Impressionen von der Ausbildung zum Personality Coach

Impressionen von der Ausbildung zum Personality Coach
in der Paracelsus-Schule München

Der Blick auf die eigene Landkarte

Vier Uhr nachmittags, es ist der vorletzte Tag von drei langen Wochenenden der Ausbildung zum Personality Coach in der Paracelsus Schule München. Beinahe 100 Lehreinheiten mit Gruppenarbeit, Übungsfällen und Selbsterfahrung liegen hinter den zehn Seminarteilnehmern. Amelie, Kerstin, Heidi, Edeltraud und ihre Kollegen haben das Coaching als ein sehr wirksames Instrument zur Potenzialentwicklung und zum Steuern von Veränderungsprozessen kennen gelernt. Und viel Praxiswissen erworben. Die Befähigung zum Handeln, Selbstreflexion und persönliches Wachstum stehen für den Dozenten, den Coach, Mediator und Trainer Dr. Robert Sturm im Vordergrund.

Coaching Von Anfang an übten die munteren “Coach–Lehrlinge” mit authentischen Fallbeispielen, aber auch mit ihren eigenen Themen. “Ich hätte nie gedacht, dass wir es schaffen, eine Struktur in ungeordnete Gedanken und Gefühle zu bringen”, frohlockt Ursula. “Aber es funktioniert, nicht nur in der Ausbildung, sondern sogar im ‚richtigen Leben’.” Auch ihre Kollegen sammelten bereits Erfahrung mit echten Klienten. “Wir konnten ihnen immer helfen, ein Stück voran zu kommen.” Zu Beginn der Ausbildung teilten die zehn zukünftigen Coachs vor allem eines: das Interesse an der Arbeit mit Menschen. Ansonsten brachten sie die verschiedensten privaten und beruflichen Hintergründe mit: Mutter, BWL–Studium, Personalentwicklung, Versicherungswirtschaft, Veranstaltungsmanagement. Inzwischen haben die Menschen–Entdecker gemeinsam an die hundert Stunden mit Theorie und Übungen verbracht. Sie lernten die Struktur des Coaching–Prozesses kennen, Gesprächsführungs– und Fragetechniken sowie Methoden zur Optimierung der Klienten–Performance und zur Problem–, Krisen– und Konfliktbewältigung.

“Wir machten so unglaublich schnell Fortschritte”, erinnert sich Amelie. “Ganz am Anfang musste ich erst einmal begreifen, was Coaching eigentlich ist. Dass man seinem Klienten nichts abnimmt, sondern dessen Eigenverantwortung stärkt und dessen eigene Ressourcen weckt.” Der nächste Schritt war für sie das konsequente Einüben. “Inzwischen habe ich mehr Ahnung davon, wie man eine Beziehung aufbaut, Gefühle erlebbar macht und zum Kern eines Anliegens vordringt.” Jeannette hatte im Vorfeld ein wenig Bammel verspürt: “Unterrichtszeiten von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr, das klang happig. Aber das Gegenteil trat ein. Ich bin immer voller Energie nach Hause gefahren.” Ähnlich strahlendes Feedback geben die anderen Kursteilnehmer: “Auch für die eigene Persönlichkeit haben die drei Wochenenden unschätzbar viel gebracht: ungewohnte neue Sichtweisen und Erkenntnisse über das eigene Leben, Neugier auf andere und Toleranz für eigene und fremde Verhaltensweisen.”

Persönlichkeitsentwicklung Die (Selbst–)Reflexion ist für den Nürnberger Dozenten das A und O im Coaching–Beruf. Robert Sturm, der sich am freisten in Jeans und Turnschuhen bewegt, setzt auf interdisziplinäres und kollegiales Arbeiten in Netzwerken. Der Unternehmensberater erwarb Diplome und Qualifikationen in Sozial–, Geistes– und Wirtschaftswissenschaften und bildet sich auch heute noch unentwegt weiter. Seit 1988 führt er ein internationales Beratungsunternehmen, das nach wie vor stetig wächst. Inzwischen gehören fast 900 feste und freie Mitarbeiter zu seinem Expertenpool. Robert Sturms Einstieg in das Coaching war eher zufällig: “Ich habe einen befreundeten Unternehmer beim Aufbau seiner Computerfirma unterstützt. Als er vor der Entscheidung “Expansion ins Ausland – ja oder nein” stand, bat er mich zusätzlich um persönliche Beratungsgespräche. Erst dadurch wurde mir klar, dass es einen Bedarf für so eine Dienstleistung gibt. Also habe ich diese Beratungsform zusätzlich zu den Services meiner Firma angeboten: als Begleitung in Veränderungsprozessen. Im Lauf der Zeit gewann ich in diesem Bereich immer mehr Kunden – im Profit– und Non–Profit-Bereich, Fach– und Führungskräfte.”

Und wie hilft er diesen Menschen? “Ganz viel erreiche ich durch die richtigen Fragen” sagt Robert Sturm. “Dadurch motiviere ich den Klienten, genauer hinzuschauen, die eigene Einstellung, Haltung und Verhaltensweisen zu überdenken, in einen neuen Kontext zu stellen, Neues auszuprobieren. Kurz, ich gebe Anstöße, aus der eigenen Landkarte hinauszutreten, gemeinsam mit dem Coach auf Entdeckungsreise zu gehen und eine übergeordnete Perspektive einzunehmen.”

coach Mit viel stärkendem Wissen versorgt, basteln die zehn zukünftigen Coachs heute in zwei Arbeitsgruppen an ihrem Marketingkonzept. Amelie, Heidi, Edeltraud und Kerstin kleben in Gruppe eins ein voll beschriebenes Flipchart nach dem anderen an die Wand. Zu Geschäftsideen und Umsetzungsstrategien ist ihnen schon allerhand eingefallen: “Karriereberatung für Hochschulabsolventen und Existenzgründer” würden sie gern anbieten. Weitere Ideen sind “Raus aus dem Schatten des Ehemanns – Coaching für Frauen” und “Ruhestand – was nun?” In der intensiven Ausbildungszeit wurde ihnen klar: Die Anlässe, wann Menschen einen Coach zu Rate ziehen, sind vielfältig. Jetzt müssen sie nur noch ihre eigene Zielgruppe finden und sich klar positionieren. Nach Meinung von Robert Sturm wird die Nachfrage nach Coaching in den nächsten Jahren weiter steigen: “Alles deutet darauf hin, dass Sinnentleerung und Orientierungslosigkeit eher zu– als abnehmen. Gleichzeitig ändern sich die beruflichen Anforderungen immer rasanter, da brauchen viele Menschen Unterstützung.” Für den Marktstart hat der Dozent wertvolle Tipps parat: “Persönliches Auftreten bei Multiplikatoren ist oft mehr wert als eine Anzeige. Haltet Kontakt miteinander, bildet Netzwerke mit Menschen unterschiedlichster Fachbereiche.”

Auch wenn es anfangs schwer fiel, so langsam hat sich doch mit der Zeit für jede(n) eine eigene Gangrichtung heraus kristallisiert. Jeanette ist sich ganz sicher: “Coaching ist meine Berufung.” Schon immer interessierte sich die Versicherungsfachkauffrau für psychologische Themen. Als sie die betriebsbedingte Kündigung im Briefkasten fand, wusste sie: “Ab heute gehe ich meinen Weg.” Dieser Weg heißt Selbstständigkeit. Heidi wiederum arbeitet in der Personalentwicklung eines großen Unternehmens. Einerseits führt sie bald Coaching als Führungsthema ein, und andererseits hat sie nun selbst mehr Beratungsinstrumente an der Hand. Sechs Jahre lang war Edeltraud Geschäftsführerin eines Seminarhauses für Management– und Persönlichkeitsentwicklung. Vor drei Jahren machte sie sich als Lerntherapeutin für Kinder selbstständig. Jetzt plant sie, ihr Portfolio für Eltern und Jugendliche um den Baustein Coaching zu erweitern.

Morgen haben die zukünftigen Coachs noch ihre Prüfung bei Robert Sturm, danach wollen sie das Gelernte Schritt für Schritt in die Praxis umsetzen. Folgendes Ziel hat ihnen Robert Sturm vorgeschlagen: “Ein guter Coach steigert die Ressourcen – unter anderem die Handlungsfähigkeit – des Kunden und macht sich in der Folge selbst entbehrlich.”