen, AIDS-Erkrankungen, Chronische Viruserkrankungen, Kollagenosen, Leukosen und anderen Autoimmunerkrankungen, nicht eingesetzt werden.
• Die Anwendung sollte acht Wochen nicht überschreiten.
• Kontraindikationen sind Allergien gegen Korbblütler und die gleichzeitige Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken.

Anwendung

Tinktur: Hierfür übergießt man Sonnenhutwurzeln oder -kraut in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Die Mischung verschlossen 2-6 Wochen ziehen lassen, dann abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Von dieser Tinktur nimmt man 1-3x täglich 10-50 Tropfen ein. Wem die Tinktur zu konzentriert ist, der kann sie auch mit Wasser verdünnen.

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Lebensmittelchemiker, Dozent an den Paracelsus Gesundheitsakademien
fh@herfurth.org

 

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