Impressionen vom Mediationskurs
in der Paracelsus-Schule München

 

Die soften Streitvermittler

“Du redest mit allen möglichen Leuten, aber nie mit mir.” – “Dummes Zeug. Du hörst mir einfach nie zu.” Ein Standard-Konflikt: Zwei zerstrittene Rechthaber sehen nur die eigene Wahrheit und kommen einfach nicht zusammen. Weil Petra und Claudia bei ihren Freunden und Bekannten schon immer versucht haben, Wogen zu glätten und Frieden zu stiften, haben sie sich im letzten Frühjahr zur Mediations-Ausbildung in München angemeldet.


Mediationsfilme:
Ein Blick auf die Mitbewerber

Mediation heißt Vermittlung in Konflikten. Dieser Beruf scheint eine Zukunft zu haben, denn Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht vermeiden. So und ähnlich denken die elf Kursteilnehmer. Am ersten Freitag vor dem ersten langen Mediations-Wochenende schnattern sie aufgeregt durcheinander. Auf was haben sie sich da eingelassen? Wird sich die Ausbildung lohnen? Haben wir als Mediatoren eine Chance?

Die frischgebackenen Paracelsus-Schüler sind zwischen 30 und 60 Jahre alt und suchen ein neues Betätigungsfeld. Bei Anna, Ulrike und Reinhilde sind die Kinder inzwischen flügge, und der Media Designer Rainer engagiert sich schon seit Jahren ehrenamtlich für Jugendliche. “Da kann ein bisschen Handwerkszeug nichts schaden.” Renate ist in der Paracelsus-Schule beinahe zu Hause. Jeden Vormittag büffelt sie im Intensivkurs zur “Fachtherapeutin für Psychotherapie”. “Zusätzlich will ich eine Art ‚Katalysatorin von Kommunikation’ sein.”

Mit seinem schweren silbernen Moderatorenkoffer, zwei Rollen Flipcharts und einer Kiste voll Bücher und Skripten turnt endlich der Nürnberger Mediator Robert Sturm in das Klassenzimmer. Seine Unternehmensberatung hat Zweigstellen in Florida, Spanien, Brasilien und der Schweiz. Privatpersonen, Institutionen, Unternehmen, Stadträte und Bürgerinitiativen holen den unkonventionellen Dozenten, der am liebsten Jeans und Turnschuhe trägt, zur Konfliktvermittlung.

“Mediation ist konstruktive Konfliktbearbeitung. Am Ende soll eine verbindliche, einvernehmliche und tragfähige Lösung stehen, die alle Beteiligten zu Gewinnern macht” sagt Robert Sturm im Unterricht. Allerdings verrät der Coach, Diplom-Mediator, und Diplom-Supervisor mit MBA, der auch Heilpädagogik, Gerontologie und Sozialpädagogik studiert hat, diese Definition nicht gleich. Erst einmal lässt er seine zukünftigen Mediatoren-Kollegen mit Flipcharts und in Kleingruppen persönliche Versionen finden.

Später ergänzt er wichtige Punkte und eigene Erfahrungen: “In den Vereinigten Staaten ist die Mediation in verschiedenen Bereichen einem Gerichtsverfahren zwingend vorangestellt. Deutschland muss noch ein wenig aufholen. Doch das Verfahren findet auch hier immer mehr Anhänger und Anwender.” Den Boden hat in Deutschland vor allem die Familien- und Scheidungsmediation bereitet, erfahren die Mediations-Schüler. Und weiter: Inzwischen sind in Städten wie München Mediatoren angestellt. Die Landgerichte Oldenburg, Hildesheim, Hannover und Göttingen haben im Modellversuch Richter zu Mediatoren ausgebildet.


Ein Streithahn – natürlich nur gespielt

Siemens, Motorola, die Maritim-Hotels sowie viele andere Firmen arbeiten mit Mediatoren zusammen. Denn die Mediation spart im Vergleich zu Gerichtsverfahren Zeit und Kosten. Außerdem hilft sie Beziehungen zu bewahren, schont die Nerven der Beteiligten und stärkt die Betroffenen sogar. Das Besondere: Die Streitparteien nehmen die Lösung ihres Problems selbst in die Hand. Dazu müssen sie allerdings bereit sein, daher funktioniert Mediation nicht bei jeder Auseinandersetzung. “Das Ganze klingt fantastisch”, finden die zukünftigen Mediatoren. Nach dem ersten Wochenende stürzen sie sich eifrig auf ihre Unterlagen, schmökern in den empfohlenen Büchern und reden super-einfühlsam mit ihren Ehemännern, Partnern und Kindern. Das Buch “Gewaltfreie Kommunikation” von Marshall B. Rosenberg begeistert sie.


Teamwork: Reines Zuhören geht dem Dozenten gegen den Strich

Lesen ist jedoch nicht alles. Gleich beim ersten Treffen teilt Robert Sturm Rollenbeschreibungen für simulierte Mediationsverfahren aus. Jeder darf mal Mediator sein, der Rest spielt Streitpartei oder Beobachter. Die Fälle stammen alle aus der Realität: Nachbarn, die sich über den Grill am Balkon aufregen, eine Chefin, die mit einem demotivierten Mitarbeiter nicht mehr zurechtkommt, ein Altenheim, das von der Gesundheitsbehörde zurechtgewiesen wurde.

Auf der “Bühne” fliegen die Fetzen. So wappnen sich die zukünftigen Mediatoren für aggressive Klienten. Sie wissen, was sie auf die Beleidigung “Sie sind ja unfähig” antworten werden. Oder wie sie reagieren, wenn eine Partei die Mediation abbrechen will. Kurz, der Part des Mediators, den Petra, Claudia, Rainer und die anderen immer wieder üben, steht und fällt mit dem Kommunikationsgeschick. Juristisches Fachwissen ist dagegen nicht vonnöten. Vielmehr lernen die elf Kursteilnehmer in den zehn Dreitagesblöcken wichtige Grundlagen der Psychologie und Kommunikation kennen. Sie beurteilen Signale der Körpersprache und decken Stresssymptome auf.

Robert Sturm zeigt ihnen, Gespräche mit Betroffenen so zu lenken und balancieren, dass sich jeder gehört und verstanden fühlt. “Ich hätte nie gedacht, dass aktives Zuhören so schwer ist. Man neigt doch dazu, vorschnell seine Schlüsse zu ziehen.” sagt Renate. Aktives Zuhören, eine der Haupttechniken im Mediationsprozess bedeutet, sich ganz in die Welt des Gegenübers einzufühlen und die Inhalte und die mitschwingenden Gefühle richtig wiederzugeben. Diese Technik dient dem gegenseitigen Verständnis und der Selbstklärung der Konfliktgegner. So werden in einer bestimmten Phase der Mediation die Interessen und Bedürfnisse der Streithähne beleuchtet.

Auf diese Weise erkennen sie, was den anderen bewegt und zum Handeln treibt. Wer behauptet, “Du redest nie mit mir”, wünscht sich in Wirklichkeit mehr Interesse. Genauso geht es auch demjenigen, der klagt “Du hörst mir nie zu.” Die zwei “Wahrheiten” stehen jetzt deutlich vor Augen der Betroffenen. Auf der Basis dieses Wissens erarbeiten sie in einem nächsten Schritt kreative Lösungsoptionen, die beiden gerecht werden.

Diese softe Streitbereinigung funktioniert. Nach der einjährigen Ausbildung hospitiert eine Teilnehmerin inzwischen bei einer Münchner Familienmediatorin. “Genau wie wir es gelernt haben, nähern sich die zerstrittenen Partner Schritt für Schritt einander an.” Davon kann auch Petra berichten. Kaum hatte sie ihr Diplom in der Tasche, da mediierte sie schon erfolgreich zwei Bekannte. Erfahrungsgemäß erfolgt der Einstieg in das Berufsfeld aber Schritt für Schritt. “Die meisten Mediatoren arbeiten als Selbstständige und können nicht sofort davon leben”, sagt Robert Sturm.


So sieht ein Mediatorenkoffer aus

Da ist ein durchdachtes Konzept und zielgerichtetes Ansprechen von möglichen Kunden und Multiplikatoren wie Verbänden und Vereinen gefragt. Rainer tüftelt gerade an einem Vorschlag, den er Schulen vorstellen will. Isolina bietet die Mediation zusätzlich zur Lebensberatung an. Reinhilde hat sich auf Streitigkeiten in Familien und zwischen Generationen spezialisiert und arbeitet schon mit den ersten Konfliktparteien. Mitten in der Coburger Innenstadt liegt ihr nagelneues Mediationsbüro, liebevoll eingerichtet, sie fühlt sich mächtig wohl darin. Auch diejenigen, die beruflich noch nicht in die Mediation einsteigen, haben von dem Kurs profitiert: “Es ist jetzt viel leichter, mit Auseinandersetzungen umzugehen”, sagt Claudia.

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